Max Weber-Herrschaft und Demokratie bei Max Weber

Formen der Herrschaft und Herrschaftslegitimation bei Max Weber


Hausarbeit, 2011
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung:

1 Einleitung
1.1 Gegenstand
1.2 Vorgehensweise

2 Zur Methodologie
2.1 Idealtypen
2.2 Werturteilsfreiheit

3 Typen der Herrschaft
3.1 Rationale Herrschaft
3.2 Traditionale Herrschaft
3.3 Charismatische Herrschaft

4 Abschließende Bemerkungen

1 Einleitung

Die Aktualität Max Webers ist ungebrochen. Gerade heut, in einer Zeit dramatischer gesellschaftlicher Umbrüche, stellt sich die Frage von Macht und Legitimität mit Vehemenz. Die Ereignisse in Nordafrika und in der arabischen Welt demonstrieren eindringlich, dass offenbar ein Funke reichen kann, der eine Lawine ungeahnten Ausmaßes ins Rollen bringt. Über Jahrzehnte hinweg haben sich in Tunesien, in Libyen oder Ägypten autokratische Herrscher und blutige Militärregierungen ohne Rücksicht auf Verluste gegen die Bevölkerung durchgesetzt. Der Wille der Volkes war ebenso gleichgültig wie sein Wohlergehen. Und Widerstand wurde ganz einfach gewaltsam und in Folterkammern im Keim erstickt. Daneben aber existiert seit dem II Weltkrieg eine Welt demokratischer Staaten, die – trotz krisenhafter Wirtschaftsverläufe – auf die unmittelbare Einsetzung von Gewalt verzichtet und sich dennoch vergleichsweise stabiler präsentiert. Mehr noch: die demokratischen Staaten und die in ihnen gepflegten Verkehrsformen scheinen zu einem guten das erstrebte Vorbild der derzeit Revoltierenden zu sein. Ihre bisherige Herrschaft hat jeden Kredit verspielt und wird von der Bevölkerung so sehr gehasst, dass sie unter Einsatz des eigenen Lebens deren Beseitigung, kurz: einen Umsturz, eine Revolution betreiben.[1]

1.1 Gegenstand

Die Frage von Herrschaft und Legitimität von Herrschaft, der sich wie kaum ein andere Max Weber zuwandte, bildet den Gegenstand der hier vorgelegten Hausarbeit. Zwar er fuhr das Hauptwerk Max Webers zu seinen Lebzeiten nicht die gebührende Würdigung. „Seine volle Anerkennung als Wissenschaftler erreichte Max Weber leider erst nach seinen Tod. Karl Jaspers, einer seiner Schüler, schrieb noch 1958 über ihn: „Er war der größte Deutsche unseres Zeitalters.“ Karl Löwith charakterisierte Max Weber als einen Menschen, dessen Brust die extremsten Gegensätze beherbergte und mit denen er dennoch zu leben verstand. Max Weber lehnte jeden Kult um seine Person ab und hielt es für entscheidend, sich voll und ganz einer Aufgabe zu widmen.“[2] Heute aber, kann sein Hauptwerk als der Klassiker der Gründerväter der Soziologie bezeichnet werden.

1.2 Vorgehensweise

Um die Formen der Herrschaft und der Herrschaftslegitimation bei Max Weber darzulegen, wurde im Einzelnen die folgende Vorgehensweise gewählt:

- in einem ersten Schritt geht es darum, die spezifische methodische Vorgehensweise bei Max Webers anhand grundlegender Termini zu behandeln; eingegangen wird daher insbesondere auf die Begriff soziale Handlung, auf die Kategorie des Idealtypus sowie auf den Stellenwert der Werturteilsfreiheit
- in einem zweiten Schritt werden die verschiedenen Typen der Herrschaft in ihren wesentlichen Bestimmungen vorgestellt; Max Weber unterscheidet zwischen der rationalen, der traditionalen und der charismatischen Herrschaft; wobei der Typus der rationalen Herrschaft durch die Versachlichung und Formalisierung aller öffentlichen und geschäftlichen Beziehungen gekennzeichnet und damit als Herrschaftsform der (westlichen) Moderne zu fassen ist
- abschließend werden die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und einer kritischen Diskussion unterzogen

2 Zur Methodologie

Bereits mit dem § 1 von Wirtschaft und Gesellschaft begründet Max Weber die Handlungssoziologie: „§ 1. Soziologie (im hier verstandenen Sinn dieses sehr viel gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. „Handeln“ soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. „Soziales“ Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“[3] Soziologie ist für Max Weber also unmittelbar die gewissermaßen sezierende Betrachtung sozialer Prozesse. Diese werden in ihre, in Form von Handlungen aufeinander auf einander bezogenen Bestandteile zerlegt, um sie sodann deutend verstehen zu können. Wobei dieses deutende Verständnis darin besteht, die Handlungen sowohl ihrem Ablauf nach als auch ihren Wirkungen nach ursächlich erklären zu können. Einen Sinn erhält oder hat eine Handlung insoweit, insoweit der Handelnde selbst ihr einen Sinn beimisst. Wohingegen die Qualität der sozialen Handlung darin besteht, wenn dieser Sinn sich auf andere Individuen und der Handeln bezieht bzw. sich in seinem Ablauf am Tun oder Lassen anderer Menschen orientiert. In diesem Verständnis, also in der Bezogenheit einer Handlung auf eine Handlung (oder ein Unterlassen) eines anderen (oder mehrerer) Menschen, kommt einer Handlung die Qualität zu, ein soziales Handeln zu sein. Es geht also um das Zusammenwirken, um das Zusammenspiel von Handlungen, wie dieses im Einzelnen ausfällt, ist vorerst nicht Gegenstand der Beurteilung. Mit anderen Worten: es geht um das Verständnis der Kategorie der sozialen Handlung, ohne dass damit eine Bewertung oder eine Verurteilung dieser Handlung verbunden wäre.[4] Im Einzelnen unterscheidet Weber vier Formen oder auch Typen sozialen Handelns:

- das zweckrationale Handeln besteht darin, dass zur Verfolgung eigener Zwecksetzungen rationale Erwägungen im Hinblick auf Mittel sowie mögliche Folgen und Nebenfolgen getroffen werden[5]
- das wertrationale Handeln besteht darin, dass jenseits möglicher Konsequenzen an den absoluten Eigenwert einer Handlung geglaubt wird; zudem orientiert sich die Handlung in keiner Weise an einer außer ihr liegenden Zwecksetzung[6]
- das affektuelle Handeln besteht darin, dass es sich eigentlich bereits – da es eben affektuelles und von Gemütslagen geprägtes Handeln ist – an der Grenze verstehbaren oder sinnhaften Handelns bewegt[7]
- das traditionelle Handeln besteht darin, dass es ein Handeln ist, welches aus Gewohnheit erfolgt; auch dieses Handeln bewegt sich oftmals an der Grenze des Sinnhaften, da sein Grund in der Wiederholung oder der Routine oder auch dem „Alltag“ liegt[8]

2.1 Idealtypen

Es versteht sich von selbst, dass diese Typen des sozialen Handelns analytische Kategorien darstellen, in der (empirischen) Wirklichkeit in Reinform zwar auftreten können, aber keinesfalls auftreten müssen. Den Idealtypus gewinnt Weber durch „einseitige Steigerung eines oder einiger Gesichtspunkte und durch Zusammenschluss einer Fülle von diffus und diskret, hier mehr, dort weniger, stellenweise gar nicht, vorhandener Einzelerscheinungen, die sich jenen einseitig herausgehobenen Gesichtspunkten fügen, zu einem in sich einheitlichen Gedankengebilde […].“[9] Der Idealtypus erscheint somit als ein genetischer Terminus, der als ein heuristisches Instrument die empirische Forschung anleiten soll. Mit anderen Worten: die empirische oder auch historische Wirklichkeit wird über die Bildung von Idealtypen in systematischer Weise erfasst.[10] Wobei der einzelne Idealtypus aus begrifflichen Bestandteilen gebildet wird, die einer Gattung zugehören und in ihrer Sammlung schließlich die gewissermaßen gesteigerte Form des Idealtypus ergeben. Im Einzelnen wird durch die Bildung und Anwendung von Idealtypen geleistet:

- dass in modellartiger Weise soziale Zusammenhänge veranschaulicht werden können
- dass aus einer komplexen Wirklichkeit spezifische Relationen herausgenommen oder isoliert und dadurch besser verständlich gemacht werden können
- dass diejenigen Verknüpfungen ausgemachte werden können, die für die soziologische Analyse Relevanz erlangen
- so dass es also möglich wird, die Phänomenologie, die sich als eine chaotische Zusammenballung individueller Erscheinungen darstellt, in hypothetischer Weise einem Ideal, also einem konstruierten Verlauf zuordnen zu können[11]

[...]


[1] „Im Namen der Freiheit haben die Menschen in Tunesien, Ägypten, und Libyen Herrscher abgeschüttelt, in Syrien kommt es unvermindert zu Protesten, und in einigen anderen arabischen Staaten wächst ebenfalls der Druck auf die autoritären Regime. Wie wird sich die Lage in den arabischen Ländern weiter entwickeln? Die Menschen lehnen sich auf gegen politische Willkür, Menschenrechtsverletzungen, Korruption, hohe Arbeitslosigkeit und steigende Nahrungsmittelpreise in ihren Ländern.“ (Politische Bildung, 2011)

[2] Wissen57, 2011.

[3] Weber, Max, 1972, S. 1.

[4] „In der Soziologie wird also über eine Zerlegung sozialer Prozesse in sinnhafte Einzelelemente (in Form von Handlungen) versucht Erklärungen und Deutungen von gesellschaftlichen Strukturen zu gewinnen. Der Begriff „sozial“ im Begriff der sozialen Handlung ist anders als im Alltagssprachgebrauch nicht mit einer Wertung versehen, es geht nur um das Zusammenwirken, manchmal das Zusammenarbeiten von Akteuren. Auch Folterer ebenso wie eine Vereinigung von Heiligen und eine Internet-Community würden im Sinne dieser Definition „sozial“ handeln.“ (Universität Halle-Wittenberg, 2011)

[5] Vgl. Treiber, Hubert, 2007, S. 49 ff.

[6] Vgl. Tänzler, Dirk, 2007, S. 107 ff.

[7] Vgl. Turner, Stephen, 2007, S. 81 ff.

[8] Vgl. Schluchter, Wolfgang, 2009, S. 24 ff.

[9] Weber, Max, 1888, S. 146

[10] „Die metatheoretische Position, von der WEBER in seiner Bestimmung des Idealtypus ausgeht, kann man durchaus als „konstruktivistisch/agnostizistisch" beschreiben. WEBER glaubt nicht, daß die Sozialwissenschaften die Realität abbilden können, wie sie „an sich" ist, sondern daß sie allenfalls in der Lage sind, Gedankengebilde zu konstruieren, die theoretisch/praktisch von Nutzen sind. Fazit: Der spezifische Wert einer Idealtypenbildung kann nicht bestimmt werden durch den Vergleich mit der „Realität", sondern allein durch den Nutzwert, den sie verspricht. Demnach ist die Konstruktion spezifischer Idealtypen abhängig vom jeweiligen Erkenntnisinteresse.“ (Schmidt-Salomon, 2011)

[11] Vgl. Universität Rostock, 2007.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Max Weber-Herrschaft und Demokratie bei Max Weber
Untertitel
Formen der Herrschaft und Herrschaftslegitimation bei Max Weber
Hochschule
Universität Hamburg  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Herrschaft und Demokratie bei Max Weber (1864-1920)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V189546
ISBN (eBook)
9783656137603
ISBN (Buch)
9783656138990
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit ist mit viel Mühe geschrieben und wurde mit der Note 1,7 benotet. Allerdings schätze ich die Note dieser Hausarbeit höher ein. Der Professor bei dem ich die Hausarbeit abgegeben habe ist bekannt für seine hohen Ansprüche.
Schlagworte
weber-herrschaft, demokratie, weber, formen, herrschaft, herrschaftslegitimation
Arbeit zitieren
Gökcen Medik (Autor), 2011, Max Weber-Herrschaft und Demokratie bei Max Weber , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189546

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