Spanglish - Varietätenlinguistik des Spanischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Begriffe der Soziolinguistik
2.1. Bilingualismus
2.2. Diglossie
2.3 Sprachkontakt

3. Die spanischsprachige Bevölkerung in den Vereinigten Staaten
3.1. Die aktuelle Situation
3.2. Mexikaner
3.3. Kubaner
3.4. Puerto- Ricaner

4. Das Phänomen „Spanglish“
4.1. Entlehnungen
4.1.1. Substantive
4.1.2. Syntaktische Konstruktionen
4.1.3. Verben
4.2. Codeswitching
4.2.1. Soziolinguistische Sicht
4.2.2. Grammatikalische Sicht

5. Spanglish im Alltag

6. Fazit

7. Bibliographie
7.1. Literaturverzeichnis
7.2. Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft ist es von Bedeutung multilingual zu sein.

Nicht nur im Berufsleben, auch im Alltag und im Freundeskreis treffen verschiedene Sprachen aufeinander.

So ist es allgemein bekannt, dass Englisch im Zeitalter der Globalisierung besonders in der Wirtschaft, im Handel und im sozialen Umfeld eine herausragende Rolle spielt.

Aber trifft diese Aussage heutzutage wirklich noch zu?

Besonders in den Vereinigten Staaten nimmt der Einfluss der spanischen Sprache ständig zu, denn die Migranten aus den süd- und mittelamerikanischen Ländern stellen derzeit mit 30 Millionen die größte Minderheitengruppe dar, die zudem noch rasend schnell wächst[1].

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das Spanische aus sozialen, geographischen und politischen Gründen stets in Konkurrenz zum Englischen stand. Aus diesem permanten Sprachkontakt entwickelten sich sprachliche Veränderungen und Varietäten, am dominantesten das sogenannte „Spanglish“.

Den Fokus dieser Arbeit bildet das Spanglish, das in den Vereinigten Staaten verwendet wird.

Im Folgenden sollen die allgemeinen Begriffe der Soziolinguistik, unter anderem der Bilingialismus, die Diglossie und der Sprachkontakt näher erläutert werden. Weiterhin wird die aktuelle Lage der Hispanics in den Vereinigten Staaten untersucht. Darüber hinaus betrachten wir Spanglish unter den Gesichtspunkten des Codeswitching und der Entlehnungen. Zuletzt soll ein kurzer Einblick in die Bedeutung des Spanglish im amerikanisch- hispanischen Alltag gegeben werden.

2. Allgemeine Begriffe der Soziolinguistik

Im Folgenden sollen die wichtigsten Begriffe der Soziolinguistik näher betrachtet werden.

2.1. Bilingualismus

Im Allgemeinen wird unter dem Begriff „Bilingualismus“ soviel wie „Mehrsprachigkeit“ verstanden. In der heutigen Gesellschaft gehört es zur Normalität, dass ein Großteil der Menschen zwei oder auch mehrere Sprachen beherrscht. Doch dies war nicht immer so, denn in der damaligen Zeit galt Zwei- oder Mehrsprachigkeit als minderwertig.

So werden vier Arten von Bilingualismus unterschieden:

1. Individuelle Mehrsprachigkeit: Menschen sprechen mehr als eine Sprache.
2. Territoriale Mehrsprachigkeit: In einem Gebiet werden mehrere Sprachen
gesprochen.
3. Soziale Mehrsprachigkeit: Mehrere Sprachen haben unterschiedliche Funktionen.
4. Institutionelle Mehrsprachigkeit: Existiert in Verwaltungen und Institutionen, die in verschiedenen Sprachen agieren[2].

Weiterhin wird zwischen individueller und gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit differenziert. Dabei meint individuelle Mehrsprachigkeit ein Individuum, das über Kompetenzen in mehr als einer Sprache verfügt. Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit bedeutet dagegen, dass in

einer Gesellschaft mehr als eine Sprache zur Kommunikation genutzt wird. In dieser Gesellschaft muss aber nicht jedes Individuum mehrsprachig sein[3].

Eine genaue Definition des individuellen Bilingualismus ist jedoch schwierig, da es sich um ein heterogenes Phänomen handelt und die Grenzen fließend sind. Es ist unklar, ab wann ein Mensch als bilingual gilt. So herrscht Uneinigkeit darüber, ob es genügt neben der eigenen Muttersprache, Grundkenntnisse in der zweiten Sprache zu besitzen und der Sprecher zur

Formulierung von vollständigen und verständlichen Sätzen fähig sein muss. Oder ob in beiden Sprachen muttersprachliche Kompetenzen vorhanden sein sollen.

Die estnisch-schwedische Linguistin, Els Oksaar, definiert Bilingualismus wie folgt:

Mehrsprachigkeit definiere ich funktional. Sie setzt voraus, dass der Mehrsprachige in den meisten Situationen ohne weiteres von der einen Sprache zur anderen umschalten kann, wenn es nötig ist. Das Verhältnis der Sprachen kann dabei durchaus verschieden sein – in der einen kann, je nach der Struktur des kommunikativen Aktes, u.a. Situationen und Themen, ein wenig eloquenter Kode, in der anderen ein mehr eloquenter verwendet werden[4].

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass es genügt Grundkenntnisse in der zweiten Sprache erlernt zu haben, um Konversationen zu führen.

Angewandt auf die sprachliche Situation der spanischsprachigen Migranten in den USA wird deutlich, dass die ersten Einwanderergenerationen die englische Sprache kaum oder auch gar nicht erlernt haben. Denn sie arbeiten und leben häufig in hispanischen Stadtvierteln.

Dagegen zeichnet sich ein deutlicher Trend bei den Jugendlichen ab. Aufgrund des permanenten Kontakts mit der englischen Sprache erfolgt eine Sprachumstellung von Spanisch auf Englisch. Aber viele der jungen Hispanics sprechen weiterhin in ihren Familien Spanisch.

2.2. Diglossie

Der Terminus „Diglossie“ ist auch als sozialer beziehungsweise funktioneller Bilingualismus bekannt. Der Begriff verdeutlicht, dass der Gebrauch der Sprachen auf bestimmte Bereiche verteilt ist, wie Arbeitsplatz, Schule, Freunde und Familie. Darüber hinaus wird zwischen einer „High Variety“ und einer „Low Variety“ differenziert.

Die „High Variety“ stellt dabei die Standardvarietät dar, die in den öffentlichen Bereichen

genutzt und in der Schule gelernt wird. Weiterhin dient sie als Schriftsprache und verfügt über ein höheres soziales Prestige.

Dagegen wird die „Low Variety“ in informellen Situationen, in Gesprächen mit Freunden und

Familienmitgliedern verwendet.

Beide Varietäten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Funktion, sondern auch in ihrer Grammatik. Während die „High Variety“ eine komplexere Grammatik aufweist, erscheint sie bei der „Low Variety“ vereinfacht[5].

Aus diesem Sachverhalt wird erkennbar, dass Bilingualismus die Voraussetzung für individuelle Diglossie darstellt. Denn ein Individuum muss zwei oder mehr Sprachen beherrschen, um sie auf die verschiedenen Bereiche verteilen zu können.

So können Bilingualismus und Diglossie in einer mehrsprachigen Gesellschaft zusammen auftreten, aber unabhängig voneinander sein. Folglich gibt es vier verschiedenen Typen:

1. Diglossie mit Bilingualismus: In einem Land existieren mehrere Sprachen, wovon eine die „High Variety“ und die anderen die „Low Varietys“ darstellen. Zum Beispiel das Italienische oder Türkische in Deutschland.
2. Diglossie ohne Bilingualismus: Zwei oder mehr monolinguale Sprachgemeinschaften treffen in einem Land aufeinander. Zutreffend in der Schweiz oder Kanada.
3. Bilingualismus ohne Diglossie: Es findet keine Aufteilung der Sprachen in unterschiedliche Bereiche statt. Das Überleben der „Low Variety“ ist unsicher.
4. Weder Diglossie noch Bilingualismus:Es gibt kein Land mehr, das einsprachig ist und keine Immigranten aufweist[6].

In Bezug auf die Vereinigten Staaten nimmt das Englische die Rolle der „High Variety“ an, denn es verfügt über ein höheres Prestige als das Spanische, das als „Low Variety“ bezeichnet wird. Jedoch agiert die spanische Sprache in Puerto Rico und in einigen wohlhabenden

Gebieten mit hohem Anteil an Spanischsprechern als „High Variety“.

2.3. Sprachkontakt

In der heutigen Zeit existieren nur noch selten monolinguale Gesellschaften. Aufgrund von Migration, Massenmedien und Bildung treten Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Muttersprache miteinander in Kontakt. Sprachkontakt lässt sich somit als „[...] wechselseitige Beeinflussung von zwei oder mehreren Sprachen“[7] definieren.

Weiterhin gibt es verschiedene Orte, an denen Sprachen aufeinander treffen können.

Zum einen im Individuum selbst, wenn dieses mehrere Sprachen abwechselnd verwendet und sie automatisch untereinander anpasst.

Zum anderen existiert Sprachkontakt auch innerhalb von Gruppen oder Gesellschaften, wenn diese Gruppen in mehreren Sprachen interagieren.

Innerhalb dieser Gemeinschaften verfügen die Sprecher über unterschiedliche Sprachkompetenzen.

Dabei beherrscht die ältere Generation häufig nur die Muttersprache. Wohingegen die jüngere Generation meist eine größere Kompetenz in der Kontaktsprache als in ihrer Muttersprache besitzt.

Dieser Kontakt kann bewusst oder unbewusst herbeigeführt werden und von einer gegenseitigen Beeinflussung bis hin zu einer Verschmelzung zweier Sprachen führen. So unterscheidet die diachrone[8] Sprachwissenschaft beispielsweise drei Konstellationen von Sprachkontakt:

1. Substrat: Die Sprache der Eroberer wird vom eroberten Volk angenommen. Bestimmte Merkmale der eigenen Sprache beeinflussen die „neue“ Sprache, um einen völligen Sprachverlust zu verhindern.
2. Superstrat: Die Eroberer nehmen die Sprache des eroberten Volkes an, wobei hier die Sprache der Eroberer Einfluss hat.
3. Adstrat: Zwei Sprachen beeinflussen sich geringfügig gegenseitig oder einseitig, existieren aber weiterhin gleichberechtigt nebeneinander[9].

Darüber hinaus beschreibt Helmut Lüdkte, ein deutscher Sprachwissenschaftler, drei Phasen des divergenten[10] Sprachwandels. Dabei werden die Folgen eines Sprachkontaktes in einer Sprachgemeinschaft näher erläutert. Anfänglich entsteht eine Wortkörperschrumpfung von mehreren Wörtern zu einem. Durch diese Schrumpfung verliert das Wort jedoch an Eindeutigkeit. Infolgedessen entwickelt sich eine semantische Erweiterung, bei der beispielsweise eine eingliedrige Form zweigliedrig wird. Die dritte Phase des divergenten Sprachwandels stellt die Verschmelzung dieser benachbarten Elemente dar. Dieser Wandel geschieht langfristig und unbewusst durch die Kommunikation in einer Sprachgemeinschaft[11].

Folglich können durch verschiedene Sprachkontakte bilinguale, also zweisprachige als auch monolinguale Sprecher entstehen. Das Codeswitching, das die Grundlage der sprachlichen Vermischung von Spanisch und Englisch bildet, spielt dabei eine besondere Rolle und wird im vierten Abschnitt noch näher beschrieben.

3. Die spanischsprechende Bevölkerung in den Vereinigten Staaten

3.1. Die Aktuelle Situation

Wenn wir die spanischsprachigen Migranten betrachten, ist es zunächst notwendig die zwei Begriffe „Latino“ und „Hispanic“ näher zu erläutern.

Der Terminus „Hispanic“ wurde in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts von der Regierung Nixons geprägt und bezeichnet alle spanischsprechenden Einwohner in den Vereinigten Staaten. Dagegen wird der Begriff „Latino“ von den Migranten, die nach einer eigenen Identität streben, bevorzugt.

Aufgrund der kontinuierlichen Einwanderung und der hohen Geburtenrate, leben heute mehr als 30 Millionen Hispanics in den Vereinigten Staaten. Derzeit stellen sie die zweitgrößte und am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe der USA dar. Darüber hinaus gelten sie nicht als homogene Gruppe, da sie aus vielen Ländern Mittel- und Südamerikas stammen und sich durch ihre Hautfarbe, den sozialen Status und den Bildungsstand unterscheiden.

Häufig zählen nur die Religion und die Sprache, trotz verschiedener Dialekte, zu den Gemeinsamkeiten. Viele von ihnen, die in den USA immigrieren sprechen weiterhin fließend Spanisch, doch einige vergessen ihre Muttersprache oder geben sie zugunsten des Englischen auf. Weiterhin gibt es auch Gruppen, die die Mischsprache Spanglish für Konversationen nutzen[12].

Die Hispanics zählen nicht nur zur größten, sondern auch zur jüngsten, ältesten und ärmsten Minderheit in den Vereinigten Staaten. Die ersten von ihnen lebten bereits im Land, als die englischen Pilger kamen. So wird eine Vielzahl der Hispanics nicht zu den Immigranten gezählt. Denn sie stellen Autochthone dar, also Nachkommen von Spanischsprechern, die schon auf dem Gebiet der heutigen USA lebten, bevor diese Staaten, wie z.B. Kalifornien, New Mexiko oder Texas, Teile der Vereinigten Staaten wurden[13].

Des Weiteren gelangten im 20. Jahrhundert durch die Einwanderungswellen viele spanischsprechende Migranten in die USA.

Doch der Großteil der Hispanics verfügt heutzutage nur über mangelnde Englisch-Kenntnisse und weist zudem große Bildungsdefizite auf. Folglich arbeiten diese Migrantengruppen in unterbezahlten Berufen, besuchen selten eine Hochschule und besitzen wenig politischen Einfluss in den Vereinigten Staaten.

[...]


[1] Vgl. Stavans, Ilan (2003): Spanglish- The making of a new American language; S. 5

[2] Vgl. Riehl, Claudia Maria (2004): Sprachkontaktforschung; S. 52

[3] Vgl. Winkelmann, Sophia (2007): Spanglish als Sprache; S.12

[4] Riehl, Claudia Maria (2004): Sprachkontaktforschung; S. 63f.

[5] Vgl. Riehl, Claudia Maria (2004): Sprachkontaktforschung; S. 15

[6] Vgl. Riehl, Claudia Maria (2004): Sprachkontaktforschung; S. 18

[7] Riehl, Claudia Maria (2004): Sprachkontaktforschung; S. 11

[8] Die diachrone (historische) Sprachwissenschaft vergleicht die Sprachentwicklung einer Sprache auf verschiedenen Ebenen und zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Entstehung.

[9] Vgl. Pomino, Natascha/ Zepp, Susanne (2004): Hispanistik; S.153

[10] Der divergente Sprachwandel befasst sich mit dem Phänomen der Auseinanderentwicklung von Varianten eines sprachlichen Elements, so dass zwei unabhängige Varianten ko- existieren.

[11] Vgl. Lüdtke, Helmut (1980): Kommunikationstheoretische Grundlagen des Sprachwandels; S. 9

[12] Vgl. Stavans, Ilan (2003): Spanglish- The making of a new American language; S. 5

[13] Vgl . http://www.muz-online.de/america/hispanics.html (19.01.2011).

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Spanglish - Varietätenlinguistik des Spanischen
Hochschule
Universität Leipzig  (Romanistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V189773
ISBN (eBook)
9783656143147
ISBN (Buch)
9783656143253
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanglish, Romanistik, Sprachwissenschaft
Arbeit zitieren
Annika Helmecke (Autor), 2011, Spanglish - Varietätenlinguistik des Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189773

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