Wer pflegt wen wann und wo? Die Beziehung zwischen formal und informal care


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themengrundlage
1.2 Problem- und Zielstellung
1.3 Forschungsfragen
1.4 Aufbau der Arbeit
1.5 Methodische Vorgehensweise

2 Definitorische Grundlage
2.1 Formal Care
2.2 Informal Care

3 Situation in Deutschland

4 Die Beziehung zwischen formal und informal care
4.1 Ersatzbeziehungen
4.2 Ergänzungsbeziehungen
4.3 Komplexität der Beziehung
4.4 Europäische Unterschiede

5 Charakteristika pflegender Angeh öriger
5.1 Kennzeichnende Eigenschaften
5.2 Pflegebereitschaft

6 Implikationen für die Politik

7 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhänge

A Merkmale der deutschen Pflegestatistik im Zeitverlauf

1 Einleitung

1.1 Themengrundlage

Mit abnehmenden Geburtenraten und erhöhten Lebenserwartungen, wie sie seit mehreren Jahren in ganz Europa zu verzeichnen sind, geht ein demografischer Wandel einher. Diese Bevölkerungsentwicklung wirft eine Vielzahl zu lösender Probleme bezüglich der Überalterung und Unterjüngung auf. Das Gesundheitswesen und die Altenpflege sehen sich mit einer zunehmenden Anzahl Pflegebedürftiger, im gleichen Zuge jedoch mit einem möglichen Personalschwund an Fachkräften für deren Langzeitpflege konfrontiert. Aus diesem Grund hat sich neben der stationären oder ambulanten Pflege durch professionelles Fachpersonal die häusliche Pflege durch Angehörige zu einem wichtigen Standbein der Langzeit-Altenpflege entwickelt. Aufgrund ihrer zunehmenden Wichtigkeit lässt sich eine intensive Betrachtung der Themenbereiche um professionelle Altenpflege und Pflege durch Angehörige motivieren.

1.2 Problem- und Zielstellung

Es existiert eine Fülle wissenschaftlicher Publikationen in Themenbereichen bezüglich formal und informal care1. Der Einstieg in diese Thematik wird für Interessenten jedoch dadurch erschwert, dass keine Übersichtsarbeit existiert, die die Inhalte und Ergebnisse verschiedener Publikationen dieses Forschungsbereiches breitgefächert, übersichtlich zusammenfasst und dadurch einen Einblick in das Forschungsfeld gewährt.

Die vorliegende Arbeit hat deshalb die Vorstellung bisheriger und aktueller Forschungsak- tivitäten im Bereich der Altenpflege zum Ziel. Indem diese Analysearbeit Beziehungen zwi- schen formal und informal care in den Fokus ihrer Betrachtung stellt, soll insbesondere ein Bei- trag zum Verständnis des Wertes der Pflege durch Angehörige geleistet werden. Damit können grundlegende Voraussetzungen für deren gezielten Einsatz und Förderung geschaffen werden.

1.3 Forschungsfragen

Bei der Analyse der Forschungsaktivitäten im Themenfeld der Altenpflege stehende in der vorliegenden Arbeit die folgenden Forschungsfragen im Mittelpunkt:

1. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen formal und informal care?
2. Von wem wird informal care in der Praxis geleistet?
3. Was motiviert die Übernahme von informal care Aufgaben?
4. Welche Kosten- und Qualitätsaspekte weisen die beiden Formen der Altenpflege auf?
5. Existieren im europäischen Raum Unterschiede in der Durchführung der Altenpflege und wenn ja, welche?
6. Welche Implikationen lassen sich aus bisherigen Forschungsergebnissen für die Alten- pflege ableiten?

1.4 Aufbau der Arbeit

Bevor eine Analyse verschiedener Forschungsthematiken zu formal und informal care beginnt, wird mit Kapitel 2 zunächst eine definitorische Grundlage geschaffen, indem formal und in- formal care inhaltlich abgegrenzt und damit ein einheitliches Begriffswesen geschaffen wird. Um die Wichtigkeit der Altenpflege zu verdeutlichen, gibt Kapitel 3 einen Einblick in mögliche Veränderungen in der Altenpflege am Beispiel Deutschlands. Kapitel 4 fährt mit der Analy- se verschiedener Forschungspublikationen fort, anhand derer ein Überblick über diverse Be- ziehungsaspekte zwischen formal und informal care ermöglicht wird. Neben diesen Zusam- menhängen wird im folgenden Kapitel 5 informal care fokussiert und dabei im Speziellen die Charakteristika der Pflegenden analysiert. Welche politischen Implikationen aus den Ergebnis- sen der zuvor betrachteten Inhalte abgeleitet werden können, wird in Kapitel 6 aufgezeigt. Die Arbeit schließt mit dem Fazit in Kapitel 7.

1.5 Methodische Vorgehensweise

Die Grundlage der Ist-Analyse des bisherigen und aktuellen Forschungsstandes im Bereich der Altenpflege ist die Inhaltsanalyse einer Vielzahl von Forschungspublikationen zu Themenbereichen der formalen und informalen Pflege. Die Methode der theoriebasierten Exploration schließt sich an, indem vorhandene Forschungsergebnisse verglichen und, wenn möglich, miteinander in Verbindung gebracht werden.

2 Definitorische Grundlage

Die vorliegende Arbeit betrachtet die Altenpflege, in Form der Langzeitpflege2, aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln: formal und informal care. Im Folgenden werden diese Begriffe definiert und zusätzlich in Abbildung 1 von weiteren Begrifflichkeiten, welche im Bereich der Altenpflege häufig auftreten, abgegrenzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Begriffsabgrenzung innerhalb der Langzeit-Altenpflege3

2.1 Formal Care

Formal Care bezeichnet die Langzeitpflege älterer Menschen, welche von professionellem, aus- gebildetem Fachpersonal öffentlicher oder privater Pflegeeinrichtungen und -organisationen des Gesundheitswesens durchgeführt wird (([Bol+08], S. 393), ([OECD05], S. 17)). Hierzu zählen sowohl die stationäre Pflege in Altenheimen, Pflegeheimen oder vorübergehend dem Kranken- haus, als auch die ambulante Pflege von Bedürftigen in ihrem häuslichen Umfeld durch am- bulante Pflegedienste ([OECD05], S. 17). Somit beinhaltet formal care sämtliche, am Markt vergütete Pflegedienstleistungen.

2.2 Informal Care

Informal Care bezeichnet die Pflege älterer Menschen durch Angehörige. Pflegende Angehörige sind häufig Familienmitglieder des Bedürftigen, zumeist seine Kinder oder der Lebenspartner ([Bol+08], S. 393). Jedoch reicht der Begriff pflegender Angehöriger über den Kreis der Fami- lie hinaus, sodass diese Pflegedienste auch von Freunden oder Nachbarn übernommen werden können. Üblicherweise existiert bereits vor Pflegebeginn eine persönliche Beziehung und großer Vertrauensverhältnis zum Pflegebedürftigen. Informal care findet typischerweise im häuslichen Umfeld statt und wird nicht am Markt vergütet (([OECD05], S. 17), ([HoNo08], S. 135)).

3 Situation in Deutschland

Um die bereits erwähnten Veränderungen in der Altenpflege am Beispiel Deutschlands zu be- legen, hilft ein Blick in die Pflegestatistik, deren Eckdaten für das Jahr 2007 in Abbildung 2 zusammengefasst sind. Anhang A bildet die Merkmale der deutschen Pflegestatistik im Zeitver- lauf zwischen 1999 und 2007 ab. Die zwischen 1999 und 2007 festgestellte, steigende Anzahl von Pflegeheimen und den damit verfügbaren Pflegeplätzen lässt sich mit der stetigen Zunahme Pflegebedürftiger in der Langzeitpflege um etwa 11,4 % erklären. Insgesamt ist sowohl in der stationären, als auch ambulanten Pflege ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Dabei umfasst die Anzahl der Pflegebedürftigen in Heimen weniger als die Hälfte der Pflegebedürftigen, die ambulant zu Hause versorgt werden, was durch das laut §3 SGB IX verfolgte Prinzip ”ambu- lante vor stationärer Pflege“ erklärt werden kann. Dabei macht die Pflege durch Angehörige das doppelte der formalen, ambulanten Pflege aus ([Stat[08]], S. 27 ). Hierbei werden jedoch aus- schließlich jene pflegende Angehörige erfasst, deren zu pflegende Person in eine der drei Pfle- gestufen I bis III (wobei Stufe I erheblich und III die schwerste Pflegebedürftigkeit beschreibt) zugeordnet ist und damit Pflegegeld nach § 37 SGB XI empfangen. Informelle Pflege durch An- gehörige, welche nicht in Form von Pflegegeld vergütet wird, sind in der Statistik nicht erfasst und ihr Ausmaß demzufolge unklar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Eckdaten der deutschen Pflegestatistik 20074

[...]


1 Im Verlauf der Arbeit werden, entsprechend ihrer Definitionen in Kapitel 2, die Begriffe formal care und professionelle (Alten)pflege, sowie informal care und Pflege durch Angehörige synonym verwendet.

2 Langzeitpflege ältere Menschen beinhaltet eine Spanne von Pflegedienstleistungen, welche von unterstützenden Hilfestellungen im Bereich alltäglicher Aktivitäten bis hin zu einfachen, medizinischen Leistungen reicht ([OECD05], S. 17).

3 Quelle: Eigene Darstellung.

4 Quelle: ([Stat08], S. 12).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wer pflegt wen wann und wo? Die Beziehung zwischen formal und informal care
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Fakultät Wirtschaftswissenschaften | Lehrstuhl für VWL, insb. Geld, Kredit und Währung)
Veranstaltung
Gesundheitsökonomische Fallstudien
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V192349
ISBN (eBook)
9783656172451
ISBN (Buch)
9783656173168
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Formal Care, Informal Care, Pflege durch Angehörige
Arbeit zitieren
Peggy Werner (Autor), 2010, Wer pflegt wen wann und wo? Die Beziehung zwischen formal und informal care, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192349

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