Den Anlass dieser Arbeit gaben wesentliche Neuerungen des IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ zur Goodwill-Bewertung in der jüngeren Vergangenheit. Einerseits wurde im Rahmen dieser Arbeit untersucht, inwieweit die Bilanzierungspraxis die Neuerungen des IFRS 3 berücksichtigt respektive zur Anwendung bringt. Anderseits besteht die Zielsetzung darin, es dem interessierten Leser zu ermöglichen, die wesentlichen Facetten und Spezifikation der Goodwill-Bewertung in kompakter Form, praxisnah nachzuvollziehen und zu verstehen.
Dabei wurde methodisch darauf geachtet, dass nebst der theoretischen Fundierung der bilanzierungsrechtlichen Sachverhalte, vor allem der Bezug zur praktischen Anwendung, in Form von ausgewählten Beispielen und empirischen Analysen, stets gewahrt bleibt. Im Hauptteil dieser Arbeit Prozessorientiere Darstellung der Goodwill-Bewertung wurde zunächst die Frage beantwortet, welche Relevanz das neu geschaffene Goodwill-Wahlrecht zur Behandlung von Minderheitsgesellschaftern für die Bilanzierungspraxis darstellt. […]
Darauf hingewiesen sei, dass das Goodwill-Wahlrecht für jede Unternehmensakquisition erneut ausgeübt werden kann, wodurch der Stetigkeitsgrundsatz des Frameworks konterkariert wird und sich gleichermaßen die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Wahlrechts stellt. […]
Zu konstatieren gilt es, dass nicht nur der Goodwill als unsicherer Vermögenswert verstanden werden darf, auch die IFRS-Bilanzierung des Goodwills lässt weiterhin (trotz aller respektive gerade wegen der Neuerungen) umfängliche Ermessenspielräume offen, die es der Bilanzierungspraxis erlaubt, sowohl den im Erwerbszeitpunkt zu bilanzierenden, als auch in den Folgejahren zu bewertenden Goodwill in seiner betragsmäßigen Erscheinung signifikant zu beeinflussen. Ob dies der Intention des IASB entsprechen mag, muss bezweifelt werden.
Dennoch soll nicht vergessen werden, dass die Internationale Rechnungslegung der Zielsetzung einer zukunftsgerichteten Bilanzierung im Rahmen des Fair Value Accounting anhängt. Umso mehr verwundert es, dass zahlreiche Kritiken in der Fachliteratur regelmäßig auf die Schwächen des Fair Value Accounting per se abstellen, um hierdurch Schwächen der IFRS-Goodwill-Bewertung aufzudecken. Ob dies der Qualität der Diskussion immer vorteilhaft sein mag, muss ebenfalls bezweifelt werden. Ingolstadt, im Januar 2012
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
I. Aufbau der Arbeit
II. Themenabgrenzung
B. Grundlagen der Goodwill-Bewertung
I. Anwendungsfälle der Goodwill-Bewertung
II. Wesentliche Begriffsdefinitionen
1. Erläuterungen zum Goodwill
2. Fair Value in der IFRS-Bilanzierung
3. Die Cash Generating Unit
C. Prozessorientierte Darstellung der Goodwill-Bewertung
I. Zugangsbewertung des Goodwills
1. Übertragene Gegenleistung und Nettovermögen
2. Berücksichtigung von Minderheitsgesellschaftern
2.1 Partial Goodwill Approach
2.2 Full Goodwill Approach
2.3 Kritische Würdigung des Goodwill-Wahlrechts
II. Folgebewertung des Goodwills
1. Goodwill-Verteilung auf CGUs
1.1 Zuteilungseinheit
1.2 Zuteilungsschlüssel
2. Impairment-Test des Goodwills
3. Ermittlung des erzielbaren Betrags
4. Ermittlung des Nutzungswertes
4.1 Detailplanungsphase
4.2 Fortschreibungsphase
5. Berücksichtigung von Minderheitsgesellschaftern
5.1 Auswirkungen des Goodwill-Wahlrechts
5.2 Maßgeblichkeit der Goodwill-Allokation
5.3 Beispielhafte Sachverhalte
D. Empirische Analyse des Goodwill-Reportings der DAX30-Konzerne
I. Quantitative Analyse
1. Goodwill-Bestands-Analyse
2. Goodwill-Impairment-Analyse
II. Qualitative Analyse
1. Ausübung des Goodwill-Wahlrechts
2. Ermittlung des erzielbaren Betrags
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die komplexen Facetten der Goodwill-Bewertung unter IFRS-Rechnungslegung praxisnah zu vermitteln und die Anwendung der Neuerungen aus IFRS 3 zu untersuchen. Im Fokus steht dabei die prozessorientierte Darstellung der Zugangs- und Folgebewertung sowie eine empirische Analyse des Reportings der DAX30-Konzerne.
- Grundlagen und Definitionen der Goodwill-Bewertung
- Prozessorientierte Zugangs- und Folgebewertung des Goodwills
- IFRS-Wahlrechte zur Behandlung von Minderheitsgesellschaftern
- Ermittlung des Nutzungswertes und Durchführung des Impairment-Tests
- Empirische Analyse des Goodwill-Reportings der DAX30-Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.3 Kritische Würdigung des Goodwill-Wahlrechts
Eingangs wurde bereits eine erste kritische Würdigung des Goodwill-Wahlrechts hinsichtlich seiner allgemeinen Auswirkung auf einige zentrale Grundsätze des Frameworks angeführt. An dieser Stelle soll nun eine prägnante Betrachtung wesentlicher Kritikpunkte an den beiden Ansätzen folgen.
Während der Partial Goodwill Approach kaum Ermessensspielräume gewährt, da die Minderheitsgesellschafter als Anteil am Nettovermögen in die Ermittlung des Goodwills einfließen, bieten sich dem Bilanzierenden bei Anwendung des Full Goodwill Approach umfängliche bilanzpolitische Möglichkeiten. Insbesondere die Ermittlung des Fair Value der Minderheitenanteile gilt als zentrale Stellschraube der Bilanzpolitik. Aus der Ermittlungsvorschrift des IFRS 3.32 wird ersichtlich, dass ein betragsmäßig hoher Ausweis des Fair Value der Minderheitenanteile im Ergebnis zu einer Erhöhung des Full Goodwill führt. Da bei den meisten Transaktionen die Grundlage eines aktiven Marktes zur Bestimmungen des Fair Value der Minderheitenanteile fehlt, muss regelmäßig auf alternative Bewertungstechniken abgestellt werden – in aller Regel wird eine Form des DCF-Verfahrens angewandt. Im Vordergrund der Kritik stehen vor allem die mit dem DCF-Verfahren verbundenen Ermessenspielräume hinsichtlich der Schätzung der zukünftigen Cashflows und Synergien sowie der Ermittlung des Diskontierungssatzes.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Dieses Kapitel erläutert die Anlässe für die Arbeit, insbesondere die Neuerungen durch IFRS 3, und legt den Aufbau sowie die Abgrenzung der Untersuchung dar.
B. Grundlagen der Goodwill-Bewertung: Es werden grundlegende Anwendungsfälle sowie wesentliche Begriffsdefinitionen wie Goodwill, Fair Value und Cash Generating Units (CGU) für das Verständnis der weiteren Arbeit definiert.
C. Prozessorientierte Darstellung der Goodwill-Bewertung: Dieser Hauptteil detailliert die bilanzielle Behandlung bei Zugang und Folgebewertung, inklusive des Impairment-Tests und der Besonderheiten bei Minderheitsbeteiligungen.
D. Empirische Analyse des Goodwill-Reportings der DAX30-Konzerne: Hier erfolgt die empirische Auswertung von Geschäftsberichten zur Überprüfung der theoretischen Ausführungen und der praktischen Anwendung des Goodwill-Wahlrechts.
Schlüsselwörter
Goodwill, IFRS, Bilanzierung, Fair Value, Impairment-Test, Cash Generating Unit, CGU, Minderheitsgesellschafter, Unternehmenszusammenschluss, Zugangs- und Folgebewertung, DAX30, Bilanzpolitik, Nutzungswert, Unternehmensbewertung, Business Combinations.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bewertung des Goodwills unter den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS), wobei insbesondere die Neuerungen des IFRS 3 im Fokus stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Zugangs- und Folgebewertung des Goodwills, die Berücksichtigung von Minderheitsgesellschaftern sowie die empirische Analyse der Berichterstattung von DAX30-Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser die Facetten der Goodwill-Bewertung praxisnah zu vermitteln und die theoretischen Konzepte mit der tatsächlichen Bilanzierungspraxis abzugleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Herleitungen aus der Fachliteratur mit einer quantitativen und qualitativen empirischen Analyse von Geschäftsberichten der 30 DAX-Konzerne.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil (Abschnitt C) wird der Prozess der Goodwill-Bewertung von der Zugangsbewertung bis hin zur komplexen Folgebewertung und den verschiedenen Testverfahren detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Goodwill, IFRS, Impairment-Test, CGU, Fair Value, Minderheitsgesellschafter und Bilanzpolitik.
Welche Rolle spielt das Wahlrecht bei Minderheitsgesellschaftern?
Es ist ein zentraler Streitpunkt, da es dem Bilanzierenden Ermessensspielräume zwischen dem Partial Goodwill Approach und dem Full Goodwill Approach ermöglicht, die Bilanzkennzahlen beeinflussen können.
Warum wird der Nutzungswert so häufig in der Praxis genutzt?
Die empirische Analyse zeigt, dass der Nutzungswert bevorzugt wird, da er direkt auf internen Planungsrechnungen basiert und somit die Datenbeschaffung im Vergleich zur Ermittlung von Marktpreisen erleichtert.
- Quote paper
- Max Schreder (Author), 2012, Bewertung des Goodwills im Rahmen der IFRS-Bilanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190791