Im Rückblick auf die behandelte Thematik des BILSPOs lassen sich einige richtungweisende Erkenntnisse zusammenfassend darstellen:
Ausgehend von relevanten Entwicklungstheorien, welche sich hauptsächlich auf die Erkenntnisse Piagets, Bruners, Wygotskis sowie der Psycholinguistik bezogen wurden anhand bestimmter Kriterien Fremdspracherwerbstheorien ausgewählt und porträtiert, welche sich auf die Maximen der Ganzheitlichkeit sowie der Bewegung stützen. Es wurde herausgestellt, dass diese teils sehr verschiedenartige Zugänge zum Fremdspracherwerb aufwiesen, welche sich aber in der Konzentration auf den Einbezug der Körperlichkeit kreuzten. Dieser Schnittpunkt wurde im Weiteren unter der Betrachtung des untrennbaren Verhältnisses von Sprache und Bewegung in erste Bezüge zum BILSPO gestellt.
Aus fächerverbindender Sicht wurde daran anschließend der bilinguale Unterricht charakterisiert, wobei eine Begriffsbestimmung und -abgrenzung des fächerverbindenden Unterrichts diesem vorausging. Nachdem theoretische Hintergründe des bilingualen Unterrichts behandelt wurden, konnten verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von Sachfach und Fremdsprache beleuchtet werden. Resultierend daraus wurde CLIL als die Erfolgversprechendste herausgestellt, was bedeutet, dass die fachlichen Inhalte des Sportunterrichts weiter zentral bleiben, jedoch Impulse zum Fremdspracherwerb eingeflochten werden, um dadurch Fortschritte und Erfolge im Fremdsprachenlernen zu unterstützen und zu erzielen. Weiter wurden Konzepte und Modelle zur Integration von Sachfach und Fremdsprache dargestellt, welche zwar nicht exakt auf den BILSPO übertragen werden können, da sie für tendenziell kognitiv ausgerichtete Fächer konzipiert und aufgestellt wurden, aber dennoch in der Betrachtung des BILSPOs bedeutungsvoll sind.
Bevor dann der BILSPO in seiner Besonderheit, resultierend aus der Andersartigkeit des Faches Sport, thematisiert und dargestellt wurde, waren die Wirkungen von bilingualem Unterricht auf die Lernenden zentral. Bei der Betrachtung des Faches Sport wurde insbesondere herausgearbeitet, wie gerade durch das Fach Sport diese Wirkungen erzielt werden können. Der Blick auf die äußeren Gegebenheiten, die Sozialformen, den Kompetenzerwerb und die Kommunikation im Sportunterricht spielt dabei eine tragende Rolle...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sprache lernen
2.1 Für den Spracherwerb relevante entwicklungstheoretische Ansätze
2.2 Ganzheitliche Fremdspracherwerbstheorien und -methoden
2.3 Sprache und Sich-Bewegen als Interaktion
2.4 Zusammenfassende Bemerkungen
3 Von der fächerübergreifenden Idee zum BILSPO – eine Wegstudie
3.1 Fächerverbindender Unterricht als eine Umsetzungsmöglichkeit der fächerübergreifenden Unterrichtsidee
3.1.1 Hintergründe einer Ablösung des klassisch-strukturierten Fachunterrichts unter Berücksichtigung von Potenzialen des fächerübergreifenden Unterrichts
3.1.2 Gefährdungen in der Konzeption fächerübergreifenden Unterrichts
3.1.3 Abgrenzung des fächerverbindenden vom fächerübergreifenden Unterricht
3.1.4 Vorstellung ausgewählter Konzepte zu fächerübergreifendem Unterricht der einzelnen Bundesländer aus den jeweiligen Lehrplänen der Grundschule
3.2 Bilingualer Unterricht
3.2.1 Entwicklungen des bilingualen Unterrichts und Begriffsbestimmungen
3.2.2 Möglichkeiten der gewinnbringenden Kombination von Sachfach und Fremdsprache
3.2.2.1 Fremdsprachenlernen mit Hilfe eines Sachfaches
3.2.2.2 Sachfachunterricht im Medium der Fremdsprache
3.2.2.3 Bilingualer Unterricht zwischen sprachlichem und fachlich-inhaltlichem Lernen
3.2.3 Integration von Sachfach und Fremdsprache im Rahmen des bilingualen Unterrichts
3.2.4 Wirkungen bilingualen Unterrichts auf das Fremdsprachenlernen
3.2.5 Zusammenfassende Bemerkungen
3.3 Bilingualer Sportunterricht (BILSPO)
3.3.1 Besonderheiten des Faches Sport im Hinblick auf den Fremdspracherwerb
3.3.1.1 Äußere Gegebenheiten
3.3.1.2 Kompetenzerwerb und Sozialformen
3.3.1.3 Kommunikation im Sportunterricht in Bezug auf das Fremdsprachenlernen
3.3.1.4 Zusammenfassende Bemerkungen
3.3.2 Routinen im Sportunterricht
3.3.3 Synergieeffekte der Fächer Sport und Englisch
3.3.3.1 Betrachtung der Synergieeffekte im Hinblick auf fachliche Inhalte
3.3.3.2 Betrachtung der Synergieeffekte im Hinblick auf Unterrichtsziele und Kompetenzerwerb
3.3.4 Zusammenfassende Bemerkungen
4 Auswirkungen von Bewegung auf Lernen – Chancen für den BILSPO
4.1 Bewegung als unverzichtbarer Teil des Lernens
4.2 Darstellung von Hirnfunktionen im Zusammenhang mit Sprachenlernen und Bewegung
4.3 Zusammenfassende Bemerkungen
5 BILSPO in der Grundschule – eine praktische Erprobung
5.1 Kurzdarstellung von Vorhaben und Untersuchungsdesign der Studie
5.2 Konzeption der BILSPO-Unterrichtsstunden
5.3 Präsentation der Ergebnisse
5.3.1 Analyse sprachlicher Äußerungen
5.3.1.1 Sprachanalyse seitens der Lehrenden
5.3.1.2 Sprachanalyse seitens der Lernenden
5.3.2 Reaktion der Schüler auf fremdsprachliche Instruktionen im BILSPO
5.3.3 Einschätzungen des BILSPOs durch die Schüler
5.4 Reflexion der Durchführung des BILSPOs in der Grundschule
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Möglichkeiten und Potenziale des bilingualen Sportunterrichts (BILSPO) an Grundschulen zu untersuchen und zu belegen, dass die Verknüpfung von Fremdsprachenlernen und Bewegung eine erfolgversprechende Unterrichtskonzeption darstellt, die den Spracherwerb durch ein motivierendes und natürliches Lernumfeld bereichert.
- Grundlagen des Fremdsprachenlernens und entwicklungstheoretische Ansätze
- Fächerübergreifender und bilingualer Unterricht im Grundschulkontext
- Die Synergieeffekte zwischen den Fächern Sport und Englisch
- Neurowissenschaftliche Zusammenhänge zwischen Bewegung und Lernen
- Praktische Erprobung und Reflexion des BILSPO-Konzepts
Auszug aus dem Buch
3.3.1.2 Kompetenzerwerb und Sozialformen
Gabriele Lehmann und Erziehungswissenschaftler Wolfgang Nieke (*1948) erstellten ein Kompetenzmodell (Anlage 1), welches die Handlungskompetenz der Schüler im Zentrum lokalisiert und sie damit ferner als übergeordnetes Ziel für den Sportunterricht beschreibt. Für die Handlungskompetenz seien vor allem Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, bzw. -bereitschaft, aber auch die Fähigkeit des genauen Zuhörens notwendig, um Bewegungsaufgaben auftragsgetreu zu realisieren (vgl. Vorlesung Einführung in die Sportdidaktik). Einfluss auf die Handlungskompetenz haben, wie es im Modell verdeutlicht ist, die Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz. Unter Fachkompetenz verstehen die Autoren einerseits den Besitz von fachlichen Wissen und der Kenntnis fachspezifischer Sachverhalte auf sportlichem Gebiet. Andererseits bedarf es zudem der Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen diesen herzustellen (vgl. Vorlesung Einführung in die Sportdidaktik). Unter Methodenkompetenz wird die Fähigkeit verstanden, (Bewegungs-) Probleme situationsgerecht zu lösen, sich dafür entsprechendes Wissen anzueignen, rational zu arbeiten und seine Ergebnisse letztlich zu strukturieren (vgl. Vorlesung Einführung in die Sportdidaktik). Auch die Komponente der Sozialkompetenz nimmt, laut Lehmann und Nieke, im Sport eine große Bedeutung für die Handlungskompetenz ein. Sie beschreibt die Bereitschaft, gemeinsam mit anderen zu arbeiten und sich ihnen gegenüber einfühlsam und tolerant zu verhalten. Zudem sollen Schüler gemäß diesem Modell die Fähigkeit besitzen, Konflikte untereinander zu lösen. Letztlich fügt sich die Selbstkompetenz mit ein, welche die Kompetenz beschreibt, sich selbstständig zu betätigen und dabei Vertrauen in das eigene Tun zu legen. Weiter sollten Schüler ihre Stärken und Schwächen kennenlernen und die Motivation entwickeln, Leistung erbringen zu wollen (vgl. Vorlesung Einführung in die Sportdidaktik).
Weil sich all diese Kompetenzen in der Handlungskompetenz vereinen, stellt diese nicht nur – wie bereits erwähnt – das übergeordnete Ziel des Sportunterrichts dar, sondern ebnet einen Weg hin zum außerunterrichtlichen Sporttreiben (vgl. Vorlesung Einführung in die Sportdidaktik).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse am bilingualen Sportunterricht, formuliert die Zielsetzung der Arbeit und führt in die theoretische Relevanz der Verbindung von Bewegung und Spracherwerb ein.
2 Sprache lernen: In diesem Kapitel werden grundlegende Spracherwerbstheorien sowie ganzheitliche Lehrmethoden dargestellt, die Bewegung als integralen Bestandteil des Lernprozesses betrachten.
3 Von der fächerübergreifenden Idee zum BILSPO – eine Wegstudie: Hier wird die konzeptionelle Herleitung des BILSPO-Modells vollzogen, indem fächerverbindender Unterricht definiert, bilinguale Konzepte analysiert und die Synergieeffekte zwischen Sport und Englisch dargelegt werden.
4 Auswirkungen von Bewegung auf Lernen – Chancen für den BILSPO: Dieses Kapitel beleuchtet aus kinesiologischer und neurowissenschaftlicher Sicht, wie körperliche Aktivität kognitive Prozesse und die Aufnahmefähigkeit im Spracherwerb positiv beeinflussen kann.
5 BILSPO in der Grundschule – eine praktische Erprobung: Dieser Teil beschreibt die praktische Durchführung einer BILSPO-Studie in einer vierten Klasse, inklusive Untersuchungsdesign, Ergebnissen der Sprachanalyse und der Reflexion der Erfahrungen.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer empirischer Langzeitstudien zur Effizienz des BILSPO-Konzepts.
Schlüsselwörter
Bilingualer Sportunterricht, BILSPO, Fremdsprachenlernen, Grundschule, Bewegungslernen, Ganzheitlichkeit, Sprachhandlungskompetenz, Handlungsbezogenheit, Spracherwerbstheorien, Fächerverbindender Unterricht, CLIL, Kompetenzmodell, Sportdidaktik, Sprachproduktion, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des bilingualen Sportunterrichts (BILSPO) an Grundschulen und dessen positive Auswirkungen auf das Fremdsprachenlernen der Kinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Verknüpfung von Sport und Englisch, die Rolle von Bewegung beim Sprachenlernen sowie die praktische Umsetzung und Evaluation von BILSPO im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu zeigen, dass BILSPO aufgrund seiner hohen Handlungsbezogenheit und motivierenden Wirkung eine erfolgversprechende Form des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literaturanalyse zu Sprach- und Bewegungstheorien mit einer qualitativen empirischen Studie, die durch Videoaufzeichnungen, Fragebögen und Feedbacks ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen fundierten Theorieteil zu Spracherwerb und Hirnfunktionen sowie einen praktischen Teil, in dem ein 12-stündiges Unterrichtsprojekt detailliert dokumentiert und reflektiert wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Bilingualer Sportunterricht, Handlungsbezogenheit, Ganzheitlichkeit, Sprachkompetenz und Synergieeffekte aus.
Wie unterscheidet sich BILSPO von herkömmlichem Englischunterricht?
Während klassischer Englischunterricht häufig auf kognitive Leistungen fokussiert ist, nutzt der BILSPO die natürliche Bewegungsfreude der Kinder im Sportunterricht, um Sprache im "Hier und Jetzt" handlungsorientiert und unterbewusst zu erwerben.
Wie reagieren Grundschulkinder auf den fremdsprachlichen Input im Sport?
Die Studie zeigt, dass Kinder sehr flexibel und motiviert reagieren; sie bauen Berührungsängste ab und verstehen Anweisungen durch den Kontext und die nonverbale Unterstützung der Lehrkraft intuitiv.
- Citar trabajo
- Thekla Mayerhofer (Autor), 2011, Bilingualer Sportunterricht und seine Wirkung auf das Fremdsprachenlernen von Grundschulkindern im fächerverbindenden Kontext, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189567