1. Einleitung
Einen aktuelleren Anlass als die derzeitige Entwicklung an den Devisenmärkten ist für die Frage nach einer Tobinsteuer (Transaktionssteuer) nur schwer vorstellbar. Dabei geht die Idee zu dieser Steuer bereits auf das Jahr 1972 zurück. Galt sie lange Zeit nur als modelltheoretische Spielerei, so findet sie spätestens nach der momentanen Griechenland-Krise weltweit Eingang in Plenar- und Hörsäle.
Längst werden Devisenmärkte nicht mehr nur von Investoren für realwirtschaftliche Geschäfte genutzt. Vielmehr treten Spekulanten auf den Plan, die durch kurzfristige Währungsgeschäfte schnelle Gewinne erwirtschaften, was zur Folge hat, dass die Märkte destabilisiert werden.
Ziel der Seminararbeit ist es, mit Hilfe eines heterogenen-Agenten-Modells, eine Aussage darüber zu treffen, ob durch die Einführung der Tobinsteuer diese Spekulanten wirksam vom Markt verdrängt werden können und welchen Einfluss dabei die Marktstruktur hat. Als Analysekriterien dienen hierfür Wechselkursvolatilität, Preisverzerrung und das erzielte Steueraufkommen.
Zunächst werden im zweiten Abschnitt einige grundlegende Erläuterungen über die Tobinsteuer gegeben. Außerdem bietet dieser Abschnitt einen kurzen Einblick in die politische Kontroverse um die Einführung dieser Steuer. Anschließend wird im Abschnitt drei die Marktstruktur beleuchtet. Der vierte Teil stellt das verwendete Modell vor und wertet die auf Grundlage des Modells getätigte Computersimulation aus. Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen kurzen Ausblick über die Zukunft der Tobinsteuer.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE TOBINSTEUER
2.1 Die Idee einer Devisentransaktionssteuer
2.2 Die Tobinsteuer- Eine politische Kontroverse
3. DIE MARKTSTRUKTUR
3.1 Finanzmarktmodelle
3.2 Fundamentalisten vs. Chartisten
4. DAS MODELL
4.1 Modellerklärung
4.2 Der Algorithmus
4.3 Politische Zielsetzungen
4.4 Auswertung der Computersimulation
5. SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels eines heterogenen Agenten-Modells, ob die Einführung einer Tobinsteuer Spekulanten wirksam vom Devisenmarkt verdrängen kann und welchen Einfluss dabei die spezifische Marktstruktur ausübt.
- Analyse der Funktionsweise von Devisenmärkten und des Einflusses spekulativen Handels.
- Untersuchung der Tobinsteuer als Instrument zur Volatilitätsminderung.
- Anwendung der Perkolationstheorie und heterogener Agenten-Modelle (HAM).
- Bewertung der Auswirkungen anhand von Volatilität, Preisverzerrung und Steueraufkommen.
- Politische Kontroverse um die Wirksamkeit und Implementierung der Steuer.
Auszug aus dem Buch
4.1 Modellerklärung
Um den Einfluss der Marktstruktur auf die Einführung einer Tobin-Steuer zu untersuchen, wird im folgenden Teil eine modifizierte Form des HAM nach Cont-Bouchaud (C-B Modell) verwendet (vgl. Cont/Bouchaud 2000). In ihrem Modell zeigen sie, dass das Herdenverhalten der Marktteilnehmer einen wesentlichen Einfluss auf die Preisentwicklung haben kann.
Die Perkulationstheorie liefert dabei die Grundidee für ihr Modell. Sie geht bereits auf das Jahr 1957 zurück. Damals stellten sich Broadbent & Hammersley die Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein poröser Festkörper, der in einer Gasphase oder Flüssigkeit liegt, von dieser durchdrungen wird.
Auf der Grundlage eines Gittermodells (square lattice) wird ein Finanzmarkt mit N Agenten, die ein einzelnes Gut handeln, unterstellt. Jeder Marktteilnehmer, hat auf diesem Gitter 4 direkte Nachbarn und nimmt sich der Strategie eines Nachbarn an. Er könnte beispielsweise eine Information über den drohenden Staatsbankrott Griechenlands gehört haben und würde nun, wie sein Nachbar, aus dem Euro rausgehen. Dieses hätte wiederum Einfluss auf die Entscheidung eines anderen Nachbarn. Somit entstehen ganze Gruppierungen (Cluster) von Marktteilnehmern, welche die gleiche Strategie verfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Tobinsteuer angesichts der Euro-Krise und definiert das Ziel, die Auswirkungen der Steuer auf Marktteilnehmer mittels eines Agenten-Modells zu prüfen.
2. DIE TOBINSTEUER: Dieses Kapitel erläutert den historischen Ursprung der Steuer als Instrument zur Stabilisierung und stellt die Argumente in der aktuellen politischen Kontroverse gegenüber.
3. DIE MARKTSTRUKTUR: Hier werden neoklassische Marktmodelle mit dem Ansatz heterogener Agenten-Modelle (HAM) verglichen, wobei insbesondere das Verhalten von Fundamentalisten und Chartisten analysiert wird.
4. DAS MODELL: Dieses zentrale Kapitel beschreibt die mathematische Modellierung des Finanzmarktes, den Simulationsalgorithmus sowie die politischen Zielkriterien, bevor die Ergebnisse der Computersimulation ausgewertet werden.
5. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Tobinsteuer zwar ein geeignetes Instrument zur Marktregulierung sein kann, deren Effektivität jedoch stark vom Grad der Marktirrationalität und der Höhe des Steuersatzes abhängt.
Schlüsselwörter
Tobinsteuer, Devisenmarkt, Finanzmarktspekulation, heterogene Agenten-Modelle, Marktstruktur, Volatilität, Preisverzerrung, Perkolationstheorie, Transaktionssteuer, Euro-Krise, Herdenverhalten, Markttiefe, Wirtschaftspolitik, Simulation, Finanzmarktstabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökonomischen Analyse der Tobinsteuer als Instrument zur Regulierung von Devisenmärkten und deren Stabilisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Finanzmarktmechanismen, die Rolle von Spekulanten, das Herdenverhalten von Marktteilnehmern und die politische Diskussion zur Transaktionsbesteuerung.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, mit einem heterogenen Agenten-Modell zu klären, ob durch die Tobinsteuer kurzfristige Spekulanten vom Markt verdrängt werden können, ohne langfristige Investoren zu schädigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Computersimulation auf Basis eines modifizierten Cont-Bouchaud-Modells (HAM) sowie der Perkolationstheorie verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung des Modells, der Definition der Preisreaktionsfunktionen und der Auswertung von Simulationsergebnissen hinsichtlich Volatilität und Preisverzerrung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Tobinsteuer, Devisenmarkt, Volatilität, Spekulation, heterogene Agenten-Modelle und Marktstruktur.
Warum spielt die Perkolationstheorie eine Rolle?
Sie dient als mathematisches Fundament, um die Bildung von "Clustern" von Marktteilnehmern und deren strategisches Herdenverhalten im Gittermodell abzubilden.
Welchen Einfluss hat die Höhe des Steuersatzes laut Simulation?
Die Simulation zeigt, dass bei einem zu geringen Steuersatz zwar Einnahmen erzielt werden, eine effiziente Dämpfung der Volatilität jedoch ausbleibt, während ein zu hoher Steuersatz Marktdestabilisierung provozieren kann.
- Citation du texte
- Clemens Karger (Auteur), 2010, Tobinsteuer - Der Einfluss der Marktstruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191177