Das Internet als Kommunikationsmedium der Zukunft bietet umfangreiche Möglichkeiten, Menschen in direkter Art und Weise zu erreichen, zu beobachten sowie zu manipulieren und hat aus diesem Grund in den letzten Jahren wiederholt Diskurse zur Überarbeitung des
allgemeinen Datenschutzes ausgelöst. Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, anhand von modernen Werbeverfahren, Ursachen für umfangreich angelegte Datensammlungen zu beschreiben und Auswirkungen dieser auf die Privatsphäre der Internet-Nutzer/innen herauszustellen. Dazu wird im Folgenden betrachtet, inwieweit Daten als Internet-Zahlungsmittel angesehen werden können, sowie der Zusammenhang zwischen extensiver Datensammelei und Identitätsdiebstahl und -missbrauch dargestellt. Erwartet wird, dass die monetären Anreize auf Grundlage sogenannter Cyber-Werbung, sowie das Fehlen international anerkannter Datenschutzrichtlinien eine Gefahr für die Unantastbarkeit des Individuums bedeuten, da die
Grenze zwischen informativer Werbung und Manipulation zusehends verschwimmt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Cyber-Werbung
2.1 Digitaler Fingerabdruck
2.2 Behavioral-Targeting
2.3 Reality-Mining
3 Daten im Web 2.0
3.1 User-Generated-Content
3.2 Daten als Zahlungsmittel
4 Exkurs: Post-Privacy-Theorie
5 Digitale Privatsphäre
5.1 Identitätsdiebstahl und -missbrauch
5.2 Cyber-Stalking
5.3 Opt-In vs. Opt-Out
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Ursachen und Auswirkungen der massenhaften Datensammlung im Internet zu analysieren sowie Risiken für die Privatsphäre der Nutzer aufzuzeigen. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei insbesondere auf die Rolle von Daten als inoffizielles Zahlungsmittel sowie die Manipulationsgefahr durch moderne Werbeverfahren.
- Mechanismen moderner Cyber-Werbung und deren Manipulationspotenzial
- Die ökonomische Transformation von Nutzerdaten zur Währung
- Gefahren durch Identitätsdiebstahl und Cyber-Stalking
- Kritische Auseinandersetzung mit der Post-Privacy-Theorie
- Bewertung von Opt-In- versus Opt-Out-Verfahren
Auszug aus dem Buch
3.2 Daten als Zahlungsmittel
Bereits aus marktwirtschaftlicher Sicht wird klar, dass ein auf Umsatz und Gewinn fokusiertes Unternehmen keine kostenfreien Dienste bereitstellt, ohne sich monetäre Vorteile davon zu versprechen. Im Gegensatz zu der häufig propagierten Kostenfreiheit basieren aktuelle Bezahlmodelle im Web 2.0 geprägten Internet häufig auf Informationen über die Nutzer. Diese Daten sind zu einer Art inoffiziellen Währung geworden (vgl. Kurz u. Rieger 2011, S.14ff).
Online-Unternehmen bieten ihren Kunden demnach einen Tausch an. Auf der einen Seite werden Dienstleistungen und Informationen zum großen Teil unentgeltlich oder zu einem ermäßigten (Geld-) Preis zur Verfügung gestellt, auf der anderen Seite bezahlen die Nutzer durch die explizite oder implizite Zustimmung zur kommerziellen Verwertung ihrer personenbezogenen Daten. Als weitestgehend unproblematisch kann dieses Handeln folglich nur so lange eingeschätzt werden, wie das Bezahlsystem transparent ist und den Regeln der Vertragsfreiheit folgt. Weitestgehend deshalb, weil sich, so zeigt die Berichterstattung in der freien Presse, viele Bürgerinnen und Bürger schwer tun mit der Vorstellung das monetär kostenfreie Nutzen von Diensten sei dennoch ein ordentlicher Tauschvorgang mit Leistung und Gegenleistung (vgl. Bökenkamp 2010).
Nachvollziehbar wird die ökonomischen Motivation vieler Internet-Unternehmen und ihrer Finanziers erst vor dem Hintergrund der in Kapitel 2 geschilderten, auf umfangreicher Akkumulation und Verknüpfung von Nutzer/innendaten basierenden Werbeverfahren. Da mit steigender Datendichte immer konkretere Nutzer/innenprofile und Verhaltensmuster generiert und die so gewonnen Informationen mit steigender Genauigkeit zum Beispiel zu höheren Preisen an Werbetreibende weitergegeben werden können, nimmt jedes Informationsstück eines/r Nutzers/in direkten Einfluss auf den Profit eines auf User-Generated-Content spezialisierten Unternehmens. Nutzer/innen Profile, Fotos und die abgebildeten Verknüpfungen von Freunden und Bekannten werden auf diese Weise zu einer ausgepreisten Ware und die Werbeindustrie zum eigentlichen Datenprofiteur. Die häufig als kostenfrei angepriesenen Online-Angebote, neue Features und immer komplexere Webseiten dienen dabei in erster Linie der immer stärkeren Nutzer/innenbindung, somit der Erweiterung des Datenbestandes und folglich der Steigerung des Firmenwertes (vgl. Kurz u. Rieger 2011, S.87).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Übergang zur Digitalgesellschaft und formuliert die Problemstellung bezüglich der zunehmenden Datensammelwut im Internet.
2 Cyber-Werbung: Dieses Kapitel analysiert Techniken wie Behavioral-Targeting und Reality-Mining, die auf Basis digitaler Fingerabdrücke personalisierte Werbung ermöglichen.
3 Daten im Web 2.0: Hier wird erläutert, wie durch User-Generated-Content Daten zur inoffiziellen Währung werden, die das Geschäftsmodell von Internetfirmen maßgeblich bestimmen.
4 Exkurs: Post-Privacy-Theorie: Der Exkurs stellt die utopische Perspektive einer gesellschaftlichen Transparenz ohne Privatsphäre gegenüber der kritischen Sichtweise auf Machtasymmetrien.
5 Digitale Privatsphäre: Das Kapitel behandelt negative Folgen wie Identitätsdiebstahl und Cyber-Stalking und vergleicht Opt-In- sowie Opt-Out-Methoden im Datenschutz.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Bedrohungen zusammen und appelliert an die Medienkompetenz der Nutzer sowie die Notwendigkeit internationaler Datenschutzstandards.
Schlüsselwörter
Datenschutz, Internet, Cyber-Werbung, Behavioral-Targeting, Reality-Mining, Web 2.0, User-Generated-Content, Privatsphäre, Identitätsdiebstahl, Cyber-Stalking, Opt-In, Opt-Out, Post-Privacy, Datenkrake, Medienkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Wirkungen der extensiven Datensammlung im Internet durch Unternehmen und die damit verbundenen Risiken für die Privatsphäre der Nutzer.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Kernbereichen gehören moderne Werbeverfahren, die Ökonomie von Daten im Web 2.0, Gefahren wie Cyber-Stalking und Identitätsdiebstahl sowie rechtliche Ansätze im Datenschutz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Daten heute als Zahlungsmittel fungieren und welche Gefahren die Grenze zwischen informativer Werbung und Manipulation für das Individuum birgt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Ausarbeitung basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte (wie die Post-Privacy-Theorie) und empirische Risikofelder systematisch zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert technische Methoden der Datengewinnung, das Tauschgeschäft "Daten gegen Dienstleistung" und die Auswirkungen dieser Praktiken auf die Sicherheit und Identität der Internetnutzer.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Cyber-Werbung, digitaler Fingerabdruck, Behavioral-Targeting, Identitätsdiebstahl und das Spannungsfeld zwischen Opt-In und Opt-Out.
Wie unterscheidet sich Identitätsdiebstahl von Identitätsmissbrauch?
Identitätsdiebstahl ist der Vorgang der unbefugten Beschaffung von Daten, die eine Person kennzeichnen, während Identitätsmissbrauch das aktive, schädigende Agieren unter dieser fremden Identität beschreibt.
Warum wird die Post-Privacy-Theorie in der Arbeit thematisiert?
Sie dient als kritischer Exkurs, um die Utopie einer Gesellschaft ohne Geheimnisse der Realität von massenhafter Überwachung und kommerzieller Datennutzung gegenüberzustellen.
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- B.Sc. Jan Brennenstuhl (Author), 2011, Datenschleudern und Datenfresser, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188629