Das Patois ist eine englischbasierte Kreolsprache, die im Zuge der britischen Besiedlungsphase auf Jamaika entstand. Die kreolisierte Form entwickelte sich durch den Sprachkontakt zwischen Kolonialherren und importierten afrikanischen Sklaven. Besonders stark von dem Kreolisierungsprozess betroffen, waren die Syntax, das Lexikon und die Phonologie. Heute existiert parallel zu der Kreolsprache das jamaikanische Englisch auf der Karibikinsel, eine Varietät des Standardenglischen. Die als sozial niedrig assoziierte
Kreolsprache tendiert aktuell dazu, mit dem angeseheneren jamaikanischen Englisch zu verschmelzen (DeCamp, 1971; Fleischmann, 2005). Als Konsequenz dieses Verschmelzungsprozesses entstehen eine Reihe von Zwischenstufen an Varietäten. Dieses Spektrum an Varietäten ist mittels des Post-Kreol-Kontinuums (DeCamp, 1971) darstellbar. Ein aus phonologischer Perspektive charakteristisches Beispiel für den Wandel zu einer dieser Zwischenstufen des Kontinuums, ist der Song "Old War Chant" des Interpreten Damian Marley. Die Analyse des Songs zeigt, dass sich darin sowohl Elemente des Patois, als auch des jamaikanischen Englisch finden lassen. Das gemeinsame Auftreten der Elemente liefert einen Hinweis für die Theorie, dass in der jamaikanischen Sprachgemeinschaft ein Dekreolisierungsprozesses stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Linguistische Einführung
3 Entstehung und Entwicklung des jamaikanischen Kreols
3.1 Besiedlung Jamaikas durch die Spanier (1494 - 1655)
3.2 Besiedlung Jamaikas durch die Briten (1655-1962)
4 Phonologische und phonetische Besonderheiten des jamaikanischen Kreols
4.1 Die Silbenstruktur
4.2 Das Vokalinventar
4.3 Das Konsonanteninventar
4.4 Phonologische Prozesse
5 Phonologische und phonetische Songtextanalyse
5.1 Analyse der Vokale
5.2 Analyse der Konsonanten
5.3 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den phonologischen Wandel innerhalb der jamaikanischen Sprachgemeinschaft, mit einem besonderen Fokus auf den Dekreolisierungsprozess und die Einordnung verschiedener Varietäten im Post-Kreol-Kontinuum anhand eines Musikstückes.
- Historische Entwicklung des jamaikanischen Kreols
- Post-Kreol-Kontinuum und Diglossie
- Phonologische Analyse des jamaikanischen Patois
- Dekreolisierungsprozess in der zeitgenössischen Musik
- Empirische Untersuchung anhand des Songs "Old War Chant" von Damian Marley
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Vokalinventar
Das jamaikanische Kreol besitzt zwölf phonemische Vokale. Darunter sind die einfachen Vokale /a/, /e/, /i/, /o/ und /u/, die komplexen Vokale /aa/, /ii/ und /uu/ sowie die Diphthonge /ia/, /ai/, /ua/ und /au/.
Der im Englischen stark frequentierte, zwischen halboffen und offen angesiedelte, ungerundete Vorderzungenvokal [æ], ist nicht im Vokalsystem des jamaikanischen Kreols vorhanden (Cassidy & Le Page, 1967). Stattdessen wird der Vokal phonetisch durch das tiefe, offene [a] realisiert. Grund für die Abstinenz des [æ] im Patois ist das geringe Aufkommen des Vokals in den West-Afrikanischen Sprachen (Cassidy & Le Page, 1967, S. xlix).
Zusätzlich wird im jamaikanischen Kreol ein ungespanntes [ə] statt einem gespanntem [e] aus dem Standardenglischen artikuliert (Cassidy 1961, S 42f.). Zum Teil wird das ungespannte [ə] auch an Stelle des Diphthongs [ei] realisiert (vgl. Beispiele (3) und (4)).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Entstehung des Patois auf Jamaika ein und definiert das Ziel, den aktuellen phonologischen Wandel und Dekreolisierungsprozess anhand eines Musikbeispiels zu untersuchen.
2 Linguistische Einführung: Es wird das Konzept des Post-Kreol-Kontinuums vorgestellt, um die komplexe sprachliche Situation zwischen Patois (Basilekt) und jamaikanischem Englisch (Akrolekt) zu beschreiben.
3 Entstehung und Entwicklung des jamaikanischen Kreols: Das Kapitel beleuchtet die historische Besiedlung durch Spanier und Briten sowie die Rolle der afrikanischen Sklavenbevölkerung bei der Entstehung des Kreols.
4 Phonologische und phonetische Besonderheiten des jamaikanischen Kreols: Hier werden das Vokal- und Konsonantensystem sowie spezifische phonologische Prozesse wie Elisionen, Insertionen und Assimilationen detailliert analysiert.
5 Phonologische und phonetische Songtextanalyse: Anhand des Songs "Old War Chant" wird die theoretische Phonologie des Patois praktisch überprüft und die Sprache des Künstlers im Kontinuum verortet.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass der untersuchte Mesolekt des Künstlers phonologisch eher zum kreolischen Ende tendiert, betont jedoch die Notwendigkeit, auch Syntax und Lexik für eine vollständige Einordnung zu berücksichtigen.
Schlüsselwörter
Jamaikanisches Kreol, Patois, Phonologie, Post-Kreol-Kontinuum, Dekreolisierung, Basilekt, Akrolekt, Mesolekt, Sprachwandel, Damian Marley, Songtextanalyse, Phonetik, Vokalinventar, Konsonanteninventar, Diglossie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den phonologischen Wandel des jamaikanischen Kreols (Patois) hin zum jamaikanischen Englisch und untersucht, wie sich diese Sprache in der modernen jamaikanischen Gesellschaft verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Entstehung des Patois, die soziolinguistische Theorie des Post-Kreol-Kontinuums sowie die detaillierte phonologische Beschreibung des Patois im Vergleich zum Englischen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine phonologische Merkmalsanalyse eines Reggae-Songs zu prüfen, ob die in der Theorie beschriebenen Prozesse des Patois in der heutigen gesprochenen Sprache noch Anwendung finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine phonologische Merkmalsanalyse und vergleicht diese mit der Transkription eines Musikstückes von Damian Marley, um Abweichungen und Übereinstimmungen mit dem Basilekt festzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziolinguistische Fundierung, die historische Herleitung, eine detaillierte phonologische Beschreibung und die anschließende empirische Songtextanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Patois, Post-Kreol-Kontinuum, Phonologie, Dekreolisierung und Mesolekt.
Welche Rolle spielt die "Back-Harmonie" im jamaikanischen Kreol?
Die Back-Harmonie beschränkt die Kombinationsmöglichkeiten von Vokalen innerhalb einer Silbe, indem sie fordert, dass aufeinanderfolgende Vokale bezüglich ihres Merkmals [back] identisch sein müssen.
Warum wird Damian Marleys Song als Fallbeispiel gewählt?
Der Interpret ist als gebürtiger Jamaikaner, der zeitweise in den USA lebt, ein idealer Vertreter für die sprachlichen Einflüsse sowohl des Patois als auch des amerikanischen Englisch.
Welches Ergebnis liefert die Songtextanalyse bezüglich der Verortung?
Die Analyse zeigt, dass die Sprache des Songs als Mesolekt zu klassifizieren ist, der aus phonologischer Perspektive eher zum kreolischen Ende (Basilekt) des Kontinuums tendiert.
- Citation du texte
- Sebastian Arndt (Auteur), 2011, Die phonologischen Entwicklungen des jamaikanischen Kreols von 1494 bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188019