Schule hat die Aufgabe, die Kinder gesellschaftsfähig zu machen. Doch sollte sich diese Institution nicht auch den gesellschaftlichen Veränderungen und der Lebenswelt ihrer Klientel anpassen? Mit den steigenden Ansprüchen und Erwartungen an die junge Generation steigt statistisch auch der Anteil an verhaltensauffälligen und psychisch kranken Kindern, sodass nunmehr die Forderung musiktherapeutischen Einsatzes in der Grundschule laut wird. Sollte also eine therapeutische Behandlung aller Kinder (Musiktherapie im Klassenverband) mit dieser Tatsache einhergehen?
In der Ausarbeitung wurde der Versuch unternommen Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Schnittstellen der Musikpädagogik und –therapie aufzuzeigen. Weiterhin wurde hinterfragt, woher die erachtete Notwendigkeit der Musiktherapie in der Schule rührt, und welche Vor- und Nachteile des musiktherapeutischen Tätigwerdens in der Institution Schule dargelegt werden können. Hat der Lehrer die Kompetenzen und die Kraft gleichzeitig Therapeut und Pädagoge zu sein? Kann ein Pädagoge der Doppelfunktion standhalten?
„Würden sie ihrem Kind Hustenstiller verabreichen, obwohl es keinerlei Anzeichen einer Erkrankung aufzeigt?“
Diese Fragestellung soll zum Nachdenken anregen. Warum sollten gesunde Kinder therapiert werden?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die „musikalisch-pädagogisch-therapeutische Arbeit“ – die Notwendigkeit einer Neudefinition?
1.1 Musiktherapie und Musikpädagogik- Unterschiede und Gemeinsamkeiten
1.2 Auf der Suche nach Schnittstellen in Pädagogik und Therapie
2. Was Schule alles leisten soll
2.1 Warum nun Musiktherapie in der Grundschule? Von kranken Schülern und überforderten Lehrern
2.2 Die Frage nach einem geeigneten Therapeuten- Kann ein Pädagoge therapeutisch tätig werden?
3. Musiktherapie in der Grundschule- eine Bereicherung für die Pädagogik?
4. Schluss
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle und Integration von Musiktherapie innerhalb der Institution Grundschule. Ziel ist es, die Schnittstellen und Unterschiede zwischen Musikpädagogik und Musiktherapie zu analysieren und zu hinterfragen, ob Lehrkräfte als Therapeuten fungieren sollten oder inwiefern externe Unterstützung für die steigende Anzahl verhaltensauffälliger Schüler notwendig ist.
- Abgrenzung von Musikpädagogik und Musiktherapie
- Analyse der Belastungssituation von Lehrkräften und Schülern
- Evaluierung der Eignung von Pädagogen für therapeutische Aufgaben
- Diskussion über Vor- und Nachteile einer Implementierung im Schulalltag
- Betrachtung von Rollenkonflikten und organisatorischen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Musiktherapie und Musikpädagogik- Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Was genau unter pädagogischen oder psychotherapeutischen Sichtweise und Handlungen zu verstehen ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Dennoch werden in der Literatur immer wieder Versuche unternommen, klare Definitionen und Abgrenzungen der Disziplinbereiche vorzunehmen. In der Literatur wurde beispielsweise folgende Unterscheidung von Natalie Hippel vorgenommen:
Die Aufstellung dieser Charakteristika ist meines Erachtens allerdings nicht aussagekräftig genug. Immer wieder verschwimmen Grenzen und stets sollte der individuelle Fall betrachtet werden. Um etwaige Schnittstellen aufführen zu können, versuche ich im Folgenden eine grundlegende dennoch detailliertere Unterteilung vorzunehmen.
Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die insbesondere mit den Wissenschaftsbereichen der Medizin, der Psychologie, der Musikwissenschaft sowie der Pädagogik in Wechselwirkung steht. In Deutschland definiert man Musiktherapie „als summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen, die ihrem Wesen nach als psychotherapeutisch zu charakterisieren sind [...]“ (Kassler Thesen, 1998), während Musikpädagogik einen „Beitrag zur grundlegenden Bildung [leistet], indem sie die gestalterischen Kräfte der Kinder entwickelt, ihre Erlebnisfähigkeit entwickelt und ihre Ausdrucksfähigkeit differenziert. Sie hat die Aufgabe, die Freude am Singen und Musizieren, am Musikhören und an der Bewegung nach Musik zu wecken und zu erhalten (Kultusministerium NRW, 2004, S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik steigender Anforderungen an die Schule und die daraus resultierende Diskussion über therapeutischen Bedarf bei Grundschulkindern.
1. Die „musikalisch-pädagogisch-therapeutische Arbeit“ – die Notwendigkeit einer Neudefinition?: Theoretische Abgrenzung der beiden Disziplinen anhand von Merkmalen wie Zielsetzung, Klienten-Beziehung und therapeutischer Diagnostik.
1.1 Musiktherapie und Musikpädagogik- Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Detaillierte Gegenüberstellung der Arbeitsweisen von Musiktherapeuten und Musikpädagogen unter Einbezug fachliterarischer Definitionen.
1.2 Auf der Suche nach Schnittstellen in Pädagogik und Therapie: Untersuchung der gemeinsamen Wurzeln in der musikalischen Ausbildung und die Bedeutung von vertrauten Instrumenten für therapeutische Prozesse.
2. Was Schule alles leisten soll: Analyse der wachsenden Erziehungsfunktion der Schule und der damit verbundenen hohen Belastung und Burn-out-Gefährdung des Lehrpersonals.
2.1 Warum nun Musiktherapie in der Grundschule? Von kranken Schülern und überforderten Lehrern: Diskussion über den Anstieg psychischer Auffälligkeiten und das Bedürfnis der Lehrerschaft nach kooperativer Unterstützung.
2.2 Die Frage nach einem geeigneten Therapeuten- Kann ein Pädagoge therapeutisch tätig werden?: Erörterung der Qualifikationsunterschiede und der Gefahr von Rollenkonflikten bei einer Doppelrolle als Lehrer und Therapeut.
3. Musiktherapie in der Grundschule- eine Bereicherung für die Pädagogik?: Abwägung der praktischen Vor- und Nachteile der Implementierung, inklusive Raumfragen und organisatorischer Hürden.
4. Schluss: Zusammenfassende Einschätzung, dass eine Integration der Musiktherapie zwar sinnvoll, aber nicht pauschal als „Klassentherapie“ umsetzbar ist, und Appell an die diagnostische Sensibilisierung von Lehrern.
Schlüsselwörter
Musiktherapie, Musikpädagogik, Grundschule, Inklusion, Verhaltensauffälligkeit, Lehrerbelastung, Burn-out, Diagnose, Kooperation, Rollenkonflikt, Schulklima, Schulische Bildung, Instrumentarium, Sozialpädagogik, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Ausarbeitung befasst sich mit der theoretischen Abgrenzung und der praktischen Umsetzbarkeit von Musiktherapie im Umfeld der Grundschule unter Berücksichtigung der Belastungssituation von Kindern und Lehrern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen von Pädagogik und Therapie, die Rolle der Lehrkraft, psychische Störungen im Schulalltag sowie organisatorische Herausforderungen der Implementierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob und in welcher Form eine musiktherapeutische Unterstützung in der Grundschule sinnvoll ist, ohne dass Lehrkräfte mit Aufgaben überlastet werden, für die sie nicht qualifiziert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Studien sowie Umfrageergebnissen zur aktuellen Situation an Grundschulen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Notwendigkeit therapeutischer Ansätze, die Abgrenzung von Rollenbildern (Pädagoge vs. Therapeut) und die praktischen Anforderungen an eine erfolgreiche Kooperation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Musiktherapie, Musikpädagogik, Lehrerbelastung, Inklusion, Rollenkonflikt und professionelle Diagnosefähigkeit.
Warum wird die Doppelrolle von Lehrern als problematisch angesehen?
Die Autorin sieht in der Vermischung von Lehrer- und Therapeutenrolle eine Gefahr für das Vertrauensverhältnis, da der Schüler Schwierigkeiten haben könnte, zwischen der bewertenden Lehrperson und der schützenden Therapeutenrolle zu differenzieren.
Ist Musiktherapie in der Grundschule laut der Autorin präventiv einsetzbar?
Die Autorin stellt diese Frage explizit zur Diskussion, äußert sich jedoch skeptisch gegenüber einer pauschalen „Klassentherapie“ und betont stattdessen die Wichtigkeit der diagnostischen Kompetenz zur gezielten Weitervermittlung an Fachpersonal.
- Citation du texte
- Katrin Reiners (Auteur), 2010, Musiktherapie in der Grundschule - Ein kritischer Blick in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188533