Lehr- und Lernmedien im Literaturunterricht

Eine Interview-Studie mit Realschullehrkräften


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Literaturunterricht
2.1 Literaturunterricht in der Schule
2.2 Ziele des Literaturunterrichts
2.3 Aufgaben des Literaturunterrichts

3. Stellenwert des Literaturunterrichts nach PISA
3.1 PISA – Studien
3.2 Lesekompetenz bei PISA
3.3 Die Befunde zur Lesekompetenz in Deutschland
3.4 Konsequenzen für den Literaturunterricht

4. Alltagspraxis des Deutschunterrichts aus Sicht von Lehrerinnen und Lehrern
4.1 Lehr-Lern-Zeit im Deutschunterricht
4.2 Lesekompetenz, Leseinteresse und Förderung im Deutschunterricht
4.3 Nutzung verschiedener Textsorten im Deutschunterricht

5. Lehr-und Lernmedien im (Deutsch)Unterricht
5.1 Delphi-Studie (2003)
5.2 Funktionen des Schulbuchs
5.3 Nutzung von Lehr- und Lernmedien bei der Unterrichtsvorbereitung

6. Interview-Studie mit Realschullehrkräften
6.1 Fragestellung und Design der Untersuchung
6.2 Deskription der Ergebnisse

7. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Literaturunterricht in der Sekundarstufe I auseinander. Diesbezüglich wurde mit Realschullehrkräften eine Interview-Studie durchgeführt.

Zu Beginn der Arbeit werden die Unterrichtsinhalte des Literaturunterrichts dargestellt. Im Anschluss wird auf die Ziele des Literaturunterrichts eingegangen. Dabei steht die Studie von Wieser im Vordergrund, welche sich mit Lehrerwissen von Referendar(inn)en auseinandersetzt. Am Ende des Kapitels wird auf die Aufgaben des Literaturunterrichts eingegangen.

Das Kapitel „Stellenwert des Literaturunterrichts nach PISA“ stellt die Situation der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern dar und welche Auswirkungen sich daraus für den Literaturunterricht ergeben.

Des Weiteren werden in Kapitel vier „Alltagspraxis des Deutschunterrichts aus Sicht von Lehrerinnen und Lehrern“ die Befunde der DESI-Studie dargestellt. Die Lehr-Lern-Zeit im Deutschunterricht sowie die Nutzung verschiedener Textsorten im Deutschunterricht wird u.a. thematisiert.

Welche Lehr- und Lernmedien im (Deutsch)Unterricht zum Einsatz kommen, wird durch die Darstellung der Delphi-Studie von 2003 aufgezeigt. Nach der Definition von Lehr- und Lernmedien erfolgt eine kurze Darstellung der Ergebnisse.

Im Anschluss wird auf das Schulbuch eingegangen und welche Funktionen dieses nach Killus zu erfüllen hat. Tebrügge verdeutlicht diese Funktionen des Schulbuchs durch die Darstellung der Ergebnisse ihrer repräsentativen Befragung.

An die theoretische Darstellung des Literaturunterrichts und dessen Lehr- und Lernmedien knüpft die Interview-Studie mit Realschullehrkräften an. Hierbei werden die Probleme des Literaturunterrichts dargestellt und welche Folgen die genannten Probleme auf die Unterrichtsvorbereitung der Lehrkräfte haben. Zudem wird näher auf den Stellenwert von Lehr- und Lernmedien, wann und wie sie genutzt werden, eingegangen.

Nach dem die positiven und negativen Eigenschaften von Lehr- und Lernmedien veranschaulicht wurden, wird das „Wunschlehrmittel“ der befragten Lehrkräfte vorgestellt.

Im Ausblick werden die Ergebnisse der Interview-Studie mit Realschullehrkräften mit den theoretischen Befunden und aufgezeigten Studien verglichen.

2. Literaturunterricht

2.1 Literaturunterricht in der Schule

Nach Killus gehen die Lehrpläne von einem erweiterten Literaturbegriff aus. Als Unterrichtsinhalte des Literaturunterrichts werden lyrische, dramatische und epische Texte, vor allem epische Kurzformen (z.B. Fabel, Märchen, Erzählung, Sage) ausgewiesen. Pragmatische Texte, wie Gebrauchsanweisung und Sachbuch-texte werden ebenfalls zu den Gegenständen des Literaturunterrichts gerechnet.

Die Bevorzugung von Dichtung ist bereits in den Ausführungen zum allgemeinen, für alle Schulformen geltenden Erziehungs- und Bildungsauftrag angedeutet (Vgl. Killus 1998, S.110-111).

Der Bildungsplan der Realschule schreibt über das Fach Deutsch, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, literarische und pragmatische Texte unter Berücksichtigung nichtkontinuierlicher Texte in ihren Aussagen, Absichten und formalen Strukturen zu verstehen. Zudem lernen sie, diese Texte in einen größeren Zusammenhang einzuordnen, über sie zu reflektieren und zu bewerten (Vgl. Bildungsplan der Realschule 2004, S. 49).

2.2 Ziele des Literaturunterrichts

In der Studie Literaturunterricht aus Sicht der Lehrenden setzt sich Wieser intensiv mit Lehrerwissen von Referendar(inn)en des Faches Deutsch, welche in unterschiedlichen Schularten tätig sind, auseinander. Ein wichtiges Ergebnis sind hierbei die Ziele des Literaturunterrichts (Vgl. Ballis u.a. 2010, S. 3).

Als eines der zentralen Ziele des Literaturunterrichts wird das Ziel, Begeisterung für die Literatur bzw. das Lesen zu wecken, genannt. Dieses wird als grundlegendes Ziel für den Literaturunterricht angesehen.

Zudem wird die Förderung der Lesemotivation und der Freude an Literatur explizit als Ziel des Literaturunterrichts benannt. Beide Ziele vereint, dass der Spaß und die Freude am Lesen als Tätigkeit und Quelle der Entspannung entdeckt werden sollen (Vgl. Wieser 2008, 110-111).

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg korrespondiert mit dieser Zielsetzung, indem es anmerkt, dass Literatur ihre Wirkung nur dann entfalten kann, wenn sie mit Freude und Gewinn gelesen wird.[1]

Die Förderung der allgemeinen Lesemotivation und das Heranführen an literarisch anspruchsvolle Texte sind zwei zeitlich aufeinander folgende Prozesse, deren Reihenfolge nicht verändert werden soll. Carola Ulbricht plädiert, dass erst wenn die Schülerinnen und Schüler eine positive Beziehung zum Lesen aufgebaut haben, diese an literarisch anspruchsvollere Texte herangeführt werden können (Vgl. Wieser 2008, S. 111-113).

Als Resümee der Zielsetzung, dass Literaturunterricht Spaß und Freude am Lesen bzw. an Literatur vermitteln sollte, kann Wieser zwei divergente Konzepte ausmachen. Ein Teil der Befragten vertritt die Ansicht, dass die „Vermittlung des Freizeitwertes des Lesens“ primäres Ziel des Literaturunterrichts sein sollte. Hierbei wird der methodische Gang vom Leichten zum Schweren verfolgt. Erst wenn die Schülerinnen und Schüler Spaß am Lesen haben, kann eine Heranführung an anspruchsvollere Texte angestrebt werden.

Für den anderen Teil der Referendare(innen) stellt die Auseinandersetzung mit Literatur den Mittelpunkt ihrer Zielsetzung dar. Hierbei gelten hochliterarische Texte und deren Analyse als Kern des Literaturunterrichts und die Anstrengungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler wird für die Beschäftigung mit Literatur erwartet (Vgl. Wieser 2008, S.227).

Für das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg gilt als wichtiges Ziel des Literaturunterrichts aller Schularten es im Auge zu behalten, dass Lesen Freude machen, zum Mitfühlen und Mitdenken anregen und einen persönlichen Gewinn bringen soll.[2]

2.3 Aufgaben des Literaturunterrichts

Die Schule und der Unterricht haben die Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern die Partizipation an der Schriftkultur und der literarischen Kultur zu ermöglichen. Zur Teilnahme an der literarischen Kultur gehört, dass Schülerinnen und Schüler

lernen, in Bezug auf verschiedene Deutungen verständnisorientiert zu handeln, Literatur kritisch zu rezipieren, literarische Geselligkeit aufzubauen und über unterschiedliche Leseweisen zu verfügen.

Im Literaturunterricht liegt der Fokus meist auf der kulturellen Bedeutunge des Gelesenen. Lehrerinnen und Lehrer fragen nach einer Moral der Geschichte, der Bewertung von Figurenhandlungen, nach der Bedeutung von Motiven, Symbolen, Metaphern.

Zudem sollen die individuellen Lesekompetenzen und literarischen Rezeptionskompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Literaturunterricht erweitert werden. Dazu ist es notwendig, einerseits die verschiedenen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf Lesen und Literatur und andererseits die literarästhetischen oder pragmatischen Herausforderungen eines Textes zu kennen (Vgl. Lange u.a. 2007, S. 214-216).

3. Stellenwert des Literaturunterrichts nach PISA

3.1 PISA - Studien

PISA (Programme for International Student Assessment) erhebt im Abstand von drei Jahren grundlegende Kompetenzen fünfzehnjähriger Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Studie wird von der OECD koordiniert und untersucht, inwieweit es den Bildungssystemen der teilnehmenden Staaten gelingt, Jugendliche auf Herausforderungen der Wissensgesellschaft vorzubereiten (Vgl. Carstensen u.a. 2008, S. 11-12).

Die PISA-Studie untersucht vor allem Aspekte der Grundbildung, die als Basiskompetenzen für das Leben in der modernen Welt verstanden werden (Vgl. Kiper, Kattmann 2003, S. 16).

3.2 Lesekompetenz bei PISA

Die Lesekompetenz stellt den Schwerpunt der Erhebung von PISA 2000 dar.

„Unter Lesekompetenz versteht PISA die Fähigkeit, geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen und sie in einen größeren sinnstiftenden Zusammenhang einzuordnen, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen.“ (Baumert u.a. 2001, S. 22)

Da Jugendliche und Erwachsene in ihrem privaten oder beruflichen Alltag und im öffentlichen Leben verschiedensten Arten von Texten begegnen, wurde in PISA eine breite Palette von Texttypen eingesetzt (Vgl. Artelt u.a. 2001, S. 80).

Die Aufgaben beziehen sich auf

- kontinuierliche Texte (62%): Erzählungen, Darlegungen, Beschreibungen, Argumentationen, Anweisungen und
- nicht kontinuierliche Texte (38%): Diagramme/Graphen, Tabellen, Schemata, Karten, Formulare, Anzeigen (Vgl. Kiper, Kattmann 2003, S. 17).

3.3 Die Befunde zur Lesekompetenz in Deutschland

Seit PISA 2000 wissen wir, dass 31% der fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schüler Lesen für Zeitverschwendung halten und 42% sich nicht vorstellen können, dass Lesen Spaß machen kann (Vgl. Kammler 2004, S. 235).

Beim Lesen zeigten deutsche Schülerinnen und Schüler unterdurchschnittliche Leistungen. Von 31 Rangplätzen kamen deutsche Schülerinnen und Schüler auf Rang 21 bis 25. Sie haben besonders Probleme mit anspruchsvollen Aufgaben, bei denen es um Reflektieren, Bewerten und Anwenden geht (Vlg. Kiper, Kattmann 2003, S. 20). Demzufolge hangeln sich deutsche Schülerinnen und Schüler gerade so durch einen Text durch. „Jeder vierte Schüler in Deutschland versteht nur simpelste Texte“ (Eichler 2003, S.87).

PISA 2006 bescheinigte deutschen Schülerinnen und Schülern in der Lesekompetenz eine erkennbare tendenzielle Verbesserung, der Anteil schwacher Leserinnen und Leser ist jedoch in Deutschland nach wie vor groß (Vgl. Artelt 2008, S. 37).

3.4 Konsequenzen für den Literaturunterricht

Kammler geht davon aus, dass der Literaturunterricht und die Förderung der Lesekompetenz etwas miteinander zu tun haben. Otto Ludwig hat eine erste Bilanz der PISA-Studie gezogen und entsprechende Konsequenzen für den Deutschunterricht vorgeschlagen. Ludwig macht die angebliche Dominanz des Literaturunterrichts über den Sprachunterricht für die mangelnde Lesekompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler verantwortlich. Er vertritt die Meinung, dass im Deutschunterricht weniger literarische Texte, dafür aber mehr Sach- und Gebrauchstexte berücksichtigt werden sollten (Vgl. Kammler 2004, S. 236).

4. Alltagspraxis des Deutschunterrichts aus Sicht von Lehrerinnen und Lehrern

Im folgenden Abschnitt wird die Alltagspraxis des Deutschunterrichts aus Sicht von Deutschlehrkräften beschrieben. Die Darstellungen beruhen auf der DESI-Studie, bei welcher 370 Deutschlehrkräfte befragt wurden.

4.1 Lehr-Lern-Zeit im Deutschunterricht

In der 9. Jahrgangsstufe wird zwischen 3 und 5 oder mehr Stunden Deutschunterricht pro Woche erteilt.

Die effektive Lehr-Lern-Zeit des stattfindenden Unterrichts kann durch organisatorische Bedingungen, wie beispielsweise den Wechsel des Unterrichtsraumes, verkürzt werden. Die meisten Lehrkräfte verwenden maximal 5 Minuten für den Raumwechsel. Etwa 14% der Lehrkräfte vergeuden pro Unterrichtsstunde mehr als 11 Minuten mit Vorgängen, die nichts mit dem Unterrichtsstoff zu tun haben (Vgl. DESI-Konsortium 2008, S. 322-323).

4.2 Lesekompetenz, Leseinteresse und Förderung im Deutschunterricht

Die DESI-Studie hat analysiert, in welchem Zusammenhang Kompetenzerwerb im Deutschunterricht und motivationale bzw. affektive Komponenten stehen. Hierbei ist die Förderung des Leseinteresses im Deutschunterricht besonders wichtig.

Die Ergebnisse der Analysen signalisieren einen Zusammenhang zwischen dem Kompetenzerwerb und motivationalen bzw. affektiven Komponenten.

Bereits zu Beginn der 9. Jahrgangsstufe besitzen Schülerinnen und Schüler mit hohem Leseinteresse eine höhere Lesekompetenz.

Klassen die Lesen interessant finden, haben bezüglich ihrer Lesekompetenz ein höheres Ausgangsniveau und verzeichnen gegenüber Klassen, deren Leseinteresse nieder ist einen stärkeren Zuwachs der Lesekompetenz.

Ein aus Schüler(innen)sicht zu hohes Unterrichtstempo, welches die Schülerinnen und Schüler überfordert, wirkt sich ungünstig auf die Lesemotivation aus.[3]

4.3 Nutzung verschiedener Textsorten im Deutschunterricht

In der DESI Studie wurde u.a. erfasst, welchen Stellenwert authentische Sachtexte (z.B. Gebrauchsanweisungen, Werbeanzeigen, Internetseiten), literarische Texte (z.B. Anekdoten, Gedichte, Novellen) und Texte mit kommunikativem Bezug (z.B. Bewerbungen, Einladungen, persönliche Briefe) in den unterschiedlichen Bildungsgängen einnehmen.

[...]


[1] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Literatur in der Schule, S. 4

[2] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Literatur in der Schule, S. 6

[3] Vgl. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung: Unterricht und Kompetenzerwerb in Deutsch und Englisch. Zentrale Befunde der Studie Deutsch Englisch Schülerleistungen International (DESI), S. 36

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Lehr- und Lernmedien im Literaturunterricht
Untertitel
Eine Interview-Studie mit Realschullehrkräften
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
Lehr- und Lernmedien im Literaturunterricht – Bestand, Beobachtung und Analyse am Beispiel des Deutschunterrichts
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V189424
ISBN (eBook)
9783656135692
ISBN (Buch)
9783656135807
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehr-, lernmedien, literaturunterricht, eine, interview-studie, realschullehrkräften
Arbeit zitieren
Katrin Fabritius (Autor), 2010, Lehr- und Lernmedien im Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189424

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