Das Teilen von Absichten in John Searls „Collective Intentions and Actions“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Intuition

3. Das Scheitern der Analyse
3.1 Searls Gegenbeispiel
3.2 Eine Kritik des Gegenbeispiels

4. Kollektive Intentionalität ohne Gruppengeist
4.1 Die Möglichkeit des Irrtums

5. Die Notation
5.1 Die kausale Struktur kooperativen Handelns

6. Die Voraussetzung

7. Der Hintergrund

1.Einleitung

Searles Behandlung des Themas des Teilen von Absichten und des gemeinsamen Handelns sticht unter anderen Konzeptionen hervor. Nach Searles Intuition geht es hier um ein primitives, biologisches Phänomen. Neben seinem Ansatz wirken viele andere Konzeptionen als überintellektualisiert. Ich werde in meiner Hausarbeit Searles Essay „Collektive Intentions and Actions“ besprechen. Ich werde die Gliederung des Essays erläutern und versuchen zu zeigen, wie die drei Abschnitte ineinander übergreifen. Im ersten Teil führt Searle seine Intuition ein und es werden für ihre Plausibilisierung von ihm Beispiele aus dem Phänomenbereich des kooperativen Verhaltens geliefert, die auch eingeführt werden, um sich gegen die Form eines reduktiven, methodoligischen Individualismus auszusprechen. Das Scheitern einer solchen Konzeption soll besprochen und durch von mir konstruierte Beispiele des Phänomenbereichs des Teilens von Absichten weiterhin plausibilisiert werden. Im zweiten Teil des Essays schlägt Searle eine entsprechende Notation oder Formalisierung für die kollektive Intentionalität vor, die Bezug auf die mentale Ebene derer, die an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind, nimmt, sowie auf den (propositionalen) Gehalt ihrer geistigen Einstellung. Diese Notation soll von mir vor dem Hintergrund von Searles Ausführungen zu seiner Handlungs- und Intentionalitätstheorie in einem etwas weiteren Rahmen erläutert werden. Searles Unterfangen, mit seinem Essay das Phänomen des Teilens von Absichten in eine generelle Intentionalitätstheorie zu integrieren, wird dabei von mir nicht eigens weitergehend thematisiert. Die nähere Besprechung der Formalisierung des entsprechenden, intentionalen Phänomens erwies sich von Relevanz für die Besprechung des dritten Teils. Hier führt Searle die Voraussetzungen für die Möglichkeit des Teilens von Absichten ein. Ich werde an dieser Stelle aus weiteren Quellen Searles Konzeption des Hintergrunds ( den „Background“) mit einbeziehen, mit der Searle eine Antwort auf diese Frage zu geben versucht und die im Essay nicht eigens ausformuliert aber angedeutet wird. Ich werde unter diesem Einbezug und in Anbetracht seiner (internalistischen) Konzeption des Geistes versuchen zu prüfen, inwiefern Searle seine Intuition stützen und dem Phänomen aufklärerisch angemessen begegnen kann. Ich möchte dabei auch versuchen zu zeigen, wieso man Schwierigkeiten haben könnte, ein so alltägliches, kulturelles Phänomen mit einem primitiven, psychologischen Mechanismus in Verbindung zu bringen.

2.Die Intuition

Die Grundlagen der Fähigkeit des gemeinsamen, kooperativen Handelns und des Teilens von intentionalen Zuständen sowie z.B. Ansichten, Gefühle, Wünsche, Absichten u.ä. werden nach Searle nicht erlernt, sondern sind angeboren. Das Verhalten von Gruppen, die als Kollektiv etwas gemeinsam tun, wobei jede singuläre Handlung sich als Teil oder Grad an Mitwirkung des übergeordneten, gemeinsamen Unternehmens oder Handelns darstellt, basiert als Gruppen- oder Kollektivverhalten auf einem ganz ursprünglichen, einfachen, psychologischen Mechanismus. In der für die Intentionalitätstheoretiker typische Frage, ob die Intentionalität etwas Vorsprachliches ist oder der Sprache das Primat einzuräumen ist, bezieht Searle Stellung, indem er der Intentionalität den Vorrang gibt. Das Gruppenverhalten lässt sich nach Searle nicht auf eine Summe individueller Handlungsweisen reduzieren. Das Verhalten, das man in Sätzen der Form „ Wir beabsichtigen dies zu tun “ oder „ Wir tun dies “ ausdrücken kann, lässt sich nicht in Form von Sätzen analysieren, die Bezug auf individuelle Absichten und Handlungen nehmen („ Ich beabsichtige, jenes zu tun “ oder „ Ich tue jenes “). Die ersten Sätze nehmen Bezug auf eine verschiedene Form von Intentionalität, die irreduzibel ist.1 Wir haben nach Searle im Bewusstsein quasi ein Ich-Abteil und ein Wir-Abteil.

Searles Intuition lässt sich in drei Thesen zusammenfassen:

1. Es gibt das Phänomen des gemeinsamen Handelns als eigenständiges, primitives Phänomen, das nicht einer bloßen Summierung von individuellen Handlungen entspricht.

2. Der geteilten, kollektiven Absicht („we-intention“) entspricht eine eigene Form der Intentionalität, die sich prinzipiell nicht weiter in Form von individuellen Absichten ( „Iintentions“) und weiteren individuellen intentionalen Zuständen analysieren lässt. Auch wenn diese Einstellungen es den Mitgliedern erlauben, sich gegenseitig die geteilte Absicht zuzuschreiben und zu wissen, dass die jeweils anderen Mitglieder ebenfalls die Zuschreibung vornehmen können.

3. Dass die geteilte Absicht eine einfache, irreduzible Form der Intentionalität bedeutet, muss sich mit folgenden Tatsachen in Einklang bringen lassen:

a) Eine Gruppe setzt sich zusammen aus der Anzahl ihrer Individuen. Man kann einer Gruppe darüber hinaus kein eigenes Bewusstsein oder keinen eigenen Geist zuschreiben.
b) Wenn jede Form von Intentionalität sich auf der mentalen Ebene der jeweiligen Individuen abspielt, muss es möglich sein, dass sich ein Individuum irren kann, was die geteilte Absicht und die Kooperationsbereitschaft anderer Personen angeht. Sogar in Bezug auf die Präsenz anderer Personen und die Ursache oder den propositionalen Gehalt von geistigen Einstellungen, die die Ich-Form haben, muss ein Irrtum möglich sein. Es muss möglich sein, dass ein Gehirn in einem Tank voll Nährlösung, das an einen Computer angeschlossen ist, der ihm eine Simulation der Wirklichkeit generiert, beide Formen von Intentionalität aufweist.

Die erste These wird von Searle mit Beispielen unterstrichen, sie sei weitestgehend unbestritten. Kollektive Verhaltensweisen finden sich nicht nur beim Menschen sondern auch im Tierreich. Seien es zwei Vögel, die ein Nest zusammen bauen oder Tiere, die im Rudel jagen. So ist nach Searle auch die Sprache keine notwendige Voraussetzung des Teilens von Absichten, auch Menschen verstehen sich oft blind, z.B. wenn einer dem anderen hilft, sein Auto anzuschieben, wobei sein Schieben Teil des gemeinsamen Anschiebens ist. Die Fülle von weiteren Beispielen, die man sich ausdenken kann, kann bereits dafür sprechen, dass das Phänomen, so allgegenwärtig es ist, auch ein tief verwurzeltes, einfaches, biologisches Erbe sein kann. So kann es das Fundament vieler spezifisch menschlicher, ausdifferenzierterer Formen des gemeinsamen Handelns oder Teilens von bestimmten intentionalen Zuständen bilden. Dass gemeinsames Handeln mehr ist als eine Summe individueller Handlungen, zeigt Searle anhand eines weiteren Beispiels: Wir können unterscheiden zwischen einer Reihe von individuellen Handlungen, wie die von Parkgästen, die auf einer Wiese sitzen und bei Beginn eines Wolkenbruchs gleichzeitig auf einen Unterstand zulaufen und der Durchführung einer Choreographie, an der verschiedene Darsteller mitwirken, indem sie, rein äußerlich betrachtet, das gleiche Verhalten an den Tag legen. Dieses Beispiel führt auch schon zur zweiten These: Der Unterschied der Verhaltensweisen lässt sich nicht (notwendig) behavioristisch herausfinden, er muss sich dem Betrachter nicht zeigen. Um ihn treffend zu beschreiben, muss auf die mentalen Ebene der Akteure Bezug genommen werden. Die Form der Intentionalität der Personen, die an der Choreographie mitwirken, muss sich unterscheiden von der Form der Intentionalität der Personen, die jeweils für sich den Unterstand anstreben. Die singulären Absichten der Parkgäste müssen nicht aufeinander bezogen sein, wohingegen die einzelnen Absichten der Darsteller einen Teil der kollektiven Absicht, die Choreographie durchzuführen, bilden. Dass die Parkgäste sich gegenseitig die Absicht, den Unterstand zu erreichen zuschreiben können und um diesen Umstand wissen, ändert nichts an der Verschiedenheit der beiden Phänomene. Der Umstand jedoch, dass bei vielen anderen Phänomenen von kollektiver Intentionalität das gemeinsame Handeln sich in Form von verschiedenen, sich ergänzenden, individuellen Handlungsbeiträgen darstellt, die auf eine gemeinsame Absicht zurückgeführt werden können, soll ein weiteres Unterscheidungsmerkmal kennzeichnen. Der Inhalt der gemeinsamen Absicht einer Footballmannschaft z.Bsp., „ Wir vollziehen ein Passspiel “, muss, wenn er erfolgreich geteilt wird, zu entsprechenden abgeleiteten, individuellen Absichten führen, die sich in Form von spezifischen Handlungsbeiträgen der Spieler zeigen („ Ich blocke den Gegner “, „ Ich laufe mich frei “ etc.). Doch dieser Umstand soll nicht zu dem Missverständnis führen, dass das, was die gemeinsame Absicht, den Spielzug auszuführen, auszeichnet, sich in den singulären Absichten der Individuen und der individuellen Handlungen finden lässt. Auch wenn sich durch sie das gemeinsame Tun zusammensetzt. Die Wir-Form der Intentionalität, die sich in der gemeinsamen Absicht manifestiert, ist die Ursache dieser Handlungsbeiträge. Sie kann zwar von einem Beobachter erst nachvollzogen werden, nachdem diese Handlungsweisen sich in seiner Wahrnehmung zu einer kohärenten, sinnvollen Abfolge von Geschehnissen zusammengesetzt hat, doch die verursachende, intentionale Struktur lässt sich selbst nicht weiter analysieren. Sie muss den einzelnen Handlungen und den entsprechenden individuellen Absichten vorausgesetzt werden, wobei ihre Entstehung dem Auge des Betrachters natürlich verborgen bleibt.

3. Das Scheitern der Analyse

Von den obigen Beispielen ausgehend widmet sich Searle seiner zweiten These. Mit ihr spricht er sich weitergehend gegen eine Analyse im Rahmen eines methodologischen Individualismus aus, mittels der man versuchen könnte, die Entstehung des kollektiven Verhaltens aus der reziprogen Verschränkung individueller Absichten und Handlungen sowie beidseitigem Wissen über die Absichten des jeweils anderen zu analysieren. Searle will ein Gegenbeispiel zum kollektiven Verhalten präsentieren, das mittels einer entsprechenden Analyse von Tuomela und Miller beschrieben werden kann. Der Grund, warum diese Konzeption dem Phänomen nicht hinreichend gerecht werden kann, soll stellvertretend gegen eine ganze Reihe ähnlicher Versuche sprechen können.2 Nun aber zu der Analyse von Tuomella und Miller (in Searles gebündelter Darstellung):

1. Person A beabsichtigt ihren Beitrag zu X zu leisten
2. A glaubt, dass die Voraussetzungen zum erfolgreichen Handeln bestehen, insbesondere ist er überzeugt, dass die anderen Gruppenmitglieder ihre Beiträge zur Handlung X leisten werden (oder zumindest wahrscheinlich leisten werden).
3. A ist überzeugt, dass die Mitglieder sich gegenseitig die Überzeugungen darüber, dass die Voraussetzungen zum Erfolg bestehen, zuschreiben können.

Wenn Person A und B etwas gemeinsam zu tun beabsichtigen, dann ist Person A davon überzeugt, dass ihr Kooperationspartner (B) das gleiche Ziel verfolgt und seinen Beitrag leisten wird. Person B hegt dieselbe Überzeugung in Bezug auf Person A. Die beiden Wissen, dass sie sich gegenseitig diese Überzeugungen zuschreiben können.

3.1 Searles Gegenbeispiel:

Jedes Mitglied einer Gruppe Geschäftsmänner, die in einer Handelsschule Smith´s Theorie der unsichtbaren Hand des Marktes gelernt haben, bildet für sich die Absicht, dass es seinen Beitrag dazu leistet, der Menschheit zu helfen, indem es seine eigenen, egoistischen Interessen verfolgt und mit niemanden kooperiert. Diese singulären Absichten sollen die zweite Bedingung erfüllen und ebenfalls mit der Überzeugung darüber verbunden sein, dass die anderen Mitglieder die gleichen Absichten haben und meinen, dass ihre Handlungen von Erfolg gekrönt sein können (jedes Mitglied weiß ja, dass die anderen den gleichen Unterricht besucht haben und ist davon überzeugt, dass auch sie die Theorie verinnerlicht haben). Da in diesem Fall alle Bedingungen erfüllt seien, man aber an eine Ideologie verwiesen wird, die der Entstehung einer Wir-Form der Intentionalität entgegensteht, kann die Analyse nicht adäquat sein. Auch wenn die Geschäftsmänner, anders als die Parkbesucher, ein gleiches Ziel haben, zu dem sie ihrerseits nur einen Teil beitragen können, teilen sie es nicht so, wie die Mitglieder der Footballmannschaft die Absicht teilen können, einen Spielzug durchzuführen. Sie teilen die Absicht nicht in dem Sinne, dass ihre individuellen Absichten ihrer Herleitung aus dem gemeinsamen Ziel nach mit den Absichten der anderen verknüpft sind: Sie kooperieren nicht.

Um diesen Fall von Fällen kollektiver Intentionalität weiter abzugrenzen, bringt Searle ein weiteres Beispiel: Würden die Geschäftsmänner nach dem Schulabschluss zusammentreffen und zusammen einen Pakt schließen, der das gemeinsame Ziel begründet und durch den jeder motiviert wird, Smith´s Theorie in die Tat umzusetzen, wäre dies ein Fall in dem kollektiver Intentionalität eine Rolle spielt. Auch wenn z.B. eine Softballmannschaft nach gemeinsamer Absprache entschließt, dass verlorene Portemonnaie eines Teamkollegen zu suchen, indem jeder Suchende auf seine Weise sucht und nicht mit den anderen kooperiert, sei dies eine Form von Gruppenverhalten. Das Teilen des gemeinsamen Zieles im oben genannten Sinne kann auch vorliegen, wenn das Ziel mit individualistischen Mitteln verfolgt wird. Searle will darauf aufmerksam machen, dass Kooperation und Koordination nicht so wie Indikatoren genutzt werden können, die kollektive Intentionalität anzeigen. Wie bereits das Beispiel mit den Parkbesuchern und den Darstellern zeigte, kann der entscheidende Unterschied zwischen den Verhaltensweisen unsichtbar bleiben. Die Begriffe „Absprache“ und „Pakt“ implizieren Kooperation, selbst wenn diese dem Betrachter, der nur sieht wie die abgeleiteten, individuellen Absichten in die Tat umgesetzt werden, verborgen bleiben kann. Der Begriff der Kooperation ist ein Schlüsselbegriff auf den keine Konzeption von Gruppenverhalten verzichten kann und von diesem Begriff ausgehend meint Searle das Dilemma formulieren zu können, dem Analysen wie die von Tuomella und Miller nach ihm nicht entkommen können:

Entweder die Analyse bleibt inadäquat, weil sie dem Begriff der Kooperation nicht gerecht wird oder man bestimmt den Ausdruck „ seinen Beitrag leisten “ durch den Bezug auf das gemeinsame Ziel. Dann wäre die Analyse, die das Phänomen des Teilens von Absichten durchleuchten soll, zirkulär.

3.2 Eine Kritik des Gegenbeispiels

Searles Gegenbeispiel wirkt nicht so überzeugend oder plausibel, wie es verwirrend wirkt. Der Satz, mit dem Searle den propositionalen Gehalt der Absicht des Geschäftsmannes und das Erfüllen von Tuomella und Millers erster Bedingung zum Ausdruck bringt, „ A intends to pursue his own selfish interests without reference to anybody else, and thus, he intends to do his part toward helping humanity ”3 scheint einen Widerspruch zu enthalten. Wer sich nur um sich selbst kümmert, der kümmert sich nicht um die Menschheit. Wenn man von Jemandem hörte, der durch das Verfolgen seiner egoistischen Interessen einen Beitrag zum Wohl der Menscheit leistete, würde man nicht davon ausgehen, dass dieser Jemand seine Interessen als im Interesse der Menschheit ansehen würde. Die Interessen wären sonst nicht mehr egoistisch. Die Geschäftspartner erscheinen einfach irrational. Sie scheinen sich über ihre eigenen Absichten selbst nicht im Klaren zu sein, sowie der Leser nicht genau weiß, wie er diese Absichten einordnen soll. Es wäre witzlos ein Gegenbeispiel so zu konstruieren, dass die Person A keinen Beitrag zu irgend etwas leisten möchte, um so einen Beitrag zu X zu leisten. Man müsste, um den Widerspruch zu umgehen, den Begriff der Hilfe so weit dehnen, dass man ihn in einer sehr randständigen Verwendungsweise gebraucht. Vielleicht würde man so dem Einfluss, den Adam Smith auf die Geschäftsmänner ausübte, gerecht werden. Nun lässt sich der verwandte Begriff der Kooperation vielleicht ebenfalls so dehnen. Wenn man dem Geschäftsmann, insofern er meint, der Menschheit zu helfen, eine Form kooperativen Verhaltens zuschreiben kann, dann kann Searles Beispiel kein klares Gegenbeispiel mehr darstellen. Das Beispiel der Gründung des Paktes erscheint vor diesem Hintergrund auch als problematisch und paradox. Die Geschäftsmanner könnten sich in diesem Fall gegenseitig Sympathie für ihre egoistische Attitüde spenden, wäre eine Wir-Form der Intentionalität auf ihr Ziel als dem Beitrag zum Wohl der Menscheit bezogen, würden ihre Absichten sich widersprechen. Zwar könnte es für den Moment eine Wir-Form der Intentionalität und ein Zugehörigkeitsbewusstsein unter den Geschäftsmännern geben: Jeder könnte sich mit dem anderen identifizieren. Doch sie müssten doch gleichzeitig die Überzeugung hegen können, dass diese Form der Intentionalität ihnen in der Ausführung ihres Planes im Wege stehen muss. Einem Bündnispartner möchte man keine Verträge abjagen oder ihm Kunden oder seinen Arbeitsplatz streitig machen. Wenn die Geschäftspartner in Zukunft Rücksicht aufeinander nehmen und darauf bedacht sind, dass jeder von ihnen in Zukunft weiter seine egoistischen Interessen verfolgen kann, scheinen sie ihrem Pakt nicht gerecht zu werden. Als Leser weiß man nicht, wie die Kapitalisten den Begriff der Menschheit gebrauchen möchten. Zeigt diese sich nicht in den Individuen? Man ist beim Lesen des Beispiels noch geneigt gegen Smith einzuwenden, dass, wenn die Kapitalisten sich in ihrem egoistischen Verhalten als Helfer der Menscheit sehen, unter den Begriff der Menscheit auch derjenige fallen muss, gegen den man im Wettbewerb des Marktes rücksichtslos seine eigenen Interessen durchsetzt.

[...]


1 Die Intentionalität bedeutet das Gerichtetsein eines Geisteszustandes oder den repräsentativen Gehalt einer geistigen Einstellung. Beispiele für Intentionalität können neben Absichten auch Überzeugungen, Erinnerungen, Wünsche, Hoffnungen aber auch Emotionen und Wahrnehmungen sein, insofern diese geistigen Einstellungen auf etwas bezogen sind. Intentionalität ist nicht mit Bewusstsein gleich zu setzen. Das Bewusstsein von einem unbestimmten Angstgefühl oder Niedergeschlagenheit fällt nicht unter den Begriff der Intentionalität und intentionale Zustände müssen nicht immer bewusst sein (z.B. hat man Überzeugungen, ohne stets an sie denken zu müssen). Intentionalität ist für Searle ein intrinsisches Merkmal des Geistes, d.h. sie ist objektiv gegeben und nicht beobachter-relativ. Sie ist nach Searle nicht immateriell und in der Neurophysiologie realisiert als auch durch biologische (Hirn-) Zustände verursacht. Searle vertritt in Sachen Bewusstsein keine klar einzuordnende Position (weder Materialismus noch Dualismus). Ich werde die Form der kollektiven Intentionalität auch mit der „Wir-Form“ der Intentionalität und die Form der singulären Intentionalität mit der „Ich -Form“ der Intentionalität wiedergeben.

2 Tuomella bemerkt in „Cooperation“: “Whichever basic account one chooses, in the context of acting together it seems imperative to use iterable loop belief in order to achieve some psychological realism”, um im Folgenden zu erwähnen, dass sich seine Konzeption mit verwandten Ansätzen von S.Miller, Bratman und Gilbert in Einklang bringen lässt

3 Searle, „Collective Intentions and Actions“, S.405

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Das Teilen von Absichten in John Searls „Collective Intentions and Actions“
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Gemeinsames Handeln - Geteilte Absichten
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
30
Katalognummer
V187638
ISBN (eBook)
9783656111085
ISBN (Buch)
9783656110842
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John Searle, Handlungstheorie, Kollektivität
Arbeit zitieren
Julian Habermann (Autor), 2010, Das Teilen von Absichten in John Searls „Collective Intentions and Actions“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187638

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