Sind Grundschüler mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) gegenüber den einsprachig deutschen Schülern beim schulischen Englischerwerb im Vor- oder Nachteil? Zur Beantwortung dieser Frage werden Theorien und Befunde der Zweit- und Drittsprachenforschung sowie Schulleistungsvergleiche im Fach Englisch herangezogen.
Neben Annahmen der Sprachwissenschaft zeigten besonders ELSNER sowie Ergebnisse der DESI-Studie Folgendes: Bilinguale Schüler können im Englischunterricht gleichwertige oder bessere Leistungen zeigen als ihre monolingualen Mitschüler, also von ihrer Mehrsprachigkeit profitieren. Allerdings ist dies u.a. vom Kompetenzniveau in ihrer Erstsprache (L1) sowie in der Zweitsprache (L2) Deutsch abhängig.
Daran anknüpfend sollen im Folgenden zwei Beispiele für den Englischunterricht der sechsten Klassenstufe zum Themenbereich Adjektive gezeigt werden, die Sprachkompetenzen in der Schulfremdsprache Englisch fördern, gleichzeitig aber auch Schüler mit Sprachförderbedarf im Bereich DaZ in ihrem Deutschlernen unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kontrastive Grammatikübung zu den Vergleichsformen der Adjektive
2.1 Sachanalyse des grammatischen Phänomens
2.2 Didaktische Überlegungen
2.3 Methodischer Kommentar zum Ablauf der Übung
3 Wortschatzübung zum Themenfeld ‚feelings‘
3.1 Sachanalyse des Wortschatzes
3.2 Didaktische Überlegungen
3.3 Methodischer Kommentar zum Ablauf der Übung
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Grundschüler im Englischunterricht durch einen kontrastiven Ansatz gezielt gefördert werden können, wobei insbesondere die Integration von DaZ-Aspekten (Deutsch als Zweitsprache) im Vordergrund steht, um bilinguale Potenziale zu nutzen und Sprachkompetenzen in beiden Sprachen zu stärken.
- Kontrastive Analyse englischer und deutscher Vergleichsformen der Adjektive.
- Vertiefung des Wortschatzes zum Themenfeld 'feelings' mittels pantomimischer Darstellungen.
- Einsatz von spielerischen Methoden zur Förderung der aktiven Sprachproduktion.
- Berücksichtigung emotionaler und situativer Identifikationsrahmen für Schüler.
- Verknüpfung von kognitiven Lerninhalten mit DaZ-Förderbedarf.
Auszug aus dem Buch
2.1 Sachanalyse des grammatischen Phänomens
Zu den meisten Adjektiven lassen sich Vergleichsformen (oder Komperationsformen) bilden. Die Bildung der Vergleichsformen wird auch Steigerung oder Komparation genannt. Dabei gibt es drei Stufen: den Positiv (Grundstufe, z.B. young bzw. jung), den Komparativ (Höherstufe, z.B. younger bzw. jünger) und den Superlativ (Höchststufe, z.B. the youngest bzw. am jüngsten) (vgl. GALLMANN, LOOSER, SITTA, 2006: 219).
Im Englischen wird grundsätzlich zwischen der synthetischen und analytischen Steigerung unterschieden. Alle einsilbigen Adjektive sowie zweisilbigen Adjektive, die auf -y enden, werden nach dem synthetischen Muster gesteigert: An den Komparativ wird die Endung -er und an den Superlativ die Endung -est angehangen (vgl. GELFERT, 2003: 102; HOFFMANN, HOFFMANN, 2001: 143).
Beispiele: old - older - oldest (Positiv einsilbig)
happy - happier - happiest (Positiv zweisilbig, auf -y endend)
Bei bestimmten Adjektiven ergeben sich im Rahmen der synthetischen Steigerung orthografische bzw. phonologische Besonderheiten: Ein -e am Ende des Adjektivs wird beim Anhängen von -er / -est gestrichen. Bei einsilbigen Adjektiven werden die Endbuchstaben -d, -g, -n, -t nach kurzem a, e, i, o verdoppelt. Bei zweisilbigen Adjektiven mit der Endung -y, wandelt sich das -y zu einem -i.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Vor- oder Nachteilen bilinguale Grundschüler beim Englischlernen und leitet zur didaktischen Zielsetzung der Arbeit über.
2 Kontrastive Grammatikübung zu den Vergleichsformen der Adjektive: Dieses Kapitel erläutert die grammatikalischen Regeln der Steigerung im Englischen und Deutschen und stellt ein didaktisches Konzept zur kontrastiven Übung vor.
2.1 Sachanalyse des grammatischen Phänomens: Hier werden die linguistischen Grundlagen der synthetischen und analytischen Steigerung im Englischen sowie die entsprechenden Besonderheiten im Deutschen detailliert beschrieben.
2.2 Didaktische Überlegungen: Es wird begründet, wie kontrastives Vorgehen im Grammatikunterricht genutzt werden kann, um Sprachkompetenzen in Englisch und Deutsch bei Schülern mit Förderbedarf zu entwickeln.
2.3 Methodischer Kommentar zum Ablauf der Übung: Dieses Kapitel beschreibt die praktische Umsetzung der Grammatikübungen im Unterricht, inklusive der Arbeitsformen und der Nutzung von Hilfsmitteln.
3 Wortschatzübung zum Themenfeld ‚feelings‘: Fokus dieses Kapitels ist die Wiederholung und Vertiefung von Adjektiven zum Themenbereich Gefühle durch spielerische Ansätze.
3.1 Sachanalyse des Wortschatzes: Es erfolgt eine tabellarische Auflistung des Zielwortschatzes sowie eine Analyse möglicher Ausspracheschwierigkeiten beim Sprechen.
3.2 Didaktische Überlegungen: Die didaktische Einbettung des Wortschatzes in pantomimische Spielformen zur ganzheitlichen Sprachförderung wird hier theoretisch untermauert.
3.3 Methodischer Kommentar zum Ablauf der Übung: Das Kapitel erläutert die Durchführung des 'feelings'-Spiels, inklusive der Nutzung von Feeling Cards und einem Sprachenwürfel.
4 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion der verfolgten Prinzipien der integrativen DaZ-Förderung und emotionalen Einbindung der Lernenden.
Schlüsselwörter
Englischunterricht, Grundschule, Deutsch als Zweitsprache, DaZ-Förderung, Kontrastive Grammatik, Steigerung, Adjektive, Wortschatzarbeit, Mehrsprachigkeit, Sprachenlernen, Didaktik, Fremdsprachenerwerb, Sprachproduktion, Sprachreflexion, Kommunikative Fertigkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt Unterrichtsentwürfe für den Englischunterricht in der Grundschule, die gleichzeitig die Deutschkenntnisse von Schülern mit DaZ-Hintergrund (Deutsch als Zweitsprache) fördern sollen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die kontrastive Grammatik (Steigerung von Adjektiven) und die spielerische Wortschatzarbeit zum Themenfeld Gefühle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Fremdsprachenunterricht in Englisch integrativ zu gestalten, sodass DaZ-Schüler von ihrem Sprachwissen profitieren und ihre Kompetenzen in beiden Sprachen gezielt ausbauen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein kontrastiver Ansatz gewählt, der linguistische Sachanalysen mit didaktischen Reflexionen verbindet, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Zielsprachen für Lernende nutzbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in konkrete Übungsentwürfe zu Grammatik und Wortschatz, jeweils ergänzt durch Sachanalysen, didaktische Begründungen und methodische Kommentare für die Lehrkraft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Englischunterricht, Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Kontrastive Grammatik, Mehrsprachigkeitsdidaktik und ganzheitliche Wortschatzarbeit.
Wie unterscheidet sich die Steigerung von Adjektiven im Englischen und Deutschen laut der Arbeit?
Während im Englischen zwischen synthetischer und analytischer Steigerung (z.B. mit 'more') unterschieden wird, erfolgt die Steigerung im Deutschen primär durch Suffixe (-er/-st), wobei zusätzlich eine Flexion nach Kasus, Numerus und Genus stattfindet.
Welche Rolle spielt der Sprachenwürfel im Wortschatzspiel?
Der Sprachenwürfel dient als Zufallsprinzip, um festzulegen, ob die Schüler ein pantomimisch dargestelltes Gefühl auf Englisch oder auf Deutsch benennen müssen, was eine fließende Integration von DaZ-Förderung ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Annegret Gelbrecht (Autor:in), 2012, Übungen für den Englischunterricht der Grundschule mit integrierter Deutsch als Zweitsprache-Förderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192950