Lexikologie als Übersetzungsproblemfeld

Falsche Freunde: Sprachenpaar Deutsch - Spanisch


Hausarbeit, 2007
13 Seiten, Note: 2,0
Sandra Schmidt (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wortschatz und die „Faux Amis“

3. Falsche Freunde
3.1 Begriffliche Klärung
3.1 Definition
3.2 Klassizifierung nach Gauger- 6 Typen
3.2.1 Typ1- Ähnliche Form –unterschiedliche Bedeutung
3.2.2 Typ 2- Einige Wortbedeutungen stimmen überein, andere nicht
3.2.3 Typ 3- Zwei oder mehrere Bedeutungen in einem Wort
3.2.4 Typ 4-Unterscheidliche Schreibweisen
3.2.5 Typ 5- Unterschiedliche Genera
3.2.6 Typ 6- Unterschiedliche Konzepte bzw. Ausdrücke
3.3. Ergänzung : Falsche Freunde im weitesten Sinne
3.4 Fazit der Theorie

4. Abschließendes Fazit zum Übersetzungsproblem der faux amis

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Problem der Falschen Freunde , der Täuschung aufgrund ähnlicher oder auch identischer Wörter bei unterschiedlichen Bedeutungen von Quell- und Zielsprache ist wahrscheinlich jedem bekennt, der sich jemals bemühte, eine fremde Sprache zu erlernen. Das deutsch-spanische Sprachenpaar bietet zahlreiche Fallen und Fehlerquellen in die der Übersetzer und auch Lernende der Fremdsprache immer wieder hineintappen. Vielfach werden die sprachlichen Differenzen vom Übersetzer unterschätzt.

In dieser Hausarbeit werde ich mich speziell mit diesem linguistischen Phänomen der „Faux Amis“ auseinandersetzen. Ich werde kurz auf das Problem der Lexikologie im allgemeinen eingehen, nur das es zum Verständnis ausreicht. Dann werde ich das Phänomen der Faux Famis genauer untersuchen und dem Grund nachgehen, warum diese zu den ein weitverbreiteten Problemen der Übersetzer gehören. Anschließend werde ich die unterschiedlichen Arten der Faux Amis und ihre Beschreibungsmöglichkeiten mit den Irrtumsquellen vorstellen. Zur Veranschaulichung der Probleme dienen Beispiele des deutsch-spanischen Sprachenpaars. Abschließend werde ich über das Übersetzungsproblem der Faux amis resümieren..

2. Der Wortschatz und die „Faux Amis “

Das Problem der Faux Amis wurde in der Übersetzungswissenschaft schon früh erkannt. Erstmals wurde im Jahre 1928 der Begriff der Faux amis von den französischen Sprachwissenschaftlern Maxime Koessler und Jules Derocquigny genannt. Der Begriff erschien erstmals in ihrem Werk mit dem Untertitel “Ratschläge für Übersetzer“. .[1]

Auch der bekannte Linguist Mario Wandruszka setzte sich mit dem Problem der Faux Amis auseinander. Er sieht die faux Amis als (...) der beste Beweis für die spielerische Leichtigkeit, mit der man [Übersetzter /Sprachenlerner ]einem Wort eine neue Bedeutung anvertrauen kann (...).[2]

Doch wo liegt die Verbindung zwischen dem Problem des Übersetzens des Wortschatzes und dem Phänomen der Faux Amis ?

Schon Humboldt äußerte seine Erkenntnis, dass Sprachen nicht nur in Lauten und Zeichen verschieden sind, sondern vor allem in der Weltansicht selbst:

In der Art der Bildung und in dem Gebrauch der Sprache geht als notwendig die ganze Art der subjektiven Wahrnehmung der Gegenstände über. (...) so liegt in jeder Sprache eine eigenthümliche Weltansicht (1968:LXXIV).[3]

Und es entspricht der Wahrheit, denn laut der Sprachwissenschaft spiegelt die Sprache, die kulturellen Grundcharaktere ihrer Sprachgemeinschaft wider. Die Wörter stellen das Resultat des sprach- und kulturgebundenen Verarbeitungsprozesses der Realität der Sprachgemeinschaft dar. Damit ist der Wortschatz einer Sprache kulturell- historisch gewachsen und individuell geprägt. Des weiteren stellen die Wortbedeutungen ein komplexes Geflecht zwischen den Beziehungen und Struktur der Sprache dar. Diese Individualität der Sprache findet insbesondere Ausdruck in Form der mündlichen Kommunikation sowie in den allgemeinen Textstrukturen. [4] .[5]

Die Indogermanischen Sprachen weisen bestimmte Verschiedenheiten als auch bestimmte Ähnlichkeiten auf allen Ebenen der Sprachstruktur auf, vor allem in der Lexikologie. Dies gilt auch für die deutsche und spanische Sprachen, da für beide das Lateinische ein ständig zur Verfügung stehendes Reservoir für neue Bildungen und Begriffe der Sprachen war und bis heute ist. Diese Gegebenheit kann bei der Übersetzung oder beim Erlernen der deutschen oder spanischen Sprache Fehler verursachen. Es kann zu fehlerhaften Verwechslungen bzw. Fehlinterpretationen der Wörter oder Bedeutungen führen. Diese Divergenzen sind in der Sprachwissenschaft unter den Begriff der Faux Amis bekannt. Sie unter dem linguistischen Überbegriff der semantischen Interferenzen bekannt. Im allgemeinen ist die Beeinflussung eines Sprachsystems durch ein anderes aufgrund des unangemessenen Gebrauchs der erst- bzw. muttersprachlichen Strukturen auf die Zweit/ Fremd- oder Zielsprache als eine Interferenz zu betrachten. Das Übersetzungsproblem der Faux Amis in der Lexikologie wurde auch in einigen linguistischen Theorien der Translationswissenschaft aufgegriffen.

Das Phänomen der Faux Amis findet sich auch in dem theoretischen Ansatz (1993) des Linguisten Nord wieder. Laut seiner Klassifizierung der Übersetzungsprobleme gehört das Phänomen der Faux Amis zu den sprachenpaarspezifischen Übersetzungsproblemen, die neben den Faux Amis interne Faktoren, wie die Syntax, Lexis, Suprasegmentale Merkmale, Eigennamen, Konnotationen, Wortbildung betreffen.[6]

Auch spiegelt sich das Phänomen der Faux Amis in der detaillierten Einteilung der kulturspezifischen Unterschiede nach Stolze wider. Als semantische Inkongruenzen betreffen sie kulturspezifischen oder ideologischen Konnotationen von Wörtern, die in Übersetzungen bei wörtlicher Übertragung abweichende oder unerwünschte Assoziationen /Analogien auslösen könnten, oder die bei Interpretation aus der Sicht der Zielkultur den gemeinten Sinn der Mitteilung verfälschen.[7]

Ich werde mich nun in den folgenden Kapiteln explizit die Erscheinung der Faux Amis untersuchen. Ihre begriffliche Klärung, ihre Definition und vor allem ihre Klassifizierung und Beschreibung sollen etwas Licht in die verschiedenen Arten der Faux Amis bringen.

3. Falsche Freunde

3.1 Begriffliche Klärung

Das Problem der Faux Amis ware in der Übersetzungswissenschaft schon im Jahre 1928 gekannt und der Begriff der Faux amis hat bis heute eine weite Verbreitung in der Sprachwissenschaft gefunden. Es existieren die Lehnübersetzungen des Begriffs in vielen europäischen Sprachen wie „falsos amigos“ (spanisch), false friends (englisch), falsi amici (italenisch), usw..In der konstrativen Sprachwissenschaft werden sie auch als (zwischensprachliche) Paronyme bezeichnet.[8]

3.1 Definition

Zuerst werde ich kurz auf die uneinheitliche wissenschaftliche Terminologie in der Sprachwissenschaft für die Faux amis-Forschung hinweisen. Es gilt zu beachten, dass die False Friends-Forschung keine einheitliche internationale wissenschaftliche Basis stattfindet. Denn unter den Linguisten besteht die Kontroverse ob die Faux Amis zur Klassifizierung nun ein etymologische Verwandtschaft vorweisen müssen oder nicht. Es besteht auch die Unstimmigkeit unter den Forschern im Bezug auf das Minimum der Art und Grad der Ähnlichkeiten dieser.[9]

Nun folgt eine allgemeine Definition für die „Faux Amis“ in der Sprachwissenschaft:

Bezeichnung für Paare von Wörtern aus verschiedenen Sprachen, die trotz formale Ähnlichkeiten verschiedene Bedeutungen haben und daher zu Interferenz-Fehlern und Missverständnissen führen können(...).

Typischerweise gehören zu den Faux Amis viele Wörter des Grundwortschatzes.

Das Phänomen der falschen Freunde ist letztlich auf unterschiedliche sprachhistorische Entwicklungen der beteiligten Sprachen zurückzuführen.[10]

Der zeitgenössische Sprachwissenschaftler Gauger definiert folgend:

Falsche Freunde sind Wörter (lexikalische Einheiten) aus zwei oder mehreren Sprachen, die formal (graphisch und/oder phonologisch) eine maximale Ähnlichkeit aufweisen, die aber-insbesondere-auf inhaltlicher (semantischer) Ebene Unterschiede aufweisen, so dass die Übersetzung des einen Worts durch das andere unpassend ist.[11]

Bis heute unterliegen die bestehenden Theorien der false friends–Forschung der ständigen Modifikation. Jedoch sollte auf eine tendenziell beständige Zuordnung der Faux amis in die Klassen der absoluten semantische, den partiellen semantischen , den genusbedingrten und den orthografisch-morphologischen faux amis hingewiesen werden..[12]

Insbesondere im Bereich des deutsch-spanischen Sprachenpaars haben die Linguisten Perl/von Schiezl (1977), Thiemer 1979, Wotjak (1987) und Gauger (1982/1989) intensiv geforscht. Aufgrund ihrer Erkenntnisse konnte die Klassifizierung der falsos amigos detaillierter ausgearbeitet werden.

Im folgenden werde ich auf den aktuellsten Ansatz zur Klassifizierung eingehen. Sie stammt von Gauger, der die falsos amigos aufgrund semantisch/ materieller Unterschiede einteilt

[...]


[1] Albrecht, J., Grundlagen der Überstzung.sforschung. Übersetzung und Linguistik,Tübingen, Narr Verlag 2005, S.133.

[2]

[3] Horn-Helf, B., Technisches Übersetzen in Theorie und Praxis, Tübingen, Francke Verlag 1999, S.25.

[4] Stolze, R., Die Fachübersetzung. Eine Einführung, Tübingen, Narr Verlag 1999,

S.229.

[5] Wesch, A., Grundkurs Sprachwissenschaft Spanisch, Stuttgart, Klett Verlag 2001, S.81-92.

[6] Stolze, R., Die Fachübersetzung. Eine Einführung, Tübingen, Narr Verlag 1999,

S.178.

[7] Stolze, R., Die Fachübersetzung. Eine Einführung, Tübingen, Narr Verlag 1999,

S.224-226.

[8] Albrecht, J., Grundlagen der Überstzung.sforschung. Übersetzung und Linguistik,Tübingen, Narr Verlag 2005, S.133.

[9] Krochewski, A., False Friends and True Friends.in: Europäische Hochschulschriften ReiheXIV, Angelsäsische Sprache und Literatur Bd./Vol.372, Berlin, Peter Lang Verlag 2000,S.36.

[10] Bußmann, H., Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart, Alfred Kröner Verlag 20023,S 213-214.

[11] Cartagena, N., Gauger, H.-M.., Vergleichende Grammatik Spanisch-Deutsch., Bd. 2, Mannheim, Dudenverlag 1989, S. 591.

[12] Ebd., S. 57.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Lexikologie als Übersetzungsproblemfeld
Untertitel
Falsche Freunde: Sprachenpaar Deutsch - Spanisch
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanistische Seminar)
Veranstaltung
Überstzungstheorien
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V192356
ISBN (eBook)
9783656172734
ISBN (Buch)
9783656173571
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwissenschaft, Falsche Freunde, Ubersetzungstheorien
Arbeit zitieren
Sandra Schmidt (Autor), 2007, Lexikologie als Übersetzungsproblemfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192356

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