Ökonomie als Teil der politischen Bildung

Wie viel Wirtschaft braucht der Politikunterricht?


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Situation der ökonomischen Bildung

3. Über das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in der Bildung
3.1 Wie und was soll unterrichtet werden?
3.1.1 Das gemeinsame Ziel von Politik- und Wirtschaftsdidaktik
3.1.2 Ökonomische Inhalte im Politikunterricht

4. Der Anteil von ökonomischer Bildung am Politikunterricht
4.1 Die Risiken
4.2 Die Chancen
4.3 Die Chancen nutzen und die Risiken minimieren

5. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In einer Zeit fortschreitender Globalisierung und internationaler Vernetzung von Staaten und Wirtschaftsunternehmen werden die engen Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft in immer mehr Bereichen des Alltags sichtbar. Um die heranwachsenden Jugendlichen zu mündigen urteilsfähigen und am öffentlichen Leben teilhabenden Bürgern auszubilden, scheint es unerlässlich, bestimmte Aspekte ökonomischer Bildung auch an allgemeinbildenden Schulen zu unterrichten.[1]

Da die neuen Lerninhalte aber meist in das vorhandene Fach Politik integriert wurden, erscheint die Aufgabe, ökonomische und politische Bildung ihrer jeweiligen Wichtigkeit gebührend zu berücksichtigen, als zunehmend schwerer. So ist seit einiger Zeit ein bildungspolitischer Diskurs über die Frage zu beobachten, wie viel Wirtschaft der Politikunterricht tatsächlich braucht oder ob dafür die Einführung eines eigenständigen Unterrichtsfachs letztlich doch unumgänglich sei, um aktuelle Fragen überhaupt beantworten und die Schülerschaft zeitgemäß bilden zu können.[2]

Im Rahmen der Hausarbeit wird zunächst die aktuelle Situation im Diskurs um die Integration von ökonomischer und politischer Bildung dargestellt. Anschließend wird das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik und deren Bedeutung für die schulische Bildung erläutert und auf Basis des gemeinsamen Lehrauftrags beider Fachdisziplinen Fragen hinsichtlich Inhalt, Beschaffenheit und Anteil beantwortet. Hinsichtlich der Integrationsfrage werden des Weiteren eventuelle Risiken und Chancen beleuchtet und entsprechende Lösungsvorschläge angeführt.

2. Zur Situation der ökonomischen Bildung

Zuerst angestoßen von Seiten der Wirtschaft, später weiter getragen durch immer mehr gesellschaftliche Gruppen und schließlich durch eine Debatte in der allgemeinen Öffentlichkeit, reagierte die Bildungspolitik auf die Forderung, ökonomische Bildung in allen allgemein bildenden Schulen zu verankern und zu verstärken.[3] Vor dem Hintergrund gravierender wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischer Fehlentwicklungen in der jüngeren Vergangenheit wird damit zumindest im Ansatz einer veränderten Wirklichkeit im Zeitalter der Globalisierung Rechnung getragen. Denn angesichts dessen, dass sich „die Schwerpunkte der politischen Diskussion zu ökonomischen Themen hin verschoben“ haben, ist Politik heutzutage „im Kern und in der Hauptsache Wirtschaftspolitik.“[4]

Eine Unterscheidung zwischen allgemein bildenden und beruflichen Schulen macht indes deutlich, dass letztere, darunter insbesondere die kaufmännischen Schulen, traditionell einen höheren Wert auf die ökonomische Bildung legen. Obwohl hier meist der Bezug zum Beruf in den Vordergrund des Lernens gestellt wird, haben Fächer wie Wirtschaftslehre, Soziallehre und Volkswirtschaftslehre „von der curricularen Konzeption her und in der unterrichtlichen Praxis meist einen allgemeinen bildenden Charakter“.[5]

Aufgrund finanzieller Engpässe in der Bildungspolitik scheint die Debatte um den Verbleib der ökonomischen Bildung an allgemein bildenden Schulen jedoch bereits entschieden worden zu sein, da die überwiegende Mehrheit der Kultusministerien der Bundesländer kein neues und eigenständiges Schulfach Wirtschaft einführen will. [6] Stattdessen wurde ökonomischen Lerninhalten mehr Gewicht im Curriculum eingeräumt, indem meist die vorhandene Fächerstruktur beibehalten und versucht wurde, ökonomisches Lernen in die Fächer Politik und/oder Sozialkunde zu integrieren. Da das vorhandene Fach nun Stundenanteile an das neue Fach Wirtschaft abgeben muss, ist ein multidisziplinäres Fach entstanden. Dies birgt sowohl Chancen, als auch Risiken: „Diese neue Situation ist für die politische und für die ökonomische Bildung gleichermaßen schwierig. Die Wirtschaftspädagogik und die Wirtschaftsdidaktik können die politische Orientierung ihrer Gegenstände als Bedrohung wahrnehmen. Dies gilt umgekehrt auch für die Politikdidaktik. Hier drängt sich das Bild einer »Muss-Ehe- auf: die Eheleute wollen nicht, aber die Eltern haben die Partner ausgewählt und die Hochzeit festgelegt. Gleichwohl können auch »MussEhen« glücklich werden - um im Bild zu bleiben.“[7]

Obwohl beide Disziplinen zu den Sozialwissenschaften gezählt werden und es zwischen beiden zahlreiche Schnittpunkte gibt, „war ihr Verhältnis gerade in Deutschland lange überwiegend durch Ignoranz, Distanz bis hin zur Ablehnung geprägt.“[8] Dies hat sich jedoch teilweise gewandelt, sodass heute Stellenwert und gegenseitige Einbeziehung tendenziell zumindest zugenommen haben.[9]

Da die meisten Bundesländer ökonomische Bildung mit der politischen Bildung vereinen und in das Fach Politik (und Wirtschaft) integrieren, stellt sich die Frage, wie hoch die Anteile der jeweiligen Disziplinen Politik und Wirtschaft in dem neu geschaffenen multidisziplinären Fach sein sollten und warum. Die Lehrer und Lehrerinnen werden hierbei weitestgehend alleine gelassen, da es noch kein fachdidaktisches Konzept für ein Integrationsfach gibt, bzw. noch keine Umorientierung der politischen Bildung entwickelt wurde.[10] Wirtschaftsbezogene Themen sind zwar bereits vorher schon zu einem erheblichen Anteil im Unterricht verschiedenster Fächer vertreten, darunter Deutsch, Englisch, Geographie, Geschichte und eben auch Politik, jedoch werden diese meist vor allem unter der Fragestellung der jeweiligen Fächer behandelt, „ohne dass diese in der Lage wären, die spezifische ökonomische Sichtweise einzubringen.“ Auch kamen Wirtschaftswissenschaften in der Lehrerausbildung meist zu kurz und Lehrkräfte mit einem sozialwissenschaftlichen Hintergrund scheinen dazu zu neigen, wirtschaftliche Themen aufgrund ihrer Komplexität und Kompliziertheit eher zu meiden.[11]

3. Über das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in der Bildung

Die Annahme, dass sich ökonomische und politische Bildung unproblematisch ergänzen und daher leicht zu einem gemeinsamen Fach zusammengefügt werden können, rührt in erster Linie daher, dass beide Wissenschaften als Sozialwissenschaften angesehen werden und somit gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen, insbesondere hinsichtlich ihrer Methoden.[12] Tatsächlich ist Politik ohne grundlegende Kenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge nicht zu verstehen, denn einerseits setzen ökonomische Prozesse und wirtschaftliche Strukturen die Rahmenbedingungen gesellschaftlich-politischer Entwicklungen und bilden somit die Voraussetzungen für politische Handlungsspielräume, andererseits greift die Politik wiederum auf verschiedene Art und Weise in die Wirtschaft ein. „Politik und Wirtschaft stehen in so enger Interpendenz, das weder Politik ohne Ökonomie noch Ökonomie ohne Politik verstanden werden können“[13].

Ökonomie besitzt aber auch deshalb eine hohe Relevanz für die politische Bildung, weil es eben auch große Differenzen zu ihr gibt. So folgt die Wirtschaft oftmals einer Eigenlogik, z.B. bei gemäß dem Prinzip ökonomischer Rationalität zu erfolgender Produktion von Gütern und Dienstleistungen oder innerhalb des Wettbewerbs am Wirtschaftsmarkt. Nicht selten kommt es dabei zu Meinungsverschiedenheiten, wenn man zwischen unterschiedlichen Handlungslogiken eine Abwägung vornehmen muss. „So muss, was politisch sinnvoll ist, nicht unbedingt ökonomisch sinnvoll sein. Umgekehrt kann das, was ökonomisch zweckmäßig ist, politisch nicht akzeptabel sein.“[14] Die politische Bildung muss also auch dafür sorgen, dass die heranwachsenden Bürger lernen, „die Eigenlogiken anderer Realitätsbereiche“ in ihr politisches Urteilskalkül einzubeziehen.

[...]


[1] Vgl. Willke, G., Das politische Element in der Ökonomik, Wiesbaden, 2006, S. 37

[2] Vgl. Eggert, K., Koch, M., Die Verknüpfung von Wirtschaft und Politik im Unterricht, Wiesbaden, 2008, S. 251

[3] Vgl. Hedtke, R., Handbuch Ökonomische Bildung, Bielefeld, 2003, S. 1

[4] Willke, G., Das politische Element in der Ökonomik, Wiesbaden, 2006, S. 37

[5] Hedtke, R., Handbuch Ökonomische Bildung, Bielefeld, 2003, S. 3

[6] Vgl. Retzmann, Th., Über das Verhältnis von ökonomischer und politischer Bildung, Wiesbaden, 2006, S. 205

[7] Weißeno, G., Politik und Wirtschaft unterrichten, Wiesbaden, 2006, S. 9

[8] Andersen, U., Das wirtschaftswissenschaftliche Element in der Politikwissenschaft, Wiesbaden, 2006, S. 18

[9] Vgl. Andersen, U., Das wirtschaftswissenschaftliche Element in der Politikwissenschaft, Wiesbaden, 2006, S. 34

[10] Vgl. Kiefer, F., Politik und Wirtschaft unterrichten, Wiesbaden, 2006, S. 7

[11] Vgl. Massing, P., Ökonomische Bildung in der Schule, Wiesbaden 2006, S. 82 Seite 3

[12] Vgl. Retzmann, Th., Über das Verhältnis von ökonomischer und politischer Bildung, Wiesbaden, 2006, S. 209

[13] Massing, P., Ökonomische Bildung in der Schule, Wiesbaden 2006, S. 81

[14] Detjen, J., Wie viel Wirtschaft braucht die politische Bildung?, Wiesbaden 2006, S. 69

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ökonomie als Teil der politischen Bildung
Untertitel
Wie viel Wirtschaft braucht der Politikunterricht?
Hochschule
Universität Kassel  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Didaktik der politischen Bildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V187965
ISBN (eBook)
9783656113546
ISBN (Buch)
9783656114116
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politikdidaktik, bpb, ökonomische Bildung, Massing, politik, Politikwissenschaft, Beutelsbacher Konsens, BK, politische Bildung, Wirtschaft, Globalisierung, Sanders, Weißeno, Bildungspolitik, bildungspolitischer Diskurs, Wirtschaftspolitik, wirtschaftspolitisch, Wirtschaftspädagogik, Sozialwissenschaft, Overwien, Bundesland, Hessen, Föderalismus, Kultur, Schule, Schulbildung, Verhältnis, Politik und Wirtschaft, Wirtschaftsdidaktik, Powi, poldi, Urteilsfähigkeit, Handlungsfähigkeit, Analysefähigkeit, Kompetenzen, kritischer Bürger, kritische Bürgerin, Mündigkeit, Lernfeld, Lernfelder
Arbeit zitieren
Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor), 2011, Ökonomie als Teil der politischen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187965

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