Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den verbalen Interaktionen Lehrender und Lernender in besonderem Hinblick auf die Praxis des "Gender Mainstreaming" im Bereich der Institution Schule auseinander. Dabei werden zentrale Begriffe wie Gender Mainstreaming, Koedukation und Reflexive Koedukation geklärt.
Anhand der Beobachtung des Unterrichts an einer staatlichen Schule soll festgestellt werden, ob Mädchen und Jungen in gleichem Maße an den verbalen Interaktionen beteiligt sind und ob in diesen eine geschlechtergerechte Sprache Eingang findet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thema
3. Klärung wichtiger Begriffe
3.1 „Gender Mainstreaming“
3.2 Koedukation
3.3 Reflexive Koedukation
4. These und Beobachtungsschwerpunkt
5. Beobachtungsumfeld
5.1 Die Schule
5.2 Lage und infrastrukturelles Umfeld
5.3 Lehrpersonal
5.4 Die Schüler_innen
6. Beobachtungsmethoden
6.1 Beobachtungs mit der Verlaufsprotokoll
6.2 Beobachtung mit dem Kategorieschema
6.2.1 Erstellung
6.2.2 Anwendung und Ergebnisse
6.2.3 Beobachtungsfehler
6.3 Auswertung der Ergebnisse
7. Gesamtbewertung der Untersuchung
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausmaß einer geschlechtersensiblen verbalen Interaktion sowie die Verwendung geschlechtergerechter Sprache im Unterricht an einem staatlichen Gymnasium, um zu prüfen, inwieweit das Bewusstsein für eine reflexive Koedukation im Lehrpersonal vorhanden ist.
- Grundlagen von Gender Mainstreaming und reflexiver Koedukation
- Analyse der Interaktionsstrukturen zwischen Lehrenden und Lernenden
- Einfluss des Lehrverhaltens auf geschlechtsspezifische Asymmetrien
- Reflexion des Sprachgebrauchs im schulischen Kontext
- Kritische Bewertung der institutionellen Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
3.1 „Gender Mainstreaming“
Der Begriff des „Gender“ ist aus dem Englischen nicht direkt ins Deutsche übersetzbar, da es in der deutschen Sprache keine Bezeichnung für das soziale Geschlecht gibt. Er reiht sich damit in die Reihe von Geschlechtsbegriffen wie Sexus – das biologische Geschlecht – und Genus – das grammatische Geschlecht – ein. Kurz gefasst werden unter „Gender“ gesellschaftlich und kulturell geschaffene und geprägte Rollen, Rechte, Pflichten und Interesse von Männern und Frauen beziehungsweise von Jungen und Mädchen bezeichnet. „Mainstreaming“ hingegen bezeichnet ein bestimmtes – hier geschlechterbewusstes – Handeln, dass zum Bestandteil des normalen Handlungsmusters einer Organisation werden soll.
„Gender Mainstreaming“ hat es sich demnach konkret zur Aufgabe gemacht, „das Kriterium der Geschlechtergerechtigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen zu etablieren.“ Die damit einhergehende notwendige strukturelle Veränderungen, welche von politischer und administrativer Ebene bis hin zu Wirtschaftsunternehmen und jeder Form von sozialen Organisationen reichen müssen, sind folglich in Einrichtungen um so notwendiger, in denen die Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen erfolgt – also auch und besonders in der Institution Schule.
Konkret bedeutet eine geschlechtergerechte Didaktik für Lehrer_innen also die Erzeugung eines Lernklimas, in welchem weder Jungen noch Mädchen bevorzugt werden und niemand in der Entfaltung und Ausübung seiner beziehungsweise ihrer Lernbedürfnisse beeinträchtigt wird. Zusätzlich ist es von entscheidender Bedeutung, die Lehrenden zu befähigen, die Differenz der Lebenswirklichkeiten von Mädchen und Jungen wahrzunehmen und die eigene Arbeit und dem Aspekt der Chancengleichheit zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die gesetzlichen Grundlagen der Gleichbehandlung in Deutschland ein und problematisiert die Rolle der Schule bei der Reproduktion von Geschlechterrollen.
2. Thema: Dieses Kapitel erörtert die historische Bedingtheit natürlicher Sprachen und die daraus resultierende Schwierigkeit einer sprachlich gleichberechtigten Darstellung in Schule und Gesellschaft.
3. Klärung wichtiger Begriffe: Es werden zentrale Konzepte wie „Gender Mainstreaming“, „Koedukation“ und die „Reflexive Koedukation“ als Maßstab geschlechtersensibler Pädagogik definiert.
4. These und Beobachtungsschwerpunkt: Die Arbeit stellt die Annahme auf, dass an Schulen ein Mangel an Bewusstsein für Gender-Themen besteht, und beschreibt den Fokus auf verbale Interaktionen im Deutsch- und Sozialkundeunterricht.
5. Beobachtungsumfeld: Das Kapitel bietet einen Einblick in das Heinrich-Hertz-Gymnasium, dessen Struktur, Lehrpersonal und Schülerschaft als Untersuchungsobjekt.
6. Beobachtungsmethoden: Hier wird der methodische Ansatz der Unterrichtsbeobachtung mittels eines Kategorieschemas dargelegt, einschließlich der Fehlerquellen und der Ergebnis-Auswertung.
7. Gesamtbewertung der Untersuchung: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, wobei das Fehlen eines genderbewussten Ansatzes im untersuchten Kollegium bestätigt wird.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Koedukation, Reflexive Koedukation, Schule, verbale Interaktion, Geschlechtergerechtigkeit, Lehrer_innen, Schüler_innen, Sprachgebrauch, Geschlechterrollen, Diskriminierung, Unterrichtsbeobachtung, Sozialkunde, Deutschunterricht, Schulklima
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie das Prinzip der reflexiven Koedukation sowie „Gender Mainstreaming“ im Unterrichtsalltag an einem Gymnasium gelebt und durch verbale Interaktionen umgesetzt werden.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Analyse der verbalen Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schülern, die Untersuchung der Sprachverwendung hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit und die Bewertung des Bewusstseins für Gender-Themen im Lehrkollegium.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit geschlechtsspezifische Asymmetrien im Unterricht reproduziert werden und ob ein Bewusstsein für eine reflexive, geschlechtersensible Pädagogik bei den untersuchten Lehrpersonen vorhanden ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt bei der Untersuchung zum Einsatz?
Der Autor führt eine quantitative Unterrichtsbeobachtung in den Fächern Deutsch und Sozialkunde durch, wobei ein selbst entwickeltes Kategorieschema zur Erfassung der Interaktionen verwendet wird.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Begriffsklärung, die Beschreibung des schulischen Umfelds, die Darstellung der Beobachtungsmethodik sowie die Auswertung der Interaktionsdaten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Schlagworte sind Gender Mainstreaming, Koedukation, verbale Interaktion, Geschlechtergerechtigkeit und schulische Didaktik.
Inwiefern beeinflusste das Vorwissen der Lehrkräfte über das Forschungsvorhaben das Ergebnis?
Da die Lehrpersonen über das Ziel der Beobachtung informiert waren, ist davon auszugehen, dass sie ihr Verhalten anpassten, was die Objektivität der Ergebnisse einschränken könnte.
Welche Rolle spielt die verwendete Sprache im Unterricht für die Ergebnisse des Autors?
Die Untersuchung zeigt, dass im Alltag fast ausschließlich maskuline Personenbezeichnungen verwendet werden, was der Autor als Beleg für die fehlende Sensibilisierung für eine diskriminierungsfreie Sprachform wertet.
Gab es signifikante Unterschiede im Interaktionsverhalten zwischen den Fächern Deutsch und Sozialkunde?
Während im Fach Deutsch eine nahezu ausgeglichene Interaktionshäufigkeit beobachtet wurde, suchten Jungen im Fach Sozialkunde häufiger aktiv den Kontakt zu den Lehrpersonen, wobei sich die Gesamtdaten jedoch insgesamt als komplex und schwer generalisierbar darstellen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor aus seiner Gesamtbewertung?
Der Autor konstatiert, dass ein Bewusstsein für eine reflexive Koedukation weitgehend fehlt und fordert daher eine verstärkte Implementierung von Fortbildungen zu diesem Thema für Lehrende und Lehramtsstudierende.
- Citar trabajo
- Paul Schmidt (Autor), 2010, Die Untersuchung verbaler Interaktion von Lehrenden und Lernenden unter dem Aspekt des "Gender Mainstreaming", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189530