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Der Erzähler in Wilhelm Raabes "Zum wilden Mann"

Titre: Der Erzähler in Wilhelm Raabes "Zum wilden Mann"

Dossier / Travail , 2011 , 13 Pages , Note: 5.5

Autor:in: David Christen (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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"Es erzählt in einfachster Art und Weise eine einfache Begebenheit, an der keine Vorsteherin eines Töchterpensionats noch ein sonstiger Moralist der herkömmlichen Gattungen den geringsten Anstoss nehmen würde, und doch sollte es polizeilich verboten werden.“
So schrieb Wilhelm Jensen 1879, fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung, über Wilhelm Raabes Novelle „Zum wilden Mann“. Was hat ihn so an dieser Erzählung gestört?
„Denn es seziert und präpariert aus der Tiefe der Menschenseele mit Schonungslosigkeit die geheimsten Nervenverzweigungen empörendster Selbstsucht hervor, dass der Leser am Schluss, ohne jegliche ethische und poetische Erhebungsmöglichkeit platt zu Boden geworfen, sich von einem Widerwillen gegen das ganze Menschengeschlecht angepackt fühlt, das solche Beispiele aus seiner Mitte hervorbringt.“
Die Handlung der Geschichte hat also in der Zeit gewisse Leute schockiert. Die Geschichte eines Mannes, der in jungen Jahren von einem obskuren Freund Geld geschenkt bekommt, sich mit diesem eine Existenz aufbaut und jetzt, über 30 Jahre später, unverhofft wieder Besuch von seinem einstigen Freund bekommt und sich nun gezwungen sieht, das Geld wieder mit Zinsen zurückzubezahlen und dadurch ruiniert ist. In der Zeit der Gründerjahre war dies ein sehr aktuelles Thema, das Aufkommen eines kaltblütigen Kapitalismus, wo Geld mehr Wert als Freundschaft hat und man nichts geschenkt bekommt. Diese „einfache Begebenheit“ entfaltet seine Wirkung, weil sie nicht moralisiert, sondern „schonungslos“ darstellt, wie in dieser neuen Zeit ein wirtschaftlich denkender Mensch automatisch die noch in der alten Werteordnung Denkenden ausnützt. Dazu kommt, dass diese „einfache Begebenheit“ in „einfachster Art und Weise“ erzählt wird, wie Jensen gleich zu Beginn des Zitats hervorhebt. Dies muss also die Wirkung der Erzählung auf ihn noch verstärkt haben. Wie diese Geschichte erzählt wird, wird nun Thema dieser Arbeit sein. Dabei wird zuerst die Erzählerfigur untersucht, dann wird die Erzählung in ihrer Zeit verortet, indem das Erzählen im Bürgerlichen Realismus angeschaut wird, in einem dritten Teil werden die verschiedenen Erzählebenen behandelt und es wird eine Hierarchie unter ihnen herausgearbeitet. Im Schlussteil wird dann die Frage beantwortet, ob die Geschichte wirklich „in einfachster Art und Weise“ erzählt wird und wie der Erzählstil zur Wirkung des Inhalts beitragen kann.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Erzählerfigur

3. Die Erzählung im Kontext des Bürgerlichen Realismus

3.1. Der Erzähler im Bürgerlichen Realismus

4. Die Erzählebenen

4.1. Hierarchie zwischen den Erzählinstanzen

5. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstruktur in Wilhelm Raabes Novelle „Zum wilden Mann“ und analysiert, inwiefern der gewählte Erzählstil die Wirkung des Inhalts und die Thematisierung gesellschaftlicher Umbrüche der Gründerjahre unterstützt.

  • Analyse der Erzählerfigur und deren Funktion im Text
  • Einordnung der Erzählung in den Epochenkontext des Bürgerlichen Realismus
  • Untersuchung der verschiedenen Erzählebenen und deren Hierarchisierung
  • Reflektion über das Verhältnis zwischen Erzähler, Leser und der fiktiven Welt

Auszug aus dem Buch

Die Erzählerfigur

Der Erzähler kommt selber in der Erzählung vor, ist also nach den Kategorien Genettes auf den ersten Blick homodiegetisch. Jedoch ist er nicht Teil der erzählten Geschichte, sondern er ist ein unbeteiligter Beobachter. Er setzt sich auf die selbe Ebene wie der Leser, was sich durch die Verwendung des Personalpronomens Wir ausdrückt. Wen er mit Wir meint, wird im ersten Kapitel erklärt. „ […] und wir, das heisst der Erzähler und die Freunde, die er aus dem deutschen Bund in den norddeutschen und aus diesem in das neue Reich mit sich hinübergenommen hat.“ Wen der Erzähler hier mit seinen Freunden meint, wird kurz darauf noch genauer ausgeführt:

„Wir suchen einfach, wie gesagt, vorerst unter Dach zu kommen und eilen rasch die sechs Stufen der Vortreppe hinauf; der Erzähler mit aufgespanntem Schirm von links, der Leser, gleichfalls mit aufgespanntem Schirm, von rechts. Schon hat der Erzähler die Tür hastig geöffnet und zieht sich den atemlosen Leser nach, und schon hat der Wind dem Erzähler den Türgriff wieder aus der Hand gerissen und hinter ihm und dem Leser die Tür zugeschlagen, daß das ganze Haus widerhallt: wir sind darin, in dem Hause sowohl wie in der Geschichte vom wilden Mann!“

Durch diese Metalepse wird nun die Metaebene, die Beziehung zwischen Erzähler und Leser, in die Erzählung mit aufgenommen. Die Funktion des Erzählers, der den Leser durch die Geschichte führt, wird explizit dargestellt. Wenn man nun das Vorkommen des Erzählers komplett als Metalepse wahrnimmt, muss man von einer heterodiegetischen Erzählung sprechen, da der Erzähler nicht in der erzählten Geschichte vorkommt, sondern nur die Metaebene, die Erzähler-Leser Ebene, in die Erzählung mit hineingenommen wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Es wird die historische Rezeption der Novelle beleuchtet und die Forschungsfrage zur Bedeutung der Erzählweise für die inhaltliche Wirkung formuliert.

2. Die Erzählerfigur: Dieses Kapitel analysiert die Rolle des Erzählers, insbesondere den Einsatz von Metalepsen und das Verhältnis zwischen der Erzähler- und Leserebene.

3. Die Erzählung im Kontext des Bürgerlichen Realismus: Die Novelle wird zeitgeschichtlich in die Ära der Gründerjahre und den ökonomischen Wandel eingeordnet.

3.1. Der Erzähler im Bürgerlichen Realismus: Es wird erörtert, wie der „auktoriale Erzähler in zurückgenommener Form“ den Anschein von Objektivität erzeugt und das Unrealistische einbettet.

4. Die Erzählebenen: Die Arbeit differenziert zwischen der Rahmen- und den Binnenerzählungen und beschreibt deren funktionale Bedeutung für das Verständnis der Handlung.

4.1. Hierarchie zwischen den Erzählinstanzen: Es wird ein Machtgefälle zwischen den Erzählern aufgezeigt, begründet durch Namensidentität, Wissensvorsprung sowie Kontrolle über Raum und Zeit.

5. Schluss: Die Untersuchungsergebnisse werden zusammengeführt und die Antwort auf die Forschungsfrage gegeben, dass die Struktur die kritische Botschaft des Werkes gezielt verstärkt.

Schlüsselwörter

Wilhelm Raabe, Zum wilden Mann, Bürgerlicher Realismus, Erzähltheorie, Metalepse, Rahmenerzählung, Erzählinstanz, Gründerjahre, Kapitalismuskritik, Erzählstruktur, Fiktionalität, Heterodiegetisch, Literaturwissenschaft, Narratologie, Wissensüberlegenheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzähltechnik und die Erzählstruktur in Wilhelm Raabes Novelle „Zum wilden Mann“ und untersucht, wie diese Gestaltungsmittel die inhaltliche Botschaft des Werkes beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Erzählerfigur, die Einordnung des Werkes in den Bürgerlichen Realismus, die Analyse von Erzählebenen (Rahmen- und Binnenerzählung) sowie die Hierarchisierung zwischen den beteiligten Erzählinstanzen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Geschichte tatsächlich „in einfachster Art und Weise“ erzählt wird und wie der spezifische Erzählstil zur kritischen Wirkung des Inhalts beiträgt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es wird eine erzähltheoretische Analyse auf Basis der Kategorien von Gérard Genette sowie literaturwissenschaftliche Konzepte zum Bürgerlichen Realismus angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Erzählers als Beobachter, die Kontextualisierung im Realismus sowie eine detaillierte Analyse der Hierarchien und Erzählebenen im Text.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Metalepse, Rahmenerzählung, Wissensüberlegenheit, Realitätskonzeption und Fiktionalitätssignal.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Erzählers von der eines Ich-Erzählers?

Der Erzähler tritt zwar als „Wir“ auf und nimmt an der Metaebene teil, ist jedoch kein Teil der erzählten Geschichte (Diegesis), was ihn nach den Kriterien der Arbeit eher als heterodiegetischen Erzähler ausweist.

Welche Rolle spielt die „Hierarchie“ zwischen den Erzählern?

Der anonyme Gesamterzähler steht über den intradiegetischen Erzählern (Kristeller und Agonista), was sich in seiner absoluten Macht über Raum, Zeit und die Vermittlung von Wissen manifestiert.

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Résumé des informations

Titre
Der Erzähler in Wilhelm Raabes "Zum wilden Mann"
Université
University of Basel
Note
5.5
Auteur
David Christen (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
13
N° de catalogue
V192892
ISBN (ebook)
9783656180500
ISBN (Livre)
9783656181156
Langue
allemand
mots-clé
Wilhelm Raabe Zum Wilden Mann Novelle Poetischer Realismus
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
David Christen (Auteur), 2011, Der Erzähler in Wilhelm Raabes "Zum wilden Mann", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192892
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Extrait de  13  pages
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