“Kinderleicht“ - Ist die „Einfachheit“ in Kindergedichten wirklich gegeben? Eine Untersuchung an Beispielen


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausdrucksformen, Gattungen und Merkmale der Kinderlyrik

3. Untersuchung der Einfachheit
3.1 „Kindsein ist süß?“ von Susanne Kilian
3.1.1 Gattung
3.1.2 Lebensweltbezug
3.1.3 Wortschatz
3.1.4 Metrik
3.1.5 Grundstimmung
3.1.6 Anregung zum Nachdenken
3.1.7 Abstraktionsgrad
3.2 „Wann Freunde wichtig sind“ von Georg Bydlinski
3.2.1 Gattung
3.2.2 Lebensweltbezug
3.2.3 Wortschatz
3.2.4 Metrik
3.2.5 Grundstimmung
3.2.6 Anregung zum Nachdenken
3.2.7 Abstraktionsgrad
3.3 „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff
3.3.1 Gattung
3.3.2 Lebensweltbezug
3.3.3 Wortschatz
3.3.4 Metrik
3.3.5 Grundstimmung
3.3.6 Anregung zum Nachdenken
3.3.7 Abstraktionsgrad
3.4 „otto mops“ von Ernst Jandl
3.4.1 Gattung
3.4.2 Lebensweltbezug
3.4.3 Wortschatz
3.4.4 Metrik
3.4.5 Grundstimmung
3.4.6 Anregung zum Nachdenken
3.4.7 Abstraktionsgrad

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. In unserem Seminar „Verse und Reime“ beschäftigten wir uns mit den Grundformen der Versgestaltung. Außerdem wurde untersucht, welche Bedeutung diese Gestaltung in metrisch regulierten Texten annehmen kann. Neben dem Kennenlernen vieler Vers- und Reimarten wurde dabei auch über Kinderlyrik gesprochen. Zum einen thematisierten wir Sprachspiele für Kinder und deren Umsetzung, zum anderen erhielten wir einen Überblick über die Kinderlyrik und deren Realisationsmöglichkeiten. Aufgrund dessen, dass ich Teil der Referatsgruppe war, welche sich mit der letztgenannten Thematik befasste, habe ich mich entschlossen, mich tiefergehend mit der Kinderlyrik zu beschäftigen. Sicherlich habe ich diese Thematik auch hinsichtlich meines späteren Berufes gewählt. Interessant finde ich besonders die Ausdrucksform des Kindergedichtes. Oft wird davon gesprochen, dass diesem eine „Einfachheit“ inne wohne, welche das Gedicht für Kinder zugänglich machen solle. Ist diese „Einfachheit“ jedoch wirklich immer gegeben? Die Fra- ge, welche ich mir in meiner Hausarbeit stelle, lautet also, ist die „Einfachheit“ in Kinder- gedichten wirklich gegeben.

Um diese Frage beantworten zu können, ist es sinnvoll eine kurze Einordnung des Kinder- gedichtes in die Kinderlyrik vorzunehmen. Hilfreich wäre auch eine Unterscheidung der Gattungen der Kinderlyrik. Es erscheint möglich, dass diese „Einfachheit“ nicht in allen Gattungen gegeben ist. Anschließend werde ich versuchen, die Merkmale eines Kinderge- dichtes zusammenzutragen. Daraufhin sollen diese einzelnen Merkmale an Beispielen un- tersucht werden. Durch die angebrachte Überprüfung der Theorie an der Praxis werde ich versuchen meine Forschungsfrage zu beantworten. Schließlich ist dies nur möglich, wenn Beispiele von Kindergedichten herangezogen werden. Für diese Überprüfung verwende ich einen Gedichtband, welcher eine Vielzahl von Kindergedichten vorweist.

Die gesammelten Erkenntnisse sollen in einem kurzen Fazit dargestellt werden. Das Ziel wird sein, eine Antwort auf die von mir gestellte Frage geben zu können.

2. „ Kinderlyrik ist ein selbstständiger Bereich der Gattung Lyrik wie die Erwachsenen-

lyrik. Kinderlyrik und Erwachsenenlyrik haben die gleichen konstitutiven

Elemente, Formen und Themen sowie gleichartige Funktionen und Intentionen. “ 1

Fest steht, dass die Trennung von Kinder- und Erwachsenengedichten nicht leicht ist.2 Ein Vorschlag, welcher jedoch keinen Anklang fand, war der von James Krüss, welcher zwischen „Gedichten für Kinder“ und „Kindergedichten“ unterschied.3 „Gedichte für Kinder“ stellten dabei Gedichte dar, welche aus dem vorhandenen Kanon gewählt wurden. Kriterium war dabei die Verständlichkeit. „Kindergedichte“ sollten die Gedichte heißen, welche nur für Kinder geschrieben worden sind.4

In der Kinderlyrik unterscheidet man zwischen verschiedenen Ausdrucksformen. Eine

Form bildet der Kinderreim oder auch Gebrauchsvers genannt. Das traditionelle Kinderge- dicht stellt dabei eine weitere Ausdrucksform der Kinderlyrik dar, mit welcher ich mich in meiner Hausarbeit genauer beschäftige. Weitere Ausdrucksformen sind das Kinderlied, das Kinder-Spiellied, das Sprachspiel sowie das realitätskritische Kindergedicht.5 Des Weiteren kann man die Kinderlyrik in verschiedenen Gattungen einteilen. Die größte Kategorie ist die der Gebrauchsverse. Dazu gehören zum Beispiel Nachahme- und Deutrei- me, Brauchtumslieder, Kindergebete, Abzählreime, Albumverse, Neckreime, Spottreime, Ulkreime, Trotzreime und Lieder zu Spielen und Tänzen. Die zweite Gattungsform ist die Erlebnis- oder Stimmungslyrik, welche sich mit der Natur, mit Tieren und dem problem- freien Kindsein beschäftigt. Eine weitere Gattung bildet die die Reflexionslyrik oder auch Gedankenlyrik, welche sich mit Themen religiöser, politischer, lehrhafter und sozialer- und umweltkritischer Natur befasst. Die vierte Gattung stellt die Geschehnislyrik dar, welche unter anderem Balladen, Versfabeln und Erzählgedichte beinhaltet. Sprachspiele bilden die fünfte und letzte Gattungsform der Kinderlyrik.6

Die Frage, welche sich stellt, ist, welche Merkmale Texte der Kinderlyrik besitzen. Wie werden Texte ausgewählt?

„ Kinderlyrische Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie hauptsächlich für Kinder verfasst sind, und zwar im Hinblick auf Inhalt, Sprache, Form und Abstraktionsgrad. “ 7

In Bezug auf den Inhalt beschäftigen sich diese mit Themen, mit denen die Kinder in ihrer Lebenswelt vertraut sind. Dabei werden hier auch Themen verwendet, die negative Er- lebnisse thematisieren. Gedichte sollten in ihrer semantischen Dichte und ihrem Aufbau nicht zu komplex sein, damit Kinder diese verstehen und eigenständig erarbeiten können.8 Hinsichtlich der Sprache ist zu sagen, dass diese den Wortschatz der Kinder aufgreift und verständlich ist. Sind unbekannte Wörter vorhanden, lassen sich diese aus dem Kontext oder durch die Bearbeitung erschließen. Die Metrik und Gliederung eines Kindergedichtes ist relativ einfach gehalten. Häufig kommt es zu Wiederholungen, rhythmische Strukturen sind deutlich und es liegt meist ein Endreim vor. Das Reimschemata sind oft Paarreim oder Kreuzreim. Des Weiteren herrscht in der Kinderlyrik eine optimistische Grundstimmung vor und trotzdem werden die Kinder zum Nachdenken angeregt. Dabei ist eine hohe An- zahl von Interpretationsmöglichkeiten vorhanden und diese gelten als eine Anregung zum eigenständigen Handeln. Ein weiteres Merkmal der Kinderlyrik ist, dass die Fantasien, Emotionen und Bilder, welche den Kindern begegnen, bekannt sind.9 Zusammenfassend lässt sich festhalten:

„Eine Gemeinsamkeit der kinderlyrischen Erscheinungen liegt im Spielerisch-Lockeren, begrenzt durch eine gewisse rhythmische, formale, sprachliche und thematische Gebun- denheit.“10

Folgende Kriterien, welche die „Einfachheit“ von Kindergedichten darstellen, sollen im Folgenden anhand verschiedener Gedichte untersucht werden:

- Lebensweltbezug der Kinder
- einfacher und verständlicher Wortschatz
- einfache Metrik und Reimschemata
- optimistische Grundstimmung
- Anregung zum Nachdenken
- geringer Abstraktionsgrad

Außerdem erfolgt am Beginn der Untersuchung eine Einordnung der Gedichte in die Gattungen der Kinderlyrik.

3.1 Ein Beispiel für die Beachtung des Lebensweltbezuges von Kindern in Kindergedich- ten ist der Text „Kindsein ist süß?“11

Tu dies! Tu das! Und dieses lass! Beeil dich doch!

Heb die Füße hoch! Sitz nicht so krumm!

Mein Gott, bist du dumm! Stopf`s nicht in dich rein! Lass das Singen sein!

Du kannst dich nur mopsen! Hör auf zu hopsen!

Du machst mich verrückt! Nie wird sich gebückt! Schon wieder ne vier!

Hol doch endlich Bier! Sau dich nicht so ein! Das schaffst du allein! Mach dich nicht so breit! Hab jetzt keine Zeit!

Lass das Geklecker!

Fall mir nicht auf den Wecker! Mach die Tür leise zu!

Lass mich in Ruh! Kindsein ist süß? Kindsein ist mies!

von Susanne Kilian:

3.1.1 Dieses Gedicht gehört der Gattung der Reflexionslyrik an. Typisch für diese Gattung sind Probleme, welche die Kinder hinsichtlich ihrer Lebenswelt und ihrem Erkenntnisin- teresse betreffen. Häufig möchten die Texte aufklären, informieren und zum Nachdenken anregen.12

„ Das zentrale und immer aktuelle Thema reflektierender Kinderlyrik heißt „ Eltern und Kinder “ . “ 13

[...]


[1] Harald Reger: Kinderlyrik in der Grundschule, Literaturwissenschaftliche Grundlegung - Schülerorientierte Didaktik. 3. Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 1996, S. 33.

[2] Vgl. Ursula u. Heinz-Jürgen Kliewer: Gedichte im Unterricht, Grundschule und Orientierungsstufe. Schorndorf: Schneider Verlag Hohengehren 2002, S. 19.

[3] Vgl. ebd. S. 18.

[4] Vgl. Wilhelm Steffens u. Bachmann, Doris u.a.: Das Gedicht in der Grundschule, Strukturanalysen Lernziele Experimente. Frankfurt am Main: Hirschgraben-Verlag 1973, S. 7.

[5] Vgl. Reger: Kinderlyrik in der Grundschule, S. 1.

[6] Vgl. ebd. S. 33f.

[7] Claus Forytta: Kindergedichte erleben und verstehen, Gestalten Schreiben Mit Sprache Spielen. 5. Aufl. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co 2003, S. 44.

[8] Vgl. Lyrik im Deutschunterricht. Grundlagen - Methoden - Beispiele. Hrsg. von Kurt Franz u. Rupert Hochholzer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2006, S. 72.

[9] Vgl. Forytta: Kindergedichte erleben und verstehen, S. 44.

[10] Kinderlyrik zwischen Tradition und Moderne. Hrsg. von Kurt Franz u. Hans Gärtner. Göppingen: Schneider Verlag Hohengehren 1996 (=Schriftenreihe der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V. 17), S. 7.

[11] Franz: Kinderlyrik zwischen Tradition und Moderne, S. 62.

[12] Vgl. Reger: Kinderlyrik in der Grundschule, S. 64.

[13] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
“Kinderleicht“ - Ist die „Einfachheit“ in Kindergedichten wirklich gegeben? Eine Untersuchung an Beispielen
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Veranstaltung
Verse und Reime
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V192498
ISBN (eBook)
9783656174684
ISBN (Buch)
9783656175131
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindergedichte, Einfachheit, Lebensweltbezug
Arbeit zitieren
Lisa Julius (Autor), 2012, “Kinderleicht“ - Ist die „Einfachheit“ in Kindergedichten wirklich gegeben? Eine Untersuchung an Beispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192498

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