Ob atchoum, ahchoo, achís oder einfach hatschi, die Antwort hierauf hat im weitesten Sinne immer etwas mit der Gesundheit des Menschen im Allgemeinen zu tun. So wie das Geräusch des Niesens mit einer gewissen Lautstärke verbunden ist und Aufmerksamkeit erregt, so wird es auch stets lauter um den Begriff der Gesundheitspolitik – sowohl abends in der Kneipe am Stammtisch unter den Feierabendpolitikern als auch in der Politikwissenschaft unter den Politikern und so genannten Expertengruppen. Während man sich am Stammtisch dabei allerdings auf Artikel in einschlägigen Medien oder auf Aussagen diverser Polit-Talkshow-Gäste bezieht und allgemeine Vorurteile bezüglich des vermeintlich maroden und immer teurer werdenden Gesundheitssystems zum Besten gibt, geht es in der Politik darum, das Gesundheitswesen als gesteuerten und eigenständigen Wirtschaftszweig zu betrachten. Dennoch werden hier sowohl individuelle –bzw. weiter gefasst gesellschaftliche – als auch sozialwissenschaftliche Interessen widergespiegelt. So scheint es nicht verwunderlich, dass aus der Gesundheitspolitik als Teilbereich der Sozialpolitik im Laufe der Zeit und des demographischen sowie gesellschaftlichen Wandels ein eigenständiges Politikfeld und neues großes Thema für die Politikwissenschaft einerseits und die Wirtschaftswissenschaften andererseits geworden ist. Von besonderem Interesse sind hierbei mehrdimensionale gesundheitspolitische Konflikte, die allesamt von den übergreifenden politischen Zielen der Finanzierbarkeit, der Qualität, der Solidarität und des Wachstums beeinflusst werden. Während mit der Qualität und Solidarität die universalistische Bereitstellung einer hochwertigen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung unabhängig vom erbrachten Dienst und Status gemeint ist, so ist der Begriff der Finanzierbarkeit wie selbstverständlich mit der Stabilisierung der Gesundheitsausgaben einerseits und der Kostenkontrolle ebendieser andererseits definiert. Der Begriff Finanzierbarkeit spielt in der Gesundheitspolitik eine bedeutende Rolle, da der medizinische Versorgungsbedarf aufgrund des steigenden Altersquotienten der Bevölkerung enorm steigt und der Anteil der Erwerbstätigen stetig sinkt. Wachstum innerhalb des Gesundheitsmarkts zielt auf die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten und die Gewinnchancen für Leistungsanbieter ab. Interessant ist dabei die Unvereinbarkeit aller vier Ziele zur gleichen Zeit: [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorien des Wohlfahrtsstaats
2.1 Funktionalismus
2.1.1 Funktionalistische Erklärungsansätze
2.1.2 Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaatlichkeit
2.2 Interessen- und Konflikttheorie
2.2.1 Interessen- und konflikttheoretische Ansätze
2.2.2 Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaatlichkeit
2.3 Institutionalismus
2.3.1 Institutionalistische Erklärungsansätze
2.3.2 Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaatlichkeit
3. Typologisierung des Wohlfahrtsstaats
3.1 Vergleichskriterien
3.2 Die drei Wohlfahrtswelten
3.2.1 Der liberale Wohlfahrtsstaat
3.2.2 Der konservative Wohlfahrtsstaat
3.2.3 Der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat
3.2.4 Kommentar
4. Gesundheitspolitik als eigenständiges Politikfeld
4.1 Annäherung an die Begriffe Gesundheit und Gesundheitspolitik
4.2 Akteure in der Gesundheitspolitik
5. Gesundheitspolitik in Deutschland
5.1 Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens
5.2 Historische Entwicklung – Anfänge und Reformen von 1883 bis zum Gesundheitsfonds 2009 im Überblick
5.2.1 Anfänge des Sozialstaats im deutschen Kaiserreich (1871-1918)
5.2.2 Fort- und Rückschritt in der Weimarer Republik
5.2.3 Einfluss des nationalsozialistischen Deutschland
5.2.4 Rekonstruktion und Ausbau bis 1975
5.2.5 Stabilisierung der Gesundheitsausgaben bis 1998
5.2.6 Zielwandel ab 1998
5.2.7 Das GKV-Modernisierungsgesetz 2004
5.2.8 Der Gesundheitsfonds als Folge der Gesundheitsreform 2007
5.2.9 Zusammenfassung der Zielkonflikte und Politikwechsel der einzelnen Etappen
6. Gesundheitspolitik in den USA
6.1 Grundzüge der sozialpolitischen Entwicklung
6.2 Besonderheiten des US-amerikanischen Gesundheitssystems
6.2.1 Die staatliche Krankenversicherung Medicare
6.2.2 Das Gesundheitsversorgungsprogramm Medicaid
6.2.3 Die Health Maintenace Organization als Alternativform der privaten Krankenversicherung
6.3 Gesundheitspolitik in der Geschichte der USA
6.3.1 Die Reagan-Ära (1981-1989)
6.3.2 Die Clinton-Administration (1993 – 2001)
6.3.3 Die Bush-Regierung (2001-2009)
6.3.4 Obamas Gesundheitsreform – Can he?
6.3.4.1 Gewinner und Verlierer der Gesundheitsreform
6.3.4.2 Ausblick
7. Ein metaperspektivischer Vergleich
7.1 Der staatliche und private Sektor im deutschen und amerikanischen Gesundheitswesen
7.2 Die Sozial- und Gesundheitsausgaben im Vergleich
7.3 Die Ausprägung der jeweiligen Wohlfahrtsstaatlichkeit
7.3.1 Die USA – Workfare instead of Welfare?
7.3.2 Deutschland – ein Wohlfahrtsstaat par excellence?
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die deutsche und US-amerikanische Gesundheitspolitik, um deren Auswirkungen auf die jeweilige Wohlfahrtsstaatlichkeit zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herauszuarbeiten.
- Vergleichende Analyse der Gesundheitssysteme aus einer Metaperspektive
- Historischer Überblick gesundheitspolitischer Reformen in Deutschland und den USA
- Einfluss der Ziele Finanzierbarkeit, Qualität, Solidarität und Wachstum auf die Ausgestaltung der Gesundheitspolitik
- Einordnung der Gesundheitssysteme in die Typologisierung der Wohlfahrtsstaaten nach Gøsta Esping-Andersen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Ob atchoum, ahchoo, achís oder einfach hatschi, die Antwort hierauf hat im weitesten Sinne immer etwas mit der Gesundheit des Menschen im Allgemeinen zu tun. So wie das Geräusch des Niesens mit einer gewissen Lautstärke verbunden ist und Aufmerksamkeit erregt, so wird es auch stets lauter um den Begriff der Gesundheitspolitik – sowohl abends in der Kneipe am Stammtisch unter den Feierabendpolitikern als auch in der Politikwissenschaft unter den Politikern und so genannten Expertengruppen.
Während man sich am Stammlisch dabei allerdings auf Artikel in einschlägigen Medien oder auf Aussagen diverser Polit-Talkshow-Gäste bezieht und allgemeine Vorurteile bezüglich des vermeintlich maroden und immer teurer werdenden Gesundheitssystems zum Besten gibt, geht es in der Politik darum, das Gesundheitswesen als gesteuerten und eigenständigen Wirtschaftszweig zu betrachten. Dennoch werden hier sowohl individuelle – bzw. weiter gefasst gesellschaftliche – als auch sozialwissenschaftliche Interessen widergespiegelt. So scheint es nicht verwunderlich, dass aus der Gesundheitspolitik als Teilbereich der Sozialpolitik im Laufe der Zeit und des demographischen sowie gesellschaftlichen Wandels ein eigenständiges Politikfeld und neues großes Thema für die Politikwissenschaft einerseits und die Wirtschaftswissenschaften andererseits geworden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Gesundheitspolitik als eigenständiges Politikfeld ein und skizziert die Fragestellung der vergleichenden Analyse zwischen Deutschland und den USA.
2. Theorien des Wohlfahrtsstaats: Das Kapitel stellt die zentralen theoretischen Ansätze der Funktionalismus-, Interessen- und Konflikt- sowie Institutionalismustheorie zur Erklärung wohlfahrtsstaatlicher Entwicklung vor.
3. Typologisierung des Wohlfahrtsstaats: Hier wird das Modell von Gøsta Esping-Andersen erläutert, um Wohlfahrtsstaaten anhand von Kriterien wie De-Kommodifizierung in verschiedene Typen einzuordnen.
4. Gesundheitspolitik als eigenständiges Politikfeld: Dieses Kapitel nähert sich den Begriffen Gesundheit und Gesundheitspolitik und beleuchtet die Rolle der verschiedenen Akteure innerhalb dieses komplexen Systems.
5. Gesundheitspolitik in Deutschland: Eine detaillierte historische Betrachtung der deutschen Gesundheitspolitik von Bismarck bis zum Gesundheitsfonds 2009 mit Fokus auf Strukturwandel und Zielkonflikte.
6. Gesundheitspolitik in den USA: Die Analyse der fragmentierten US-Gesundheitspolitik, einschließlich der Programme Medicare und Medicaid sowie der Reformbemühungen verschiedener Präsidenten bis zu Obama.
7. Ein metaperspektivischer Vergleich: Dieses Kapitel vergleicht beide Systeme hinsichtlich Sektorstruktur, Ausgaben und Wohlfahrtsausprägung, um Rückschlüsse auf die jeweilige Ausgestaltung zu ziehen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass beide Systeme trotz unterschiedlicher Traditionen und Strukturen mit ähnlichen Herausforderungen wie Finanzierbarkeit und demographischem Wandel konfrontiert sind.
Schlüsselwörter
Gesundheitspolitik, Wohlfahrtsstaat, Deutschland, USA, Gesundheitssystem, Sozialpolitik, Finanzierbarkeit, Reformen, Solidarität, Medicare, Medicaid, GKV, Krankenversicherung, Markt, Strukturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Gesundheitspolitik in Deutschland und den USA, um deren Einflüsse auf die jeweilige Ausgestaltung der Wohlfahrtsstaatlichkeit zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Gesundheitssysteme, die Rolle von Staat und Markt, die Finanzierungsmodelle und die Auswirkungen politischer Reformen auf die soziale Sicherung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aus einer Metaperspektive Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Gesundheitssysteme herauszuarbeiten, um Rückschlüsse auf die momentane wohlfahrtsstaatliche Ausrichtung beider Länder zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Interpretation und Auswertung von Sekundärliteratur zur Wohlfahrtsstaatenforschung sowie auf historische und aktuelle Quellen zur Gesundheitspolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst theoretische Grundlagen zur Wohlfahrtsstaatlichkeit, eine Typologisierung nach Esping-Andersen, die historische Aufarbeitung der deutschen Gesundheitspolitik sowie eine Analyse der US-amerikanischen Entwicklung bis zu Obamas Gesundheitsreform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gesundheitspolitik, Wohlfahrtsstaat, Krankenversicherung, Finanzierbarkeit, Solidarität, GKV, Medicare, Medicaid und Strukturwandel.
Warum wird in den USA bei der Krankenversicherung häufig von einem "grobmaschigen Netz" gesprochen?
Dieser Begriff wird verwendet, da es in den USA keinen universellen Versicherungszwang wie in Deutschland gibt und das System stark fragmentiert ist, wodurch viele Bürger – insbesondere Geringverdiener oder Arbeitslose – oft unzureichend abgesichert sind.
Was unterscheidet das deutsche System grundlegend vom amerikanischen?
Deutschland basiert auf einem historisch gewachsenen, beitragsfinanzierten System mit Versicherungszwang und einem Fokus auf Solidarität, während das amerikanische System stark marktwirtschaftlich organisiert ist und die Eigenverantwortung des Individuums stärker betont.
Wie bewertet die Autorin die Auswirkungen von Obamas Gesundheitsreform?
Die Reform wird als notwendiger, ehrgeiziger Schritt gegen die hohe Unterversicherung gewertet, wobei jedoch auf die begrenzten politischen Handlungsspielräume und die Skepsis weiter Teile der amerikanischen Bevölkerung hingewiesen wird.
- Arbeit zitieren
- Sarah Gey (Autor:in), 2010, Die US-amerikanische und deutsche Gesundheitspolitik im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188544