Geschichtsdidaktik - Jugend und Sexualität

Forschendes Lernen - Projektarbeit-Handlungsorientierung


Hausarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 2,0

Sandra Schmidt (Autor)


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. ANGABE DES EIGENEN GEBURTSJAHRGANGS

2. MEINE EIGENEN ERFAHRUNGEN MIT MEINEM GESCHICHTSUNTERRICHT

3. MEINE VORSTELLUNGEN VON EINEM „GUTEN“ GESCHICHTSUNTERRICHT

4. KURZFASSUNG: ANSÄTZE EINES HANDLUNGSORIENTIERTEN GESCHICHTSUNTERRICHT

5. KURZFASSUNG: DER ANSATZ EINER HISTORISCHEN PROJEKTARBEIT

6. EXEMPLIFIZIERUNG DES „ENTDECKENDEN / FORSCHENDEN LERNENS“ AM BEISPIEL DER THEMATIK „JUGEND UND SEXUALITÄT“

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Angabe des eigenen Geburtsjahrgangs

Ich bin im Februar des Jahres 1975 geboren.

2. Meine eigenen Erfahrungen mit meinem Geschichtsunterricht

Grundsätzlich hat mich Geschichte schon als Kind interessiert und ich fand den Ge- schichtsunterricht seit der Mittelstufe interessant. Nach meiner Ausbildung und während meinem beruflichen Alltags ist das Interesse für Geschichte in den Hintergrund getreten und wurde erst wieder durch das Reisen in andere Länder und Kulturen, sowie und durch meine Weiterbildung im Tageskolleg, durch den sehr guten Geschichtsunterricht einer Lehrerin, geweckt.

Da es zeitlich näher liegt, nehme ich den guten Geschichtsunterricht des 2. Bildungswe- ges als Beurteilungsgrundlage für meine Erfahrungen im Geschichtsunterricht. Ergän- zend füge ich hinzu, dass ich unterschiedliche Geschichtslehrer in der Oberstufe hatte, die auch verschiedenste Unterrichtsmethoden im Vermitteln von Geschichte im Fach- unterricht einsetzten.

Zum einen ein Lehrer, der den Frontalunterricht praktizierte, und in dem das Lesen, der Lehrervortrag von geschichtlichen Ereignissen und das stupide Auswendiglernen von Daten dominierte.

Und zum anderen eine Lehrerin, deren Unterricht häufige Gruppenarbeit und selbst- ständiges Erarbeiten von Geschichtswissen beinhaltete und es einen regen Meinungs- austausch über die Wahrnehmung der Geschichtsereignisse zwischen Schüler und Schüler, im Klassenverband und zwischen Schüler und Lehrer gab.

An den Geschichtsunterricht des Lehrers erinnere ich mich nur ungern, da er wenig Spaß gemacht hat. Als methodisches Mittel stand der Lehrervortrag im Vordergrund; und als Schüler mussten wir uns geringfügig aktiv in den Unterricht mit einbringen. Er vermittelte sein Wissen überwiegend durch den Frontalunterricht und nutzte seine Ta- felbilder um geschichtliche Zusammenhänge oder seine Erklärungen zu erläutern. Der Lehrer vermittelt den Stoff sehr abstrakt und trocken, und verwendete nur wenig Medi- en im Unterricht um geschichtliche Ereignisse konkreter darzustellen. Filme oder Bilder wurden von ihm nicht genutzt um den Unterricht für uns Schüler anschaulicher und abwechslungsreicher zu gestalten. Er erarbeitete mit uns den Unterrichtsstoff anhand der Lehrtexte und Quellen im Geschichtsbuch, und nutzte keine anderen Bücher wie Bildbände oder Tagebücher um uns eine z.B. kontroverse Sichtweise auf die geschicht- lichen Geschehnisse zu vermitteln. Deswegen setzte ich mich als Schüler wenig mit dem geschichtlichen Wissen auseinander. Ich lernte nur die Texte und Daten auswen- dig, wenn es um die Klausurvorbereitung ging. Durch seine Vermittlungsmethodik er- reichte der Lehrer bei mir nur eine oberflächliche Auseinandersetzung mit Geschichte, und keinen reflektierten Umgang mit Geschichte. Wir erlernten bei ihm keine Methoden der Quellenkritik, also wie man selbstständig und kritisch Geschichtswissen beurteilt, und welche Parameter dafür notwendig sind. Es fanden keine Debatten in der Klasse über die möglichen Sichtweisen auf das geschichtliche Ereignis statt. Er vermittelte den Unterrichtsstoff doktrinär und mit wenig Gegenwartsbezug. Daher empfand ich den Unterricht als langweilig und konnte mich auch wenig für das historische Wissen, was er vermitteln wollte, begeistern.

Durch den darauffolgenden Fachunterricht bei der Lehrerin konnte ich mich wieder für die Geschichtswissenschaft begeistern, so dass ich mich nach dem Erwerb der Hoch- schulreife entschloss, dieses Fach zu studieren.

In ihrem Fachunterricht mussten wir Schüler kontinuierlich aktiv in Gruppen zusam- menarbeiten. Sie verteilte meist verschiedene Quellen- oder Textauszüge zu einem ge- schichtlichen Ereignis, die wir in einer vorgegebenen Zeit und in Teamarbeit ausarbei- ten mussten. Im Anschluss mussten die Ergebnisse in der Klasse präsentiert werden und wurden im Plenum anhand von Fragestellungen der Lehrerin diskutiert. Durch diese Unterrichtsmethode erlernten wir zum einen schwierige Texte zu bearbeiten und auf ihre inhaltliche Essenz herunter zu brechen und zum einen, dass es kontroverse und sub- jektive Darstellungen von geschichtlichen Ereignissen gibt.

Um die verschiedensten Sinne der Schüler im Unterricht einzubinden, nutzte sie unter- schiedliche Medien. Oft verwendete sie Bildbände, einzelne Bilder oder auch alte Tage- bücher als Quellen um den Unterricht anschaulicher und lebhafter zu gestalten. Auch zeigte sie uns häufig Filmauszüge, Reportagen oder Dokumentationen im Unterricht, analysierte gemeinsam mit uns die Quellen und regte im Plenum immer zu einer Dis- kussionsrunde zu dem entsprechenden Thema an.

Sie griff auch aktuelle politische und historische Themen im Unterricht mit auf, die sie als wichtig empfand und die in der Öffentlichkeit thematisiert oder diskutiert wurden, auch wenn sie nicht direkt mit dem gegenwärtigen Lernstoff in Verbindung standen. Sie erklärte uns die politischen oder historischen Zusammenhänge, so dass es für alle an- schaulich war und verstanden werden konnte.

Zudem hielt sie gelegentlich einen ganzstündigen Vortrag zu verschiedenen geschichtli- chen Themen, z.B. “Industrialisierung“, um uns Schülern zu zeigen wie an der Universi- tät mitunter Stoff vermittelt wird. Damit erklärte sie uns, warum das selbstständige Er- arbeiten von Lernstoff für sie einen so hohen Stellenwert im Unterricht hatte.

Auch schaffte sie es, der Klasse den zu vermittelnden Lernstoff durch Exkursionen in der alltäglichen Umgebung konkreter darzustellen. Gleichzeitig erreichte sie damit, dass wir mit dem historischen Ereignis einen Bezug zur Gegenwart herstellen konnten. Eine Exkursion machte sie mit uns innerhalb von Köln.

Auch wenn ich als Schülern oftmals keine Lust auf die Gruppenarbeit hatte, und mir die Ausarbeitung der Texte manchmal zu lästig war, hat mir ihr Unterricht bei ihr sehr viel Spaß gemacht, so dass ich es als eines der Prüfungsfächer im Abitur wählte. In ihren Unterricht habe ich gelernt Quellen selbstständig und kritisch zu betrachten, zu beurtei- len, und zu reflektieren. Der reflektierte Umgang mit Geschichte war eine Fähigkeit die sie mir vermitteln konnte und außerdem lernte ich viele verschiedene Quellengattungen kennen.

3. Meine Vorstellungen von einem „guten“ Geschichtsunterricht

Meine Vorstellungen von einem „guten Unterricht“ spiegeln sich in dem Unterricht meiner ehemaligen Geschichtslehrerin, den ich bereits umfangreich beschrieben habe, wieder.

Daher beschreibe ich folgend die inhaltlichen Punkte und weniger die didaktischen Me- thoden, die den Geschichtsunterricht in meinen Augen wertvoll machen.

Für mich sollte das Ziel des Geschichtsunterrichts die Ausbildung ein reflektiertes Ge- schichtsbewusstsein des Schülers sein, im Sinne eines historisch geschulten Gegen- wartsverständnisses, das Selbst- und Fremdverstehen, persönliche und kollektive Orien- tierung, politische Handlungsfähigkeit und wertgebundene Toleranz ermöglicht.

Es sollten im Unterricht alltagsweltliche Sichtweisen und Geschichtsbilder aufgenom- men, geprüft, erweitert und gegebenenfalls korrigiert werden. Durch den Unterricht sollten die Schüler Einsicht in die spezifisch geschichtliche Dimension ihrer Existenz geben, ihr historisches Bewusstsein entwickeln und damit zur ihrer reflektierten Selbst- verständigung und Identitätsbildung beitragen. Der Unterricht sollte eine wichtige Orientierungshilfe in unserer pluralistischen Gesellschaft sein, und Werte der demokra- tischen Grundordnung und Menschenrechte vermitteln.

Themen des Geschichtsunterrichts sind politische, wirtschaftliche, soziale, ökologische, kulturelle und geistesgeschichtliche Entwicklungen und Verhältnisse, die das Leben der Menschen bestimmt haben bzw. noch bestimmen, beinhalten. An ihnen erwerben die Schüler die Fähigkeit, die geschichtliche Dimension der menschlichen Lebenspraxis zu begreifen. Sie lernen Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Einfluss- nahme auf den historischen Prozess zu erkennen, Entwicklungsvarianten zu bedenken, Entscheidungskonstellationen und Handlungsalternativen zu finden. Durch den Unter- richt sollten sie auf allgemeine historische Entwicklungsgrößen, treibende Kräfte und Einflussfaktoren aufmerksam werden, spezifische Lebensformen, Weltbilder und Selbstdeutungen von Menschen in früheren Zeiten kennen lernen. Sie erkunden deren Voraussetzungen, ihre Auswirkungen verfolgen und so Kontinuitäten und Diskontinui- täten zwischen Vergangenheit und Gegenwart entdecken. Durch den Unterricht sollte idealerweise ihr Geschichtsbewusstsein, ihren Blick von der Geschichte des heimatli- chen und regionalen Nahraums auf die der Nation, auf die europäische und die außereu- ropäische bzw. Weltgeschichte ausweiten. Sie lernen Entwicklungen in verschiedenen historischen Räumen zu vergleichen, ihre Wechselwirkung zu reflektieren und in der Lage sein über einen möglichen Richtungssinn der europäischen Geschichte sowie der Geschichte der Menschheit nachzudenken.

Geschichte sollte für die Schüler weder reine Imagination noch reines Abbild, sondern bewusste Erinnerung an die Vergangenheit sein. Die Multiperspektivität historischer Sinngebungen sollte ihnen bei der Ausbildung eines reflektierten Geschichtsbewusst- seins hilfreich sein. Reflektiertes Geschichtsbewusstsein zeigt sich auch für mich als die Fähigkeit, bestimmte Operationen historischen Arbeitens kompetent durchzuführen.

4. Kurzfassung: Ansätze eines handlungsorientierten Geschichtsunterricht

Diese Lehrmethode zielt auf Schüleraktivität, selbstständiges Lernen und praktisches tun. Es sollen die subjektiven Interessen der Schüler berücksichtig werden, sich auf ihre Lebenswirklichkeit beziehen: Es sollten möglichst viele Sinne der Schüler ins Lernen miteinbezogen werden, um ihre praktische Tätigkeiten und begriffliche Operationen miteinander zu verknüpfen.[1]

Die Verknüpfung des geschichtlichen Inhalts mit der Lebenswirklichkeit der Schüler verlangt komplexe Vorstellungs- und Umsetzungsprozesse vom Schüler, daher stellt der handlungsorientierte Unterricht eine besondere Herausforderung für die Schüler dar.

Zudem werden Arbeits- und Sozialformen angewendet, die den Schülern zunehmend eigene Entscheidungsspielräume und Verantwortung einräumen und sie darin unterstüt- zen, sich in selbstregulierten Lernprozessen mit dem Lerngegenstand und den eigenen

Lernstrategien auseinanderzusetzen. Handlungsorientierter Unterricht in diskursiver Ausrichtung unterstützt die Methodenschulung, ermöglicht individualisiertes Lernen und stärkt zugleich kooperatives Arbeiten im Team.[2]

Eine Unterrichtsform, in der sich handlungsorientiertes Lernen besonders umfassend und anspruchsvoll umsetzen lässt, ist der Projektunterricht, den ich im folgenden Kapi- tel noch weiter darstellen werde.

Sauer unterscheiden grundsätzlich vier Zugänge, um „Handlungsorientiertes Lernen“ beim Schüler im Unterricht zu erreichen.

1. Über manuelles Tun eigene, historische Erfahrungen machen

Durch manuelles Tun im Unterricht haben die Schüler die Möglichkeit historische Ver- richtungen nachzuvollziehen, indem sie z.B. selber Körbe flechten, mit Gänsefeder und Tinte schreiben, Speere herstellen, Tänze nachtanzen, Lieder singen, nach historischen Rezepten kochen.

Durch das eigene Handeln wird den Schülern die Bedingung des Alltagslebens in ver- gangenen Zeiten ausschnitthaft vergegenwärtigt. Schüler erfahren so, dass auch

„scheinbar“ einfache Verrichtungen viel Zeit und Aufwand in der Vergangenheit erfor- derten und zu ihrer Bewältigung spezielle Techniken von den Menschen verlangt wur- den. Das kann auch dem naiven Fortschrittsdenken der Schüler entgegenwirken, da die Menschen ihre Aufgaben in der Vergangenheit mit differenzierteren Mitteln im Rahmen der Möglichkeiten ihrer Zeit bewältigten, als in der Gegenwart.

Diese Ausgangserfahrungen zu reflektieren und damit tatsächlich zu historischen Ein- sichten über Lebensweisen, Wirtschaftsverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen zu gelangen, ist für diese Vorgehensweise zentral. Durch die eigenen Erfahrungen der Schüler leiten diese leicht vertiefende Fragen, bezüglich des zu bearbeitenden Ge- schichtsthemas, ab. Beispielsweise können während des historischen Kochens folgende Fragen aufkommen: Wer konnte sich das Essen leisten? Woher kamen die Zutaten des Essens? Was wurde selbst produziert und was erhandelt? Welche exotischen Bestandtei- le gab es, auf welchen Wegen gelangten sie in diese Region?

[...]


[1] Sauer, Michael, Geschichte unterrichten, 7. Aufl., Klett Verlag, Seelze-Velber 2008, S.85 ff.

[2] Günther-Arndt, Hilke, Geschichtsdidaktik, 4.Aufl., Cornelsen Verlag, Berlin 2009, S.90 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Geschichtsdidaktik - Jugend und Sexualität
Untertitel
Forschendes Lernen - Projektarbeit-Handlungsorientierung
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Lebenstil in der neueren Geschichte -Sexualität
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V192353
ISBN (eBook)
9783656172765
ISBN (Buch)
9783656173250
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichtsdidaktik-, jugend, sexualität, forschendes, lernen-, projektarbeit-handlungsorientierung
Arbeit zitieren
Sandra Schmidt (Autor), 2010, Geschichtsdidaktik - Jugend und Sexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192353

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