Die Bedeutung von immateriellen Vermögenswerten hat in der Vergangenheit einen
großen Wandel erfahren.1 Waren es früher eher physische Vermögensgegenstände
wie z. B. Grund und Boden oder Maschinen, die den größten Wertanteil in
einem Unternehmen ausmachten, so sind es heute immaterielle Vermögenswerte
wie z. B. Marken, Know-how und andere gewerbliche Schutz- und Urheberrechte,
die wertvolle Wirtschaftgüter für ein Unternehmen darstellen. Immer mehr Unternehmen
versuchen daher ihre technischen und rechtlichen Ressourcen besser zu
nutzen und überlassen ihre Schutzrechte für eine angemessene Lizenzgebühr an
Dritte.2 Die Ermittlung der Lizenzgebühr ist für die Unternehmen dabei von höchster
Relevanz, da sie zur Nutzungsüberlassung angemessene Verrechnungspreise
ansetzen müssen. Die Bestimmung von Lizenzgebühren ist ebenfalls bei Rechtsverletzungen
(z. B. unrechtmäßige Nutzung einer Marke) von großer Bedeutung,
um den eingetretenen Schaden zu quantifizieren.3
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Bestimmung von Lizenzgebühren auf der
Grundlage von ökonomischen und juristischen Überlegungen. Dazu werden im
Folgenden verschiedene Methoden und Modelle zur Bestimmung von Lizenzgebühren
vorgestellt und deren Vorzüge und Nachteile aufgezeigt.
Die Arbeit gliedert sich daher wie folgt: Zunächst werden im Kapitel 2 die Grundlagen
des Licensing dargestellt, wobei einerseits das Lizenzgeschäft und andererseits
die rechtlichen Grundlagen näher erläutert werden. In Kapitel 3 werden dann
zur Ermittlung einer angemessenen Lizenzgebühr fünf betriebswirtschaftliche
Methoden der Lizenzbewertung im Einzelnen vorgestellt. Kapitel 4 beschäftigt
sich mit dem BBDO Brand Equity Evaluator als Markenbewertungsmodell zur
Quantifizierung von Lizenzgebühren und Schadensersatz. Anschließend daran
wird im Kapitel 5 die Lizenzanalogie als Methode zur Ermittlung von Schadensersatz
dargestellt. Abschließend erfolgt in Kapitel 6 ein Ausblick und die Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen des Licensing
2.1 Licensing
2.1.1 Begriffsdefinition des Licensing
2.1.2 Formen des Licensing
2.1.3 Partner, Ziele und Vorteile im Licensing
2.1.4 Gestaltung des Lizenzvertrages
2.1.5 Charakterisierung der Lizenzgebühr
2.2 Rechtliche Grundlagen des Licensing
2.2.1 Relevante Schutzrechte
2.2.2 Tatbestand der Markenrechtsverletzung
2.2.3 Schadensersatzanspruch
3 Betriebswirtschaftliche Methoden der Lizenzbewertung
3.1 Marktorientierte Lizenzbewertung
3.2 Kostenorientierte Bestimmung der Lizenzgebühren
3.3 Nutzenorientierte Bestimmung der Lizenzgebühren
3.4 Gewinnaufteilungsmethode
3.5 IP-Wert-Methode
4 Der BBDO Brand Equity Evaluator als integratives Markenbewertungsmodell zur Ermittlung von Lizenzgebühren und Schadensersatz
4.1 Integrative Begriffsauffassung des Markenwertes
4.2 Markenbewertungsanlässe des Brand Equity Evaluators
4.3 Komponenten und Markenbewertung
4.4 Bewertung des Brand Equity Evaluators
5 Lizenzanalogiemethode bei Markenrechtsverletzungen
5.1 Lizenzanalogie zur Schadensquantifizierung
5.2 Berechnung einer angemessenen und fiktiven Lizenzgebühr
5.3 Bewertung der Lizenzanalogiemethode
6 Ausblick und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit befasst sich mit der Ermittlung von Lizenzgebühren unter Berücksichtigung ökonomischer und juristischer Aspekte. Das Ziel ist es, verschiedene Methoden und Modelle zur Lizenzbewertung vorzustellen und kritisch zu analysieren, um angemessene Lizenzentgelte für Unternehmen sowie zur Schadensquantifizierung bei Rechtsverletzungen bestimmen zu können.
- Grundlagen des Lizenzwesens und rechtliche Rahmenbedingungen
- Betriebswirtschaftliche Methoden der Lizenzbewertung (markt-, kosten- und nutzenorientierte Ansätze)
- Einsatz des BBDO Brand Equity Evaluators als integratives Bewertungsmodell
- Anwendung der Lizenzanalogiemethode bei Markenrechtsverletzungen
- Kritische Würdigung der Ansätze zur Bestimmung von Lizenzgebühren
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriffsdefinition des Licensing
Dem Duden zufolge hat das aus dem Latein stammende Wort „Lizenz“ vielfältige Bedeutungen. Es kann verstanden werden als eine (gegen Gebühr erteilte) rechtskräftige Genehmigung zur Ausübung eines Gewerbes (Konzession), eine patentrechtliche Vereinbarung zur Befugnis ein Patent zu nutzen, Übersetzung oder Übernahme eines Werks durch den Verfasser oder eine durch einen Verband erteilte Erlaubnis, einen Sport beruflich auszuüben.
Weihermüller definiert die Lizenz als „die Erlaubnis, etwas zu tun, an etwas zu partizipieren oder die Gewährung bestimmter Privilegien“. Eine Lizenz ist somit die Gewährung eines Nutzungsrechtes an einer bestimmten Sache, die ein gewerbliches Schutzrecht genießt. Bei der Vergabe einer Markenlizenz kann der Inhaber einer Marke einem anderen Unternehmen das Recht einräumen, diese Marke für seine eigenen Produkte zu nutzen.
Der Begriff „Licensing“ stammt aus dem englischen Sprachraum und kann allgemein als Lizenzvergabe, Lizenzerteilung, Lizenzierung oder auch als „Handel mit Lizenzen“ übersetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Bedeutung immaterieller Vermögenswerte und Erläuterung der Zielsetzung, Lizenzgebühren aus ökonomischer und juristischer Sicht zu analysieren.
2 Grundlagen des Licensing: Darstellung der Definitionen, Formen, Partner und Ziele des Lizenzgeschäfts sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rolle des Lizenzvertrags.
3 Betriebswirtschaftliche Methoden der Lizenzbewertung: Vorstellung von fünf betriebswirtschaftlichen Ansätzen zur Ermittlung angemessener Lizenzgebühren, darunter markt-, kosten- und nutzenorientierte Verfahren.
4 Der BBDO Brand Equity Evaluator als integratives Markenbewertungsmodell zur Ermittlung von Lizenzgebühren und Schadensersatz: Erläuterung eines ganzheitlichen Bewertungsmodells, das verhaltensorientierte und finanzielle Aspekte zur Markenbewertung kombiniert.
5 Lizenzanalogiemethode bei Markenrechtsverletzungen: Analyse der Methode, um im Falle von Markenverletzungen den Schadensersatz durch die Berechnung einer fiktiven Lizenzgebühr zu quantifizieren.
6 Ausblick und Schlussbetrachtung: Fazit zur aktuellen Lage der Lizenzbewertung und Ausblick auf die Notwendigkeit, zukünftig standardisierte Modelle zur Gebührenermittlung zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Licensing, Lizenzgebühr, Markenbewertung, Brand Equity Evaluator, Lizenzanalogie, Markenrechtsverletzung, Schadensersatz, Lizenzvertrag, Markenrecht, Immaterielle Vermögenswerte, Kostenorientierte Kalkulation, Nutzenorientierte Bewertung, Gewinnaufteilungsmethode, IP-Wert-Methode, Wettbewerbsschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Methoden und Modelle zur Bestimmung von Lizenzgebühren für immaterielle Wirtschaftsgüter aus betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben den Grundlagen des Lizenzgeschäfts stehen die verschiedenen Bewertungsverfahren (marktorientiert, kostenorientiert, nutzenorientiert) sowie die Anwendung der Lizenzanalogie bei Markenverletzungen im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die fundierte Herleitung von Modellen zur Bestimmung angemessener Lizenzgebühren, um sowohl unternehmerische Entscheidungen als auch Schadensberechnungen bei Markenrechtsverletzungen zu unterstützen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse betriebswirtschaftlicher Kalkulationsmodelle (z.B. Cost-plus-Pricing, Profit-Split-Methode, DCF-Modell) sowie die Untersuchung juristischer Rahmenbedingungen im Markenrecht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Bewertungsansätze für Marken und Lizenzen, stellt den BBDO Brand Equity Evaluator vor und erörtert die Lizenzanalogie zur Quantifizierung von Schäden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Licensing, Lizenzgebühr, Markenbewertung, Schadensersatz bei Markenverletzungen und verschiedene Bewertungsmethoden wie die IP-Wert-Methode.
Welche Rolle spielt die Lizenzanalogie bei Markenverletzungen?
Sie dient als Methode zur Schadensquantifizierung, indem eine fiktive Lizenzgebühr berechnet wird, die der Verletzer bei einer rechtmäßigen Vereinbarung hätte zahlen müssen.
Wie unterscheidet sich der BBDO Brand Equity Evaluator von anderen Modellen?
Er ist ein integratives Modell, das sowohl finanzielle als auch verhaltenswissenschaftliche Aspekte (z.B. Konsumentenwahrnehmung und Markenstatus) kombiniert, um den Markenwert zu ermitteln.
Warum ist die Kostenorientierte Bestimmung oft problematisch?
Sie vernachlässigt häufig marktseitige Faktoren wie Nachfrage und Konkurrenz, da sie sich primär auf interne Kosten der Lizenzentwicklung stützt.
- Citar trabajo
- Alexander Goll (Autor), 2009, Die Bestimmung von Lizenzgebühren aus betriebswirtschaftlicher und juristischer Sicht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188779