Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema der graduierbaren Dimensionsadjektive und dem Phänomen der Cross-Polaren-Anomalie. Zwei Ansätze, die sich mit dem Thema der Cross-Polaren-Anomalie beschäftigen, sind die Ansätze von Bierwisch (1987) und Kennedy (1999). Das Ziel dieser Arbeit ist eine Darstellung des Umgangs mit Cross-Polaren Anomalien in beiden Ansätzen sowie eine Gegenüberstellung.
Dazu werden zunächst die relevanten grundlegenden Begriffe Dimensionsadjektiv, Bewertungsadjektiv und Cross-Polare Anomalie eingeführt. Daran anschließend wird das Phänomen der Cross-Polaren Anomalie aus dem Blickwinkel der differierenden Ansätze beschrieben. Abschließend werden die Ergebnisse beider Ansätze in kompakter Weise gegenübergestellt und kurz diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
3. Bierwisch (1987) „Semantik der Graduierung“
4. Kennedy (1999) „Projecting the Adjective“
5. Vergleich der Ansätze von Bierwisch und Kennedy
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Cross-Polaren-Anomalie bei graduierbaren Dimensionsadjektiven. Dabei werden die theoretischen Ansätze von Manfred Bierwisch (1987) und Christopher Kennedy (1999) analysiert, gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Erklärungsmodelle für die Akzeptabilität von Komparativkonstruktionen bewertet.
- Definition und Klassifikation von Dimensions- und Bewertungsadjektiven
- Kognitive vs. formal-skalare Ansätze der Adjektivsemantik
- Struktur von Graduierung und Skalenbezug in der Linguistik
- Analyse von Inkommensurabilität und Cross-Polarität
- Vergleich der Interpretationsmodelle bei Antonymenpaaren
Auszug aus dem Buch
Kennedy (1999) „Projecting the Adjective“
In dem Ansatz von Kennedy ist die Unterscheidung zwischen Dimensions- und Bewertungsadjektiven nicht relevant. Die, von einem Adjektiv bezeichnete Eigenschaft, stellt hier eine Dimension dar. Demzufolge ist bspw. Größe nach Kennedy ebenso eine Dimension, wie Faulheit. Kennedy stellt heraus, dass Adjektive in vielen Fällen mit einer inhärenten Vagheit behaftet sind. Dies bedeutet, dass Adjektive in Satzkontexten genauer spezifiziert werden müssen, um ihre Wahrheitswerte für Objekte bestimmen zu können. Auf Grund dieser Vagheit ist die genaue Bestimmung der Semantik eines Adjektivs abhängig von zwei externen Faktoren. Da ist zum Einen die Bedeutung des Objektes, auf das sich das Adjektiv bezieht, und zum Anderen bestimmt der Äußerungskontext als zweiter Faktor, welche Ordnungsrelation ein Adjektiv aufwirft. Ordnungsrelationen sind durch die semantische Eigenschaft des Adjektivs bestimmt und darin enthalten ist eine Teilmenge von Objekten, die für den Äußerungskontext relevant sind (vgl. Beispiel (13)).
(13) Das letzte Abendmahl von da Vinci ist groß
In Beispielsatz (13) würde das Adjektiv groß die Semantik liefern und das letzte Abendmahl eine Teilmenge von Objekten bestimmen, die sich auf berühmte Kunstwerke bezieht. Eine Ordnungsrelation nach Größe absteigend sortiert, könnte wie in (14) ausfallen.
(14) [sixtinische Kapelle, das letzte Abendmahl, der Schrei, das Nachtcafé, die Mona Lisa]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der graduierbaren Dimensionsadjektive sowie das Phänomen der Cross-Polaren-Anomalie ein und stellt die Ziele der Gegenüberstellung der Ansätze von Bierwisch und Kennedy vor.
2. Grundlagen: Hier werden die theoretischen Basisbegriffe wie Dimensionsadjektive, Bewertungsadjektive und deren antonyme Relationen auf mentalen Skalen erläutert sowie die Problematik von Vergleichskonstruktionen mit entgegengesetzter Polarität skizziert.
3. Bierwisch (1987) „Semantik der Graduierung“: Das Kapitel erläutert Bierwischs kognitiven Ansatz, der auf dem Konzept des Normbezugs und der Projektion von Adjektivgraden auf eine positiv gerichtete Skala basiert.
4. Kennedy (1999) „Projecting the Adjective“: Kennedy wird als formal-skalarer Ansatz vorgestellt, der Dimensionen als inhärent vag betrachtet und die Unterscheidung zwischen positiven und negativen Ausdehnungen einführt, um die polare Inkommensurabilität zu erklären.
5. Vergleich der Ansätze von Bierwisch und Kennedy: Dieser Abschnitt synthetisiert die Gemeinsamkeiten und Differenzen beider Modelle und bewertet deren Erklärungsstärke hinsichtlich der Interpretierbarkeit von Cross-Polaren Konstruktionen.
Schlüsselwörter
Dimensionsadjektive, Bewertungsadjektive, Cross-Polare-Anomalie, Bierwisch, Kennedy, Skala, Antonymie, Inkommensurabilität, Graduierung, Normbezug, Komparativ, Semantik, Polarität, Ordnungsrelation, Ausdehnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das linguistische Phänomen der Cross-Polaren-Anomalie bei Dimensionsadjektiven und vergleicht dazu zwei einflussreiche semantische Modelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Struktur der Adjektivsemantik, die Bedeutung von Komparativkonstruktionen und die Modellierung von Skalen bei entgegengesetzter Polarität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Gegenüberstellung der Ansätze von Manfred Bierwisch und Christopher Kennedy im Umgang mit Cross-Polaren-Anomalien.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und kontrastive Gegenüberstellung bestehender semantischer Theorien zur Graduierung von Adjektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden die Einzelansätze von Bierwisch (Normbezug/Kognition) und Kennedy (Ausdehnungen/Formalsprache) detailliert ausgearbeitet und auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Untersuchung lässt sich vor allem durch die Begriffe Adjektivsemantik, Cross-Polarität, Inkommensurabilität und skalare Graduierung beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Behandlung der Antonyme bei Bierwisch und Kennedy?
Während Bierwisch von einer positiv gerichteten Skala ausgeht, unterteilt Kennedy Skalen in einen positiven und einen negativen Ausdehnungsbereich, um verschiedene Perspektiven auf Dimensionen formal abzubilden.
Was versteht Kennedy unter polare Inkommensurabilität?
Kennedy verwendet diesen Begriff für Situationen in Komparativsätzen, in denen die Polarität der Adjektive eine direkte Vergleichbarkeit verhindert, da sie als Objekte verschiedener Sorte behandelt werden.
Warum bewertet der Autor Sätze wie „Hans ist größer als Peter klein ist“ teilweise als interpretierbar?
Der Autor schließt sich hier der Meinung von Bierwisch an, dass die Akzeptabilität solcher Sätze zwar gesenkt ist, sie jedoch durch Uminterpretationen oder Kontextualisierung semantisch zugänglich bleiben.
Welche Rolle spielen „Dimensionen“ in den beiden betrachteten Modellen?
Bei Bierwisch sind Dimensionen durch Skalen bestimmt, die einen Mittelwert festlegen; bei Kennedy hingegen sind Dimensionen Ausprägungen von Eigenschaften, die aufgrund ihrer Vagheit in Kontexten genauer spezifiziert werden müssen.
- Citar trabajo
- Sebastian Arndt (Autor), 2011, Das Phänomen der Cross-Polaren Anomalie bei Dimensionsadjektiven aus der Sicht von Bierwisch und Kennedy, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188026