Orientierung der Moralerziehung am Wert oder an der Tugend


Hausarbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Moralerziehung
2.1 Definition von Moral
2.2 Definition von Moralerziehung
2.3 Realisierungsmöglichkeiten in der Schule

3. Verwendung des Ausdrucks „Wert“ in der Moralerziehung
3.1 Definition des Wertebegriffs
3.2 Geschichtlicher Wandel der Werte
3.3 Arten von Werten
3.4 Werte in der Moralerziehung – Kritik der Werte

4. Konzept von Tugend und Habitus
4.1 Definition von Tugend
4.2 Definition von Habitus
4.3 Begriffsbeziehungen und Unterscheidungen
4.4 Tugend und Vernunft

5. Tugend am Beispiel von Freundschaft
5.1 Definition von Freundschaft
5.2 Zwei Aspekte der Freundschaft in Bezug auf die Moralerziehung
5.3 Drei Arten der Freundschaft in Bezug zur Moralerziehung

6. Nikomachische Ethik
6.1 Tugend und Habitus in Bezug zur Moralerziehung
6.2 Sittliche Tugend

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der schulische Unterricht in unserem Bildungssystem beschränkt sich darauf, überwiegend Fachwissen zu vermitteln. Auf eine in den Unterricht integrierte moralische Erziehung wird meist verzichtet, vermutlich aus mangelndem Wissen, was Moralerziehung umfasst.

Zudem wird an Lehrpersonen die Forderung gestellt, Schülerinnen und Schülern sollen Werte und eine positive innere Haltung vermittelt werden. Jugendliche sollen zu moralisch kompetenten Individuen erzogen werden, ausgestattet mit einer positiven inneren Haltung und verinnerlichten Werten. Aufgrund dieser Forderungen und der Undurchsichtigkeit der begrifflichen Bestimmungen setzte ich mich mit folgender Fragestellung auseinander:

„Orientierung der Moralerziehung am Wert oder an der Tugend?“

Vielen Schülerinnen und Schülern wird von früh an mitgegeben, möglichst leistungsorientiert zu denken und zu handeln, um einen gewissen sozialen Status zu erlangen. Da in einer Demokratie, welche auf Kooperation und Gerechtigkeit beruht, mit wachsendem technologischem Fortschritt auch das Risiko des Missbrauchs dieser neuen Entwicklung gegeben ist, sollten bzw. müssen Schülerinnen und Schüler zu moralisch autonom urteilenden und handelnden Individuen erzogen werden.

In unserer Leistungsgesellschaft ist es ihnen oft gar nicht bewusst, dass sie alltäglichen Situationen ausgesetzt sind, für die ein differenzierter Umgang mit unseren ethischen Normen nötig ist.

Zu Beginn meiner Arbeit werde ich begriffliche Definitionen vornehmen, um Klarheit darüber zu gewinnen was sich hinter den Begriffen verbirgt und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Dies erfolgt stets in Bezug zur Moralerziehung bzw. zum schulischen Handeln.

Anhand zweier Beispiele - Freundschaft und Nikomachische Ethik - zeige ich auf, wie die Moralerziehung in diesen Bereichen in Erscheinung tritt.

2. Moralerziehung

2.1 Definition von Moral

Kompetenz zeichnet sich durch die Anwendbarkeit aus und ist eine aktivierte Tätigkeit, in welcher Können und Kennen vereint sind. Zudem können Kenntnisse in unterschiedlichen Kontexten angewandt werden. Dafür ist wiederum eine Wissenskompetenz erforderlich, weil es Wissen bedarf um das vorhandene Wissen in bestimmten Situationen anwenden zu können.

Moralische Kompetenz umfasst in der heutigen Zeit vor allem die Aufrichtigkeit von Personen in ihrem Handeln und Verhalten, die Altersunabhängigkeit, womit auf das lebenslange Lernen abgezielt wird, das Überdenken des eigenen Handelns, also die Selbstreflexion, sowie die Übereinstimmung von Leben und Reden. Darüber hinaus wird eine Person als moralisch kompetent bezeichnet, wenn diese teamfähig ist und zudem Sorge für sich und andere trägt.

In der Antike zeichnete sich moralische Kompetenz überwiegend durch Tapferkeit, tüchtige und bewährte Lehrer aus und war kein Gegenstand von Mehrheitsentscheidung.

Im Dialog zwischen Nikias, Sokrates und Laches kristallisiert sich heraus, dass die kognitive sowie die Handlungskompetenz für die moralische Kompetenz erforderlich sind.[1]

2.2 Definition von Moralerziehung

Vor allem Jugendliche befinden sich in unserer heutigen Zeit in einer Wertekrise, welche sich u.a. durch Gewalt und Rassismus auszeichnet. Wesentliche Faktoren für diese Wertekrise ist die berufliche Beanspruchung der Eltern, wodurch diese weniger Zeit für die Erziehung ihrer Kinder haben. Dazu kommt die Perspektivenlosigkeit der Jugendlichen, vor allem bei HauptschülerInnen. Durch die Medien wird den Kindern ein hohes Maß an Gewalt vermittelt, welches sich im Verhalten mancher Schülerinnen und Schüler widerspiegelt. Zudem wird die Wertekrise durch die zunehmende Komplexität unseres Weltbildes beeinflusst.

In Bezug auf die Wertekrise und die Moralerziehung hat Schule nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Drei Ansätze der Moralerziehung verdeutlichen, welche Möglichkeiten der Schule gegeben sind um auf die Moralerziehung von Schülerinnen und Schülern Einfluss zu nehmen.

1. Charaktererziehung (Sozialisationsansatz)

Bei der Charaktererziehung sollen Schülerinnen und Schüler von allgemeinen Werten, wie Ehrlichkeit, Fleiß, Freundschaft usw. überzeugt werden. Diesem Ansatz liegt die Theorie zugrunde, dass der Mensch ein formungsbedürftiges Wesen ist und nur durch äußere Lenkung zu einem akzeptablen Mitglied der Gesellschaft wird.

Mängel dieses Ansatzes werden dann deutlich, wenn man in Betracht zieht, dass wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben, in welcher kein universell gültiger Wertekanon vorherrscht.[2]

2. Werterklärung (Reifungsansatz)

Im Gegensatz zum Sozialisationsansatz wird hier davon ausgegangen, dass der Mensch von Natur aus gut ist, ein Menschbild, das von Rousseau vertreten wird. Das Erziehungskonzept gründet darauf, dass in die natürliche moralische Entwicklung des Kindes nicht eingegriffen wird. Ziel dieses Ansatzes ist es, bei den Schülerinnen und Schülern ein Wertebewusstsein zu wecken.

Der Werteerklärung unterliegt die Grundidee, dass es keine richtige Entscheidung für einen Wert gibt. Die Lehrkraft regt zur Diskussion an, weist auf Werte hin ohne jedoch Stellung zu beziehen.

Dies hat zur Folge, dass die Jugendlichen ohne Orientierung bleiben und rassistische Argumente gleichberechtigt neben Menschenrechten stehen können.[3]

3. Kognitiv-entwicklungsorientierter Ansatz (Förderung von Urteilsfähigkeit)

Dieser Ansatz vermittelt zwischen beiden Positionen. Moralentwicklung ist weder vom Kind noch vom Lehrer allein zu erreichen, sondern bedarf einer geeigneten pädagogischen Förderung.

Schülerinnen und Schüler sollen lernen, konkurrierende Werte gegeneinander abzuwägen um dadurch zu einem Urteil zu gelangen. Ziel ist eine differenzierte Urteilsfähigkeit. Bei diesem Ansatz verschweigt die Lehrkraft ihre Meinung nicht, drängt sie aber den Jugendlichen auch nicht auf. Er verfolgt damit das Ziel, den Jugendlichen moralisches Urteilen zu lehren.

Der kognitiv-entwicklungsorientierte Ansatz geht auf den Psychologen Lawrence Kohlberg 1927-1987 zurück.[4]

2.3 Realisierungsmöglichkeiten in der Schule

Um Moralerziehung in der Schule zu fördern gibt es verschiedene Vorgehensweisen und Förderungsmöglichkeiten.

Ÿ Besonders geeignet sind kooperative Lernformen und Rollenspiele. Ziel dabei ist, dass die Schülerinnen und Schüler eine soziale Perspektive entwickeln und lernen, sich in andere hinein zu versetzen, sich auszutauschen und Teamfähigkeit entwickeln.

Ÿ Die Dilemma-Diskussion von Lawrence Kohlberg dient dazu, dass den Jugendlichen ein Problem durchschaubarer und verständlicher wird und aufgrund dessen Aspekte der moralischen Kompetenz gefördert werden. Sie lernen ihr eigenes Handeln zu reflektieren, sich aufrichtig und fair zu verhalten sowie in Leben und Handeln überein zu stimmen.

Ÿ Durch die Mitbestimmung und Mitverantwortung der Schülerinnen und Schüler im Unterricht und im Schulalltag kann die Schule ebenfalls einen Beitrag zur Moralerziehung leisten.[5]

[...]


[1] Vgl. Seminarunterlagen vom 29.04.08: „Zum Begriff moralische Kompetenz“

[2] Vgl. http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/moralerziehung-kohlberg/ (11.08.08)

[3] Vgl. http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/moralerziehung-kohlberg/ (11.08.08)

[4] Vgl. http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/moralerziehung-kohlberg/ (11.08.08)

[5] Vgl. http://bluwiki.com/go/Thema7 (11.08.08)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Orientierung der Moralerziehung am Wert oder an der Tugend
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V189423
ISBN (eBook)
9783656135708
ISBN (Buch)
9783656135852
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
orientierung, moralerziehung, wert, tugend
Arbeit zitieren
Katrin Fabritius (Autor), 2008, Orientierung der Moralerziehung am Wert oder an der Tugend, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189423

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