Personalrisikomanagement - Grundlagen & theoretische Umsetzung von Risikoidentifikation


Seminararbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

GLIEDERUNG

1 Personalzentriertes Risikomanagement in Unternehmen

2 (Personal-)Risiko und (Personal-)Risikomanagement
2.1 Der Risikobegriff aus ökonomisch-personalwirtschaftlicher Perspektive
2.2 Abgrenzung des Risikobegriffs
2.3 (Personal-) Risikomanagement

3 Implementierung von Risikomanagement in Unternehmen am Beispiel von Risikoidentifikation
3.1 Risikobetrachtung aus personalbezogener Sicht
3.2 Risikoerkennung und -identifikation
3.3 Ansätze zur Identifizierung von Risiken

4 Zusammenfassung und Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Personalzentriertes Risikomanagement in Unternehmen

Wirtschaftliche Unternehmen müssen sich zu jeder Zeit bestimmten Risiken ausgesetzt sehen. Dabei spielten lange Zeit vor allem finanzielle und markt- orientierte Risikofelder eine entscheidende Rolle bei der Ausrichtung eines funktionellen Risikomanagements. Diese Betrachtung berücksichtigte jedoch nicht, dass Risiken vom Entscheidungsverhalten einzelner Mitarbeiter ausge- hen. Solche Entscheidungen regeln „die Gestaltung aller funktionalen Phasen unternehmerischer Wertschöpfungsprozesse“ (Drumm 2008, S.590) und de- terminieren so eine Prognose von Risiken und deren Risikobekämpfung.

Die Wichtigkeit eines Personalrisikomanagements wurde zuerst von Ackermann (1999) und Kobi (1999), später dann von Wucknitz (2004), Drumm (2004) sowie Drumm und Dal Zotto (2004) herausgestellt, um nur wenige zu nennen. Sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich und unternehmerisch findet daher ein Paradigmenwechsel in Sachen Risikomanagement statt.

Diese Arbeit versucht aus theoretischer Sicht die Frage zu beantworten, wie sich ein Personalrisikomanagement in einem Unternehmen implementie- ren lässt und welche unterschiedlichen Ansätze dabei bestehen. Im Schwer- punkt soll sich dabei auf die Risikoidentifikation bezogen werden, weil hier die Basis für das gesamte Risikomanagement geschaffen wird. Von der Darstel- lung allumfassender Praxisbeispiele und Studien wird dabei jedoch abgese- hen.

Auf eine Thematisierung der gesetzlichen Grundlagen - hier sei exemplarisch auf das „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich“ und das „Gesetz zur weiteren Reform des Aktien- und Bilanzrechts, zu Transparenz und Publizität“ verwiesen - wird in dieser Arbeit gänzlich verzichtet. Ihre Analyse würde eine eigene Arbeit füllen können. Zudem sagen diese Regelungen „über die Methodik der Risikoanalyse (…) nichts“ (Drumm 2008, S.589) aus, um die es hier u.a. im Schwerpunkt gehen soll.

Methodisch wird zunächst eine theoretische Begriffsdarlegung abge- handelt, bei der die Begriffe (Personal-) Risiko und (Personal-) Risikoma- nagement ausdifferenziert werden. Anschließend wird die Risikoidentifikation im Schwerpunkt anhand der Arbeiten von Ackermann (1999) und Wucknitz (2005) thematisiert.

2 (Personal-)Risiko und (Personal-)Risikomanagement

Der Begriff „Risiko“ ist ein in der Wissenschaft weit verbreitetes Konstrukt, welches sich je nach Sichtweise und Grundannahmen unterschiedlich definie- ren und differenzieren lässt. Zu diesen Perspektiven zählen nach Trummer (2006) die gesellschaftstheoretische Sichtweise, die psychologische Sichtwei- se, die soziologische Sichtweise, die technisch-orientierte und naturwissen- schaftliche Sichtweise sowie die (versicherungs-)mathematische Sichtweise. Einer näheren Betrachtung dieser einzelnen Perspektiven kann in dieser Ar- beit nicht nachgekommen werden. Stattdessen beschränkt sich diese Arbeit auf die ökonomische und ergänzt diese durch eine personalwirtschaftliche Sichtweise.

2.1 Der Risikobegriff aus ökonomisch-personalwirtschaftlicher Perspektive

Die Akteure der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive stellen die Unter- nehmen dar. Unternehmen zielen auf eine nachhaltige Ertrag bringende Leis- tung ab. Sie sind selbständig und stellen wirtschaftlich-finanzielle Einheiten dar, d.h. dass der Unternehmer das ihm anvertraute Kapital bzw. sein privates Eigentum zur Gewinnmaximierung einsetzt. Dabei muss sich die finanzielle Lage des Unternehmens immer im Gleichgewicht befinden, sodass es zu je- der Zeit liquide ist. (vgl. Berwanger/ Wichert) Um dies zu erreichen, muss das Unternehmen Tätigkeiten ausführen und Entscheidungen treffen. Daraus er- geben sich unweigerlich Risiken für das Unternehmen, denen es „im Kontext der Ziele und Zielerreichungsmöglichkeiten“ (Trummer 2006, S.9) ausgesetzt ist. (vgl. Drumm 2008, S.592)

Unternehmerische Risiken entstehen in der hier zu diskutierenden Per- spektive durch Entscheidungen und Tätigkeiten auf allen Hierarchieebenen und Wertschöpfungsstufen. (Drumm 2008, S.590) Dabei kann zwischen zwei grundlegenden Sichtweisen differenziert werden: wirkungsbezogen und ursa- chenbezogen. (vgl. Trummer 2006, S.9 f.; Paul 2011, S.45 ff., Müller-Nuspl 2006, S.109)

Eine wirkungsbezogene Definition von Risiko geht von Fehlentschei- dungen und den damit verbundenen Schäden und Verlusten aus. Des Weite- ren spielen fehlerhafte explizite Planungen oder implizit vorausgesetzte Erwar- tungen und die Gefahren der Zielverfehlung eine Rolle. Ein Risiko versteht sich also in diesem Sinne als „mögliche Ziel- und Planverfehlung“ (Paul 2011, S.46). Es geht dabei im Zentrum um die bloße Möglichkeit einer solchen, we- niger um die tatsächliche Verfehlung. Eine wirkungsbezogene Risikodefinition stellt die Frage nach den Opfern bzw. Objekten von Risiken, welche sich nach Ackermann (1999, S.65) sowohl in Form des Personals als auch des Perso- nalmanagements manifestieren. In der Phase der Risikoanalyse dient die wir- kungsbezogene Sichtweise dazu, die Wirkungen aller Handlungsalternativen zu untersuchen, zu bewerten und schließlich diejenige mit dem größten Er- wartungswert auszuwählen. Eine solche Risikobetrachtung übersieht jedoch vor allem flexible Arbeitsprozesse, in denen Planabweichungen ständig und in vollem Bewusstsein in Kauf genommen werden. Zudem werden keine Risi- koursachen untersucht, deren Analyse Grundaufgabe eines Risikomanage- ments sein soll. Bedeutende Aspekte von Risiko werden hiernach also nicht betrachtet. (vgl. Trummer 2006, S.9 f.; Paul 2011, S.24, 45 ff.)

Eine ursachenbezogene Risikodefinition stellt die Frage nach dem Risi- koverursacher. Dabei ist dies vor allem das Informationsdefizit des Entschei- dungsträgers, da dieser in Entscheidungsprozessen bedingt durch fehlende Informationen nur auf einer unsicheren Basis Entscheidungen fällen kann. Da es immer Informationen gibt, die dem Entscheidungsträger nicht bekannt sind oder überhaupt nicht bekannt sein können, ist grundsätzlich jede Entschei- dung ein Risiko. Dem Entscheidungsträger obliegen jedoch subjektive und objektive Erwartungen und Überzeugungen, um auf ein bestimmtes Ereignis hinzudeuten - auch basierend auf Erfahrungen vorhergehender risikobehafte- ter Ereignisse. Wo die Grenzen zwischen objektiven und subjektiven Wahr- scheinlichkeitserwartungen liegen, ist dabei jedoch unklar. Kritisch zu betrach- ten ist außerdem, dass durch die ausschließliche Konzentration auf das „ent- scheidungslogisch relevante Risiko“ (Paul 2011, S.47) die soziale Perspektive in Zusammenhang mit dem Risiko vernachlässigt wird. (vgl. Trummer 2006, S.9 f.; Paul 2011, S.46 ff.; Drumm 2008, S.591; Ackermann 1999, S.65)

Beide Sichtweisen zeigen sich also durchaus kritikwürdig, sodass eine umfassende Definition nur aus beiden Teilen bestehen kann. Paul (2011, S.48) sieht diese Fusion in einer abstrakten Risikodefinition, in der Risiko die Gefahr darstellt, bei der neben externen Faktoren des Marktes auch interne Faktoren, wie Entscheidungen und Handlungen, dafür sorgen können, dass dem Unternehmen die Zielerreichung und die Strategieverfolgung erschwert werden. (vgl. Paul 2011, S.48) Ackermann (1999, S.48) betrachtet Risiko in einer sehr ähnlichen Weise, beschreibt jedoch sehr viel plastischer, dass es sich bei den Faktoren um Störprozesse handelt, die sich negativ auf die Ziel- erreichung auswirken. Nach Kirchner (2002, S.16) wirken solche Störprozesse „auf die materiellen, immateriellen oder personellen Erfolgsfaktoren des Un- ternehmens“ (Kirchner 2002, S.16) ein. Durch den auf die Zukunft ausgerichteten Charakter von Risiken und den damit verbundenen Schwierigkeiten, die Ursache-Wirkungs-Beziehung von Risiken abzuschätzen, beeinflussen diese Störprozesse die Entwicklungschancen des Unternehmens maßgeblich. (vgl. Kirchner 2002, S.16)

2.2 Abgrenzung des Risikobegriffs

Der Risikobegriff kann zunächst intern ausdifferenziert werden. Dabei wird zwischen reinen und spekulativen Risiken unterschieden. Reine Risiken be- zeichnen den Eintritt von ungünstigen Ereignissen oder Entwicklungen, wel- che jedoch zumindest theoretisch als versicherbar angenommen werden kön- nen (bspw. Feuer, Überschwemmung, Erdbeben, Diebstahl etc.). Spekulative Risiken basieren dagegen vor allem auf unsicheren wirtschaftlichen Ereignis- sen, welche die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens positiv wie negativ be- einflussen können. Im positiven Sinne wird dabei von einer Gewinnmöglichkeit oder Chance gesprochen. Negativ betrachtet beschreibt es den Verlust von Kapital jedweder Art, wodurch der Risikobegriff im engeren Sinne bezeichnet wird. Es ist jedoch zu beachten, dass der Übergang zwischen Risiko und Chance von einem Bezugspunkt abhängt, dessen Bestimmung „willkürlich und von der Risikoeinstellung des Entscheidungsträgers geprägt“ (Trummer 2006, S.11) ist. (vgl. Trummer 2006, S.10 f.)

Des Weiteren lässt sich der Risikobegriff extern von anderen Begriffen abgrenzen. Risiko unterscheidet sich bspw. von Gefahr in seiner Ausrichtung auf ein konkretes Ereignis, während Gefahr eine allgemeine Bedrohung for- muliert. Aus einer Gefahr kann jedoch ein Risiko entstehen, wenn aus dieser ein Szenario entwickelt wird, welches die Ursache und Folgen einer Gefahr darlegt. Aus diesem wiederum ergibt sich dann das Risiko, welches das Sze- nario nach Eintrittshäufigkeit und Auswirkungen bewertet. (vgl. Trummer 2006, S.14 f.)

Eine weitere Unterteilung findet sich im Zuge des Unsicherheitsbegriffes. Dieser kann einerseits als Risiko, andererseits als Ungewissheit betrachtet werden, wobei der Unterschied in der Wahrscheinlichkeitsverteilung liegt. Während das Risiko bzgl. des Eintritts verschiedener Zustände mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit bei einer Ungewissheit unklar und beruht im Wesentlichen auf subjektiven Empfindungen. (vgl. Trummer 2006, S.14 f.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Personalrisikomanagement - Grundlagen & theoretische Umsetzung von Risikoidentifikation
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Personalmanagement)
Veranstaltung
Human Resources Management
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V190244
ISBN (eBook)
9783656147176
ISBN (Buch)
9783656147381
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
personalrisikomanagement, grundlagen, umsetzung, risikoidentifikation
Arbeit zitieren
B. A. Bildungs- und Erziehungswissenschaften Michel Beger (Autor), 2012, Personalrisikomanagement - Grundlagen & theoretische Umsetzung von Risikoidentifikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190244

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