Was bedeutet glücklich sein? Was heißt eigentlich Glück und worin besteht es? Diese Fragen sind ohne jeden Zweifel äußerst subjektiv zu betrachten. Das Glück stellt sich für jeden Men-schen anders dar. Für den Einen ist es die Familie, für den Anderen der Lottogewinn, für den Einen sei es das wiedergefundene Portemonnaie, für den Anderen ein gerade noch abgewehr-ter Unfall. Empirische Erhebungen zum Thema „Was ist Glück?“ hätten daher auch nur wenig Aussagekraft. Eine wesentlich höhere Aussagekraft hat allerdings die Frage „Wer war Epikur?“. In einer eigens durchgeführten Befragung anhand zufällig ausgewählter Passanten wurde festgestellt, dass gerade einmal zwei von 37 Befragten diesen Namen kennen. Auf die Frage „Woher?“, fiel zum einen die Antwort „Das ist doch so eine Elektroband auf Youtu-be.“, welche nicht wirklich etwas mit dem Thema zu tun hat. Zum anderen ergab sich verblüf-fenderweise dann doch noch die Antwort “Griechischer Philosoph; Lustprinzip; kenne ich aus der Schule.“. Diese Antwort hätte man sich von der Mehrheit wünschen können, doch an-scheinend ist dieser Name weniger bekannt, als es sein Einfluss auf die heutige Zeit ist. Das Thema der Lust ist dabei in unserer Gesellschaft, in welcher der Verkaufsschlager nun einmal Sex heißt, mannigfaltig integriert. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll jedoch nicht nur auf dem Lustkalkül, sondern vielmehr auf der Betrachtung des Glückes im Allgemeinen liegen: Wie und wodurch gelangt der Mensch zum Glück? Das ist die Frage, die versucht werden soll, beantwortet zu werden. Um diesen Punkt auch nur in Ansätzen diskutieren zu können, sind andere Aspekte essentiell. Daher beschäftigt sich diese Arbeit zunächst mit Epikurs Naturphilosophie und geht dabei im speziellen auf den Aufbau des Ganzen und die drei Wahrheitskriterien ein. Dies ist notwendig, da die Naturphilosophie Epikurs eine systematische Vorbedingung der ethischen Frage nach dem Glück ist. Abschließend soll – begründet durch die fatale Umfrage – ein Versuch getätigt werden, in dem veranschaulicht werden soll, dass der Epikureismus moderner ist, als geglaubt wird. Nicht zuletzt soll auch die Frage beantwortet werden „Wer bin ich, wo komme ich her und wie werde ich glücklich?“.
Inhaltsverzeichnis
1 Zur Einführung
2 Die Lehre Epikurs
2.1 Das Bild der Wirklichkeit
2.1.1 Die Grundsätze
2.1.2 Der Aufbau des Ganzen
2.1.3 Die Kriterien der Wahrheit – Wahrnehmung, Vorbegriffe, Empfindungen
2.2 Über Begierden und Lust
2.3 Der Versuch einer Modernisierung des Epikureismus
3 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie der Mensch nach epikureischer Lehre zum Glück gelangen kann, indem sie die Verbindung zwischen Naturphilosophie, ethischem Lustkalkül und der Anwendbarkeit dieser antiken Philosophie in der heutigen, modernen Welt analysiert.
- Grundlagen der epikureischen Naturphilosophie und das Bild der Wirklichkeit
- Differenzierung und Kategorisierung menschlicher Begierden
- Die Rolle der Vernunft bei der Steuerung von Lust und Schmerzvermeidung
- Die Modernität und Zeitlosigkeit epikureischer Lebensführung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 DIE GRUNDSÄTZE
Sein Bild der Wirklichkeit, seine Sicht von den Dingen wie sie sind, beginnt Epikur mit vier fundamentalen Grundsätzen. Die ersten drei befassen sich im Wesentlichen mit den Dingen, welche sinnlich nicht wahrnehmbar sind, wohingegen die letzte auf die Wahrnehmung Bezug nimmt. Dabei gilt erstens, „dass nichts aus dem Nichtseienden entstehen kann“ (Epikur (a) 2003, S.153). Alles, was also entsteht, beruht auf vorhandenen Materialien und bedarf gewissen Bedingungen. Der Beweis für diese Tatsache liegt in der Verneinung dieses Satzes. Wird davon ausgegangen, dass nichts aus dem Nichts entsteht, so bedeute dies, dass auch Alles aus Allem gebildet wird, „ohne dass es einen zeugenden Auslöser [oder Samen] brauchte“ (Epikur (a) 2003, S.153).
Während Epikur mit dem ersten Satz die Existenz und die Entstehung beschreibt, deutet er im zweiten Satz auf die Löschung dieser Existenz hin und sagt, dass nichts in nichts vergehen kann. Indem etwas verschwindet oder zerstört wird und in das Nichts übergeht, so muss davon ausgegangen werden, dass alle Dinge zugrunde gehen, da nichts existiert, in das sich diese Dinge auflösen könnten. (vgl. Epikur (a) 2003, S.153) Die Betrachtung der Verneinung zeigt auch hier den eigentlichen Beweis an, denn vergeht einiges ins Nichts, so ist anzunehmen, dass auch Alles ins Nichts vergehen könnte. In der endlosen Zeit der Existenz ist nun davon auszugehen, dass dieser Zustand bereits eingetreten wäre. Demgegenüber steht aber die Wirklichkeit, welche erfahren wird. (vgl. Forschner 2000, S.24)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zur Einführung: Die Einleitung beleuchtet die subjektive Natur des Glücksbegriffs und führt in die wissenschaftliche Fragestellung sowie die Relevanz der epikureischen Philosophie für die moderne Zeit ein.
2 Die Lehre Epikurs: Dieses Kapitel liefert eine biografische Einordnung und erläutert die naturphilosophischen Grundlagen, das System der Wahrnehmung sowie das ethische Lustkalkül als Wegweiser für ein gelingendes Leben.
2.1 Das Bild der Wirklichkeit: Hier werden die metaphysischen Fundamente der epikureischen Lehre dargelegt, insbesondere die Beschaffenheit der Welt aus Atomen und Leere sowie die Erkenntnistheorie.
2.1.1 Die Grundsätze: Dieser Abschnitt definiert vier fundamentale Thesen Epikurs zur Entstehung und zum Sein der Dinge, die als Basis für das Verständnis seiner Naturphilosophie dienen.
2.1.2 Der Aufbau des Ganzen: Fokus auf die atomare Struktur der Materie und deren Bewegung im leeren Raum als Grundlage der wahrnehmbaren Welt.
2.1.3 Die Kriterien der Wahrheit – Wahrnehmung, Vorbegriffe, Empfindungen: Vorstellung der Kanonik Epikurs, die als Maßstab für wahres Erkennen und die Befreiung von Ängsten dient.
2.2 Über Begierden und Lust: Analyse der menschlichen Bedürfnisse und die Unterscheidung zwischen natürlichen, notwendigen und leeren Begierden im Streben nach einem schmerzfreien Leben.
2.3 Der Versuch einer Modernisierung des Epikureismus: Übertragung der antiken Lehre in den modernen Kontext unter Verwendung der Vernunft als Steuerungsinstrument für Lebensentscheidungen.
3 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse, wobei die Modernität des Epikureismus durch das Zusammenspiel von Vernunft und Lebensführung bestätigt wird.
Schlüsselwörter
Epikur, Glück, Lust, Naturphilosophie, Atome, Wahrnehmung, Vernunft, Begierden, Lebensführung, Erkenntnistheorie, Schmerzvermeidung, Ethik, Moderne, Handlungstheorie, Seelenruhe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der epikureischen Philosophie, insbesondere mit dem Streben nach Glück durch ein besseres Verständnis der Natur und der menschlichen Begierden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Naturphilosophie, die Erkenntnistheorie (Kanonik), die Ethik der Lust sowie die praktische Anwendung vernunftgesteuerten Handelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Zentral ist die Frage „Wer bin ich, wo komme ich her und wie werde ich glücklich?“ sowie die Untersuchung der Modernität und Aktualität des Epikureismus.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Analyse, die auf der Auswertung primärer Quellen (Epikur) und relevanter Sekundärliteratur zur Umsetzung der antiken Lehre in die Gegenwart basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Naturphilosophie, die Systematisierung der Begierden und die Entwicklung eines rationalen Lustkalküls als moderne Handlungstheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Glück, Lust, Vernunft, Atome, Begierden und die Modernisierung antiker Lebensweisheiten.
Warum unterscheidet Epikur zwischen kinetischer und statischer Lust?
Die kinetische Lust beschreibt den Prozess der Befriedigung eines Bedürfnisses, während die statische Lust den Zustand der Abwesenheit von Schmerz und Unruhe kennzeichnet, was das eigentliche Ziel epikureischen Glücks darstellt.
Welche Rolle spielt die Vernunft im Epikureismus?
Die Vernunft dient Epikur als rationales Werkzeug zur Steuerung der Lust; sie ermöglicht es, Konsequenzen von Handlungen abzuwägen, um ein langfristig schmerzfreies und glückliches Leben zu sichern.
Warum ist der Tod nach Epikur für den Menschen bedeutungslos?
Da der Mensch ein materielles Wesen ist, löst sich seine Seele mit dem Tod auf. Da nach dem Tod kein Empfindungsvermögen mehr vorhanden ist, kann der Tod für den Menschen keinen Schmerz bedeuten.
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- B. A. Bildungs- und Erziehungswissenschaften Michel Beger (Autor), 2010, Die epikureische Lehre, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192471