Das Verständnis organisationaler Legitimität gilt als wichtige Grundlage auf dem Weg zur Erfassung des Verhältnisses zwischen Organisationen und ihrer Umwelt. Innerhalb dieses Forschungsgebietes lässt sich jedoch ein Ungleichgewicht zum Nachteil der kognitiven Legitimitätsdimension ausmachen. In der vorliegenden Arbeit wird sich daher diesem Ungleichgewicht angenommen, um die bisherigen Erkenntnisse im Bereich der kognitiven Legitimität zu konzeptualisieren. Auf theoretischer Ebene wird hierzu ein Modell entwickelt, welches den Zusammenhang zwischen dem Beeinflussungs- und dem Zuschreibungsprozess kognitiver Legitimität veranschaulichen soll. Anschließend wird ein Kategoriensystem erstellt, anhand dessen die bisherigen Messansätze der kognitiven Legitimität erfasst und systematisiert werden. Hierdurch wird ersichtlich, in welchem Verhältnis die Messansätze
zueinander stehen und in welchem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang sich die kognitive Legitimität befindet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Organisationale Legitimität
2.1 Legitimitätsbegriff im Kontext der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie
2.2 Dimensionen organisationaler Legitimität
2.3 Beziehungsgefüge der Dimensionen
3 Kognitive organisationale Legitimität – Konzept und Messung
3.1 Konzeptualisierung der kognitiven Legitimität
3.2 Problematik der Operationalisierung
3.3 Entwicklung eines Kategoriensystems
3.4 Analyse der Messansätze
3.4.1 Analyse des Messansatzes auf Basis der Populationsökologie
3.4.2 Analyse des Messansatzes auf individueller Ebene
3.4.3 Analyse des Messansatzes auf Basis der Sekundärforschung
3.5 Zusammenfassung und Gegenüberstellung der Messansätze
3.6 Rückschlüsse auf das Konzept der kognitiven Legitimität
4 Resümee und Ausblick auf die zukünftige Forschung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den theoretisch unterrepräsentierten Begriff der kognitiven organisationalen Legitimität zu präzisieren, bestehende Operationalisierungsansätze kritisch zu analysieren und deren Eignung für die Messung in der Praxis zu systematisieren.
- Konzeptualisierung der kognitiven Legitimität
- Analyse der Operationalisierungsproblematik
- Systematisierung empirischer Messansätze
- Untersuchung des Zuschreibungsprozesses
- Evaluierung von Legitimierungsstrategien
Auszug aus dem Buch
3.1 Konzeptualisierung der kognitiven Legitimität
Wie bereits in Kap. 2.1 beschrieben, basiert der Erfolg bzw. die Existenz einer Organisation auf deren Wahrnehmung durch die Anspruchsgruppen. Die Ordnung und Systematisierung dieser Wahrnehmungen erfolgt mittels kognitiver Prozesse (Bonazzi, 2008, S. 331). Nach Scott (1995, S. 41) werden diese kognitiven Prozesse wesentlich von den kulturellen Rahmenbedingungen beeinflusst. Der kulturelle Bezugsrahmen umfasst die von der Gesellschaft aufgestellten Annahmen über Normen, Werte und Überzeugungen (Johnson, 2006, S. 57). Die Gesellschaft bietet den Individuen unter Berücksichtigung des kulturellen Bezugsrahmens sozial konstruierte kognitive Modelle bzw. Skripte zur Erfassung und Deutung der auf sie einwirkenden Informationen (s. Kap. 2.2). Die Modelle werden von den Individuen der Gesellschaft als selbstverständlich aufgenommen und angewandt (Scott, 1994, S. 81; Walgenbach & Meyer, 2008, S. 60). Sie zeigen ihnen nicht nur, wie sie die Welt zu sehen haben, wer sie selbst sind und welche Rolle sie in dieser Welt einnehmen (Zimmerman & Zeitz, 2002, S. 420), sondern auch, wie sich die Wirklichkeit konstituiert (Scott, 1995, S. 40) und wer Bestandteil dieser Wirklichkeit sein darf (Ruef & Scott, 1998, S. 879).
Wenn es einer Organisation gelingt, bei ihren Anspruchsgruppen als sinnvoll und verständlich zu erscheinen, wird sie akzeptiert und ihr kognitive Legitimität zugesprochen (s. Kap. 2.2; Brinkerhoff, 2005, S. 4). Sinnvoll sind für die Anspruchsgruppen all jene Informationen, welche sie mit ihren kognitiven Modellen erfassen und kategorisieren können (Kostova & Zaheer, 1999, S. 75). Aufgabe der Organisation ist es daher, sich bei ihren Anspruchsgruppen bekannt zu machen und ihnen Wissen über ihre Routinen, Strukturen, Produkte und Strategien zu vermitteln (Aldrich & Fiol, 1994, S. 648, Aldrich & Martinez, 2005, S. 368).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die existenzielle Bedeutung organisationaler Legitimität ein, identifiziert das Forschungsdefizit im Bereich der kognitiven Dimension und legt die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.
2 Organisationale Legitimität: Dieses Kapitel bettet den Legitimitätsbegriff in die neoinstitutionalistische Organisationstheorie ein und differenziert zwischen verschiedenen Dimensionen sowie deren Beziehungsgefüge.
3 Kognitive organisationale Legitimität – Konzept und Messung: Hier erfolgt die zentrale theoretische Konzeptualisierung der kognitiven Legitimität sowie eine kritische Analyse der bestehenden Messansätze anhand eines entwickelten Kategoriensystems.
4 Resümee und Ausblick auf die zukünftige Forschung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und identifiziert Ansatzpunkte für weiterführende empirische Studien.
Schlüsselwörter
Kognitive Legitimität, Organisationale Legitimität, Neoinstitutionalismus, Operationalisierung, Messansätze, Anspruchsgruppen, Wissensmanagement, Populationsökologie, Legitimierungsstrategien, Soziokulturelle Umwelt, Isomorphie, Selbstverständlichkeit, Unternehmensführung, Forschungsmethodik, Empirische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kognitiven Dimension organisationaler Legitimität, ihrer theoretischen Einordnung und der systematischen Untersuchung, wie diese in der wissenschaftlichen Forschung gemessen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die neoinstitutionalistische Organisationstheorie, die Differenzierung von Legitimitätsdimensionen, den Zuschreibungsprozess durch Anspruchsgruppen sowie die kritische Aufarbeitung empirischer Messmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Begriff der kognitiven Legitimität theoretisch zu konzeptualisieren sowie den Stand der Forschung zur Messung dieser Dimension kritisch aufzuarbeiten und zu systematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Entwicklung eines Kategoriensystems, mit dessen Hilfe 17 empirische Studien hinsichtlich ihrer Operationalisierungsweise und Ergebnisse systematisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Konzeptualisierung (Zuschreibungsprozesse), der Problematik der Messbarkeit sowie der Analyse von drei spezifischen Messansätzen: der Populationsökologie, individueller Befragungen und der Sekundärforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kognitive Legitimität, Operationalisierung, Anspruchsgruppen, neoinstitutionalistische Organisationstheorie und empirische Messansätze.
Welche Rolle spielen Anspruchsgruppen im Konzept der kognitiven Legitimität?
Anspruchsgruppen sind entscheidend, da kognitive Legitimität durch deren Wahrnehmung und subjektive Interpretation von Informationen über eine Organisation entsteht und existiert.
Wie unterscheidet sich die Selbstverständlichkeit von der allgemeinen Verständlichkeit?
Die Selbstverständlichkeit stellt die höchste Ausprägung dar, bei der Handlungen einer Organisation als Teil der sozialen Umwelt nicht mehr hinterfragt werden, während Verständlichkeit lediglich die kognitive Einordnung ermöglicht.
Warum ist die Messung der kognitiven Legitimität so problematisch?
Die Messung ist komplex, da es sich um ein subjektives Konstrukt handelt, das nicht direkt beobachtbar ist und sich bei den Anspruchsgruppen teils unbewusst vollzieht.
- Arbeit zitieren
- Andreas Hangert (Autor:in), 2011, Kognitive organisationale Legitimität - Konzept und Messung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192761