Viele Güter, vor allem Lebensmittel wie Obst und Milchprodukte, erfordern einen Transport unter bestimmten externen Bedingungen, insbesondere Kühlung. Hauptherkunftsregionen der Kühlgüter sind Lateinamerika, Südamerika, der Mittelmeerraum, Australien und Neuseeland. Wichtige Importmärkte sind Europa, Fernost und Nordamerika.
Für die Nachfrage nach Kühlguttonnage gibt es eine Vielzahl von Bestimmungsgründen.
Über die Nachfrage nach Kühlgütern ist indirekt eine Anhängigkeit von der Bevölkerungsentwicklung, dem verfügbaren Einkommen und Wechselkursen gegeben. Das Angebot in der Kühlgutschifffahrt wird von konventionellen Reeferschiffen und Containerschiffen mit Reefercontainern bereitgestellt. In letzter zeit ist der Reefermarkt durch den Konkurrenzkampf zwischen diesen Anbietern gekennzeichnet. Für beide Arten des Transports gibt es bestimmende Faktoren. So ist der Container bei kleinen Ladungsvolumina und heterogener Ladung vorzuziehen, wohingegen das Vollreeferschiff bei großen Ladungsaufkommen und homogener Ladung bevorzugt wird. Insgesamt steigt der Marktanteil der Container jedoch kontinuierlich an.
Terminals im Kühlgutbereich müssen hohen Anforderungen gerecht werden. Insbesondere die Aufrechterhaltung der Kühlkette während des gesamten Transportweges ist ein kritischer Punkt. Infra- und Suprastruktur eines Kühlgutterminals müssen den besonderen Eigenschaften der Kühlgüter, insbesondere ihrer Zeitsensibilität, Rechnung tragen. Eine Technik, die im Lagerwesen schon seit längerem verwendet wird und nun auch im Transport von Kühlgütern eingesetzt wird, ist die kontrollierte Atmosphäre. Dabei wird die Luftzusammensetzung geändert, um die Fruchtatmung zu reduzieren und damit den Reifeprozess zu verlangsamen. Somit sind längere Transitzeiten bei besserer Fruchtqualität möglich.
Europa ist der wichtigste Importmarkt für Kühlgüter. Der intraeuropäische Handel wird vom Fischhandel dominiert. Dieser ist auch für die Kühlgutschifffahrt in Nordeuropa der entscheidende Faktor. Obwohl ein großer Teil der Transporte durch die Fischereiflotte selbst durchgeführt wird, so ist dennoch der Transport von Frost- oder Frischfisch ein wichtiges Marktsegment im nordeuropäischen Reefermarkt. Als wichtige Häfen im nordeuropäischen Fischhandel lassen sich Cuxhaven und Esbjerg in Dänemark herausstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Angebot und Nachfrage im Kühlgutmarkt
1.2 Haupttransportströme und bedeutende Marktteilnehmer
1.3 Modal Split: Container vs. Vollreefer
2 Technische Aspekte der Kühlgutlogistik
2.1 Schiffstypen im Kühlguttransport
2.1.1 Konventionelle Reeferschiffe
2.1.2 Containerschiffe
2.2 Anforderungen an ein Kühlgutterminal
2.3 Neue Entwicklungen
3 Der nordeuropäische Reefermarkt
3.1 Marktübersicht
3.2 Bedeutende Häfen
4 Fallbeispiel: Nomadic Shipping ASA
4.1 Das Unternehmen
4.2 Dienste und Terminals
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Strukturen und Dynamiken des Seegüterteilmarktes für temperaturgeführte Logistik, mit besonderem Fokus auf den nordeuropäischen Markt und aktuelle Trends im Wettbewerb zwischen konventionellen Schiffen und Containern. Die Forschungsfrage untersucht dabei, welche Faktoren die Nachfrage nach Kühlguttonnage beeinflussen und wie technologische sowie strukturelle Entwicklungen den Transportprozess verändern.
- Marktanalyse von Angebot und Nachfrage für Kühlgüter
- Technische Differenzierung und Wettbewerb zwischen Vollreefern und Containerschiffen
- Anforderungen an die Infrastruktur und den Betrieb von Kühlgutterminals
- Regionale Besonderheiten und Bedeutung des Fischhandels in Nordeuropa
- Fallstudie zur strategischen Ausrichtung eines Akteurs der Reefer-Schifffahrt
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Konventionelle Reeferschiffe
Konventionelle Reeferschiffe sind Spezialschiffe für den Transport temperaturgeführter Ladungen. Entwickelt wurden sie ursprünglich für den Transport von Fleisch aus Neuseeland und Australien nach England gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Interessanterweise wurde damals Wolle als Isoliermittel verwendet und nach dem Transport nach England ebenfalls verkauft. Man unterscheidet zwei unterschiedliche Beladungssysteme, die Seitenbeladung durch Seitentüren im Schiffskörper und die vertikale Beladung durch Luken. Beim konventionellen Reeferschiff wird der gesamte Schiffsraum gekühlt. Die Ladung befindet sich in separaten Stauräumen. Wichtig ist die Isolierung des Schiffskörpers und der Stauräume untereinander. Reeferschiffe gelten als relativ komplizierte Schiffe und werden meist in hochspezialisierten Werften Europas gebaut.
Moderne konventionelle Reeferschiffe sind oft für das Laden von Paletten ausgelegt, weil die Palettisierung im Kühlgutsektor immer mehr zugenommen hat. Neuerdings werden oft auch an Bord dieser Schiffe Stellplätze für Reefercontainer vorgesehen. Als Rückladung werden auf einigen Routen PKW transportiert, um Leerfahrten zu vermeiden. Die Größe dieser Schiffe reicht von etwa 60.000 cbf bis 800.000 cbf. Die größten Reeferschiffe mit 800.000 cbf haben eine Kapazität von etwa 15.000 tdw. Aufgrund der häufig schlecht entwickelten Infrastruktur in den Ladungsländern sind Reeferschiffe meist mit eigenem Geschirr ausgerüstet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Kühlgutlogistik, inklusive der wesentlichen Gütergruppen sowie der ökonomischen Bestimmungsfaktoren für den globalen Transportbedarf.
2 Technische Aspekte der Kühlgutlogistik: Hier werden die Schiffstypen, Terminalanforderungen und moderne Verfahren wie die kontrollierte Atmosphäre (CA) detailliert gegenübergestellt.
3 Der nordeuropäische Reefermarkt: Der Fokus liegt auf den Importströmen und der spezifischen Rolle des Fischhandels für die nordeuropäische Schifffahrtsregion.
4 Fallbeispiel: Nomadic Shipping ASA: Anhand dieses Unternehmens wird die strategische Entwicklung eines globalen Reefer-Akteurs hin zu einem Logistik-Komplettanbieter aufgezeigt.
5 Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse über den wachsenden Wettbewerb zwischen Containern und Vollreefern sowie die Bedeutung der Kühlkette.
Schlüsselwörter
Kühlgutlogistik, Reeferschiffe, Reefercontainer, Kühlkette, Seegüterteilmarkt, Nordeuropa, Fischhandel, Kontrollierte Atmosphäre, Containerschifffahrt, Transportaufkommen, Nomadic Shipping ASA, Terminalinfrastruktur, Vollreefer, Kühlgutterminal, Logistikdienstleistungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Seegüterteilmarktes für kühlpflichtige Waren und untersucht die Bedingungen, unter denen temperaturgeführte Güter global transportiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Nachfrageanalyse, technische Transportlösungen (Vollreefer vs. Container), infrastrukturelle Anforderungen an Häfen und aktuelle technologische Neuerungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die dynamischen Veränderungen im Reefermarkt zu verstehen, insbesondere den Wettbewerb zwischen Schiffstypen sowie die Bedeutung regionaler Märkte für die Seeschifffahrt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Marktanalyse sowie einer Fallstudienbetrachtung, um praktische Entwicklungen im Hafenmanagement zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in technische Grundlagen des Kühlguttransports, eine detaillierte Marktanalyse für Nordeuropa und die Untersuchung eines konkreten Unternehmensbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kühlgutlogistik, Reeferschiffe, Reefercontainer, Kühlkette, Nordeuropa und Fischhandel.
Welchen Stellenwert nimmt der Fischhandel in der Arbeit ein?
Der Fischhandel wird als dominierender Faktor für den intraeuropäischen Transport in Nordeuropa identifiziert, insbesondere im Hinblick auf spezialisierte Häfen wie Cuxhaven und Esbjerg.
Was zeichnet die Strategie von Nomadic Shipping ASA aus?
Nomadic Shipping ASA transformiert sich vom reinen Reeder zum Anbieter integrierter Haus-zu-Haus-Logistiklösungen, unterstützt durch den Betrieb eigener Terminals.
- Citar trabajo
- Frank Gümmer (Autor), 2002, Analyse eines Seegüterteilmarktes am Beispiel der Kühlgutlogistik unter besonderer Beachtung des nordeuropäischen Marktes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18823