Von einem Versuch, eine Anleitung für die Liebe zu finden


Essay, 2012
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Sehr geehrte Leser,

ich kann mir vorstellen, dass der Titel des Aufsatzes, der seinen Ursprung in der Intension darin fand, im Fach Sozialphilosophie eine 8-seitige Prüfungsleistung zu erbringen, zunächst einmal die unterschiedlichsten Gefühle in Ihnen hervorrufen könnte. „Eine Anleitung zur Liebe? „Das ist ja super-jetzt muss es ja werden“ denken vielleicht Einige unter Ihnen zunächst. Oder gehören Sie etwa zu der Sorte Mensch, der mit skeptischem und stirnrunzelndem Blick an die folgenden Zeilen herangehen wird?

„Eine Anleitung für die Liebe auf 8 Seiten und dies auch noch von einem 26- jährigen Grünschnabel geschrieben, der weder genügend Lebenserfahrung und Reife noch Demut gegenüber diesem Wort besitzt - dass kann ja heiter werden.“

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben ein äußerst gutes Gespür, denn mit Ihrer Skepsis liegen Sie vollkommen richtig! Ich möchte betonen, dass es sich hierbei um einen Versuch handelt, ein Thema philosophisch auf 8 Seiten zu erfassen. Warum ich auf das Thema Liebe gekommen bin? Um Ihnen diese Frage beantworten zu können, bräuchte ich noch einiges mehr an Seiten- und die habe ich leider nicht. Warum nun eine Anleitung für die Liebe? Diese Frage kann ich Ihnen kurz -und so hoffe ich - zufriedenstellend beantworten. Mir war von Anfang an bewusst, dass ich mich, wenn ich mich der Liebe zuwende, dies unter einem gewissen Aspekt, einer Eingrenzung wenn man es so will, tun müsse! Obwohl ich sehr lange überlegt habe, fiel mir nichts Interessantes ein und so vertagte ich das Finden eines eingrenzenden Aufsatzthemas rund um die Liebe. Ein paar Tage später unterhielt ich mich mit einer Freundin, deren Freund sich von ihr getrennt hatte. Verzweifelt sagte sie laut: „Kann denn nicht einfach mal jemand eine Anleitung für die Liebe finden?“. Sie war verzweifelt und ich? Ja, ich hatte mein Thema: Eine Anleitung zum Thema Liebe und begab mich sofort auf die Suche nach passender Literatur.

Als ich die Berge von Büchern zu dieser Thematik in der Bibliothek ausmachen konnte und mehr noch als sich beim Surfen durch das World Wide Web beim Anblick von 345 Millionen Suchergebnissen eine große Abneigung gegenüber diesem Thema in mir entwickelte, überlegte ich ernsthaft, ob ich mich einer anderen Problematik zuwenden sollte. Ein Gedanke ließ mich jedoch nicht los: „Die Liebe geht mich doch auch etwas an, warum sollte ich vor ihr weglaufen und mich nicht mit diesem Thema beschäftigen?“ Somit beschloss ich, mich dieser Herausforderung mit einem quälenden Blick auf die vielen Suchergebnisse zu stellen. Resignierend betrachtete ich die vielen Texte, die sich hinter den Links verbargen und ich bekam Angst. „Also wenn du das hier alles lesen musst, dann kannst du noch ein Semester an das Studium hängen.“ Man stelle sich vor, mich fragt jemand, weshalb ich den Bachelor nicht in der Regelstudienzeit erworben habe und ich antworte: „Ich habe mich in einer achtseitigen Anleitung zur Liebe verloren.“ Nein! Soweit darf es nicht kommen, sagte ich energisch zu mir selbst. Ich kreiste mit meinen Gedanken um eine mögliche Lösung. Plötzlich wurde ich ruhig, grinste vor mich her und sprach: „Ach eigentlich brauchst du doch gar keine Literatur. Okay, ja du bist erst 26, aber das kannst du den Lesern ja mitteilen und noch besser, wenn du es als Versuch deklarierst, erwartet niemand etwas und sind die Gedanken nicht frei? Diese Frage beantwortete ich mit einem kräftigen Kopfnicken und gebe der Befürchtung, am Ende ein Werk voller dilettantischem Halbwissen (und es nichts anderes) verfasst zu haben, keinen weiteren Nährboden. „Ist doch egal – wie sagte Sokrates so schön: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ und mit diesen Worten lade ich Sie auf die Reise zur ureigensten Faszination der Menschen ein – die der Liebe! Sie haben sich dazu entschlossen weiter zu lesen? Freut mich!

Die Liebe beschäftigte mit den Jahrhunderten nicht nur Philosophen und andere Gelehrte, sondern jeden Einzelnen von uns, unabhängig von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als erste Form der Liebe fällt den Meisten wohl sicher diejenige Liebe ein, die für eine harmonische Partnerschaft zwischen Mann und Frau sorgt. Ungeachtet dieser Bedeutung begegnet sie uns noch in einer Vielzahl von anderen Facetten, so unterscheidet sich die Liebe zu den Freunden von der zu den Eltern, die Liebe zu den Mitmenschen von der Liebe zu sich selbst. Liebe kann auch krank machen. Fast täglich berichten Medien von psychischer oder physischer Gewalt in einer Liebesbeziehung oder gar von Morden, die das Motiv von krankhafter Liebe tragen. Es stellt sich nun die Frage, wo die Liebe ihren Anfang findet und ich versuche diesen mit einer kühnen Behauptung zu finden.

Am Anfang der Liebe steht die Vergangenheit

Ich wage die Behauptung aufzustellen, dass die Liebe sich im Laufe des Lebens durch bestimmte Einflüsse entwickelt, so betrachte ich als wichtigstes Fundament der Liebe zunächst nur die Selbstliebe.

Bevor man jedoch die Selbstliebe näher untersuchen kann, ist es notwendig, einen Blick zum Ursprung des individuellen Selbst zurückzugehen. Aus ganz biologischer Sicht gesehen, entsteht ein jedes Individuum aus der Verschmelzung einer Ei- und einer Samenzelle zu einem Embryo, nach einigen Wochen zu einem Fötus, der wiederum nach 9 Monaten Reifezeit im Körper der Mutter als Säugling das Licht der Welt erblickt. Aus dem schützenden Kokon entschlüpft, ist dieser sehr vielen Reizen ausgesetzt. Gewöhnlich wird dem Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt der körperliche Kontakt zur Mutter ermöglicht. Der Säugling soll nach dem Schock der Geburt, welcher das Entreißen aus der bisher wärmenden und schützenden Fruchtblase darstellt, spüren, dass er aufgefangen wird und eine vertraute Stimme hören. Wichtig für die Entwicklung eines Kindes ist der Körperkontakt zur Mutter, ihr erspüren und riechen lässt in dem Kind Vertrauen in sich und das Leben wachsen. Als sicherer Anker ist die Mutterliebe, eben auch durch die gemeinsame Verbindung im Mutterleib bzw. des intimen Kontaktes während der Stillzeit, aber vor allem durch Verständnis und Rückhalt in sämtlichen Entwicklungsprozessen des Kindes zu betrachten. Die Vaterliebe sollte hierbei jedoch nicht unerwähnt bleiben, so ist es für ein Kind wohl das Beste, wenn es von klein auf sowohl die Mutter, als auch die Vaterliebe erfahren würde. Die bedingungslose Elternliebe belässt dem Kind die Offenheit und Neugierde auf Menschen beziehungsweise neue Aufgaben zuzugehen. Die freie Entfaltung von Talenten, die durch sinnvolle Beschäftigung von Seiten der Eltern, gewährleistet werden kann, stärkt sowohl kreative als auch soziale Kompetenzen. Ein Kind ist immer auch ein Abbild seiner Eltern. Ist der Umgang der Eltern untereinander von einer respektvollen und harmonischen Art und Weise des Miteinanders geprägt, so schaut sich das Kind dies zumeist als Vorbildfunktion ab. Eltern, die in sich eine innere Fülle erleben, werden die selbige vermitteln, wobei natürlich auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Kindes geachtet werden sollte. Eine liebevolle, grenzgebende Erziehung würde ein Fundament darstellen und das Zulassen von menschlicher Sensibilität das Gerüst für das Heranreifen zu einem liebesfähigen Menschen.

Dass das Kind auch anderen Einflüssen als dem Elternhaus ausgesetzt ist, ist selbstredend. So stellen sich mit dem Kindergarten, der Schule, der Pubertät und späteren Berufswahl Herausforderungen an das Kind, welches es in erster Linie selber meistern muss. Wird es jedoch mit dem liebevollen und voraussehenden Blick der Eltern darauf vorbereitet, ist zu erwarten, dass es ihm leichter und sicherer fällt, sich zu einem Menschen zu entwickeln, der sich selbstbewusst behaupten und entfalten kann.

Besonders bei positiven als auch negativen Erfahrungen ist es von Nöten, dem Kind das Gefühl zu geben, angenommen und wertvoll zu sein. Das Wissen, dass die Eltern hinter ihm stehen und es zu jederzeit zurückkehren und wiederaufgenommen werden kann, gibt Selbstvertrauen eigene Wege zu gehen und zu suchen. Was das Kind letztlich daraus macht, liegt nicht an den Eltern, sondern vielmehr am Willen und der inneren Stärke des Kindes.

Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Kind auch in den partnerschaftlichen Beziehungen eine reife Herangehensweise hat. So hat es durch die Eltern das Vertrauen zu sich selbst und anderen erfahren. Es legt grundlegende Werte bei einer Partnerwahl fest, ist innerlich auf der Suche nach einer Verbindung, die der der Eltern gleicht. Es wäre anzunehmen, dass es sich Partner sucht, die ähnliche Interessen und Wünsche haben. Im Enddefekt ist dies sehr vernünftig, denn eine dauerhafte Beziehung baut ihr Fundament auf Ähnlichkeiten, dem aktiven kommunikativen Austausch, gleichartige Weltansichten und dem Teilen der selbigen moralischen Werte auf. Es wird somit lernen die erfahrene innere Fülle der Kinder- und Jugendtage bis in das Erwachsenenalter zu übertragen. So wird es augenscheinlich bei der Wahl des Partners bedachter und überlegter vorgehen als ein Kind, welches die elterliche Liebe nicht in ausreichendem Maße erfahren hat. Da es sich einen Partner wählen wird, welcher in dem ähnlichen Reifeprozess steckt, wie es selbst, liegt es nahe anzunehmen, dass es sich zusammen mit dem Partner auf die Suche nach sich selbst begeben wird. Interessen werden zusammen ausgelebt und neu entdeckt. Es unterliegt jedoch nichts einer Beständigkeit – denn auch solch eine funktionierende Verbindung kann durch gewisse Anforderungen bzw. der Weiterentwicklung und an der eigenen egoistischen Suche, scheitern.

Was passiert nun, wenn die Eltern dem Kind nicht die oben erwähnten Grundsätze mit auf den Weg geben können? Angenommen dem Kind werden nicht die inneren Werte nahe gelegt, kann man dann davon ausgehen, dass es fehlende oder unzureichende Elternliebe durch die Außenwelt kompensiert? Wie verhält es sich dann mit der Liebe?

Man könnte vermuten, dass in dem aufwachsenden Kind, insofern die Eltern diesen Einflüssen nicht entgegensteuern und sich deren bewusst sind, die Vorstellung reift, genau so sein zu müssen wie andere. Auf der Suche nach Halt folgt es der breiten Masse und lernt sich durchzuschlagen. Mit Hilfe von Fernsehen, Smartphone, Party, sozialen Netzwerken, flüchtigen persönlichen Beziehungen, der Anschaffung von Gütern, von Erfolgsstreben, was bis hin zu dem Bedürfnis nach Machterlangung reichen kann, wird es eine beständige Ablenkung und Bestätigung finden, welche ihm die Eltern nicht zu geben vermochten. Es sind diese Umstände, die Zeit sowohl zur Ruhe als auch zur Besinnung, zum Nachdenken und Reifen, zum Erspüren und dem Entdecken des eigenen Bewusstseins nehmen. Es entdeckt die Fülle, die die Außenwelt einem geben kann, doch das Innere wird leerer und leerer. In Momenten der Einsamkeit dringt diese Leere an die Oberfläche.

Es kommen in kurzen Sequenzen Emotionen zu Tage, die nicht zu greifen sind, die ängstlich werden lassen. Doch lähmt nicht eben diese Angst vor einer Auseinandersetzung mit sich selbst und verhindert zumeist die Entdeckung einer eigenen inneren Fülle, der eigenen Wünsche? Und noch mehr, was wäre nun, wenn der Mensch sich seiner inneren Leere nicht bewusst ist? Könnte es möglich sein, dass der tiefe menschliche Wunsch nach wahrhaftigen Beziehungen zu anderen Menschen, die nur entstehen können, wenn man sich seines inneren Reichtums bewusst ist, durch die Fülle der Außenwelt kompensiert wird?

Desweiteren hören wir aus einigen Mündern Sätze wie: ich bin krank vor Liebe, ich bin verrückt nach dir, ich kann nicht ohne dich, ohne dich wäre ich nichts!

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Von einem Versuch, eine Anleitung für die Liebe zu finden
Hochschule
Hochschule Merseburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V189507
ISBN (eBook)
9783656137863
ISBN (Buch)
9783656139188
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
versuch, anleitung, liebe
Arbeit zitieren
Antje Wessely (Autor), 2012, Von einem Versuch, eine Anleitung für die Liebe zu finden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189507

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