„Emil und die Detektive” – Eine Unterrichtsidee anhand der Verfilmung von Franziska Buch aus dem Jahr 2001 nach dem gleichnamigen Kinderroman von Erich Kästner


Seminararbeit, 2012

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. „Emil und die Detektive” - Eine Unterrichtsidee anhand der Verfilmung von Franziska Buch aus dem Jahr 2001 nach dem gleichnamigen Kinderroman von Erich Kästner
1. Der Film: eine erste Analyse
2. Die Protagonisten: Charakterisierung und Entwicklung einer Personenkonstellation
3. Eine Welt der Kinder: Über die Funktion und Rollen der Kinder im Film
4. Kritische Reflexion: Das Verfassen einer Filmkritik

III. Damals und heute. Ein Vergleich der beiden Literaturver- filmungen von 1931 und 2001

IV. Literatur- und Quellenverzeichnis

V. Anhang

I. Einleitung

Emil rennt und rappt, das ist ganz amüsant…Ansonsten bleibt Kästners Grundaussage unangetastet. Kinder sind die Klügeren Menschen, weil sie spielerisch und solidarisch dem Bösen die Stirn bieten. Und die Erwachsenen sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Eine Erkenntnis, die - mit oder ohne Berlin - auch heute noch gültig ist.1

Diese kurze Rezension bringt den Stellenwert der Neuverfilmung von Erich Kästners Romanvorlage aus den zwanziger Jahren auf den Punkt: Die Kulisse hat sich verändert, die Kinder sind flippig gekleidet und es wird gerappt. An den moralischen Ansprüchen und Werten wie Freundschaft und Zusammenhalt hat sich jedoch nichts geändert. Immer wieder fällt diesbezüglich auch der Begriff „Zeitlosigkeit”2, was die Wichtigkeit des Kinderliteraturklassikers nur noch mehr unterstreicht.

Deshalb soll die Emil-Verfilmung aus dem Jahr 2001 unter der Regie von Franziska Buch3 den Anreiz für ein etwa einwöchiges, also ca. 5 Schulstunden umfassendes, Filmprojekt sein, das am Beispiel einer 6. Jahrgangsstufe in der Realschule dargelegt wird. Im Bezug auf den Lehrplan bezieht sich dieses u. a. auf den Bereich „Mit Texten und Medien umgehen”4, bei dem es sich anbietet das Projekt mit dem Lesen einer Ganzschriftlektüre zu verbinden und texterschließend zu arbeiten und anschließend mit einer Filmanalyse des adaptierten Romans Kästners5 zu verbinden. Zwar benennt der Lehrplan für die sechsten Klassen der Realschulen Filmarbeit bzw. Filmanalyse nicht explizit, doch kommt sie u. a. nach Ulf Abraham im Unterricht ohnehin viel zu kurz; die „visual literacy”6 und „Spielfilmkompetenz”7 übe die Schülerinnen und Schüler8 darin sprachliche, sachliche und kritische Blicke auf Stärken und Schwächen des Mediums zu werfen9, was für literarische und sachliche Texte ohnehin gilt. Demnach ist es durchaus sinnvoll mediendidaktisch Filme genauer zu betrachten und zu analysieren und vor allem auch verbindend zu bearbeiten.

Methodisch soll hierbei v. a. problemorientiertes Denken im Vordergrund stehen.

II. „Emil und die Detektive”: Eine Unterrichtsidee anhand der Verfilmung von Franziska Buch aus dem Jahr 2001 nach dem gleichnamigen Kinderroman von Erich Kästner.

1. Der Film: eine erste Analyse

Um mit dem Film effizient arbeiten zu können ist es zunächst nötig diesen am Stück mit den Schülern anzusehen, was eine gute Doppelstunde in Anspruch nimmt, da die Spielzeit etwa 107 Minuten beträgt.10 Damit die Aufmerksamkeit über die Vorführung hinweg konstant bleibt, ist es sinnvoll Beobachtungsaufträge in Form eines Arbeitsblattes zu stellen, die während des Ansehens bearbeitet werden müssen. Außerdem wird durch die niedergeschriebenen Antworten der nächste Arbeitsblock vorbereitet und erleichtert, da die passenden Hinweisreize gegeben sind, auch wenn die nächste Unterrichtsstunde erst zwei Tage später erfolgt.11

Als kleine Hausaufgabe wäre es denkbar ein paar weitergreifende Fragen zu stellen, über die sich die Schüler noch einmal kurz Gedanken machen sollen, so dass bei der nächsten Unterrichtseinheit auf die moralische Grundstruktur des Films zurückgegriffen werden kann und die zentralen Werte klar und deutlich werden. Mögliche Fragen wären beispielsweise: Warum ist Emil bereit sein ganzes erspartes Geld von 1500 DM für seinen Vater auszugeben, statt es für sich selbst zu sparen? Würdet ihr so etwas auch für eure Eltern tun und warum? Warum hilft die Bande Emil so bereitwillig und opfert sogar ihr Taschengeld um Emil zu helfen? Was hättet ihr an der Stelle Ponys und der Detektive getan? Welche Werte werden damit im Film ausgedrückt?12 Wie ist das Verhältnis von Gustav zu seiner Mutter?13 usw.

2. Die Protagonisten: Charakterisierung und Entwicklung einer Personenkonstellation

Zur genaueren Erarbeitung der Filmstruktur ist eine knappe Zusammenfassung der einzelnen Protagonisten14 in wenigen Stichpunkten von Vorteil, da so die Eigenschaften und auch die Funktion der jeweiligen Figur innerhalb der Gruppe klar gemacht wird. Eine anschließende Verbindung der Bilder der Figuren zu anderen, ergibt schließlich eine Personenkonstellation, die zur Analyse des Films in jedem Fall dazugehört und die Gesamtbedeutung der einzelnen Beziehungen untereinander klar erschließen lässt15. Diese Unterrichtseinheit soll in etwa 45 Minuten, also eine Schulstunde umfassen. Die Denk-Hausaufgabe, die auf die Filmvorführung erteilt wurde kann nun für die Charakterisierung angewendet werden.

3. Eine Welt der Kinder: Über Funktion und Rollen der Kinder im Film

Um die Funktion der Kinder im Allgemeinen und auch in der spezifischen Personenkonstellation klar zu erarbeiten bietet es sich an in der folgenden Deutschstunde Charakteristiken zu ausgewählten Figuren noch weiter auszuarbeiten und in Bezug zu den Erwachsenen zu setzen. Generell spielen die Erwachsenen nur eine recht geringe Rolle während die Rolle der Kinder in der als eigenständige Menschen stark betont und ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft als die ehrlichere und bessere dargestellt wird. Die besten Schnittstellen zur Erwachsenenwelt bieten hierbei u. a. Emil selbst, der sich um seinen Vater fast mehr kümmern muss, als Knut Tischbein sich um seinen Sohn, Pony Hütchen als Kind, das unter den ständigen heftigen Streitereien ihrer Eltern leidet oder Dienstag, der enorm reiche Eltern hat, die ihm Personal, ein Handy und sogar über einen hohen Geldbetrag in Form einer Kreditkarte zur Verfügung stellen und damit ausdrücken, dass er offenbar erwachsen genug dafür ist. Insgesamt wird der Film durch die Kinder wesentlich getragen und gestaltet. Sie gehören als Bande zusammen und helfen sich gegenseitig; nur hin und wieder streifen sie die Erwachsenenwelt z. B. bei der Verfolgung des Diebs im Taxi, bei der Übertölpelung des Rezeptionisten im Hotel Adlon, oder auch bei der Stellung Max´ Grundeis in der Kirche16.

4. Kritische Reflexion: Das Verfassen einer Filmkritik

Abschließend soll in einer letzten Unterrichtseinheit vor allem das eigenständige Schreiben im Vordergrund stehen. Die Schüler sollen im Vorfeld zunächst ein Arbeitsblatt mit vorgegebenen Kritiken17 zum Film bearbeiten und dabei entscheiden ob sie positiv, negativ oder skeptisch geschrieben sind. Danach soll aber das Verfassen einer eigenen Kritik zum Film erfolgen, wodurch die Schüler lernen, Stellung zu einem Thema zu nehmen und ihre Meinung zu begründen und Inhalte von Filmen sowie natürlich auch anderen Medien kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. V. a. durch das Schreiben wird ihnen oft erst bewusst, wie schwierig dies sein kann und welche Aspekte bei einer solchen Form wichtig sind.

III. Damals und heute. Ein weiterführender Vergleich der beiden Literaturverfilmungen von 1931 und 2001

Dieses kleine Projekt stellt eine Idee dar mit Filmen im Deutschunterricht produktiv umzugehen, so dass die Schüler lernen kritisch mit diesem Medium umzugehen, Inhalte und Thesen zu hinterfragen aber dennoch den Spaß am Film dabei nicht verlieren. Filmarbeit, v. a. mit Kinder- und Jugendfilmen, habe generell eine propädeutische Funktion. Die Heranwachsenden begegnen der Ästhetik des Films und seiner Art, als „zusammengesetzte Kunst” eine Geschichte zu erzählen18.

Insgesamt bietet der Stoff des Klassikers von Erich Kästner als Buch oder Film in allen möglichen Versionen und aus verschiedenen Zeiten noch einige weitere Möglichkeiten der Bearbeitung, wie z. B. einem Vergleich von der ersten Verfilmung von Billy Wilder aus dem Jahr 1931 und der neuesten Verfilmung von F. Buch. Es gibt dabei viele Unterschiede, aber eben auch immer noch die grundlegenden Gemeinsamkeiten, die dabei wesentlich und gewinnbringend herausgearbeitet werden können. Ansatzpunkte bieten sich hier u. a. bei der Komik der beiden Versionen an. 1931 spricht die Figur Krumbiegel in Indianersprache und sorgt damit für Verwirrung bei Großmutter und Pony Hütchen. Ebenso der Akt des Friedenspfeife rauchen gehört dazu oder die Eigendynamik der Werbung von Gustav und Emil um Pony Hütchen machen ihren eigenen komischen Charme aus, der analysiert, festgehalten und mit der Komik in der Neuverfilmung verglichen werden kann.

[...]


1 Josef Engels in `Die Welt´; http://www.filmernst.de/Filme/Filmdetails.html?movie_id=65﴾zuletzt abgerufen am 08.03.2012﴿.

2 S. u. a.: Andreas Framke, Deutsche Presseagentur;
http://www.filmernst.de/Filme/Filmdetails.html?movie_id=65﴾zuletzt abgerufen am 08.03.2012﴿.

3 Buch, Franziska: Emil und die Detektive. DVD, Constantin Film 2001, ca. 107 Min.

4 Genehmigter Lehrplan R6, S. 173-174. S. auch:
http://www.isb.bayern.de/isb/download.aspx?DownloadFileID=334caecedd1e57ed03d7155396272cea ﴾zuletzt abgerufen am 08.03.2012﴿.

5 Kästner, Erich: Emil und die Detektive. Dressler, Hamburg 2010.

6 Abraham, Ulf. Filme im Deutschunterricht. Kallmeyer/Klett, Seelze 2009. Hier S. 25.

7 Ebd., S. 25.

8 Im Folgenden Schüler genannt, was zu jeder Zeit beide Geschlechter mit einbezieht; gleiches gilt für den Begriff Lehrer.

9 Abraham: Filme im DU. S. 25-28.

10 An dieser Stelle sei angemerkt, dass etwaige Beschaffung von DVD, Geräten oder auch möglicherweise auftretenden technischen Schwierigkeiten außen vor gelassen werden und sich die Arbeit um rein inhaltliche Aspekte bemüht.

11 Anhang 1: Beispiel Arbeitsblatt mit Beobachtungsaufträgen.

12 Diese Idee lehnt sich an den Punkt „Filmnachbereitung” an, der zwar auf die Verfilmung von 1931 bezogen ist, aber letztlich genauso auf die Version von 2001 anwendbar ist. S. hierzu: http://clubfilmothek.bjf.info/hilfen/lisum/2910689.pdf ﴾BJF-Film-Arbeitshilfe zu Emil und die Detektive 1931, zuletzt abgerufen am 09.03.2012﴿.

13 Bezogen u. a. auf den Figurenteil des Filmheftes von Horst Walther. Walther, Horst: Emil und die Detektive, hier S. 10. http://www.materialserver.filmwerk.de/arbeitshilfen/emil_und_die_D_AH_IKF.pdf ﴾zuletzt abgerufen am 10.03.2012﴿

14 Anhang 2: Arbeitsblatt „Wer ist wer bei `Emil und die Detektive´”?

15 Anhang 3: Das Beispielarbeitsblatt zeigt bereits eine mögliche Konstellation. Im Vorfeld würden für diese Unterrichtseinheit die einzelnen Bilder auf einem Blatt gedruckt ausgeteilt werden, so dass sie noch ausgeschnitten werden müssen. Auf einer Doppelseite werden sie dann in gemeinsamer Erarbeitung ﴾als Tafelbild﴿ angeordnet, beschriftet und die Verbindungen gezogen.

16 Anhang 4: Beispielarbeitsblatt zur spezifizierten Charakteristik und zur Funktion von Kindern und Erwachsenen im Film.

17 Das Arbeitsblatt basiert auf einer Idee aus: Projekt „Filmrucksack”. Aktuelle deutsche Spielfilme im DaF-Unterricht: Materialien und Unterrichtsvorschläge, hier S. 21. http://www.goethe.de/ins/pt/lis/pro/bkd/cinjovem/emil.pdf ﴾zuletzt abgerufen am 09.03.2012﴿.

18 Abraham, Ulf: Kino im Klassenzimmer. Klassische Filme für Kinder und Jugendliche im Deutschunterricht. In: PD ﴾2002﴿, 175, S. 6-18, hier S. 14.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
„Emil und die Detektive” – Eine Unterrichtsidee anhand der Verfilmung von Franziska Buch aus dem Jahr 2001 nach dem gleichnamigen Kinderroman von Erich Kästner
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V190814
ISBN (eBook)
9783656160755
ISBN (Buch)
9783656161073
Dateigröße
1535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emil, Deutsch, Didaktik, Kästner, Film, Erich Kästner, Detektive
Arbeit zitieren
Katharina Weiß (Autor), 2012, „Emil und die Detektive” – Eine Unterrichtsidee anhand der Verfilmung von Franziska Buch aus dem Jahr 2001 nach dem gleichnamigen Kinderroman von Erich Kästner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190814

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