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Die Ökonomische Theorie der Moral - eine kritische Analyse

Titre: Die Ökonomische Theorie der Moral - eine kritische Analyse

Dossier / Travail , 2010 , 22 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Simon Weingärtner (Auteur)

Gestion d'entreprise - Politique économique
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Résumé Extrait Résumé des informations

Der Zusammenbruch der großen US-amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers im September 2008 stürzte nicht nur die Weltwirt-schaft in die Rezession, sondern auch das marktwirtschaftliche System insgesamt in eine Legitimationskrise. Das Finanzmarktversagen wird insbesondere im öffentlichen Diskurs auf ein Moralversagen seitens der Management-Elite zurückgeführt. Die Reaktion vieler Ökonomen fiel allerdings deutlich anders aus. Der Wirtschaftsethiker Karl Homann etwa sagte in einem Interview, dass nicht die Menschen die Schuld trügen, sondern falsche Anreizwirkungen im System (vgl. Wirtschaftswoche, 2009). Es scheint ganz offenbar so zu sein, dass das intuitive Moralverständnis der meisten Menschen mit dem der Ökonomik im Konflikt steht. Um es mit den Worten des Nobelpreisträgers Thomas C. Schelling zu sagen:
"[d]urch nichts unterscheiden sich Ökonomen so sehr von anderen Menschen, als durch ihren Glauben an die Marktwirtschaft, oder an das, was manche den freien Markt nennen." (Schelling, 2009, S. 517)
So mag es für den Nicht-Ökonomen geradezu grotesk anmuten, dass es in der Ökonomik verschiedene Theorien gibt, die versuchen, moralisches Handeln ökonomisch zu erklären. Derartige Konzepte stehen in der Tradition des sog. ökonomischen Imperialismus. Ein Begriff, der durch Wirtschaftsnobelpreisträger Gary Becker geprägt wurde und der das „Phänomen, dass der ökonomische Ansatz auch auf Probleme angewendet wird, die nicht zum Problemkanon der Wirtschaftswissenschaften gehören“, bezeichnet (vgl. Pies, 1998, S. 1). In der Tat scheint auf den ersten Blick die ökonomische Theorie für die menschliche Eigenschaft der Moral blind zu sein - schließlich modelliert sie den Menschen aus methodischen Erwägungen als profitmaximierenden und vollkommen amoralischen Egoisten.
Im Rahmen dieser Arbeit soll die ökonomische Theorie der Moral einer kritischen Analyse unterzogen werden. Dafür werden in Abschnitt 2 zunächst die ideengeschichtlichen Grundlagen der normativen Ökonomik mit Bezug zur Moralphilosophie erörtert. Den Kernbereich bildet Abschnitt 3: Hier werden zwei bekannte ökonomische Konzeptionen von Moral (Hegselmann und Homann) miteinander verglichen. Im abschließenden Diskussionsteil werden Möglichkeiten und Grenzen des ökonomischen Ansatzes in Bezug auf das Phänomen der Moral erörtert und insbesondere der ethische Subjektivismus in der Ökonomik am Beispiel der Theorie von Homann aus philosophischer und methodischer Perspektive kritisch hinterfragt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der ökonomischen Theorie der Moral

2.1 Begriffsklärung: Moral, Moralität und Ethik

2.2 Die menschliche Vernunft als Basis eines universellen Geltungsanspruchs der Moral. Der Kategorische Imperativ Immanuel Kants

2.3 Das moralphilosophische Fundament der normativen Ökonomik: Von der angelsächsischen Vertragstheorie bis zu Adam Smith

3. Ökonomische Theorien der Moral: Konzeptionen und Lösungsversuche des moralischen Dilemmas

3.1 Das Gefangenendilemma

3.2 Karl Homann – institutionelle Ordnungs- statt normativer Sollensethik

3.3 Das Modell von Hegselmann – Die ökonomische Funktion der Moral

4. „Ökonomik als Fortsetzung der Ethik mit anderen Mitteln?“ – Sinn, Möglichkeiten und Grenzen der Moralökonomik

5. Kritik des ethischen Subjektivismus: theoretische, methodologische und philosophische Einwände

6. Schlussbemerkungen

7. Anhang: Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht kritisch die ökonomische Theorie der Moral, indem sie deren ideengeschichtliche Grundlagen beleuchtet und zentrale Ansätze der Moralökonomik analysiert. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern ökonomische Modellierungen von Moral – insbesondere vor dem Hintergrund moralischer Dilemmata – eine adäquate Erklärung für menschliches Verhalten liefern können und wo die methodischen sowie philosophischen Grenzen dieses Ansatzes liegen.

  • Ideengeschichtliche Wurzeln der normativen Ökonomik und Moralphilosophie
  • Spieltheoretische Analyse moralischer Dilemmata (Gefangenendilemma)
  • Vergleich der Konzepte von Karl Homann und Rainer Hegselmann
  • Diskussion des ökonomischen Imperialismus und ethischen Subjektivismus
  • Kritische Reflexion über die Reichweite und Grenzen ökonomischer Rationalitätsannahmen

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Gefangenendilemma

Die Moralökonomik bedient sich wie auch andere verhaltensökonomische Ansätze des Gefangenendilemmas (im Folgenden mit PD bezeichnet für engl.: prisoner’s dilemma), welches auf Überlegungen von Albert William Tucker (vgl. Hegselmann, 1988, S. 4) zurückgeht. Es handelt sich hierbei um eine spieltheoretische Denkfigur, die so konstruiert ist, dass sie eine Situation abbildet, in der zwei rational handelnde, individuell nutzenmaximierende Spieler ein ihnen gemeinsames Interesse nicht realisieren, obwohl dies prinzipiell möglich wäre (vgl. Homann & Blome-Drees, 1992, S. 29). Tabelle 1 stellt für den Fall zweier Individuen (A,B) diesen Zusammenhang exemplarisch anhand der den Handlungsalternativen jeweils zugeordneten individuellen Nutzenwerte (Payoffs) dar. A und B haben je zwei Handlungsalternativen: kooperieren und defektieren. Beidseitige Kooperation sei das für beide Spieler wünschenswerte Ergebnis (Quadrant I), aber die Logik des Modells zwingt beide Spieler zur Defektion (Quadrant III). Es werden überdies zwei vereinfachende Annahmen gemacht: Erstens wird davon ausgegangen, dass nur ein Spieldurchgang durchgeführt wird, damit keine nachträglichen Verhaltensanpassungen vorgenommen werden können und zweitens wird festgelegt, dass die Payoffs beider Spieler symmetrisch sind. Letztere werden sowohl kardinal (0, 1, 3, 5) als auch ordinal (B>S>T>W) dargestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, indem sie die Diskrepanz zwischen intuitivem Moralverständnis und ökonomischen Verhaltensmodellen anhand der Finanzkrise 2008 verdeutlicht.

2. Grundlagen der ökonomischen Theorie der Moral: Dieses Kapitel erörtert die philosophischen Wurzeln von Moral und Ethik sowie die deontologischen und utilitaristischen Grundlagen, auf denen die normative Ökonomik aufbaut.

3. Ökonomische Theorien der Moral: Konzeptionen und Lösungsversuche des moralischen Dilemmas: Es werden spieltheoretische Modellierungen (Gefangenendilemma) sowie die konkreten Ansätze von Karl Homann und Rainer Hegselmann zur Integration von Moral in ökonomische Kalküle vorgestellt.

4. „Ökonomik als Fortsetzung der Ethik mit anderen Mitteln?“ – Sinn, Möglichkeiten und Grenzen der Moralökonomik: Ein Zwischenfazit reflektiert über den Erklärungsgehalt der ökonomischen Methode und die Notwendigkeit einer interdisziplinären Ergänzung.

5. Kritik des ethischen Subjektivismus: theoretische, methodologische und philosophische Einwände: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den metatheoretischen Annahmen der ökonomischen Ethik, insbesondere bei Homann, auseinander.

6. Schlussbemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass die ökonomische Theorie der Moral zwar analytische Trennschärfe besitzt, aber bei einer Ideologisierung der Rationalitätsannahme an ihre Grenzen stößt.

7. Anhang: Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Moralökonomik, Ökonomische Theorie der Moral, Gefangenendilemma, Karl Homann, Rainer Hegselmann, Homo oeconomicus, Ethischer Subjektivismus, Normative Ökonomik, Spieltheorie, Wirtschaftsethik, Rationalverhalten, Deontologie, Utilitarismus, Institutionenökonomik, Methodenstreit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ökonomische Theorie der Moral und untersucht kritisch, wie ökonomische Ansätze versuchen, moralisches Handeln mittels rationaler Kalküle und Anreizstrukturen zu erklären.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die ideengeschichtliche Einordnung der Moral in die Ökonomik, die spieltheoretische Modellierung von Moral sowie die Debatte um den sogenannten ökonomischen Imperialismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Prüfung des Erklärungsgehalts ökonomischer Moralmodelle, um deren Möglichkeiten und Grenzen innerhalb der Wirtschaftsethik aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine ideengeschichtliche und analytisch-kritische Arbeit, die primär auf der Diskussion und dem Vergleich ökonomischer sowie philosophischer Theorietexte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Ansätzen von Karl Homann und Rainer Hegselmann sowie der spieltheoretischen Darstellung des Gefangenendilemmas als Ausgangspunkt moralökonomischer Überlegungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Moralökonomik, Homo oeconomicus, Gefangenendilemma, ethischer Subjektivismus und normative Ökonomik.

Warum spielt das „Gefangenendilemma“ eine so zentrale Rolle?

Das Gefangenendilemma dient als abstraktes Modell, um zu demonstrieren, wie individuelles Nutzenstreben zu gesellschaftlich suboptimalen Ergebnissen führt und warum moralische oder institutionelle Regeln notwendig sind.

Wie unterscheidet sich Hegselmanns Ansatz von dem von Homann?

Während Homann einen strikt ökonomischen Ansatz verfolgt, der moralische Probleme primär durch institutionelle Rahmenordnungen lösen will, versucht Hegselmann, Moral als internalisierten Handlungsparameter direkt in das spieltheoretische Modell zu integrieren.

Was wird unter der „Ideologie der Vereinfachung“ verstanden?

Dies ist ein Kritikpunkt an der ökonomischen Methode, der besagt, dass die mathematische Reduktion menschlichen Verhaltens auf das Vorteilsstreben die Realität moralischer Phänomene verkennt und somit wissenschaftlich fragwürdig sein kann.

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Résumé des informations

Titre
Die Ökonomische Theorie der Moral - eine kritische Analyse
Université
University of Münster  (Institut für Ökonomische Bildung)
Cours
Ökonomische Verhaltenstheorie
Note
1,3
Auteur
Simon Weingärtner (Auteur)
Année de publication
2010
Pages
22
N° de catalogue
V190657
ISBN (ebook)
9783656151098
ISBN (Livre)
9783656151456
Langue
allemand
mots-clé
Wirtschaftsethik Karl Homann Moral
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Simon Weingärtner (Auteur), 2010, Die Ökonomische Theorie der Moral - eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190657
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Extrait de  22  pages
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