Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell am Beispiel eines Lehrplanentwurfs für einen Bildungswissenschaftler im Bereich Forschung


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das 4C/ID-Modell in der Praxis
2.1 Analyse der Kompetenz: Hierarchie der konstituierenden Fertigkeiten
2.2 Sequenzialisierung der Aufgabenklassen
2.3 Der Entwurf der Lernaufgaben
2.4 Unterstützende und Just-In-Time-Informationen
2.4.1 Unterstützende Informationen
2.4.2 Just-In-Time-Informationen

3 Theoretische Überlegungen zum 4C/ID-Modell
3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten Lernens
3.2 Didaktische Szenarien zur Integration in das 4C/ID-Modell
3.3 Medien im 4C/ID-Modell

4 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs- undTabellenverzeichnis

1 Einleitung

Der gesellschaftliche Wandel sowie technologische Entwicklungen machen immer mehr ein lebenslanges Lernen notwendig, das auch die spezielle Situation der erwachsenen Lerner[1] berücksichtigen muss. (Gruber & Harteis, 2010, S. 13; Ter- hart, 2010, S. 31 f.). Dazu zählen beispielweise die persönliche Lerngeschichte des Einzelnen und die Tatsache, dass in der Regel in der Erwachsenenbildung ein ge­wisser Bezug zu Anforderungen des beruflichen bzw. privaten Alltags erwartet wird. (Terhart, 2010, S. 33). Gerade im beruflichen Kontext sind häufig komplexe Tätigkeiten zu erlernen, für die verschiedene Fertigkeiten, Wissen und Einstel­lungen, die für die effektive Ausführung benötigt werden, koordiniert und inte­griert werden müssen. (van Merriënboer, Kirschner & Kester, 2003, S. 3)

Da in der Vergangenheit jedoch kaum brauchbare Ansätze für systematische und effiziente Trainingsstrategien für komplexe kognitive Fähigkeiten gemacht wur­den, entwickelte Jeroen van Merriënboer (1997) das Vier-Komponenten- Instruktionsdesign-Modell (4C/ID-Modell), das auf der Entwicklung authentischer und hinreichend komplexer Lernaufgaben basiert, die es dem Lerner erleichtern sollen, den in der Praxis wichtigen Transfer leisten zu können, die aber gleichzei­tig auch so aufgebaut sind, dass der Lerner nicht überfordert und durch einen cognitive load' belastet wird. (van Merriënboer et al., 2003, S. 3)

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Entwurf eines Lehrplans auf der Ba­sis des 4C/ID-Modells am Beispiel des Bildungswissenschaftlers im Bereich der Forschung. Im weiteren Verlauf werden mediendidaktische und lerntheoretische Überlegungen zum Modell angestellt und in Bezug zu diesem Beispiel gesetzt.

2 Das 4C/ID-Modell in der Praxis

Das 4C/ID-Modell besteht, wie der Name schon andeutet, aus vier Komponenten, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Abb. 1 zeigt die vier Elemente in einer schematischen Darstellung.

(1) Lernaufgaben. Sie werden als „konkret, authentisch, bedeutungsvoll und ganzheitlich" (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2010, S. 92) be­schrieben. Mit authentisch ist hier gemeint, dass es sich dabei um Aufga­ben handelt, die in der Form mehr oder weniger auch in der Realität auf­findbar sind. Bei nicht-wiederkehrenden Fertigkeiten dienen sie dem Aufbau kognitiver Schemata, bei wiederkehrenden Fertigkeiten der Au­tomatisierung. In Abb. 1 werden sie als Kreise dargestellt. Die Aufgaben­klassen, innerhalb derer die Lernaufgaben organisiert sind, finden sich dort als gestrichelt markierte Rechtecke wieder. In der Abbildung sieht man weiterhin eine Füllung der Kreise; sie repräsentiert die Unterstüt­zung der Lernenden, die mit zunehmender Expertise innerhalb einer Klas­se abnimmt, bis sie schließlich ganz verschwindet. Diesen Prozess be­zeichnet man als Scaffolding.

(2) Unterstützende Informationen. Sie dienen der Bewältigung von nicht­wiederkehrenden Aufgaben und geben dem Lerner Anhaltspunkte darü­ber, wie man die Aufgaben in diesem Bereich bewältigen kann bzw. wie der Bereich überhaupt aufgebaut ist. Sie enthalten üblicherweise auch ein kognitives Feedback über die Qualität der Aufgabenerledigung. In Abb. 1 sind sie als hellgraue L-förmige Balken zu sehen.

(3) Just-In-Time-Informationen. Diese Informationen dienen der Bewältigung von wiederkehrenden Aufgaben und werden im Gegensatz zu den unter­stützenden Informationen genau in dem Moment präsentiert, in dem der Lernende sie benötigt. Sie bestehen beispielsweise in Algorithmen zur Spezifikation der Ausführung und sollten auch ein korrektives Feedback enthalten. In Abb. 1 erkennt man sie an den dunkelgrauen Rechtecken; die ausgehenden Pfeile verdeutlichen die Just-In-Time-Darbietung.

(4) Part-Task-Practice. Sie bestehen aus zusätzlichen Aufgaben, in denen iso­ lierte Einzelfertigkeiten wiederholt werden, die schnell und präzise ausge­führt werden müssen. Eigentlich widerspricht die Anwendung von Teilfer- tigkeiten den Modellannahmen, deshalb sind die Part-Task-Practice- Aufgaben nur in geringem Maße zu verwenden.

(Bastiaens et al., 2010, S. 92 f.; van Merriënboer, Clark & de Croock, 2002, S. 50 ff.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Schematische Darstellung des 4C/ID-Modells

Im Weiteren wird zunächst auf die Analyse der konstituierenden Fertigkeiten ein­gegangen, die für die Tätigkeit eines Bildungswissenschaftlers im Bereich For­schung relevant sind. Auf dieser Basis werden dann Lernaufgaben im Sinne der obigen Darstellung entwickelt sowie unterstützende und Just-In-Time- Informationen zu ihrer Bewältigung angegeben.

2.1 Analyse der Kompetenz: Hierarchie der konstituierenden Fertigkeiten

Bevor entsprechende Lernaufgaben ausgearbeitet werden können, müssen zu­nächst die Fertigkeiten identifiziert werden, die für die Kompetenz bedeutsam sind, die erworben werden soll. Dafür ist es nötig, die Kompetenz zu analysieren, und anschließend die hierarchischen Zusammenhänge ihrer konstituierenden Fertigkeiten darzustellen. Daraufhin müssen für jede dieser Fertigkeiten Leis­tungsziele formuliert werden, die aus einer Beschreibung der Startsituation, der zu erreichenden Ziele, der Rahmenbedingungen, unter denen das Ziel zu errei­chen ist, und der Kriterien für die Zielerreichung besteht und ebenfalls eine Klassi­fizierung als nicht-wiederkehrende oder wiederkehrende Fertigkeit umfasst. (Bastiaens et al., 2010, S. 95)

Innerhalb der Hierarchie sollten zwei Arten von Relationen deutlich werden. In horizontaler Richtung von links nach rechts besteht eine temporäre Relation, die ausdrückt, dass Fertigkeiten, die in dieser Richtung hintereinander stehen, ent­weder nacheinander oder gleichzeitig auszuführen sind. Im konkreten Beispiel (siehe Abb. 2) bedeutet dies, dass erst ein Fragebogen entwickelt werden muss, bevor die Fragebogenstudie durchgeführt wird und erst nach der Durchführung die Auswertung und im Anschluss die Dokumentation der Studie erfolgen kann. Auf der vertikalen Achse stehen die Fertigkeiten in konditionaler Relation zuei­nander. Von unten nach oben gelesen sind die zuerst kommenden Fertigkeiten konditional notwendig, um die darüber liegenden Fertigkeiten ausführen zu kön­nen. Hier bedeutet das, dass es für die statistische Auswertung konditional not­wendig ist, die statistischen Verfahren auszuwählen, auf die Erfüllung deren Vor­aussetzungen zu testen und die Verfahren letztendlich durchzuführen. (S. 95)

Abb. 2 enthält die erstellte Hierarchie für die zu erwerbenden Fertigkeiten eines Bildungswissenschaftlers im Bereich Forschung. In diesem Praxisbereich steht die Planung, Durchführung und Nachbereitung wissenschaftlicher Studien im Vorder­grund; sie umfasst jedoch auch weitere Kompetenzen wie Teamarbeit, Erwerb von Forschungsdrittmitteln, Präsentation von Forschungsergebnissen auf Fachta­gungen und Konferenzen, Umgang mit Versuchspersonen und viele weitere mehr. Aus Zeit- und Platzgründen beschränkt sich diese Arbeit jedoch auf einen Teilaspekt der Arbeit als Forscher und analysiert die benötigten Fertigkeiten eines Bildungswissenschaftlers im Bereich Forschung, dereine Fragebogenstudie durchführen soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Fertigkeitenhierarchie für einen Bildungswissenschaftler im Bereich Forschung

[...]


[1] Im Folgenden wird nur das männliche Geschlecht genannt. Es wird jedoch ausdrücklich darauf verwiesen, dass immer beide Geschlechter gemeint sind

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell am Beispiel eines Lehrplanentwurfs für einen Bildungswissenschaftler im Bereich Forschung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Modul 2B - Allgemeine Didaktik und Mediendidaktik
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V190026
ISBN (eBook)
9783656144830
ISBN (Buch)
9783656144908
Dateigröße
1687 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Punktabzug gab es lediglich einen für das Fazit (ich bekam dort 1 von 2 Punkten, weil es zu kurz war) und für die Fertigkeitenhierarchie (ich bekam dort 2 von 4 Punkten, da die vertikale Richtung nicht korrekt umgesetzt wurde). Durch diese 3 fehlenden Punkte kommt es zur 1,7. Das Modul wurde mittlerweile überarbeitet und die Anforderungen an die Hausarbeit leicht abgewandelt.
Schlagworte
vier-komponenten-instruktionsdesign-modell, beispiel, lehrplanentwurfs, bildungswissenschaftler, bereich, forschung
Arbeit zitieren
Nadine Watz (Autor), 2010, Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell am Beispiel eines Lehrplanentwurfs für einen Bildungswissenschaftler im Bereich Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190026

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell am Beispiel eines Lehrplanentwurfs für einen Bildungswissenschaftler im Bereich Forschung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden