„Lernen“ ist ein Begriff, der im alltäglichen Sprachgebrauch vielfältig benutzt werden kann. Man kann Fahrrad fahren lernen, eine Sprache lernen, jemanden kennenlernen. Nachvollziehbar ist deshalb auch die umfangreiche Beforschung des „Lernens“, sei es durch die Psychologie, Soziologie oder den Erziehungswissenschaften. Die Prozesse und Vorgänge beim Lernen, zum Beispiel im Gehirn, sind daher Bestandteil des öffentlichen Diskurses. Eine unmittelbar mit diesem Thema verbundene, aber weit weniger diskutierte Thematik ist das Nicht-Lernen. Also Gründe, Hemmnisse, Barrieren, Schranken, Probleme und Schwierigkeiten die dazu führen, dass man nicht lernt oder sich weiterbildet. Denn leider ruft der Appell zum lebenslangen Lernen durchaus Vermeidungsreaktionen hervor (vgl. Siebert, 2011, S.105, Faulstich, 2006, S.7). Mit Bezug auf das „lebenslange Lernen“ soll sich „Lernen“ im Kontext dieser Hausarbeit speziell auf das Lernen Erwachsener beziehen, wobei damit insbesondere die Weiterbildung gemeint ist.
Diese Hausarbeit ist Teil der Lehrveranstaltung „Erwachsenenpädagogische Lernforschung“, in der einflussreiche Forschungsbeiträge zur Erwachsenenbildung dargestellt und bearbeitet wurden. Unter anderem wurde als eine Leitstudie die „Hannover Studie“ von Siebert und Gerl thematisiert, aber auch die Studie von Barz et al. über Milieus, bearbeitet. Jene Studien und weitere von Friebel und Gnahs über Institutionen und Bolder et al. zu Lernwiderständen bilden die Grundlage für die Bearbeitung der Thematik der Lernwiderstände. Es wird mit dieser Arbeit angestrebt zu klären, was Widerstände gegen das Lernen sind und wie diese entstehen.
Im ersten Schritt wird zunächst einmal der Begriff „Lernen“ an sich versucht zu definieren. Die theoretischen Grundlagen bilden die subjektwissenschaftliche Lerntheorie von Holzkamp, neurobiologische und psychologische Theorien über das Lernen (Kapitel 1).
Bereits der erste Blick in die entsprechende Literatur eröffnet dem Leser die hohe Anzahl von Begriffen rund um die Widerstände gegen das Lernen. Ferner soll daher auch Ordnung in das Chaos der, mit dem Nicht-Lernen im Zusammenhang stehenden Begriffe gebracht werden (Kapitel 2). Holzer (2004) und Zeuner (2009) bieten mit ihren Werken die Möglichkeiten, die entsprechenden Studien zum Thema ausfindig zu machen und um Gründe, Hindernisse, Schranken usw. gegen das Lernen zu finden, um entsprechend zu intervenieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Was ist Lernen?
1.1 Lernen aus biologischer Perspektive
1.2 Lernen aus psychologischer Perspektive
1.3 Lernen aus subjekttheoretischer Perspektive
1.4 Ausblick
2 Einordnung der Begriffe
3 Ergebnisse der Forschung
3.1 Axel Bolder, Ergebnisse und Perspektiven zu den „Gründen“
3.2 Milieutypen, Forschung und Perspektiven zu den „Hemmnissen“
3.3 Institutionsforschung und Perspektiven gegen „Schranken“
Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Ursachen und Hintergründe für Widerstände gegen das Lernen und die Weiterbildung bei Erwachsenen. Ziel ist es, durch die Analyse theoretischer Ansätze und einschlägiger Forschungsstudien zu klären, was Lernwiderstände sind, wie sie entstehen und welche Faktoren – etwa „Gründe“, „Hemmnisse“ oder „Schranken“ – zu einer Bildungsabstinenz führen können.
- Definition und theoretische Einordnung des Begriffs „Lernen“ aus unterschiedlichen Perspektiven (biologisch, psychologisch, subjekttheoretisch).
- Systematische Aufarbeitung und Klärung der Begrifflichkeiten rund um Lernwiderstände.
- Analyse zentraler Forschungsbeiträge zur Identifizierung von „Gründen“, „Hemmnissen“ und „Schranken“.
- Diskussion von Lösungsansätzen für eine stärkere Teilnehmer- und Subjektorientierung in der Erwachsenenbildung.
Auszug aus dem Buch
1.3 „Lernen“ aus subjekt-theoretischer Perspektive
Als Begründer der „Subjekttheorie“ distanziert Holzkamp sich von dieser behavioristischen Sichtweise und betont, dass intentionales, also absichtliches, Lernen nur zu Stande kommt, wenn das Subjekt entsprechende Gründe dafür hat. Und genau dieser subjektive Begründungszusammenhang ist entscheidend inwieweit Lernbedingungen umgesetzt oder behindert werden. Eine Definition von Lernen ist nach der Subjekttheorie: „…wenn das Subjekt in seinem normalen Handlungsvollzug auf Hindernisse oder Widerstände gestoßen ist […]“ (Diskrepanzerfahrung) „[…]und sich dabei vor eine `Handlungsproblematik` sieht, die es aktuell nicht mit den verfügbaren Mitteln und Fähigkeiten, sondern nur durch den Zwischenschritt oder (produktiven) Umweg des Einschaltens einer `Lernschleife` überwinden kann“ (Holzkamp, 2004, S.29). Nach Holzkamp obliegt es der individuellen Kognition des Individuums ob es notwendig ist, die „Lernschleife“ einzusetzen um eine Handlungsproblematik zu bewältigen.
Je nachdem aus welcher Motivation („Intentionalität“) heraus das Subjekt eine Handlungsproblematik zu bewältigen versucht, kommt es zu „defensivem-“ oder „expansivem Lernen“. Defensiv lernt ein Mensch, wenn er sich subjektiv sinnlos empfundenes Wissen nur zur Vermeidung von negativen Konsequenzen aneignet. Defensiv angeeignetes Wissen ist oftmals defizitär und nicht nachhaltig. Expansives Lernen beschreibt das freiwillige Aneignen von Wissen. Expansiv angeeignetes Wissen ist nachhaltig und wird länger erinnert. Hinsichtlich der Erarbeitung der Fragestellungen dieser Arbeit leiten sich daraus zwei Schlussfolgerungen ab: 1. Aus den Ursachen für defensives Lernen lassen sich die Widerstände gegen das Lernen erarbeiten. 2. Aus den Ursachen für expansives Lernen ließen sich Hinweise für ein widerstandsfreies Lernen ableiten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Lernwiderstände ein, definiert den Fokus auf die Weiterbildung Erwachsener und stellt die Relevanz der Untersuchung dar.
1. Was ist Lernen?: Dieses Kapitel beleuchtet den Lernbegriff aus neurobiologischer, psychologischer und subjekttheoretischer Sicht, um Grundlagen für das Verständnis von Lernbarrieren zu schaffen.
2. Einordnung der Begriffe: Hier wird Ordnung in das terminologische Chaos gebracht, indem die verschiedenen Begriffe wie Lernwiderstände, Lernschwierigkeiten, Gründe, Hemmnisse und Schranken von verschiedenen Autoren differenziert werden.
3. Ergebnisse der Forschung: Dieser Hauptteil analysiert spezifische Studien zu Lernwiderständen, unterteilt in die Kategorien „Gründe“ (Bolder), „Hemmnisse“ (Milieuforschung) und „Schranken“ (Institutionenforschung).
Schluss: Das letzte Kapitel resümiert die theoretischen und empirischen Erkenntnisse und plädiert für die Förderung von expansivem Lernen durch ein besseres Verständnis der subjektiven Beweggründe.
Schlüsselwörter
Lernwiderstände, Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Lebenslanges Lernen, Subjekttheorie, Lernbarrieren, Lernhemmnisse, Lernschranken, Expansives Lernen, Defensives Lernen, Milieuforschung, Bildungsinstitutionen, Bildungsabstinenz, Handlungsproblematik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Ursachen für Lernwiderstände im Kontext der Weiterbildung Erwachsener.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Fundierung des Lernbegriffs, die terminologische Abgrenzung von Lernbarrieren und die empirische Analyse von Widerständen durch einschlägige Studien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu klären, was Widerstände gegen das Lernen tatsächlich sind, wie sie entstehen und wie Institutionen durch eine stärkere Subjektorientierung darauf reagieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine Literaturanalyse durchführt und verschiedene empirische Studien und Forschungsansätze kritisch zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von „Gründen“ (Bolder), „Hemmnissen“ (SINUS-Milieus) und „Schranken“ (Institutionenforschung), um ein reales Bild der Lernwiderstände zu zeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Lernwiderstände, Erwachsenenbildung, Subjekttheorie, Bildungsabstinenz sowie die Unterscheidung zwischen defensiven und expansivem Lernen.
Was unterscheidet „defensives“ von „expansivem“ Lernen nach der Subjekttheorie?
Defensives Lernen erfolgt aus einer Notwendigkeit heraus zur Vermeidung negativer Konsequenzen, während expansives Lernen ein freiwilliges, intrinsisch motiviertes und nachhaltiges Aneignen von Wissen beschreibt.
Welche Rolle spielen Institutionen bei der Entstehung von Lernwiderständen?
Institutionen können als „Schranken“ fungieren, etwa durch schlechte Beratung, ungünstige Öffnungszeiten oder durch erzwungene Lerninhalte, die beim Individuum Widerstände auslösen.
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- Bachelor of Arts Michael Estel (Autor), 2011, Widerstände gegen das Lernen und Weiterbildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190291