Es ist ruhig geworden um die angepassten Technologien, so scheint es. Bei der Recherche in Bibliotheken und im Internet finden sich wenige Einträge, Artikel und Veröffentlichungen, die in den letzten Jahren zum Thema angepasste Technologien (AT)erschienen sind. Auch als Schwerpunkt auf Tagungen und Kongressen sind die
AT von anderen (vielleicht nur anders benannten?) Themen abgelöst worden. DieSchließung relevanter Einrichtungen kam hinzu und erschwert heutzutage die Suche nach Akteuren im Bereich der AT, die sich heute (noch) intensiv mit dem Thema beschäftigen. Allerdings gibt es immer wieder Anlässe bei denen zum Thema AT berichtet wird und in deren Zusammenhang auch die AT entweder direkt genannt oder zumindest inhaltlich gemeint und angesprochen werden, z.B.konkrete Hilfestellungen und Vorbereitungen für Berufsgruppen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung tendenziell in den sog. Entwicklungsländern arbeiten werden.
Darüber hinaus gibt es immer wieder Forderungen das Konzept der AT
wiederaufzugreifen und unter dem Motto „jetzt erst recht“ einen neuen Versuch zur Belebung der Thematik zu starten. Überflüssig – da sind sich gerade viele Praktiker in der Entwicklungszusammenarbeit einig – ist das Thema nämlich überhaupt nicht
geworden.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Zielstellung und Gang der Untersuchung
3) Entstehungsgeschichte und Grundzüge des Konzeptes AT
4) Definitionen von AT
5) Technikbewertung als eine Möglichkeit der Operationalisierung von Nachhaltigkeit
6) Ansätze zur Unterscheidung von angepassten und nicht angepassten Technologien
Teil A: Frageraster, Texte und Kriterienlisten
Teil B: Technology Assessment, ITA mit Objektinterview
Teil C: Methoden der Nachhaltigkeitsbewertung
Teil D: Wissenschaftszentrierte Großstudien und Kommissionen
7) Ansätze zur Wiederbelebung der AT
Zielsetzung und Themen der Studie
Die vorliegende Studie untersucht, wie eine Organisation wie die "Gesellschaft für angepasste Technologien e.V." das Konzept der angepassten Technologien (AT) heute definieren kann und welche methodischen Ansätze existieren, um zwischen angepassten und nicht angepassten Technologien zu unterscheiden. Ziel ist es, den aktuellen Stellenwert der AT zu bestimmen und realistische Wege für eine Wiederbelebung der Thematik mittels Elementen der Technikfolgenabschätzung (TA) aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Kritik am Konzept der angepassten Technologien
- Bandbreite der Definitionen von AT in Theorie und Praxis
- Technikbewertung als Operationalisierungsinstrument für Nachhaltigkeit
- Vergleichende Analyse von Ansätzen zur Unterscheidung von Technologien
- Integration von Elementen der TA zur Förderung angepasster Technologien
Auszug aus dem Buch
3. Entstehungsgeschichte und Grundzüge des Konzeptes der angepassten Technologien:
Im Rückblick betrachtet konzentriert sich das Entstehen bzw. konzentrieren sich die auslösenden Momente für eine Konstituierung der AT auf einige Punkte, für die maßgeblich eine fehlgeleitete und in vielen Augen fehlentwickelte Entwicklungshilfe (insbesondere technischer Art) in den 1950er und 1960er Jahren verantwortlich gemacht werden kann. Bezeichnenderweise lassen sich viele Parallelen zwischen der Entwicklung und der Veränderung der angepassten Technologie und den Entwicklungsstrategien oder Entwicklungsleitbildern in der Entwicklungspolitik erkennen. Welche Strömungen jetzt welche Entwicklung ausgelöst hat und welchen Einfluss die verschiedenen Konzepte aufeinander hatten und immer noch haben, soll an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden.
Seit Beginn der Fünfzigerjahre, als die Kolonial-Ära in den meisten Ländern der Dritten Welt zu Ende ging, wird der Industrialisierungsprozeß als eines der fundamentalen Ziele der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und zugleich als das wichtigste Instrument zur Überwindung der Probleme der Armut und Unterentwicklung in den Entwicklungsländern betrachtet. Rapide industrielle Entwicklung nach westlichem Muster mit massivem Kapital- und Technologietransfer von Industrieländern sollte die ökonomische und technische Kluft zwischen armen und reichen Ländern der Welt überbrücken. Wie wohl bekannt ist, waren alle Entwicklungsländer vom technischen Fortschritt und von der industriellen Entwicklung in der westlichen Welt so fasziniert, dass auch sie in kürzester Zeit mit Hilfe der modernen Technologie und gigantischer Industrieanlagen ihren Rückstand aufzuholen versuchten.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Beschreibt das aktuelle Desinteresse an angepassten Technologien in der Öffentlichkeit sowie die Notwendigkeit, das Thema im Kontext praktischer Entwicklungsarbeit neu zu beleben.
2) Zielstellung und Gang der Untersuchung: Definiert die Forschungsziele, nämlich die Basis für ein modernes AT-Verständnis zu schaffen und Methoden zur Technikbewertung aufzuzeigen.
3) Entstehungsgeschichte und Grundzüge des Konzeptes AT: Analysiert die historischen Fehlentwicklungen der klassischen Entwicklungshilfe und die Entstehung der angepassten Technologie als Gegenentwurf.
4) Definitionen von AT: Beleuchtet die begriffliche Vielfalt und unterschiedliche Interpretationen, die das Konzept der angepassten Technologien prägen.
5) Technikbewertung als eine Möglichkeit der Operationalisierung von Nachhaltigkeit: Verknüpft das Leitbild der Nachhaltigkeit mit der Technikbewertung als praktischem Analyseinstrument.
6) Ansätze zur Unterscheidung von angepassten und nicht angepassten Technologien: Präsentiert methodische Werkzeuge wie Frageraster, das Objektinterview und Kriterienlisten für die Technologiebewertung.
7) Ansätze zur Wiederbelebung der AT: Formuliert konkrete Schritte für den GAT e.V., um das Thema durch moderne TA-Methoden und eine klare Positionierung wieder in den Fokus zu rücken.
Schlüsselwörter
Angepasste Technologien, AT, Technikbewertung, Technikfolgenabschätzung, TA, Nachhaltige Entwicklung, Entwicklungspolitik, Innovationsorientierte TA, ITA, Objektinterview, Technologietransfer, Nachhaltigkeitsmatrix, Soziale Verträglichkeit, Umweltverträglichkeit, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Renaissance und methodischen Neuausrichtung des Konzepts der "angepassten Technologien" (AT) im Rahmen der heutigen Technikbewertungsdiskussion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Entwicklungsgeschichte der AT, ihre theoretische Abgrenzung, die Verbindung zur Nachhaltigkeitsdebatte und die Anwendung von Instrumenten der Technikfolgenabschätzung (TA).
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, eine methodische Grundlage zu schaffen, um Technologien systematisch auf ihre Anpassung zu prüfen und eine "Wiederbelebung" des AT-Konzepts für den GAT e.V. zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine umfangreiche Literaturanalyse und auf Ansätze der Technikfolgenabschätzung (TA), insbesondere das Verfahren des "Objektinterviews" und die "innovationsorientierte TA" (ITA).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert bestehende Definitionen, diskutiert Kriterienkataloge für die Technologiebewertung und bewertet verschiedene TA-Konzepte hinsichtlich ihrer Eignung für kleinere Innovationskontexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Angepasste Technologien, Nachhaltigkeit, Technikfolgenabschätzung (TA), ITA, Objektinterview, Entwicklungszusammenarbeit.
Was unterscheidet das Objektinterview von klassischen Fragebögen?
Das Objektinterview ist kein klassischer Meinungsfragebogen, sondern ein systematischer Katalog zur Beschreibung und Bewertung von Objekten im Kontext ihres gesellschaftlichen Produktionsprozesses.
Warum ist die "innovationsorientierte TA" (ITA) relevant für diese Studie?
Die ITA wird als flexibler Ansatz betrachtet, der sich besonders für die Begleitung von kleinen, situationsspezifischen Innovationen eignet, was sie für die Arbeit mit angepassten Technologien besonders wertvoll macht.
- Quote paper
- Veit Hartmann (Author), 2010, Wiederbelebung des Themas Angepasste Technologien durch Elemente der Technikfolgenabschätzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188479