Vor dem Hintergrund aktueller globaler Entwicklungen und einem damit einhergehenden steigenden Innovationsdruck für Unternehmen, widmet sich diese Bachelor-Thesis der Frage, inwiefern Base of the Pyramid-Märkte als unternehmensexterne Quelle für Geschäftsmodellinnovationen geeignet sind.
Die Forschungsfrage wird durch eine empirische Exploration in zwei Schritten mittels einer Expertenbefragung beantwortet. Im ersten Schritt wird dabei versucht, ein umfassendes Verständnis für Base of the Pyramid-Märkte und die darin vorherrschenden Marktbedingungen zu generieren. Den zweiten Schritt bildet der Transfer der Erkenntnisse in Top of the Pyramid-Märkte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Base of the Pyramid-Märkte interessante Impulse für Geschäftsmodellinnovationen vor allem im Hinblick auf einen geringen Ressourcenverbrauch und niedrigen Kapitalaufwand bieten können.
„Die innovative Kraft des Mangels“ – der Titel dieser Arbeit wurde inspiriert durch die Ausgangsüberlegung, dass Armutsmärkte eine gewisse Vorbildfunktion für einkommensstarke Märkte bezüglich der Gestaltung von innovativen Geschäftsmodellen einnehmen könnten, da dort mit einem allgegenwärtigen Mangel an Ressourcen und Kapital umgegangen werden muss.
Diese Fragestellung wurde auch teilweise in der Einleitung durch das Aufzeigen eines zunehmenden direkten Handlungsdrucks auf die Unternehmen westlicher Industriestaaten begründet. Allerdings gibt es in den Ländern mit hohem Einkommen derzeit keinen beobachtbaren signifikanten Mangel an Ressourcen, Kapital, Nahrung oder Infrastruktur. Warum sollte also die Beschäftigung damit notwendig und von akuter Relevanz sein?
Die Antwort auf diese Frage liegt vielleicht nicht direkt in der unternehmensinternen Perspektive, jedoch wird sie umso evidenter, je globaler man den Blick öffnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Eingrenzung des Forschungsphänomens
2.1 Grundlegende Definitionen
2.1.1 Geschäftsmodell
2.1.2 Geschäftsmodellinnovation
2.2 Das Konzept der Base of the Pyramid
2.3 Geschäftsmodelle in Base of the Pyramid-Märkten
2.4 Theoretische Herleitung der Forschungsfrage
3. Konzeption und Durchführung der empirischen Studie
3.1 Auswahl der Forschungsmethode
3.2 Datenerhebung
3.2.1 Auswahl der Interviewpartner
3.2.2 Entwicklung des Interviewleitfadens
3.2.3 Durchführung der Interviews
3.2.4 Transkription der Interviews
3.3 Datenanalyse und Interpretation
3.3.1 Entwicklung eines Analyserasters
3.3.2 Datenextraktion und Analyse
3.3.3 Das Business Model Canvas als Analysewerkzeug
3.3.4 Interpretation der Daten
4. Empirische Befunde zu Base of the Pyramid-Märkten als Quelle für Geschäftsmodellinnovationen
4.1 Untersuchungsblock 1: Geschäftsmodelle in Base of the Pyramid-Märkten
4.1.1 Entstehung und Gründer von Base of the Pyramid-Geschäftsmodellen
4.1.2 Inhaltliche Betrachtung von Base of the Pyramid-Geschäftsmodellen
4.1.3 Innovationsgrad von Base of the Pyramid-Geschäftsmodellen
4.2 Zwischenfazit: Bestätigung der Grundannahmen
4.3 Untersuchungsblock 2: Base of the Pyramid-Märkte als Quelle für Geschäftsmodellinnovationen
4.3.1 Direkte Übertragung von Geschäftsmodellen aus Base of the Pyramid-Märkten
4.3.2 Branchenübergreifende Potenziale
4.3.3 Branchenspezifische Potenziale
4.4 Einschränkungen
5. Ableitung von Hypothesen
6. Zusammenfassung und Diskussion
6.1 Zusammenfassung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse
6.2 Limitation des gewählten Forschungsansatzes
6.3 Forschungsausblick
6.4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, inwiefern Märkte an der Basis der Welteinkommenspyramide (Base of the Pyramid, BoP) als unternehmensexterne Quelle für Geschäftsmodellinnovationen in Industrienationen (Top of the Pyramid, ToP) dienen können, um dort als Antwort auf Innovationsdruck und Ressourcenknappheit neue Impulse zu setzen.
- Charakterisierung von Geschäftsmodellen in BoP-Märkten und deren Entstehungsbedingungen
- Analyse der Übertragbarkeit von BoP-Geschäftsmodellen auf ToP-Märkte
- Identifikation branchenübergreifender und branchenspezifischer Innovationspotenziale
- Untersuchung der Rolle von "Market Constraints" als Katalysator für Kreativität
- Ableitung von Hypothesen zur Innovationsgenerierung durch kognitive Distanz
Auszug aus dem Buch
Die innovative Kraft des Mangels
Der entscheidende Erfolgsfaktor, der alle drei Beispiel-Unternehmen verbindet, ist, dass sie einen Weg gefunden haben, ihre Produkte und Dienstleistungen dem untersten Segment der Welteinkommenspyramide, der sogenannten Base of the Pyramid (BoP) (vgl. Kapitel 2.2), zugänglich zu machen. Dazu war aufgrund des beinahe „chronischen Mangels“ an Kapital, Infrastruktur, natürlichen Ressourcen oder ausgebildeten Fachkräften, der in der Regel in diesen Armutsmärkten vorherrscht, ein radikales Umdenken in Bezug auf die Organisation der Wertschöpfungsketten notwendig (vgl. Webb et al., 2009). Während diese Mangelversorgung in BoP-Märkten früher als Ausgangspunkt und Anlass zum „Helfen durch Spenden“ gesehen wurde (vgl. Easterly, 2007), herrscht heutzutage die Meinung vor, dass genau aus diesen Extrembedingungen ein „zischender Cocktail an Kreativität“ (The Economist, 2010: 2) emergieren und eine Katalysatorwirkung auf die Entstehung von Geschäftsmodellinnovationen ausüben kann (vgl. Baiyere/ Roos, 2011; Prasad/ Ganvir, 2005; Budinich, 2005).
Zusammenfassend stehen sich also ein wachsender Innovationsdruck bei den Unternehmen aus westlichen Industriestaaten (im Folgenden auch Top of the Pyramid-Märkte genannt) und die Annahme eines sehr hohen innovativen Potenzials von Base of the Pyramid-Märkten gegenüber, woraus sich folgende Überlegung ableiten lässt: Wenn es in Base of the Pyramid-Märkten gelingt, erfolgreiche Geschäftsmodelle unter den dort vorherrschenden Bedingungen von begrenztem Kapital und knappen Ressourcen zu entwickeln, so sollten doch gerade diese Märkte ein geeignete Ideenquelle für Geschäftsmodellinnovationen in Top of the Pyramid-Märkten darstellen und Impulse liefern können, wie mit den zu Beginn beschriebenen globalen Herausforderungen zukünftig umgegangen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung des Innovationsdrucks für Unternehmen in Industrieländern ein und schlägt BoP-Märkte als potenzielle Quelle für Geschäftsmodellinnovationen vor.
2. Theoretische Eingrenzung des Forschungsphänomens: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Geschäftsmodell und Geschäftsmodellinnovation und erläutert das Konzept der Base of the Pyramid sowie den aktuellen Forschungsstand dazu.
3. Konzeption und Durchführung der empirischen Studie: Hier wird das explorative Forschungsdesign vorgestellt, welches Experteninterviews und eine qualitative Inhaltsanalyse umfasst, um die Forschungsfrage datenbasiert zu untersuchen.
4. Empirische Befunde zu Base of the Pyramid-Märkten als Quelle für Geschäftsmodellinnovationen: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Expertenbefragung, unterteilt in die Entstehung und inhaltliche Betrachtung von BoP-Geschäftsmodellen sowie deren Übertragungspotenziale auf ToP-Märkte.
5. Ableitung von Hypothesen: Basierend auf den empirischen Befunden werden Hypothesen formuliert, die den Zusammenhang zwischen Marktkontexten, Pfadabhängigkeiten und Innovationspotenzialen beschreiben.
6. Zusammenfassung und Diskussion: Das letzte Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen, reflektiert die Limitationen des Forschungsansatzes und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Base of the Pyramid, Geschäftsmodellinnovation, Innovationsmanagement, Armutsmärkte, Market Constraints, unternehmensexterne Wissensquellen, Co-Creation, Necessity Entrepreneurship, Opportunity Entrepreneurship, soziale Innovation, Geschäftsmodelltransfer, Ressourcenknappheit, radikale Neukombination, explorative Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelor-Thesis untersucht, ob und inwieweit Märkte an der Basis der Welteinkommenspyramide (BoP-Märkte) als Inspirationsquelle für innovative Geschäftsmodelle von Unternehmen in Industrieländern dienen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf Geschäftsmodellinnovationen, das Base of the Pyramid-Konzept, die Bedeutung von Ressourcenknappheit für unternehmerische Kreativität sowie die Herausforderungen bei der Übertragung von Geschäftsideen zwischen unterschiedlichen Wirtschaftskontexten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, eine Forschungslücke im Bereich der externen Geschäftsmodellinnovationsgenerierung zu schließen und praktische Implikationen aufzuzeigen, wie Unternehmen aus "Market Constraints" (Mangelbedingungen) innovative Ideen ableiten können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein explorativer Forschungsansatz gewählt, der auf Experteninterviews mit zehn Akteuren aus Wissenschaft und Praxis sowie einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Untersuchungsblöcke: Erstens die Analyse der Entstehung und Struktur von BoP-Geschäftsmodellen und zweitens deren Übertragungspotenziale in ToP-Märkte sowie die dabei auftretenden Einschränkungen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Base of the Pyramid", "Geschäftsmodellinnovation", "Market Constraints" und "Co-Creation".
Welche Rolle spielt das Fallbeispiel "Chido's Mushrooms"?
Das Unternehmen dient als konkretes, empirisches Fallbeispiel für den Transfer einer in Simbabwe entwickelten Idee in den deutschen Markt, um die theoretischen Überlegungen zur Übertragbarkeit und notwendigen Anpassung von Geschäftsmodellen praktisch zu illustrieren.
Warum sind westliche Unternehmen oft skeptisch gegenüber BoP-Innovationen?
Experten wiesen auf hohe kognitive Distanzen, unterschiedliche regulatorische Anforderungen, etablierte Pfadabhängigkeiten in Industrieländern und das Risiko hin, dass viele BoP-Lösungen als zu disruptiv oder nicht "High-Tech" genug wahrgenommen werden.
- Citar trabajo
- Laura Aline Bechthold (Autor), 2011, Die innovative Kraft des Mangels. Empirische Exploration über die Eignung von Base of the Pyramid-Märkten als Quelle für Geschäftsmodellinnovationen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192984