Die Arbeit bezieht die Vampirmotivik beispielhafter Texte oder Textausschnitte verschiedener Epochen und Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) auf moralisch relevante Fragen aus den Bereichen Sexualmoral, Ernährung (Tierethik) und Religion/Satanismus. Es wird beleuchtet, wie sich gesellschaftliche Strömungen in den jeweiligen Texten widerspiegeln und warum die Figur des Vampirs sich hier in besonderer Weise eignet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Texte
2.1 Dracula
2.2 Carmilla
2.3 Die Braut von Korinth
2.4 Biss zum Morgengrauen und Midnight Sun
2.5 Gespräch mit dem Vampir
2.6 Der kleine Vampir
2.7 Brennen muß Salem
3 Sexualmoral und Liebe
3.1 Heterosexuelle Kontakte unter Erwachsenen und die Rolle der Frau
3.1.1 Lucy
3.1.2 Brennen muß Salem vor dem Hintergrund Dracula
3.1.3 Edward und Isabella
3.2 Homosexualität
3.2.1 Begriffsbestimmung
3.2.2 Weibliche Homosexualität – Carmilla
3.2.3 Louis und Lestat
3.3 Pädophilie/Kindesmissbrauch
3.3.1 Begriffsbestimmung
3.3.2 Louis, Lestat und Claudia
3.3.3 Lumpi
3.4 Inzest
3.4.1 Begriffsbestimmung
3.4.2 Louis, Claudia und Madeleine
3.4.3 Weitere inzestuöse Handlungen Lestats
3.5 Sexueller Sadismus und sexueller Masochismus
3.5.1 Begriffsbestimmung
3.5.2 Das Identifikationspotential des Vampirs und seiner Opfer
3.5.3 Marius und Armand
3.5.4 Edward und Isabella, Isabella und James
3.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
4 Ernährungs- und Konsumverhalten
4.1 Begriffsbestimmung Vegetarismus/Veganismus
4.2 Vampirischer Vegetarismus
4.3 Edward und das menschliche Dilemma
4.4 Ungeklärte Fragen
4.5 Anna
5 Religion nach der Aufklärung
5.1 Wider die Wissenschaftsgläubigkeit – Vampirismus vs. Christentum
5.2 Vampirismus als Kritik an christlicher Sexualmoral
5.3 Die Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Gut und Böse
5.4 Moderner Satanismus
5.5 Die Ambivalenz zwischen „Vampir“ und „Engel“
6 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.1 Kapitel 3
6.2 Kapitel 4
6.3 Kapitel 5
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Vampirfigur als Projektionsfläche für gesellschaftliche Normen und moralische Dilemmata dient. Im Zentrum steht die Analyse, wie Vampirtexte des 19. und 20. Jahrhunderts existenzielle Themen wie Sexualität, Ernährungsethik und den Sinn des Lebens nach dem Schwinden religiöser Gewissheiten verhandeln.
- Darstellung devianter Sexualität und Sexualmoral in der Vampirliteratur.
- Analyse des Vampirismus als Metapher für vegetarische/vegane Lebensweisen und ethischen Konsum.
- Untersuchung der religiösen und existenzphilosophischen Sinnsuche der Vampirfiguren.
- Gegenüberstellung klassischer Vampirbilder (Dracula) mit modernen Entwürfen (Twilight, Chronik der Vampire).
- Die Transformation des Vampirs vom Symbol des absolut Bösen zum ambivalenten, moralisch ringenden Wesen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Brennen muß Salem vor dem Hintergrund Dracula
Der Text von King weist eindeutige Parallelen und Bezüge zu Dracula auf. Schon die Tatsache, dass aus Sicht der Menschen geschrieben wird, während die Vampire kaum mehr zu Wort kommen als Dracula auch, weist auf die größere Nähe zu Stokers Roman als zu denen des 20. Jahrhunderts wie die Chronik der Vampire oder Twilight. Ganz ähnlich wie bei Stoker wird auch in Brennen muß Salem eine junge Frau, Susan, die zuvor als eine der Hauptcharaktere eingeführt worden war, zur Vampirin gebissen und muss schließlich durch ihren Lebenspartner Ben gepflockt werden. Während in Dracula von Helsing nur symbolisch die Rolle eines eschließenden Priesters einnimmt, ist im Falle Susans tatsächlich ein Geistlicher, Pater Callahan, anwesend, der Ben treibt und überredet, seiner schönen, untoten Freundin den Pflock ins Herz zu stoßen: „Seien Sie ihr Liebhaber‘, sagte Callahan sanft. ’Oder besser, seien Sie ihr Mann. Sie werden sie nicht verletzen, Ben. Sie werden sie befreien.“ (King 1996, S. 380f). Der Leser wird schließlich durch Bens eigene Worte auf den Bezug zu Stokers Dracula hingewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die anhaltende Faszination des Vampirismus in der Belletristik ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Identifikationspotenziale mit dem „Bösen“ und den gesellschaftlichen Tabuthemen.
2 Die Texte: Dieses Kapitel gibt einen inhaltlichen Überblick über die für die Arbeit zentralen Vampirtexte, von Klassikern wie Dracula und Carmilla bis hin zu modernen Werken wie Twilight und Gespräch mit dem Vampir.
3 Sexualmoral und Liebe: Das Kapitel analysiert den Vampirismus als Spiegel gesellschaftlicher Sexualmoral, wobei Themen wie heterosexuelle Rollenbilder, Homosexualität, Pädophilie, Inzest und Sadomasochismus kritisch beleuchtet werden.
4 Ernährungs- und Konsumverhalten: Hier wird der Vampirismus als Metapher für vegetarische Lebensweisen und ethische Konflikte des modernen Konsumverhaltens untersucht.
5 Religion nach der Aufklärung: Dieses Kapitel behandelt die Suche der Vampirfiguren nach einem Sinn des Lebens nach dem Schwinden der religiösen Bindungen und ihre Auseinandersetzung mit Gott, dem Bösen und dem modernen Satanismus.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Die Ergebnisse der Analysen zu Sexualmoral, Ernährung und Religion/Sinnsuche werden hier noch einmal prägnant zusammengefasst und in den Kontext der literaturwissenschaftlichen Entwicklung gestellt.
7 Ausblick: Der Ausblick diskutiert weitere Aspekte des Vampir-Genres, wie die sozioökonomische Bedeutung der aristokratischen Herkunft des Vampirs und radikale Ansätze im späteren Werk von Anne Rice.
Schlüsselwörter
Vampirismus, Sexualmoral, Dracula, Sexualität, Identifikationspotenzial, Vegetarismus, Religion, Sinnsuche, Satanismus, Homosexualität, Pädophilie, Inzest, Sadomasochismus, Literaturwissenschaft, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Vampirtexte des 19. und 20. Jahrhunderts gesellschaftliche Moralvorstellungen, Sexualität und die Suche nach Sinn reflektieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenbereiche Sexualmoral, Ernährungsethik (Vegetarismus), religiöse Sinnsuche nach der Aufklärung sowie deviante Beziehungsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszufinden, inwieweit Vampirfiguren als Projektionsfläche für das „moralisch Falsche“ und als Mittel zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Primärtexte im Kontext kulturwissenschaftlicher und ethischer Theorien interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Sexualmoral (einschließlich verschiedener sexueller Orientierungen und Praktiken), das Ernährungs- und Konsumverhalten (Vampirismus als ethisches Dilemma) und die religiös-philosophische Sinnsuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Vampirismus, Sexualmoral, Identifikationspotenzial, Vegetarismus, Sinnsuche, Satanismus und Genderrollen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Vampiren im 19. zum 20. Jahrhundert?
Während frühe Vampirfiguren oft als Symbole für das absolut Böse oder bedrohliche Weiblichkeit fungierten, werden moderne Vampire zunehmend als moralisch ringende Individuen dargestellt, die mit ihrer Existenz und ihrem "Mensch-Sein" kämpfen.
Welche Rolle spielt das Thema "Ernährung" bei den betrachteten Vampiren?
Das Thema Ernährung dient als Metapher für ethisches Handeln. Vampire, die sich vegetarisch oder nur von tierischem Blut ernähren, reflektieren moderne Fragen der Tierethik und der Verantwortung des Konsumenten.
Wie werden die sexuellen Konnotationen des Vampirbisses interpretiert?
Der Vampirbiss wird in der Arbeit als hochgradig sexuell konnotiert gedeutet, wobei er je nach Kontext als Akt der Unterwerfung, als Symbol für Penetration oder als Ausdruck verbotener Lust verstanden wird.
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- Birte Richter (Autor), 2009, Literarische Vampirmotivik als Spiegel der Moral, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189269