Regiogeld als nachhaltiges Finanzinstrument für die lokale Wirtschaft


Ausarbeitung, 2012
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historie von Geld und Währungen

3. Idee der Regionalwährung
3.1. Funktionsweise einer Regionalwährung
3.2. Vorteile einer Regionalwährung
3.3. Grenzen einer Regionalwährung
3.4. Praktische Beispiele für Regionalwährungen
3.5. Zukunft der Regionalwährung

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man sich als angehender Wirtschaftswissenschaftler mit dem Finanzsystem im Allgemeinen beschäftigt, stellt sich einem schnell die Frage, ob es neben den immer komplizierter werdenden Finanzprodukten nicht etwas anderes gibt, dass den Menschen besser helfen, und ihr Leben mehr bereichern könnte, als eben die vorhandenen Produkte, die nicht einmal die klügsten Köpfe noch vollumfassend verstehen (können).

Es erscheint doch wohl wichtiger, dass die kleinen Sparer und Anleger, Klein- und Mittelständige Unternehmer, die auf kurzfristige Kredite angewiesen sind, sowie die vielen anderen "Otto-Normal-Bürger" in ihrem Tun zu unterstützen und fördern, als Finanzjongleure und Großanlegern die Erhöhung der Kapitalrendite zu erleichtern.

Deutschland ist mit ca. 82.000.000 Bürgern, einmal abgesehen von der flächenmäßigen Ausdehnung, ein sehr großes Land. Diese Größe und die föderale Struktur Deutschlands verbunden mit einem starken Lobbyismus machen das Durchsetzen von wirklich sinnvollen Neuerungen und Gesetzen im Finanzbereich sehr schwer, und vor allem langwierig.

Diesem Dilemma stehen in der letzten Zeit privatrechtliche und vereinswesenhafte Entwicklungen von engagierten Bürgern entgegen, die die Dinge in die eigenen Hände nehmen wollen. Diese versuchen in Ihren Regionen so genannte Regionalwährungen als Alternative zum Euro zu etablieren, mit dem Ziel vor allem die einheimische Wirtschaft zu stärken.

Die Funktionsweise solcher Regiowährungen, deren Ziele und Zielverwirklichung aber auch deren Grenzen sollen in der folgenden Expertise näher beschrieben werden. Ein abschließendes Fazit soll durch eine Beurteilung der Regionalwährungen aus der Sicht des Verfassers diese Ausarbeitung abrunden, und klären ob weitere Entwicklungen in diesem Bereich sinnvoll sind, und wie die Zukunft von Regionalwährungen aussehen kann.

2. Historie von Geld und Währungen

Um die Geschichte von Regionalwährungen zu verstehen, muss man die geschichtliche Entwicklung von Warentausch, Geld und Währungen ganzheitlich betrachten:

Von alters her tauschten Menschen Waren und Dienstleistungen miteinander aus um gegenseitig von der Wertschöpfung des Anderen zu profitieren. Nehmen wir als praktisches Beispiel einen Fleischer und einen Bäcker. Der Fleischer tauschte seine Wurst direkt mit dem Bäcker gegen dessen Brot. Der Fleischer hatte nun Brot, auf das er seine Wurst legen konnte, und der Bäcker musste nicht mehr nur trockenes Brot essen, nein er konnte dieses mit guter Wurst belegen.

Leider funktioniert aufgrund der Komplexität der Gesellschaft und der unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen dieser Warentausch nicht in jedem Fall so einfach. Vielleicht gab es beispielsweise einen Bäcker, der vegetarisch lebte, oder einfach keine Wurst vertrug. Er musste die ihm zugetauschte Wurst nun beim Gemüsebauern gegen frisches Gemüse eintauschen. Auch dieser konnte noch gut funktionieren, wenn aber zwischen dem ersten und dem zweiten Tauschgeschäft schon einige Zeit vergangen war, konnte es vorkommen, dass der Gemüsebauer (aus verständlichen Gründen) sein gesundes Gemüse nicht gegen die doch schon etwas ältere, nicht mehr gut aussehende Wurst eintauschen wollte. An dieser Stelle kam/ kommt das so genannte Geld in Spiel:

Ausgangspunkt für das Verständnis des Geldes ist die so genannte Geldfunktion[1], also was Geld für seinen Benutzer bedeuten kann. Man unterscheidet hierbei folgende drei Funktionen:

1. Zahlungsmittelfunktion (Tausch von Geld gegen Waren und Dienstleistungen)
2. Wertaufbewahrungsmittel (Dauerhaftigkeit des Wertes -> fehlende Verderblichkeit)
3. Wertmaßstab (Geldmenge als Recheneinheit)

Im praktischen Gebrauch ist Geld heutzutage ein Zwischentauschmittel[2], das sich von anderen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern auf Grund allgemeiner Akzeptanz zu weiterem Tausch eingesetzt werden kann.

In unserem obigen Beispiel bedeutet dies, dass der Bäcker sein Brot dem Fleischer gibt. Er erhält von diesem keine Wurst sondern eine Münze [oder in heutiger Zeit das imaginäre Geld per Kartenzahlung auf seinem Girokonto], die er später, auch noch in einigen Wochen, gegen das Gemüse des Bauers eintauschen kann.

Da dieses System augenscheinlich besser funktionierte, entwickelte sich im Laufe der Jahre ein staatliches Monopol auf die Produktion des Geldes, die so genannte Münze. Dort wurde bzw. wird exklusiv für das ganze Land das Geld gedruckt (Papiergeld) oder geprägt (Münzgeld). Man spricht bei dem Geld einen Landes oder einer supranationalen Gemeinschaft von einer Währung[3], wie etwa der Währung EURO, die in 17+6 Staaten[4] der Eurozone als offizielles Zahlungsmittel mit den drei Zahlungsfunktionen zugelassen ist.

3. Idee der Regionalwährung

Eben dieses staatliche Monopol aufzubrechen, und ein Zahlungsmittel zu etablieren, das neben der Landeswährung Bestand hat und genutzt wird, wird von einigen Privatpersonen in der letzten Zeit rege vorangetrieben. Gesetzlich ist die Lage hier noch nicht abschließend geklärt. Einerseits verfügen sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Deutsche Bundesbank laut EG-Einigungs-Vertrag über ein so genanntes Geldmonopol, genau genommen über ein Monopol zur Ausgabe von Banknoten und -münzen.[5]

Andererseits gestattet die durch u.a. das Bürgerliche Gesetzbuch rechtlich geschützte Vertragsfreiheit, dass die Vertragspartner das Wesen ihres Vertrages frei bestimmen können. Somit kann, beispielsweise durch Schaffung eines Vereins, die Ausgabe des Regiogeldes auf eine privatrechtliche Basis gestellt werden. Zudem werden im Euro-Raum über die Gemeinschaftwährung, den Euro, hinaus so gut wie alle Währungen toleriert, beispielsweise den US-Dollar, das britische Pfund, die schwedische Krone u.a..

Es steht dem also nichts entgegen auf Grundlage einer privatrechtlichen Vereinigung, statt Geld eben Schuldscheine auszugeben, die von bestimmten Gruppen als Tauschmittel anerkannt werden- es entsteht eine Sekundärwährung. Deren Grenzen liegen im Punkte der Anerkennung bei den Menschen und bedürfen des gegenseitigen Vertrauens, wie nun expliziter beschrieben werden soll.

3.1. Funktionsweise einer Regionalwährung

Per Definition ist Regiogeld "eine regionale Währung, die zwischen Verbrauchern, Anbietern, Vereinen und Kommunen demokratisch vereinbartes Medium, das innerhalb einer Region als Zahlungs-, Investitions- und Schenkungsmittel verwendet wird"[6].

In der Vergangenheit haben sich im Bezug auf diese regionalen Währungen fünf so genannte Merkmale herausgebildet, die zur besseren Einordnung von Tauschmitteln in den Gesamtkontext herangezogen werden können[7]:

1. Regionalbindung des Zahlungsmittels (nur lokale Akzeptanz des Regiogeldes)
2. Komplementärwährung (Ergänzung zur Landes- bzw. Staatswährung)
3. Konkurrenz zu anderen Zahlungsmedien (Bargeld, Girokarten)
4. Landeswährung hat Bezugsrahmen für die Wertmessung
(bspw. 1 Regio =1 €)
5. Geldpolitische Steuerung in privater Hand (Vertrauen, soziale Kontrolle)

Wie wir bereits festgestellt haben, bedarf es eines Initiators mit einer Idee [Einführung Regionalwährung; Wie soll die Regionalwährung funktionieren?; Wie soll die Regionalwährung aussehen? Welche Kontrollmechanismen soll es geben? etc.], einem Netzwerk [Gruppe von Interessierten, die sich vorstellen können an der Regionalwährung teilzuhaben; diese vergrößert sich nach erfolgreichem Start optimaler weise stetig im Einzugsgebiet] und einem gewissen Startkapital [Entwurf und Druck/Prägung/Herstellung der Währungseinheiten; Distribution der Währung zum Startzeitpunkt etc.].

Grafisch kann der Geldverkehr mit einer Regionalwährung wie folgt dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.carlo-regional.de/17.alsanbieterunternehmer/

Der abgebildete Kreislauf wird anhand der real existierenden Regionalwährung "CARLO", die später noch näher benannt werden wird, dargestellt. Sicher gibt es von Regionalwährung zu Regionalwährung spezifische Unterschiede, der Grundgedanke ist jedoch jederzeit gleich.

Eine Ausgabestelle für die Regionalwährung stellt die Währungseinheiten zur Verfügung (wie beschrieben etwa ein Verein). Dieser hat über eine Mitgliedschaft mit Anbietern von Leistungen und Nachfragern nach Leistungen eine vertragsähnliche Bindung, die beschreibt, dass Anbieter und Nachfrager die Regionalwährung eben auch voneinander akzeptieren.

Da Anbieter in den meisten Fällen auch Nachfrager sind, und umgekehrt bleiben die von der Ausgabestelle gegen die Landeswährung eingetauschten Regionalwährungseinheiten stetig im Spiel. Bei einem Rücktausch der Regionalwährung in die Landeswährung durch die beteiligten Parteien verändert sich der Wechselkurs von beispielsweise 1:1 auf ein etwas ungünstigeres Verhältnis von 100:95. Aus der Differenz, die bei der ausstellenden Stelle (dem Verein) verbleibt, finanzieren sich beispielsweise die Verwaltungs-, Herstellungs- und Ausgabekosten.[8]

Betriebs- und volkswirtschaftlich könnte man hier noch tiefer gehen, und sich die Deckungsverpflichtungen, die Risiken des Rücktauschkurses oder weitere Aspekte näher beleuchten, jedoch erscheint es an dieser Stelle als mehr gegeben, sich auf die emotionalen und nachhaltigen Aspekte des Regionalgeldes zu spezialisieren.

[...]


[1] Vgl. o.V. [Geldfunktionen, o.J.], in: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/geldfunktionen/geldfunktionen.htm, abgerufen am 01.12.2011.

[2] Vgl. o.V. [Geld als Zahlungsmittel, o.J.], in: http://www.tradecnet.com/geld.htm, abgerufen am 03.12.2011.

[3] Vgl. Schneider, G./ Toyka-Seid, C. [Währung, o.J.], in: http://www.hanisauland.de/lexikon/w/waehrung.html, abgerufen am 07.12.2011.

[4] 17 Eurostaaten geben selbst Euro-Währung mit landestypischen Motiven über ihre staatliche Münze heraus, 6 zusätzliche Staaten nutzen den Euro als Zahlungsmittel, prägen bzw. drucken aber nicht selbst.

[5] Vgl. Läufer, N. [Haben wir ein staatliches Geldmonopol?, 2009], in: http://www.uni-konstanz.de/FuF/wiwi/laufer/Staatliches-Geldmonopol.pdf, abgerufen am 02.12.2011.

[6] Vgl. o.V. [Glossar zum Regiogeld, o.J.], in: http://www.regiogeld.de/glossar.html, abgerufen am 14.12.2011.

[7] Vgl. Gelleri, C. [Regiogeld und Spieltheorie, 2004], in: http://www.chiemgauer.info/fileadmin/user_upload/Theorie/Regiogeld_und_Spieltheorie_01.pdf, abgerufen am 18.12.2011.

[8] Vgl. Schuster, L. [Regiogeld- eine gute Idee?, o.J.], in: http://www.mehr-wissen-mehr-tun.de/index.php?id=ludwig-schuster, abgerufen am 06.12.2011.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Regiogeld als nachhaltiges Finanzinstrument für die lokale Wirtschaft
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V189255
ISBN (eBook)
9783656134251
ISBN (Buch)
9783656134350
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regiogeld, Nachhaltigkeit, Chiemgauer, Regionalgeld, lokale Wirtschaft
Arbeit zitieren
Christian Rau (Autor), 2012, Regiogeld als nachhaltiges Finanzinstrument für die lokale Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189255

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