Musiktextanalyse nach dem Verfahren der Sequenzanalyse


Hausarbeit, 2009

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Das Vorgehen der Sequenzanalyse
1.1 Das Prinzip der Kontextfreiheit
1.2 Das Prinzip der Sequentialität
1.3 Das Prinzip der Totalität
1.4 Das Prinzip der Wörtlichkeit
1.5 Das Prinzip der Sparsamkeit
1.6 Vorteile der Sequenzanalyse

2 Zentrale Angaben zum analysierten Musiktext

3 Gründe für die Auswahl des Musiktitels

4 Sequenzanalyse des Musikstückes

5 Verbindung zum „äußeren Kontext“

6 Literaturverzeichnis

1 Das Vorgehen der Sequenzanalyse

Im Folgenden wird unter Anwendung der im Seminar erarbeiteten Sequenzanalyse ein Musiktext durchleuchtet. Hierbei gilt es, fünf Prinzipien zu berücksichtigen, welche folgend näher erläutert werden. Anschließend wird kurz auf etwaige Vorteile dieser Me- thode gegenüber herkömmlichen eingegangen.1

1.1 Das Prinzip der Kontextfreiheit

Bei der Analyse eines Musiktextes soll möglichst jedes Vorwissen, welches sich mit dem Text befasst, sei es der Komponist, Interpret, Interpretation, Musik/Melodie oder gar der Inhalt, weitestgehend ausgeblendet werden. Ideal wäre eine Herangehensweise, bei der dem Leser nichts des oben genannten Hintergrundwissens bekannt ist.

Oevermann spricht hierbei von methodisch kontrollierten Herstellung künstlicher Naivität.

1.2 Das Prinzip der Sequentialität

Der Text soll „Schritt für Schritt und nicht auf der Suche nach brauchbaren Textstel- len“, da ansonsten die Gefahr besteht, die „Analysen […] durch eine Strategie der ge- zielten Hypothesenbestätigung zu trüben.“3

1.3 Das Prinzip der Totalität

Jegliche mögliche Bedeutung des Textes muss bei der Sequenzanalyse einbezogen werden und als „sinnlogisch motiviert bestimmt werden“. Ein möglicher Ausschluss von scheinbar Unbedeutendem stellt sich als kontraproduktiv heraus.

1.4 Das Prinzip der Wörtlichkeit

Es wird lediglich das analysiert, was tatsöchlich in Textform vorhanden ist. „Zwi- schen den Zeilen lesen“ entspräche nicht mehr der Sequenzanalyse, die diese nicht di- rekt vom Text „erzwungen“ sind.

1.5 Das Prinzip der Sparsamkeit

Hierbei gilt, das stets jene Lesart als gültig anzusehen ist, welche „mit den wenigsten fallspezifischen Zusatzannahmen auskommt.“ Außerdem gilt die Regel des Rezenten, also der unmittelbar Vorausgehenden, was heißt, dass sich ein Ausdruck in einem Satz nach Möglichkeit auf das direkt Vorangegangene bezieht.

Hierfür ein Beispiel:

„Wenn […] es in einem Schlagertext heißt: ,Ich hab noch Sand in den Schuhen aus Hawai‘ und damit gemeint sein soll, der sich in den Schuhen befindende Sand sei aus Hawai, dann ist zu konstatieren, dass der Satz genau dies nicht zum Ausdruck bringt. Nach der Rezensregel bedeutet der Satz, dass die Schuhe, in denen sich Sand befindet, aus Hawai sind. Zu der Frage, wo der Sand her ist, ist im Text nichts ausgeführt.“

1.6 Vorteile der Sequenzanalyse

Ein Vorteil gegenüber anderen Methoden der Musiktextanalyse entsteht dadurch, dass sich der Leser ohne das geringste Vorwissen an die Analyse des Musiktextes be- gibt. Er beschäftigt sich somit lediglich und ausschließlich mit dem Musik text und wird nicht durch Hintergrundwissen, dem sogenannten äußeren Kontextwissen, beeinflusst. Er interpretiert somit lediglich den vorhandenen Text anhand dessen Wörtern und fügt nicht Elemente des äußeren Kontextwissens mit hinein, welches möglicherweise zu ei- nem vorschnellen und somit regelbrechenden Fazit und Interpretationsergebnis führen würde.

2 Zentrale Angaben zum analysierten Musiktext

Der zu analysierende Text entstammt dem Musikstück „Ernten was man säht“ und wurde im Jahr 2007 von Sony BMG veröffentlicht. Interpreten sind „Die Fantastischen Vier“, eine Band, die seit 1991 regelmäßig neue Hits in den deutschen Charts präsen- tiert.

Während der Entstehungszeit dieses Stückes …

Den (Sprech-)Gesang der Strophen teilen sich Michi Beck (1. Strophe), Thomas D. (2. Strophe) und Smudo (Bridge). And.Ypsilon, der vierte der Gruppe, übernimmt die Rolle als Producer am Mischpult und Computer.

Das Musikvideo lässt sich von der offiziellen Homepage der Fantastischen Vier her- unterladen (http://www.diefantastischenvier.de/fileadmin/videos/ewws_320x240.mov).

3 Gründe für die Auswahl des Musiktitels

Mir gefallen schon seit längerer Zeit die Musik und die Texte der fantastischen Vier, etwa wie „Die da“ (1992), „Sie ist weg“ (1995), „MFG“ (1999), „Troy“ (2004), „Ein- fach sein“ (2007). „Ernten was wir säen“ fand ich besonders interessant aufgrund der häufigen Wort- und Satzteil-Wiederholungen (vgl. Musiktext in Kap. 4). Weiter war mir der Text aber kaum geläufig – im Gegensatz zu vielen anderen Stücken dieser Band – wodurch sich dieses als geeignet für eine Analyse herausstellte.

Durch die anderen Stücke motiviert, ging ich mit der Ansicht an dieses heran, dass der Text ebenfalls amüsant, gleichzeitig aber doch mit mehr Inhalt gefüllt sei, als es bei den Musikstücken dieser Band auf den ersten Blick den Anschein hat.

Besonders gefallen haben mir an den Texten dieser Band immer wieder die Wortspie- le. Es begeistert mich mehr, mich mit Texten auseinander zu setzen, wenn diese einen amüsanten Beigeschmack haben und nicht in ernstem Tonfall die Tragik dieses Lebens darstellen.

4 Sequenzanalyse des Musikstückes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Strophe

Alle, alle fragen, jeder, jeder will es wissen:

Auf den ersten Blick fällt die Wiederholung der Wörter „alle“ und „jeder“ auf. Beide Begriffe umfassen die Gesamtheit der Menschen und sprechen somit – ohne Ausnahme – jeden Hö- rer an. Dadurch erhöht der Text seine Relevanz, da es im Fol- genden vermutlich um Geschehnisse und Sachverhalte geht, die jeden Menschen angehen. Somit schließt der Sänger sich selbst in diese Textzeile ein. Es entsteht dadurch der Gedanke, dass es um etwas weltpolitisches geht, möglicherweise Hun- gersnot, Krieg, Armut oder ähnliches. Fragen zu diesen The- ma haben wohl alle, und jeder möchte eine Antwort darauf haben.

warum, warum kommt ihr klar, wieso, wieso geht es mir beschissen?

Auch hier wird ein Wortpaar wiederholt: „warum“ und „wie- so“. Beides sind Fragewörter, unterstützen also den ersten Teil der ersten Zeile, in der es heißt „alle fragen“.

Außerdem greift der Sänger hier die Gedanken (oder tatsäch- lich gestellten Fragen) der Menschen auf und äußert sie sprachlich.

Beim näheren Hinsehen fällt jedoch auf, dass sich eine Wider- sprüchlichkeit in den ersten beiden Textzeilen verbirgt. In der ersten wird formuliert, dass jeder Mensch – ohne Ausnahme – eine (oder mehrere) Frage/n hat und eine Antwort darauf sucht. Im nächsten Abschnitt jedoch wird davon gesprochen, dass es den anderen gut geht („kommt ihr klar“), einem selbst („geht es mir beschissen“) jedoch nicht. Wenn sich aber jeder diese Frage stellt, schließt sich somit jeder aus dem in der ers- ten Zeile angesprochenen „alle/jeder“ aus.

Meines Erachtens stellen sich hier zwei Möglichkeiten auf. Zum einen kann es sein, dass den Textverfassern dieses Mu- sikstückes tatsächlich ein Unachtsamkeit unterlaufen ist. Zum anderen wäre es möglich, dass die Verfasser auf eine Wider- sprüchlichkeit in den Gedanken der Gesellschaft – und zwar der gesamten Weltgesellschaft – hinweisen möchten. Welche diese Widersprüchlichkeiten sind, bleibt aber zunächst offen. Mir persönlich fällt zudem das Wort „beschissen“ auf. Es ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, durch den gleichzeitig eine Verärgerung oder Wut eines jeden, der diese Frage stellt, geäußert wird.

Auszuschließen sind nun Themen bezüglich Krieg, Armut und Hunger, da dieses Thema nicht jeden Menschen auf Erden be- trifft.

Habt ihr, habt ihr ir- gendwas, das, das ich nicht hab‘?

Auch hier werden Wörter wiederholt, welche unter anderem das „sich selbst“ ausschließen und gleichzeitig „alle anderen“ beschuldigen.

Zudem äußert der Sänger weiterhin die Gedanken der Men- schen.

Das Thema, um das es nun geht, bezieht sich außerdem ver- mutlich um etwas, was andere Menschen haben, nur man selbst nicht.

Krieg‘ ich, krieg‘ ich auch was ab?

Bin ich, bin ich auch

Nun entsteht zum ersten mal eine nähere Vermutung bezüg- lich des Themas, um welches sich die Fragen drehen: unge- rechte Verteilung.

[...]


1 vgl. http://soziologie-analyse-intervention-frankfurt.de

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Musiktextanalyse nach dem Verfahren der Sequenzanalyse
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V191898
ISBN (eBook)
9783656175926
ISBN (Buch)
9783656176091
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sequenzanalyse, Musiktext, Musikstück, Prinzip der Kontextfreiheit, Prinzip der Sequentialität, Prinzip der Totalität, Prinzip der Wörtlichkeit, Prinzip der Sparsamkeit, Fanta Vier, Fanta 4, Fantastischen Vier, Fantastischen 4
Arbeit zitieren
Markus Leuschner (Autor:in), 2009, Musiktextanalyse nach dem Verfahren der Sequenzanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191898

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Musiktextanalyse nach dem Verfahren der Sequenzanalyse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden