1895 gründete Sigmund Freud mit seinen Theorien das Fundament der Psychoanalyse (Mertens, 2004), welche sich wörtlich mit der Zerlegung der Seele beschäftigt (Menge, 1998). Im selben Jahr wurde 1895 mit Hilfe des Kinematographen der erste Film präsentiert (Faulstich, 2005).
Seit diesem Zeitpunkt hat sich sowohl die Psychoanalyse als auch der Film permanent weiterentwickelt. Es stellt sich die Frage, ob neben der zeitlichen Verbundenheit auch andere Verknüpfungspunkte vorhanden sind. Eine derartige Fragestellung stellt die Struktur dieser Hausarbeit dar. Die direkte Anwendung von psychoanalytischen Theorien auf das filmische Beispiel American Beauty überprüft, ob die Psychoanalyse ein Interpretationsschlüssel für einen Film darstellen kann.
Hierbei findet die historische Theorie des Penisneids von Freunds sowie Daniel N. Sterns Theorie des Gegenwartsmomentes Anwendung.
Das Vorgehen dieser Hausarbeit zeichnet sich durch den direkten Einsatz der psychoanalytischen Theorien und Modelle aus, da diese direkt auf Filmausschnitte angewendet werden und so eine praktische Perspektive auf die Untersuchungsergebnisse erlauben. Ein besonderer Fokus wird hierbei auf die Figur von Carolyn und den Moment der Katastrophe des Films gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Zirkel des Verstehens
2.1 Phänomenologische Beschreibung
2.2 Konkretisierung des historischen Bewusstseins
2.3 Vorgriff der Vollkommenheit
3. Das Dreistufenschema
3.1 Vorikonographische Beschreibung
3.2 Ikonographische Analyse
3.2 Ikonologische Interpretation
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Psychoanalyse als wissenschaftlicher Interpretationsschlüssel für eine Filmanalyse dienen kann. Das Hauptziel besteht darin, die Verbindungselemente zwischen psychoanalytischen Theorien und filmischen Strukturen zu identifizieren und diese methodisch auf den Film American Beauty anzuwenden.
- Psychoanalytische Fundamente nach Sigmund Freud
- Anwendung des historisch-hermeneutischen Zirkels nach Gadamer
- Ikonologische Filmanalyse nach dem Modell von Erwin Panofsky
- Untersuchung von Gegenwartsmomenten nach Daniel N. Stern
- Charakteranalyse und visuelle Zeicheninterpretation
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorikonographische Beschreibung
Lesters Tod lässt sich in fünf Einstellungen unterteilen, welche jeweils als eigenständiges bewegtes Bild anzusehen sind und daher eine eigene Betrachtung benötigen.
Auf der Ebene der Tatsachenbedeutung sieht man in der ersten Einstellung von Lesters Tod einen circa 40-jährigen Mann vor einem Backofen und Schränken sitzen. Der Mann trägt eine sportliche schwarze Weste mit einem weißen Schulterbereich über einem grauen T-Shirt. Im Laufe der Einstellung verändert sich sein Gesicht. Zu Beginn schauen seine Augen mit gesenktem Kopf leicht nach unten. Mit einer Hebung des Kopfes verändert sich die Mundregion des Mannes, da der Mund angespannt wird und sich neben diesem kleine Falten verstärken. Nach einem Kopfschütteln spannt sich der Mund verstärkt an, sodass seine Zähne erkennbar sind. Danach dreht sich der Kopf nach rechts. In Hinblick auf die ausdruckshafte Bedeutung kann man den nach unten gerichteten Blick des Mannes als nachdenklich identifizieren und die Gesichtsänderungen als ein Lächeln der Zufriedenheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Forschungsfrage nach der Eignung der Psychoanalyse als Interpretationsinstrument für Filme und benennt die verwendeten theoretischen Modelle.
2. Der Zirkel des Verstehens: Hier wird das methodische Gerüst der historischen Hermeneutik nach Gadamer erläutert und auf die Figur der Carolyn Burnham angewendet, um deren Minderwertigkeit zu beleuchten.
3. Das Dreistufenschema: In diesem Teil wird Panofskys ikonologische Methode zur Analyse der letzten Sequenzen von American Beauty eingesetzt, um visuelle Motive und deren tiefere Bedeutung zu entschlüsseln.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Eignung der Psychoanalyse als Interpretationsschlüssel, weist jedoch kritisch auf die Notwendigkeit zeitlicher Distanz und Selbstreflexion hin.
Schlüsselwörter
Psychoanalyse, Filmanalyse, American Beauty, Penisneid, Gegenwartsmoment, Hermeneutik, Ikonologie, Hans-Georg Gadamer, Erwin Panofsky, Sigmund Freud, Daniel N. Stern, Tiefenhermeneutik, Filmsemiotik, Bildinterpretation, Filmwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern psychoanalytische Ansätze als Instrumente zur systematischen Filmanalyse dienen können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die psychoanalytische Theoriebildung, die hermeneutische Methodik und die ikonologische Interpretation von Bildzeichen im Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Eignung der Psychoanalyse als Interpretationsschlüssel anhand des Beispielfilms American Beauty kritisch zu prüfen und zu validieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorinnen kombinieren den historisch-hermeneutischen Zirkel nach Gadamer mit dem ikonologischen Dreistufenschema von Erwin Panofsky.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine charakterfokussierte Analyse der Figur Carolyn Burnham unter Nutzung von Freuds Theorie sowie eine visuelle Sequenzanalyse der Sterbeszene der Hauptfigur.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf Begriffe wie den Penisneid, das Gegenwartsmoment, Vitalitätseffekte und die hermeneutische Vorstruktur des Verstehens.
Wie trägt die Theorie von Daniel N. Stern zum Verständnis des Films bei?
Das Modell des Gegenwartsmoments hilft dabei, kurzzeitige mimische Veränderungen der Hauptfigur als Ausdruck innerer psychischer Zustände zu interpretieren.
Warum wird die Begrenzung des Analyseobjekts im Fazit kritisiert?
Die Autorinnen reflektieren selbstkritisch, dass die Konzentration auf nur eine Figur bzw. eine spezifische Szene die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse einschränkt.
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- Genevieve Mulack (Author), Maren Weber (Author), 2011, Psychoanalyse: Ein Interpretationsschlüssel für eine Filmanalyse?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190169