Ist Overconfidence bei Managern messbar?

Exemplarische Betrachtung verschiedener Overconfidence-Maße aus der Literatur


Seminararbeit, 2012
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Das Phänomen der Overconfidence

2 Die verschiedenen Overconfidence Messansätze in der Literatur
2.1 Die Fehleinschätzung von Managern
2.2 Die Overconfidence-Maße von Malmendier und Tate
2.2.1 Die „offenbarte Überzeugung“ als Maß für die Overconfidence bei Managern
2.2.2 Die Außenwahrnehmung als Maß für die Overconfidence des Managers
2.3 Die abnormale Rendite bei Insidergeschäften als Maß der Overconfidence bei Managern

3 Diskussion der verschiedenen Messansätze

4 Determinanten der Overconfidence

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Das Phänomen der Overconfidence

Unter Overconfidence kann ein selbstüberschätzendes Verhalten bei Individuen verstanden werden. Diese Wahrnehmungsverzerrung kann sich in Anlehnung an SHEFRIN folgendermaßen äußern. Auf der einen Seite kann die Person dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen.1 Solch ein Verhalten tritt der Literatur zufolge oftmals auf, wobei die betroffenen Individuen ihre als positiv anzusehenden Charaktereigenschaften als überdurchschnittlich bewerten.2 Auf der anderen Seite kann sich die Overconfidence aber auch in einer Überschätzung des vorhandenen Wissens bzw. der Informationen niederschlagen.3 Demzufolge sind diese Personen übermäßig sicher, dass sie im Besitz der richtigen Informationen sind um einen Sachverhalt ordnungsgemäß zu beurteilen.4

Da wie bereits angemerkt viele Individuen von dieser Wahrnehmungsverzerrung betroffen sind liegt es nahe, dass dieses Phänomen höchstwahrscheinlich auch im ökonomischen Umfeld auftritt. Bei der Betrachtung unterschiedlicher Ergebnisse von Managerentscheidungen kann angenommen werden, dass auch diese unter Overconfidence leiden. Demzufolge treffen sie rational gesehen schlechtere Entscheidungen als wenn sie nicht an Overconfidence leiden würden. Die Krux ist nun, dass es sich bei dieser Wahrnehmungsverzerrung nicht um eine einfach objektiv messbare Eigenschaft handelt. Die in dieser Arbeit thematisierte Overconfidence von Managern entzieht sich oftmals einem direkten und präzisen Maß.5 Aus diesem Grund müssen geeignete Maße entwickelt werden, an denen man den Grad der Overconfidence eines Managers abschätzen oder ableiten kann. In der Literatur existieren dazu verschiedene Ansätze, wie die Overconfidence bei Managern gemessen bzw. quantifizierbar gemacht werden kann. Diese Ansätze unterscheiden sich in ihrem theoretischen Konstrukt und ihrer theoretischen Basis aber zum Teil erheblich.

Aus diesem Grund liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit darauf verschiedene in der Literatur dargestellte Overconfidence-Maße exemplarisch vorzustellen und zu diskutieren. Dabei wird in Kapitel 2 auf die genaue Funktionsweise und Ergebnisse dieser Maße eingegangen. Im Anschluss daran werden in Kapitel 3 bedeutsame Unterschiede dieser Messansätze herausgestellt und diskutiert. Darauffolgend wird in Kapitel 4 ein kurzer Überblick über mögliche Determinanten und über die Persistenz der Overconfidence bei Managern gegeben.

2 Die verschiedenen Overconfidence Messansätze in der Literatur

In den nachfolgenden Unterkapiteln soll für jedes betrachtete Overconfidence-Maß auf die Theorie und das Konzept des einzelnen Maßes, die für das Maß erforderlichen Daten, die Konstruktion des Maßes und auf die empirischen Ergebnisse der entsprechenden Studien für dieses Maß eingegangen werden.

2.1 Die Fehleinschätzung von Managern

Unter Overconfidence verstehen die Autoren BEN-DAVID, GRAHAM und HARVEY in ihrem Beitrag eine Überschätzung der vorhandenen Informationen bzw. des vorhandenen Wissens seitens der Manager.6 Diese Fehleinschätzung kann ihnen zufolge einerseits darin begründet sein, dass die Individuen die Genauigkeit ihrer Vorhersagen überschätzen oder andererseits die Varianz von unsicheren Ereignissen unterschätzen. Daraus folgt, dass die Wahrscheinlichkeitsverteilungen dieser Individuen zu eng gefasst sind.

Ausgehend von diesem Verständnis der Overconfidence haben die Autoren drei verschiedene Methoden zur Messung der Overconfidence der Manager bzw. des Grads der Fehleinschätzung der Manager konstruiert.

Datenbasis dieser verschiedenen Overconfidence-Maße ist eine quartalsmäßige Managerbefragung, die von Juni 2001 bis September 2010 durchgeführt wurde.7 Adressaten dieser Befragung waren die Senior Financial Executives verschiedener US-Unternehmen. Diese Manager wurden darum gebeten eine einjährige und eine auf das Jahr umgerechnete durchschnittliche Ertragsprognose der nächsten zehn Jahre für den S&P 500 abzugeben. Für beide Zeiträume sollten sie darüberhinaus noch das zehnte und neunzigste Perzentil für ihre Prognose bestimmen. Aus diesen beiden Werten wurde dann ein 80%-iges Konfidenzintervall für die Vorhersage jedes Managers konstruiert.8 Dabei reflektiert ein weit gefasstes Intervall eine hohe Unsicherheit bzgl. des Eintretens der eigenen Ertragsprognose, wohingegen ein eng gefasstes Intervall für das Vertrauen in die Richtigkeit der eigenen Schätzung spricht. Aus dem individuellen Konfidenzintervall des Managers wurde daraufhin die individuelle Volatilität des Managers geschätzt. Neben dieser Befragung wurden weitere Datenbanken genutzt um beispielsweise unternehmensbezogene Informationen, das VIX oder auch die tatsächlich realisierten S&P 500 Erträge zu erhalten.9

Die erste Methode zur Beurteilung der Overconfidence bei Managern bietet zwei Ansätze um den Grad der Fehleinschätzung sichtbar zu machen. Der erste Ansatz vergleicht die Verteilung der geschätzten Volatilitäten der Manager mit der Verteilung der tatsächlichen Volatilitäten des S&P 500 aus den Jahren 1950 bis 2000.10 Die durchschnittliche tatsächliche Volatilität für den einjährigen Zeitraum liegt bei 12%, wobei der Großteil der Verteilung zwischen 8% und 20% liegt. Im Vergleich dazu liegt die durchschnittliche geschätzte Volatilität der Manager bei 4%. Hier liegt der Großteil der Verteilung zwischen 1% und 15%. Darüberhinaus liegen 81% der geschätzten Volatilitäten unter der Untergrenze der tatsächlichen Volatilität von 8%. Dieses Verhältnis der beiden Volatilitäten ist noch stärker bei den Ergebnissen des zehnjährigen Prognosezeitraums ausgeprägt. Daraus lässt sich schließen, dass die Volatilität im Durchschnitt von den Managern unterschätzt wurde. Bei dem zweiten Ansatz wurden die Konfidenzintervalle der Manager mit den tatsächlichen Konfidenzintervallen der S&P 500 Ertragsrealisierungen für die entsprechenden Zeiträume verglichen.11 Das tatsächliche Konfidenzintervall bei der einjährigen Ertragsprognose lag bei 40,3%, wohingegen das durchschnittliche individuelle Konfidenzintervall der Manager 14,6% betrug. Bei der zehnjährigen Prognose lag das tatsächliche Konfidenzintervall bei 11,7%, wohingegen das durchschnittliche individuelle Konfidenzintervall 9,8% betrug. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Manager ihre individuellen Konfidenzintervalle im Durchschnitt zu eng gefasst haben. Wie bereits angemerkt spricht dieses Verhalten dafür, dass die Manager zu sehr an die Genauigkeit ihrer Prognose glauben. Die Autoren schlussfolgern aus den Ergebnissen der beiden Ansätze, dass bei Anwendung dieser Methode als Maß für die Overconfidence eine überwältigende Mehrheit der befragten Manager fehleinschätzend und somit als „overconfident“ zu klassifizieren ist.

Bei der zweiten Methode wurden die Ertragsvorhersagen der Manager mit den schlussendlichen Ertragsrealisierungen des S&P 500 verglichen.12 Dabei wurde die Prozentzahl der Manager ermittelt, bei denen die tatsächlichen Ertragsrealisierungen in das von ihnen geäußerte Konfidenzintervall fielen. Dabei gingen die Autoren vor Beginn der Auswertung der Daten davon aus, dass bei 80% der Manager der realisierte Ertrag in dem von ihnen geäußerten Konfidenzintervall liegen sollte. Diese Erwartungshaltung ergab sich unter der Prämisse, dass es sich um eine repräsentative Betrachtungsperiode handelt und die Manager gut kalibriert sind. Bei Betrachtung der Ergebnisse dieser Methode zeigt sich jedoch, dass bei Heranziehung des gesamten Befragungszeitraums (06/2001 bis 09/2010) im Durchschnitt nur 33,2% der Manager im vorhinein ein 80%-iges Konfidenzintervall äußerten, indem letztendlich auch der realisierte Ertrag zu finden war. Selbst bei einer Betrachtungsperiode mit einer gemäßigten Marktlage, wie bspw. vor der Finanzkrise (06/2003 bis 11/2006), fielen bei weniger als 60% der Manager die Erträge in das von ihnen geäußerte Konfidenzintervall. Auch den Ergebnissen dieser Methode zufolge ist demnach ein Großteil der Manager grob fehleinschätzend und leidet unter Overconfidence.

Bei der dritten Methode gibt es wieder zwei Ansätze mit denen der Grad der Overconfidence der befragten Manager festgestellt werden soll. Der erste Ansatz vergleicht die von den Managern im Durchschnitt geschätzte Volatilität mit der tatsächlich realisierten Volatilität des S&P 500.13 Der zweite Ansatz vergleicht hingegen die durchschnittlich geschätzte Volatilität der Manager mit der in den S&P 500 Optionen implizierten Volatilität, die durch den VIX wiedergegeben wird. Die Ergebnisse zeigen auch bei dieser Methode wieder eine deutliche Unterbewertung der Volatilität durch die Manager. Für den gesamten Befragungszeitraum lag die durchschnittlich geschätzte Volatilität der Manager bei 5,3%, wohingegen die durchschnittlich realisierte Volatilität 19,2% und der VIX 21,8% betrug. Auch dieses Ergebnis spricht den Autoren zufolge für einen hohen Grad an Overconfidence bei den Managern.

MALMENDIER und TATE präsentieren in ihren Beiträgen zwei Methoden zur Messung der Overconfidence bei Managern. Dabei basiert die erste Methode hauptsächlich auf der Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten und der Selbstzuordnung von positiven Ergebnissen seitens der Individuen.14 Die betroffenen Manager nehmen demzufolge ihre Fähigkeiten als überdurchschnittlich wahr, überschätzen sich und sehen Erfolge als das Resultat ihrer Fähigkeiten an. Anknüpfungspunkt des zweiten Overconfidence-Maßes ist dem hingegen die Wahrnehmung des betroffenen Managers in der Presse.

2.2.1 Die „offenbarten Überzeugung“ als Maß für die Overconfidence bei Managern

Die erste Methode versucht die „offenbarte Überzeugung“15 des Managers (speziell des CEOs) bzgl. der zukünftigen Unternehmensperformance durch Heranziehung seiner.

[...]


1 Vgl. SHEFRIN, H. (2001), S. 116.

2 Vgl. MALMENDIER, U./ TATE, G. (2005b), S. 650.

3 Vgl. SHEFRIN, H. (2001), S. 116.

4 Vgl. BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 2.

5 Vgl. MALMENDIER, U./ TATE, G. (2005b), S. 652.

6 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 2.

7 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 5.

8 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 6.

9 Vgl. BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 7f.

10 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 9f.

11 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 10.

12 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 10f.

13 Vgl. hier und im Folgenden BEN-DAVID, I./ GRAHAM, J.R./ HARVEY, C.R. (2010), S. 12.

14 Vgl. MALMENDIER, U/ TATE, G (2005a), S. 2662.

15 Vgl. MALMENDIER, U/ TATE, G (2005b), S. 652.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ist Overconfidence bei Managern messbar?
Untertitel
Exemplarische Betrachtung verschiedener Overconfidence-Maße aus der Literatur
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V191384
ISBN (eBook)
9783656161790
ISBN (Buch)
9783656161912
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
overconfidence, managern, exemplarische, betrachtung, overconfidence-maße, literatur
Arbeit zitieren
Lars Uphoff (Autor), 2012, Ist Overconfidence bei Managern messbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191384

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