Das Phänomen der Cross-Polaren Anomalie bei Dimensionsadjektiven aus der Sicht von Bierwisch und Kennedy


Ausarbeitung, 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema der graduierbaren Dimensionsadjektive und dem Phänomen der Cross-Polaren-Anomalie. Zwei Ansätze, die sich mit dem Thema der Cross-Polaren-Anomalie beschäftigen, sind die Ansätze von Bierwisch (1987) und Kennedy (1999). Das Ziel dieser Arbeit ist eine Darstellung des Umgangs mit Cross-Polaren Anomalien in beiden Ansätzen sowie eine Gegenüberstellung.

Dazu werden zunächst die relevanten grundlegenden Begriffe Dimensionsadjektiv, Bewertungsadjektiv und Cross - Polare Anomalie eingeführt. Daran anschließend wird das Phänomen der Cross-Polaren Anomalie aus dem Blickwinkel der differierenden Ansätze beschrieben. Abschließend werden die Ergebnisse beider Ansätze in kompakter Weise gegenübergestellt und kurz diskutiert.

Grundlagen

Als Dimensionsadjektive werden Adjektive wie lang, groß, schmal, jung oder alt bezeichnet. Diese Klasse von Wörtern hat als zentrale Eigenschaft, dass sie eine lineare Ausdehnung bezüglich einer Dimension beschreiben. Außerdem treten Dimensionsadjektive meist in Gegensatzpaaren auf, sodass sie in antonymer Relation zueinander stehen. Auf einer mentalen Skala betrachtet würden sich antonyme Adjektive deshalb auf entgegengesetzten Polen ansiedeln, wobei ein Adjektiv den positiven Pol einnehmen und das entgegengesetzte Adjektiv den negativen Pol belegen würde.

Demnach befände sich das Dimensionsadjektiv groß auf einer Skala Größe am oberen Ende, dem positiven Pol der Skala, während dessen antonymer Partner klein am unteren Ende der Skala, dem Negativpol zu finden wäre.

Neben den Dimensionsadjektiven gibt es eine zweite Klasse von Adjektiven, die Bewertungsadjektive. Bewertungsadjektive machen qualitative Aussagen über die Objekte, auf die sie referieren und müssen nicht unbedingt in Antonymenpaaren auftreten, sondern können entweder kein Antonym haben oder sind selbst nicht einem positiven bzw. negativen Ende einer Skala zuzuordnen. Bierwisch (1987, S. 111) nennt hier Adjektive wie z.B. albern und scheu. Auf der anderen Seite gibt es bei Bewertungsadjektiven den Fall, ein ganzes Bündel von Antonymen zu besitzen, wie es Bierwisch (1987, S. 111) z.B. für mutig, kühn, feige, zaghaft und ängstlich bestimmt.

Dimensionsadjektive beschreiben bestimmte Dimensionen wie Höhe, Größe oder Alter. Wenn nun zwei Objekte mittels eines Komparativs miteinander verglichen werden, wie in Beispiel (1), so werden darin zwei Objekte (Hans, Fritz) miteinander hinsichtlich einer Dimension (Größe) in Bezug gesetzt.

(1) Hans ist größer als Fritz

(2) Hans ist größer als Fritz groß ist

Sätze wie in (1) rufen keinerlei Schwierigkeiten bei der Interpretation hervor. Ebenfalls interpretierbar ist eine Konstruktion wie Beispiel (2), die zusätzlich ein Komplement enthält. Etwas geringer in der Akzeptabilität, aber dennoch interpretierbar, sind Komparativsätze, in denen eine Dimension mit zwei lexikalischen Ausrücken zueinander in Bezug gesetzt werden, wie es in folgendem Beispiel (3) der Fall ist.

(3) Das Auto ist breiter, als das Fahrrad lang ist.

Hier werden die Dimensionen Breite und Länge miteinander verglichen. Dass die beiden Dimensionen trotzdem miteinander vergleichbar sind, erklärt sich durch ihren gemeinsamen Bezug auf eine lineare Ausdehnung.

Probleme beim Interpretieren bereiten allerdings Sätze, in denen Objekte zwar innerhalb einer Dimension miteinander verglichen werden, allerdings mit entgegengesetzter Polaritätszugehörigkeit, wie in Beispiel (4).

(4) ?Paul ist größer als Thorsten klein ist

Sowohl für Bierwisch als auch für Kennedy senken Satzkonstruktionen mit kombinierter negativer und positiver Ausprägung eines Adjektivs die Akzeptabilität merklich. Kennedy bezeichnet dieses Phänomen als Cross-Polare Anomalie und behandelt solche Fälle in anderer Weise als Bierwisch. Im Folgenden werden die Cross-Polaren Anomalien innerhalb beider Ansätze separat voneinander betrachtet.

Bierwisch (1987) „Semantik der Graduierung“

Bierwisch entwickelt zur Erfassung von graduierbaren Adjektiven einen stark kognitiv orientierten Ansatz. Bei Bierwisch zeichnen sichdie Dimensionsadjektive unter anderem dadurch aus, einen Normbezug zu haben. Der Normbezug ist die Eigenschaft eines Adjektivs, innerhalb einer Vergleichsklasse in Kombination mit einer Entität einen Mittelwert festzulegen.

(5) Die Schlange ist lang

Beispiel 5 eröffnet eine Vergleichsklasse von Schlangen (z.B. Kobra, Boa, Kreuznatter) die hinsichtlich ihrer Länge geordnet sind. Auf Grund dieser Ordnung kann ein Normwert gebildet werden, der in etwa dem Mittelwert dieser Vergleichsklasse entspricht. Der Normwert in der Vergleichsklasse der Schlangen ist die Länge der Boa. Damit würden alle Schlangen, die die Länge der Boa überschreiten als lang und alle Schlangen die von der Boa an Länge überschritten werden als kurz klassifiziert. Die Bestimmung des Normwertes ist kontextsensitiv und geschieht in Abhängig der an der Vergleichsklasse teilnehmenden Objekte. Das Adjektiv lang kann in unterschiedlichen Kontexten erheblichen Unterschieden bezüglich einer räumlich-linearen Ausdehnung unterliegen. Dieses Adjektiv erweckt zum Beispiel im Zusammenhang mit Flugstrecken völlig andere Assoziationen im Bezug auf die Länge. Beide Objekte erzeugen eine völlig unterschiedliche Vergleichsklasse. In der einen Klasse befinden sich Arten von Schlangen, während in der anderen Klasse Flugstrecken aufgelistet sind. In beiden Klassen sind die Objekte ihrer Größe nach geordnet. Der Normwert für Größe ist demnach in beiden Fällen ein anderer. Positive werden immer im Hinblick auf einen Normwert analysiert, genauso wie negativ polare Adjektive (- Pol-A). Der Komparativ, der Superlativ und positiv polare Adjektive (+Pol-A) sind dagegen niemals normbezogen. Bewertungsadjektive haben nach Bierwisch ebenfalls keinen Normbezug.

Bei dem Ansatz von Bierwisch werden Objekte zu dem Grad, zu dem sie eine Eigenschaft besitzen, auf einer Skala als Skalengrad repräsentiert. Der Skalenbezug macht ein Adjektiv erst komparierbar. Die Skalen werden durch die Dimension des Adjektivs bestimmt. Möglich sind hier z.B. Skalen der Größe, des Gewichts oder ähnliches. Eine Skala für folgenden Satz würde so aussehen:

[...]

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Details

Titel
Das Phänomen der Cross-Polaren Anomalie bei Dimensionsadjektiven aus der Sicht von Bierwisch und Kennedy
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Semantik der Graduierung
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V188026
ISBN (eBook)
9783656114864
ISBN (Buch)
9783656115618
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cross-Polare Anomalien, skalare Adjektive, Bierwisch, Kennedy, Dimensionsadjektive, Skalen
Arbeit zitieren
Sebastian Arndt (Autor), 2011, Das Phänomen der Cross-Polaren Anomalie bei Dimensionsadjektiven aus der Sicht von Bierwisch und Kennedy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188026

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