Die Verwaltung geht in das Internet

Ist es hinsichtlich der unterschiedlichen Möglichkeiten der Bürger das Internet nutzen zu können gerecht und sinnvoll, Verwaltungsinformationen, -interaktionen und -transaktionen über das Internet anzubieten?


Hausarbeit, 2010

59 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung mit einem Aufgreifen des Fallbeispiels und einer Erläuterung der Herangehensweise an das Thema

2. Argumente der Gerechtigkeit
2.1. Viele arme Bürger können sich das Internet und die dazugehörige Technikausstattung finanziell nicht leisten.
2.2. Das notwendige Know-how ist bei vielen Bürgern nicht vorhanden.
2.3. Generell hat jeder Bürger die Möglichkeit in das Internet gehen zu können.

3. Argumente der Sinnhaftigkeit
3.1. Es finden Kostensenkungen in der Verwaltung statt.
3.2. Die Kundenorientierung verbessert sich.
3.3. Es besteht bei den Bürgern zu wenig Akzeptanz besonders bei Transaktionen.1

4 Resümee und abschließendes Eingehen auf das Fallbeispiel

1. Einleitung mit einem Aufqreifen des Fallbeispiels und einer Erläuterung der Heranqehensweise an das Thema

Das Rahmenthema ist das Internet.

Bevor man sich mit diesem Thema beschäftigt, muss man sich vergegenwärtigen, was das Internet ist. Das Wort „Internet" besteht aus zwei Teilen: „Inter" und „net". „Inter" ist das lateinische Wort für „zwischen", wird hier aber für die englische Abkürzung „interconnected" verwendet, was so viel wie „zwischenverbinden" heißt.2„net" ist die englische Abkürzung für „networking" und bedeutet „vernetzen".3Zusammengesetzt bedeutet „Internet" die dezentrale Vernetzung zwischen zentralen Computernetzen. Das Internet setzt sich aus vielen Funktionen zusammen. Eine davon ist das „world wide web" (www), das digitale Dokumente austauscht und größtenteils der Informationsabfrage dient. Ein weiterer wichtiger Dienst ist das elektronische Postsystem „e-mail", das das Schreiben, Empfangen und Versenden von Nachrichten beinhaltet. Außerdem gibt es noch andere Dienste wie z. B. „news", „chats", „telnet", „gopher", „finger", „NTP" u. a., die hier allerdings nicht weiter erklärt werden sollen, da sie für diese Untersuchung nicht relevant sind.4 Die Verwaltung kann das Internet für verschiedene Dienste, die sie den Bürgern anbietet, nutzen. Diese Verwaltungsdienstleistungen können über das Internet in drei unterschiedliche Qualitäten eingeteilt werden: Die Information, Interaktion und Transaktion. Diese drei Begriffe werden unter dem Punkt 3.2. definiert.

Anfangs wird aufdas Fallbeispiel eingegangen. Danach wird die Herangehensweise zur Beantwortung der folgenden zugespitzten Frage ausführlich erläutert: Ist es hinsichtlich der unterschiedlichen Möglichkeiten der Bürger das Internet nutzen zu können gerecht und sinnvoll, Verwaltungsinformationen, -interaktionen und - transaktionen über das Internet anzubieten?

Zum Fallbeispiel:

Bei den Maßnahmen des Abteilungsleiters für den Gang in das Internet sind zwei Aussagen besonders bemerkenswert. Auf eine wird am Schluss der Arbeit unter Punkt 4 wertend eingegangen. Dies ist zum einen der Verzicht auf alle gedruckten Broschüren, da alle relevanten Informationen in das Internet eingestellt werden sollen. Zum anderen die Zurverfügungstellung eines Mitarbeiters für „Notfallfragen".

Desweiteren unterstellt der Abteilungsleiter, dass die Menschen in der heutigen Zeit über das Internet mit ihrer Verwaltung in Kontakt treten wollen. Diese Unterstellung muss in der Arbeit untersucht und überprüft werden.

Diese Arbeit beschränkt sich dabei auf die Untersuchung folgender Hauptbegriffe:

Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit (beim Gang der Verwaltung in das Internet).

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der Abteilungsleiter das Internet nutzen möchte, um eventuell Rationalisierungseffekte erzielen zu können. Diese Effekte sieht er sowohl bei einer geringeren Anzahl von Mitarbeitern (Einsparung des teuersten Kostenfaktors Personal) als auch einer niedrigeren Arbeitsintensität verwirklicht. Der Internetgang soll helfen, die Arbeiten der Verwaltung und deren Mitarbeiter zu erleichtern und diese effizienter und effektiver zu machen. In diesem Zusammenhang bedeutet Effizienz, dass sich durch die „Bürgerbeteiligung“ in spe die Lage derselben vorteilhafter gestaltet, ohne dass einerseits der Machteinfluss der Verwaltung (und Politik?) schwindet und ohne dass andererseits die finanziellen und zeitlichen Kosten der Verwaltung ansteigend5

Es stellt sich die Frage, welchen Nutzen ein Gang in das Internet wirklich hat. Ist es sinnvoll dem Bürger Verwaltungsdienstleistungen über das Internet anzubieten? Wichtig scheint hier zu sein, ob die Bürger den Dienstleistungsweg über das Internet annehmen.

Die politische Entscheidung, eine Behördenwebsite zu errichten, wurde bereits vor Jahren getroffen. Es besteht aber ein großer Unterschied zwischen einer reinen „Behördenwebsite" und „Transaktionen im Internet" - wie sie die Maßnahmen des Fach-Abteilungsleiters vorsehen. Eine reine Behördenwebsite enthält hauptsächlich Informationen, wenig, vielleicht einige Interaktionen und einen nur sehr geringen Anteil an Transaktionen (den geringsten). Dies ist heute so und kann sich natürlich zukünftig ändern. Bei Transaktionsmechanismen handelt der Bürger selbst aktiv über das Internet. Die Begriffe Information, Interaktion und Transaktion werden - wie bereits angedeutet - an späterer Stelle (unter Punkt 3.2.) aufgegriffen, und erläutert, was man darunter genau versteht. Aufgrund der Untersuchung der Argumente im Hauptteil (Punkte 2 und 3) müssen erzielte Ergebnisse mit den Fragen zum Fall in Verbindung gebracht werden, um diese dann beantworten zu können.

Was haben die Untersuchungen und der Fall mit dem Wissensgebiet der Politik zu tun? Hier muss zuerst einmal definiert werden, was Politik ist. Die Politik wird definiert als soziales Handeln, welches auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die allgemeinverbindlich sind und das Zusammenleben von Menschen regeln6. Soziales Handeln wiederum bedeutet, dass das Handeln eines Menschen in direkter Verbindung zum Handeln eines oder mehrerer Menschen steht. Dieses soziale Handeln ist somit vorwiegend interaktiv. Politisch wird dieses soziale Handeln erst dann, wenn es auf verbindliche Entscheidungen hinwirkt.

Im Fallbeispiel entscheidet ein Verwaltungsabteilungsleiter, dass die Verwaltung in das Internet geht. Diese Entscheidung hat Auswirkungen auf die Bürger. Durch seine Anmerkung, dass die politische Entscheidung, eine Behördenwebsite zu errichten bereits vor Jahren gefallen ist, und die politische Leitung/zuständige Ministerin deshalb nicht involviert werden muss, versucht er, die politische Leitung und die verantwortliche Ministerin zu umgehen.

In diesem institutioneilen Bereich (Polity) kommt es immer wieder zu Schnittpunkten zwischen den Akteuren der Politik und der Verwaltung. Diese treten im Fallbeispiel als politische Leitung/amtierende Ministerin einerseits und Fachabteilungsleiter der Verwaltung andererseits auf. Wenn eine Entscheidung der Politik bereits gefallen wäre, dann wären eventuell mögliche Prozesse der politischen Gestaltung, die die Willensbildung umfassen, bereits erledigt gewesen. In dem Fallbeispiel befindet sich der Abteilungsleiter in der Umsetzung der Maßnahme (Politics). Die dazu notwendigen Aufgaben und Ziele müssen von der Politik vorgegeben werden (Policy). In einer repräsentativen Demokratie - die in Deutschland herrscht - treffen die vom Volke gewählten Repräsentanten im Parlament die politischen Entscheidungen. Die Aufgabe der Politikwissenschaft ist nun die Verhaltensweisen, Entscheidungsprozesse der Akteure und die Entscheidungen selbst aufderen Richtigkeit hin zu analysieren.

Hierfür ergeben sich verschiedene Fragen:

Warum handelt der Abteilungsleiter so, wie er handelt? Vielleicht möchte er nicht, dass die politische Leitung/die Ministerin die Anerkennung für die Modernisierungsmaßnahme „Gang in das Internet" bekommt, und versucht sie deshalb zu umgehen. Als Motiv käme für ihn in Frage, dass er einer anderen Partei als der der amtierenden Ministerin angehört und sich selbst im kommenden Jahr zur Wahl stellen will. Vielleicht will er als Modernisierer der Verwaltung gelten. Seine Absicht bleibt verborgen.

Weitere Fragen schließen sich an:

Welches Interesse verfolgt der Verwaltungsleiter mit dem Gang in das Internet? Wie werden diese Ziele verfolgt? Im Fallbeispiel heißt es, dass alle Informationen in das Internet eingestellt werden sollen. Es soll auf alle gedruckten Broschüren verzichtet werden. Dies bedeutet explizit, dass es für die Bürger keine Alternativinformationen geben soll. Dies hätte mit Sicherheit Beschwerden seitens einiger Bürger zur Folge.

Zur Untersuchungsfrage: Die Untersuchungsfrage ist eine übergeordnete These, die in dieser Arbeit das Untersuchungsfeld und die Reichweite des Themas definiert. Damit grenzt die Untersuchungsfrage das Thema von anderen möglichen Fragen streng ab. Da die Untersuchungsfrage eine gewisse Relevanz in der realen Welt besitzen soll, wurde auch auf die Sinnhaftigkeit eines Internetauftritts der Verwaltung eingegangen.

Das Phänomen „Internet" zu untersuchen, kann durch zwei Herangehensweisen beschrieben werden und geschehen: Hermeneutisch und/oder empirisch-analytisch.

Es wurde die empirisch-analytische Methode gewählt. Die empirisch-analytische Methode der Sozialwissenschaft versucht die Wirklichkeit zu erklären und Lösungen vorzuschlagen. Die potentiellen Lösungen resultieren aus den getroffenen Aussagen, die so lange gültig sind, bis sie widerlegt werden. Um Aussagen treffen zu können, werden Hypothesen formuliert und empirischen Tests unterzogen7. Tatsachenurteile sollen dabei von Werturteilen getrennt werden. Dies ermöglicht eine möglichst wertfreie Untersuchung.8Mit der empirisch-analytischen Methode kann somit die Neutralität besser gewahrt werden, da es hier auf exakte, valide und reliabile Daten ankommt. Diese Daten sind fassbarer. Die „Theorien, die immer Hypothesen sind,... (können) kritisch überprüft, widerlegt oder korrigiert werden." Durch sie sollen Erkenntnisgewinne erzielt werden. Diese Erkenntnisgewinne bestehen entweder in einer Falsifizierung oder in einer vorläufigen Bestätigung. „Eine Bestätigung ist deshalb nur vorläufig, weil nie ausgeschlossen werden kann, dass ... die Hypothesen bei einem weiteren empirischen Test falsifiziert werden."9Bei der hermeneutischen Methode ist die Gefahr größer, dass eine bereits vorher gefertigte Meinung in die Bewertung der zu untersuchenden Argumente mit einfließt.

Es soll bewertet werden, ob es hinsichtlich der unterschiedlichen Möglichkeiten der Bürger das Internet nutzen zu können gerecht und sinnvoll ist,

Verwaltungsinformationen, -interaktionen und -transaktionen auch über das Internet anzubieten. Dazu wird zuerst ein Kriterienkatalog entwickelt. Es wurden drei Kriterien der Gerechtigkeit und drei Kriterien der Sinnhaftigkeit des Ganges in das Internet aufgestellt. Danach wurden Daten zu diesen Kriterien gesucht.

Beim Thema

- der finanziellen Möglichkeiten war dies der Zusammenhang zwischen Einkommen und Internetnutzung.
- des „Know-how“ der Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Internetnutzung.
- der generellen Möglichkeit der Internetnutzung war es der Zusammenhang zwischen der Möglichkeit der Internetnutzung und der tatsächlichen Internetnutzung.
- der Nutzensteigerung durch Kostensenkungen für die Verwaltung lagen keine allgemein validen Daten vor.
- der Nutzensteigerung durch Serviceverbesserungen für die Bürger und dadurch bedingte größere Kundenzufriedenheit wurden Daten einer Befragung der Bürger herangezogen.
- „Akzeptanz“ für Produkte, wie z. B. Transaktionen, wurde eine Befragung der Bürger herangezogen, die allerdings einen geringen Aussagewert hat. Der Aussagewert beruht nämlich auf sehr geringen Fallzahlen (zu wenige Transaktionen seitens der Bürger).

In der Arbeit wurden ausschließlich Sekundärdaten erhoben.

Anhand dieser objektiv ermittelbaren Fakten wurde untersucht, inwieweit es gerecht und sinnvoll für die Bürger und den Staat ist, dass die Verwaltung in das Internet geht.

Für jedes Argument wurde eine Hypothese aufgestellt. Diese Hypothesen sollen in der Arbeit getestet werden.

Es werden folgende Hypothesen aufgestellt:

Ist es richtig, dass

- ein geringerTeil der ärmeren und weniger intelligenteren Bürger das Internet nutzt et vice versa?
- die Internetakzeptanz der Bürger bei Transaktionen nicht gegeben ist?

Fraglich ist, ob

- jeder Bürger die Möglichkeit der Nutzung des Internets hat und deshalb der Gang in das Internet gerecht ist? Haben die Verwaltung und der Bürger jeweils einen Nutzen vom Internetgang?

Ist davon auszugehen, dass

- der Kundenservice für die Bürger mit größerer Internetpräsenz der Verwaltung steigt (und die Entbürokratisierung und Verwaltungsvereinfachung dadurch schneller voranschreitet)?

Ist es naheliegend, dass

- durch den Internetauftritt Kostensenkungen zu erwarten sind?

Schließlich erfolgt abschließend im Resümee eine Beurteilung der Ergebnisse im Lichte der Bewertungskriterien. Dabei muss auch festgestellt werden, ob die vorher angenommenen Hypothesen stimmen oder nicht. Dadurch soll - wie bereits angedeutet - ein Erkenntnisgewinn erreicht werden.

Noch eine Anmerkung zu den Sekundärdaten: Sekundärdaten sind Daten, die im Rahmen anderweitiger Untersuchungen bereits sichergestellt sind10. Diese Sekundärdaten werden zur Beantwortung der zu bearbeitenden Fragen genutzt. Die empirisch-analytische Vorgehensweise muss sich auf diese Sekundärdaten stützen, weil der Zeitaufwand zu groß wäre, die Daten durch Befragungen selbst zu ermitteln.

2. Argumente der Gerechtigkeit

2.1. Viele arme Bürger können sich das Internet und die dazugehörige

Technikausstattunq finanziell nicht leisten. Sie werden dadurch vom Internet ausgeschlossen.

Hypothese: Je ärmer die Bürger sind, desto geringer ist der Anteil der Internetnutzung.

Die im Internet bekannten Netzpessimisten behaupten, dass ein allgemeiner Netzzugang nicht nur speziell für die Unterschicht, sondern auch für die älteren Menschen aufgrund von finanziellen Gründen nicht oder langsamer als bei der Oberschicht eingerichtet werden kann11.

Deutschlandweit kann man diesen Argumenten ad hoc nicht zustimmen, weil gebrauchte Computer bereits für einen sehr niedrigen Preis erhältlich sind (ökonomischer Aspekt)12, deshalb wird diese Aussage im Folgenden näher beleuchtet.

Zu den Untersuchungen:

Die Untersuchungen anhand von objektiv ermittelten Fakten zielen darauf ab, die Hypothese als richtig/wahr oder falsch/unwahr einzuordnen.

Die Sekundärdaten zur Untersuchung der Hypothese kann den Daten der Initiative D 21 entnommen werden. Die Studie der Initiative D21 wurde von TNS Infratest durchgeführt. Das Resultat ist der sog. (N)ONLINER Atlas 2009. Der (N)ONLINER Atlas 2009 stellt eine Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland dar. Hier wird untersucht, wer, wie lange das Internet nutzt bzw. wie hoch der Anteil der Nichtnutzer ist. In diesem Atlas wurde auch untersucht, wie sich die Nutzung bzw. Nichtnutzung in Deutschland regional und strukturell verteilt.13

Es werden drei Personengruppen unterschieden: Onliner, Offliner und Nutzungsplaner. Als Onliner werden die Bürger bezeichnet, die das Internet nutzen. Der Ort und Grund der Nutzung sind dabei unabhängig. Offliner hingegen sind Nichtnutzer ohne Nutzungsplanung. Nutzungsplaner wiederum sind Nichtnutzer, die aber die Absicht haben, innerhalb des nächsten Jahres das Internet zu nutzen.14

Methodensteckbrief zum (N)ONLINER Atlas 2009:

Es wurde eine Stichprobe unter der deutschen Bevölkerung ab dem 14. Lebensjahr gemacht. Hierbei wurden 30.702 Interviews repräsentativ ausgewertet. Die Auswahl fand nach dem Zufallsverfahren statt. Die Erhebung wurde durch computergestützte Telefoninterviews durchgeführt (CATI = Computer Assisted Telephone Interviews). Der Zeitraum der Untersuchung war vom 09.02. - 13.05.2009.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (N)ONLINER Altlas 2009 69,1 % der deutschen Bevölkerung nutzten das Internet. Das entspricht einer Bevölkerungsanzahl von 46,3 Millionen Menschen in Deutschland16. Der Anteil der Onliner ist um 4 % zum Vorjahr gestiegen. Der Offliner-Anteil liegt bei 26,6 % und der Anteil der Nutzungsplaner bei 4,3 %. Dies bedeutet, dass ca.ein Drittel der Deutschen das Internet nicht nutzt17. Auffällig ist, dass der Anteil der Menschen ab dem 50. Lebensjahr nur bei 44,9 % liegt, aber den größten Zuwachs in den letzten zwei Jahren erhielt. Aus einer anderen Statistik des (N)ONLINER Altlas 2009 geht hervor, dass bei den 60jährigen und älter nicht einmal die Hälfte im Internet vertreten ist. Dagegen beträgt der Anteil bei den 14 - 29jährigen 94,5 % und bei den 30 - 49jährigen 85 %. Auch festzustellen ist, dass in den neuen Bundesländern der Onliner-Anteil am niedrigsten ist. Letzter Platz ist Sachsen-Anhalt mit 60,7 % Onliner- Anteil, gefolgtvon Mecklenburg-Vorpommern mit 61,9 %.18

Was sagen diese Ergebnisse aus? Sie besagen, dass der Anteil der Deutschen die in das Internet gehen zwar gestiegen ist und, dass - aus welchen Gründen auch immer - die ältere Bevölkerung ab dem 50. Lebensjahr und die ostdeutsche Bevölkerung im

Internet unterrepräsentiert ist. Eine digitale Integration ist nicht vorhanden. Es stellt sich die Frage, welcher Anteil der ärmeren Bevölkerung zu den Offlinern gehört?

In einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes im Jahre 2009 wurde auf die Internetnutzung von Personen nach der sozialen Stellung eingegangen. In der Erhebung wurden Personen befragt, die zum Stichtag, 31. März 2009, 10 Jahre und älter waren. Hinsichtlich einer Erwerbstätigkeit und des Bildungsstandes wurden nur Personen befragt, die älter als 16 Jahre alt waren. Es wurden 20.954 Personen erfasst. Auf die Frage der fast täglichen Nutzung des Internets in den letzten drei Monaten (Häufigkeit) wurde Folgendes angegeben: 66 % der Erwerbstätigen, 86 % der Schüler und Studierenden, 45 % der Arbeitslosen und 22 % der Rentner und anderen nicht erwerbstätigen Personen nutzen das Internet fast täglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistische Bundesamt, Fachreihe 15 Reihe 4, IKT 2009

Die Schüler und Studierenden dürfen hier nicht berücksichtigt werden, da sie finanziell meist vom Haushalt ihrer Eltern abhängig sind. Es fällt auf, dass die Nutzung des Internets bei Arbeitslosen und bei älteren Personen ab einem bestimmten Lebensalter, z.B. Rentner oder nicht erwerbstätigen Personen, unterrepräsentiert ist. Diese Statistik sagt etwas über die generelle Nutzung des Internets aus. Dies reicht für die Beantwortung der Frage, ob die Hypothese richtig oder falsch ist, nicht aus. Die Untersuchung muss anhand objektiv ermittelter Fakten darauf abzielen, die Frage zu beantworten, ob der Anteil der ärmeren Bürger ohne Internetzugang größer ist als der der reicheren Bürger. Außerdem, ob der Anteil der Internetnutzung mit zunehmendem „Reichtum" prozentual ansteigt.

Hierzu muss zuerst einmal definiert werden, welcher Personenkreis als arm bezeichnet werden kann. Dies ist notwendig, um Missverständnisse, die aus einem unterschiedlichen Verständnis ein und desselben Begriffes resultieren, zu vermeiden. Der Begriff„Armut" wird auch als Variable oder Konzept bezeichnet. Die Variable heißt deshalb so, weil sie in ihren Werten veränderbar ist, d. h. variieren kann. Was früher als arm galt, ist jetzt anders definiert und muss zukünftig fortgeschrieben und angepasst werden. In der Hypothese ist das Konzept der Armut genannt. Was heißt Armut? Wer gilt ab wann als arm?

Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bedeutet Armut die Ungleichheit von Lebensbedingungen und die Ausgrenzung von einem gesellschaftlich akzeptierten Lebensstandard. Vereinfacht ausgedrückt: Die Armut ist ein Leben am Existenzminimum. Dieses Konzept muss messbar sein und durch geldbetragliche Grenzen skaliert werden.19Ab wann fängt die Armut an und ab wann endet sie?

Die Messgröße liegt in der Höhe des Nettoeinkommens. Erhält ein Bürger Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II, dann gilt er als arm - in diesem Sinne. Der Regelsatz der Sozialhilfe lag im Jahr 2009 bei ca. 360 Euro netto p. m.20. Hinzu kommt nochmals in etwa der gleiche Betrag für Wohnkosten. Es ergibt sich somit ein Betrag von ca. 720 Euro netto p. m.. Da die Grundsicherung von einem höheren Betrag ausgeht, kann man das Existenzminimum bei arbeitenden Personen bei einem monatlichen Nettobetrag von 1.100 Euro netto p. m. ansetzen (zusätzlich zu den 720 Euro netto p. m. kommen nochmals 380 Euro netto p. m. zum Leben dazu). Diese Höhe stellt die Armutsgrenze bei den Untersuchungsergebnissen dar.

Dafür muss eine andere Statistik des Statistischen Bundesamtes herangezogen werden21.

Die Daten wurden von den statistischen Ämtern der Länder gesammelt und diese im Stichprobenverfahren ermittelt. Ausgewählt wurden die Haushalte nach dem Quotenverfahren. Die Vorgaben zu den Quoten wurden aus dem Mikrozensus 2007 abgeleitet. Die Ergebnisse der Stichproben wurden dann auf die Haushalte hochgerechnet. Bei der Befragung des monatlichen Haushaltsnettoeinkommens wurden 11.729 Haushalte erfasst. Die amtlichen Ergebnisse wurden am 03.12.2009 veröffentlicht.22

Abb 2.1 Computer- und Internetausstattung von privaten Haushalten 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:

Statistisches Bundesamt, Informationsgesellschaft in Deutschland, Wiesbaden 2009

[...]


1www.seo-united.de/glossar/intemet/, abgefragt am 30.01.2010

2http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/mmedia/web/index1.html, abgefragt am 30.01.2010, Geschichte des Internet-Definition von „Internet“

3 Scholz, Stefan, Internet-Politik in Deutschland, Vom Mythos der Unregulierbarkeit, Bonn 2004, S. 314, Definition des Wortes „chat“, das in einem späteren Zusammenhang nochmals vorkommt: Mit „chatten“ wird eine Unterhaltung im Internet bezeichnet, die über die Tastatur erfolgt. „Chatter“, also Menschen, die miteinander „chatten“, treffen sich in einem „Chat-Room“ oder einem „Chat-Channel“, um über ein Thema zu reden.

4http://www.symweb.de/glossar/internet_153.htm, abgefragt am 30.01.2010

5 Lachmann, Werner, Volkswirtschaftslehre 1, Berlin u. a. 2006, S. 177

6

7http://www.ib.ethz.ch/teaching/pwgrundlagen/glossar.de, abgefragt am 18.01.2010, Definitionen von Politikbegriffen

8Günig, Rudolf u. a., Entscheidungsverfahren für komplexe Probleme, ein heuristischer Ansatz, Berlin u. a. 2009, S. 47

9 http://www.postmoderne-politikwissenschaft.de, abgefragt am 03.02.2010, Wissenschaftstheorie in der Politikwissenschaft

10 Günig, Rudolf u. a., Entscheidungsverfahren für komplexe Probleme, ein heuristischer Ansatz, Berlin u. a. 2009, S. 47

11http://www.ib.ethz.ch/teaching/pwgrundlagen/glossar, abgefragt am 18.01.2010, Definitionen von Politikbegriffen

12Winkel, Olaf, Die Kontroverse um die demokratischen Potentiale der interaktiven Informationstechnologien - Positionen undperspektiven. In: Publizistik, Heft2, 2001, 46. Jhrg., S. 151

13Ders., S. 151

14www.initiatived21.de, Initiative D21, (N)ONLINER Atlas 2009

15www.initiatived21.de, Initiative D21, (N)ONLINER Atlas 2009, S. 9

16Dies., S. 9

17www.initiatived21.de, Initiative D21, (N)ONLINER Atlas 2009, S. 5

18Dies., S. 6

19Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Übersicht über das Sozialrecht, Bonn 2009, S. 707

20Ders., S. 724

21www.destatis.de, abgefragt am 15.01.2010, Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Wirtschaftsrechnungen, Private Haushalte in der Informationsgesellschaft - Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, Wiesbaden 2009

22 Statistisches Bundesamt, Informationsgesellschaft in Deutschland, Wiesbaden 2009

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Die Verwaltung geht in das Internet
Untertitel
Ist es hinsichtlich der unterschiedlichen Möglichkeiten der Bürger das Internet nutzen zu können gerecht und sinnvoll, Verwaltungsinformationen, -interaktionen und -transaktionen über das Internet anzubieten?
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
59
Katalognummer
V190935
ISBN (eBook)
9783656162063
ISBN (Buch)
9783656162186
Dateigröße
2672 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Fachabt.leiter einer Landesbehörde schreibt an den Abt.leiter Organisation: "Ich habe im Einvernehmen mit meinen 6 Referatsleitern entschieden, den gesamten Bereich Bürgeranfragen ins Internetangebot unserer Behörde zu verlagern. Die Folgen: Einsparung von Personal, weniger Bürokratie für die Bürger und somit insg. weniger Kosten. Wir verzichten auf gedruckte Broschüren, arbeiten einen komfortablen FAQ-Bereich aus, Anträge müssen online gestellt werden, ein Mitarbeiter arbeitet "Notfälle" ab. Die pol. Leitung muss nicht involviert werden, da dies eine rein verwaltungstechn. Maßnahme ist.
Schlagworte
verwaltung, internet, möglichkeiten, bürger, verwaltungsinformationen
Arbeit zitieren
Master of Public Administration Harald Seitz (Autor), 2010, Die Verwaltung geht in das Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190935

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