„Er hat das Gebäude des europäischen Sports, das auf festem Fundament zu ruhen
schien, mit großem Knall in die Luft gejagt.“ (www.spiegel.de)
Mit diesen Worten wurde der belgische Profifußballspieler, Jean-Marc Bosman, in den 90
Jahren beschrieben. Der Grund für diese Beschreibung war die Klage gegen sein ehemaligen
Verein, den belgischen Fußballbund und schließlich auch gegen den europäischen
Fußballverband, die so viel Aufsehen erregt, dass sogar der Europäische Gerichtshof der
Gemeinschaften letztinstanzlich entscheiden musste. Die daraus resultierende Aufhebung der
Ausländerklausel und die Nichtigkeit der bis dato gültigen Transferregelungen, sorgten
nahezu für eine Revolution im bezahlten Sport. Überraschend für die Vereine war vor allem,
dass das Urteil mit sofortiger Wirkung ausgesprochen wurde und so viele sogar den
Untergang der nationalen Sportsysteme befürchteten. Doch wie kam es dazu, dass eine
belgische Zivilklage mit sportlichem Hintergrund bis zum Europäischen Gerichtshof kommt?
Ist der Europäische Gerichtshof dafür überhaupt zuständig? Und was hatte das Urteil für
Auswirkungen auf den Profisport?
Um diese Fragen beantworten zu können, müssen erst die Strukturen des Europäischen
Gerichtshofs durchleuchtet und erklärt werden. Darüber hinaus muss geklärt werden, ob der
Europäische Gerichtshof überhaupt das Unionsrecht anwenden durfte und wenn ja was für
Ursachen und welche Bedingungen zum Bosman-Urteil geführt haben.
Gegenstand meiner Darstellung wird sein, den Europäischen Gerichtshof in seinem Aufbau
und seiner Verfahrensweise darzustellen, um dann anschließend das Bosman-Urteil zu
erläutern und die daraus resultierenden Auswirkungen darzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften
2.1 Zusammensetzung
2.2 Zuständigkeit und Verfahren
2.3 Wahrung der Rechtseinheit
3. Das Bosman-Urteil
3.1 Freizügigkeit von Berufsfußballspielern
3.2 Das Bosman-Urteil vom Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften
3.3 Auswirkungen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Transformation des Profisports durch das Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Im Zentrum steht die Analyse, wie der EuGH durch die Anwendung des Unionsrechts – insbesondere der Freizügigkeit von Arbeitnehmern – die bis dato bestehenden Transferregelungen und Ausländerklauseln in den Verbandssatzungen für unanwendbar erklärte und damit den Sport als Wirtschaftsraum unter europäisches Recht stellte.
- Strukturen und Arbeitsweise des Europäischen Gerichtshofs
- Rechtliche Grundlagen der Freizügigkeit von Arbeitnehmern im Sport
- Die Auswirkungen der Aufhebung von Ausländerklauseln und Transferregeln
- Veränderung des Profifußballs und der finanziellen Strukturen in Vereinen
- Bedeutung des Unionsrechts für privatrechtlich organisierte Sportverbände
Auszug aus dem Buch
3.1 Freizügigkeit von Berufsfußballspielern
Der belgische Fußballprofi Jean-Marc Bosman stand von 1988 bis 30. 6 1990 beim Erstligist RFC Lüttich unter Vertrag, der ihm ein durchschnittliches Monatsgehalt von 120000 Belgischen Francs einschließlich Prämien sicherte. Am 21. 4. 1990 bot der RFCL Herrn Bosman einen neuen Vertrag für die kommende Saison an, nach dem sein Monatsgehalt auf 30000 Belgische Francs, den in der Verbandssatzung der Union royale belge des societes de football association (URBSFA) vorgesehenen Mindestbetrag, verringert wurde. Nachdem Herr Bosman es ablehnte den Vertrag zu unterschreiben, wurde er auf die Transferliste gesetzt. Die Ausbildungsentschädigung wurde, gemäß der Satzung des URBSFA, auf 11743000 Belgische Francs datiert.
Da der RFCL sich unsicher war über die Liquidität der US Dünkirchen, unterließ er es, bei der URBSFA die Übermittlung des Freigabescheins an die FFF zu beantragen. So wurden beide Verträge für nichtig erklärt. Ergänzend kam hinzu, dass der RFCL den Spieler Bosman am 31. 7. 1990 sperrte und ihn somit hinderte an der Saison teilzunehmen.
Am 8. 8. 1990 erhob Herr Bosman beim Tribunal de Premiere Instance Lüttich Klage gegen den RFCL. Simultan stellte er einen Antrag auf einstweilige Anordnung, der zum einen darauf zielte, den RFCL und die URBSFA zu verurteilen, ihm einen monatlichen Vorschuss von 100000 Belgischen Francs zu zahlen, bis er einen anderen Verein findet, zum anderen, den Arbeitgeber zu untersagen, seine Einstellung - insbesondere durch Verlangen einer Geldsumme - zu behindern, und abschließend, dem Gerichtshof eine Frage zur Vorabentscheidung vorzulegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Fall Jean-Marc Bosman ein und skizziert die wissenschaftliche Relevanz des Urteils für die Rechtsordnung des Sports und die Zuständigkeit des EuGH.
2. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften: Dieses Kapitel erläutert den organisatorischen Aufbau, die personelle Zusammensetzung sowie die Zuständigkeiten und Verfahrensweisen des EuGH als Hüter des Unionsrechts.
3. Das Bosman-Urteil: Hier erfolgt eine detaillierte Aufarbeitung des Falls, der gerichtlichen Auseinandersetzungen, der dogmatischen Begründung des EuGH zur Freizügigkeit sowie der ökonomischen Konsequenzen für den europäischen Profisport.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass sich das Profisport-System entgegen vieler Untergangsszenarien angepasst hat und die Unterordnung des Sports unter das Unionsrecht ein fundamentaler Fortschritt für die Freizügigkeit der Sportler war.
Schlüsselwörter
Bosman-Urteil, Europäischer Gerichtshof, Freizügigkeit, Unionsrecht, Transferregelungen, Ausländerklausel, Sportrecht, Profifußball, Arbeitsrecht, Europäische Union, Wirtschaftsrecht, Wettbewerbsrecht, Rechtseinheit, Berufsfußballer, Unionsbürger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die juristischen Hintergründe und Folgen des wegweisenden Bosman-Urteils, das den Sport als Wirtschaftsraum in den Anwendungsbereich des EU-Rechts rückte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Arbeitsweise des Europäischen Gerichtshofs, den Grundfreiheiten des Unionsrechts und deren Auswirkungen auf die Organisationsautonomie von Sportverbänden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie der EuGH durch die Aufhebung von Transferbeschränkungen und Ausländerquoten die Freizügigkeit von Berufssportlern rechtlich durchsetzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten juristischen Analyse von Rechtsprechung und Literatur zum Unionsrecht sowie deren Anwendung auf den konkreten Fall Bosman.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Darstellung des Gerichtshofs, die chronologische Aufarbeitung des Falls Bosman und die anschließende kritische Reflexion der Folgen für den Profisport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Bosman-Urteil, Freizügigkeit, EuGH, Transferregelungen, Ausländerklausel und europäisches Wirtschaftsrecht.
Warum war das Bosman-Urteil so revolutionär?
Es durchbrach das Selbstverständnis von Fußballverbänden als „Subsystem“, das außerhalb nationaler oder europäischer Rechtsnormen operieren könne, und stärkte die Rechte der Spieler massiv.
Wie veränderte sich die finanzielle Situation der Vereine durch das Urteil?
Da Ablösesummen bei Vertragsende entfielen, stiegen die Handgelder für Spieler, was insbesondere kleinere und mittlere Vereine vor neue wirtschaftliche Herausforderungen stellte.
- Quote paper
- Jesse Bochert (Author), 2012, Wie der Europäische Gerichtshof den bezahlten Sport revolutionierte - Das Bosman-Urteil und seine Auswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192931