In der folgenden Hausarbeit soll kritisch betrachtet werden, welche Rolle der Wirtschaftsstandort Südafrika für die Entwicklung der Southern African Customs Union(SACU) hat. Ist die dominierende Wirtschaft Südafrikas der Garant für eine positive wirtschaftliche Entwicklung der Länder der SACU oder ist Südafrika der einzige Profiteur der engen Zusammenarbeit mit den BLNS-Ländern (Botsuana, Lesotho, Namibia und Swaziland)? Eine weitere wichtige Frage wird sein, ob die BLNS-Länder von den internationalen Handelsbeziehungen Südafrikas profitieren oder ob die bilateralen Handelsabkommen vor allem mit der EU nur den Wirtschaftsstandort Südafrika stärken?
Um die Rolle Südafrikas in der SACU betrachten zu können ist es unerlässlich darzustellen, welche politischen und ökonomischen Faktoren nach Ende der Apartheid dazu führten, dass Südafrikas Wirtschaft eine solch dominante Position in der Region einnehmen konnte. Dazu zählen die reichen natürlichen Ressourcen des Landes, die politische Kehrtwende des African National Congress von der sozialistischen Idee der Umverteilung der Besitztümer hin zu einer
neoliberalen Wirtschaftspolitik sowie die damit einhergehende Öffnung hin zum globalen Markt. Weiterhin soll die Struktur und Geschichte der SACU kurz erläutert werden sowie die wichtigsten wirtschaftlichen Eckdaten des Handels zwischen den Mitgliedern der SACU und dem Handel der SACU-Staaten auf dem internationalen Markt.
Am Ende folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der wirtschaftlichen Entwicklung der SACU und ein kritischer Ausblick auf die zukünftigen Möglichkeiten und Schwierigkeiten der regionalen Kooperation innerhalb der SACU.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Transformation der südafrikanischen Wirtschaft
3. Die Rolle Südafrikas in der Southern African Customs Union
3.1. Die Entstehung und Entwicklung der Southern African Customs Union
3.2. Die heutige Struktur der SACU nach der Vertragsänderung 2002
3.3. Wirtschaftliche Grunddaten der SACU
3.4. Die Handelsbeziehungen der SACU
3.4.1. Der Handel innerhalb der SACU
3.4.2. Der internationale Handel der SACU
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle Südafrikas als wirtschaftlicher Hegemon innerhalb der Southern African Customs Union (SACU) und analysiert, inwieweit die BLNS-Staaten von dieser Zusammenarbeit profitieren oder durch die südafrikanische Dominanz benachteiligt werden.
- Wirtschaftliche Transformation Südafrikas nach dem Ende der Apartheid.
- Historische Entwicklung und institutionelle Struktur der SACU.
- Analyse der Handelsströme und Abhängigkeiten innerhalb der Zollunion.
- Bedeutung internationaler Handelsabkommen für die SACU-Mitglieder.
- Diskussion der Machtasymmetrien und regionalen Integrationspotenziale.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Entstehung und Entwicklung der Southern African Customs Union:
Die SACU in ihrer Urform ist ein Relikt der Kolonialzeit. Nachdem die britische Kapkolonie und der Oranje Free State im Jahr 1889 eine Zollunion gründeten, schlossen sich die umliegenden Kolonien im Laufe der nächsten Jahre an. Nach einer Neugründung der Zollunion im Jahr 1910 zwischen Südafrika und den britischen Territorien wurde die SACU nach Ende der Kolonialzeit und der Unabhängigkeit Botsuanas, Lesothos und Swazilands 1969 in ihrer jetzigen Form neu gegründet. Namibia stand bis 1990 unter südafrikanischer Verwaltung und wurde erst 1990 als eigenständiges Mitglied in die Zollunion aufgenommen. „Die wichtigsten Vereinbarungen von 1969 [..] [betrafen] zollfreien Warenverkehr innerhalb der SACU, die Festlegung auf einen gemeinsamen Außentarif, die Einrichtung eines Common Revenue Pools sowie Bestimmungen über die Verteilung der Pool-Einnahmen.“
Der Common Revenue Pool beinhaltet die gesamten Zolleinnahmen der SACU. Durch die Festlegung eines Kompensationsfaktors von 1,42, also 42%, sollen die wirtschaftlichen Nachteile der BLNS-Länder in der SACU ausgeglichen werden. Diese Nachteile ergeben sich aus der Monopolisierung der Industriestandorte durch Südafrika. So müssen die BLNS Staaten oftmals Produkte aus Südafrika importieren, die auf dem Weltmarkt günstiger zu beschaffen wären. Zur weiteren Kompensation wurde die so genannte Stabilisierungsklausel eingeführt. Sie soll garantieren, dass sich die Zolleinnahmen der BLNS-Staaten zwischen 17-23% bewegen. Sinken also die tatsächlichen Zolleinnahmen, bedeutet dies, dass die BLNS Staaten einen höheren Anteil an diesen erhalten. Seit Bestehen der SACU in ihrer heutigen Form stieg diese Einnahmequelle von 2,64% 1969/70 auf 18% bzw. 23% 1995/1996. Diese Einnahmen stellen einen wichtigen Anteil an den jährlichen Einnahmen der BLNS-Staaten, besonders für Lesotho (50,6%) und Swaziland (50,1%), aber auch für Namibia (30,1%) und Botsuana (16,3%).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Rolle Südafrikas für die Entwicklung der SACU und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Die Transformation der südafrikanischen Wirtschaft: Das Kapitel beschreibt den wirtschaftspolitischen Wandel Südafrikas nach 1994 von einer planwirtschaftlichen Orientierung hin zu einer exportorientierten, neoliberalen Marktwirtschaft.
3. Die Rolle Südafrikas in der Southern African Customs Union: Hier werden die historischen Ursprünge, die institutionellen Reformen von 2002 sowie die Handelsbeziehungen innerhalb und außerhalb der SACU detailliert analysiert.
4. Ausblick: Der Ausblick reflektiert das Spannungsfeld zwischen der südafrikanischen Hegemonialmacht und der notwendigen stabilen Entwicklung seiner Nachbarstaaten für einen gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg.
Schlüsselwörter
Südafrika, SACU, BLNS-Staaten, Wirtschaftstransformation, Regionalismus, Zollunion, Handelsabkommen, Common Revenue Pool, Apartheid, Neoliberalismus, Exportorientierung, Handelsbeziehungen, Wirtschaftliche Hegemonie, regionale Kooperation, globale Märkte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Vormachtstellung Südafrikas innerhalb der Southern African Customs Union (SACU) und bewertet die Auswirkungen auf die kleineren Mitgliedstaaten (Botswana, Lesotho, Namibia, Swasiland).
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die wirtschaftliche Transformation Südafrikas nach der Apartheid, die institutionelle Geschichte der SACU und die Analyse der Handels- und Abhängigkeitsverhältnisse in der Region.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Südafrika ein einseitiger Profiteur der Zollunion ist oder ob die Zusammenarbeit auch die wirtschaftliche Stabilität der gesamten Region fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und ökonomische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Statistiken und offiziellen Vertragsdokumenten basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Darstellung der SACU-Strukturen, dem "Common Revenue Pool" als Ausgleichsinstrument und der Untersuchung der Handelsdaten sowie internationaler Abkommen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie SACU, wirtschaftlicher Hegemon, BLNS-Staaten, regionale Integration und Handelsbeziehungen definieren.
Welche Funktion hat der "Common Revenue Pool" in der SACU?
Er dient als Mechanismus zur Umverteilung von Zolleinnahmen, um wirtschaftliche Nachteile der BLNS-Länder auszugleichen, die durch die industrielle Dominanz Südafrikas entstehen.
Warum wird Südafrika in der Arbeit als "Hegemon" bezeichnet?
Südafrika dominiert aufgrund seines massiv höheren Bruttoinlandsprodukts und seiner diversifizierten Wirtschaftsstruktur die Handelsbeziehungen innerhalb der Zollunion fast vollständig.
- Citation du texte
- Keno Peterson (Auteur), 2009, Die Bedeutung des Wirtschaftsstandortes Südafrika für die SACU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189547