1.Einleitung
Schon Minuten nach der Geburt erfahren die Eltern, ob sie ein Mädchen oder ei-nen Jungen zur Welt gebracht haben. Unsere Genitalien sind entscheidend für unsere zukünftige Sozialisation. Eine Frau lernt andere Einstellungen, Normen und Verhaltensweisen kennen als ein Mann. Von beiden Geschlechtern wird unterschiedliches erwartet, so dass es auch in dem Bereich des „doing gender“ große Unterschiede gibt. Es ist nur logisch, dass beide Geschlechter, wenn sie in eine Lebenssituation geraten, in der sie Hilfe benötigen, unterschiedlich reagieren. So nimmt eine Frau weitaus häufiger professionelle Hilfe an als ein Mann, der erst zu einem Berater kommt, wenn es wirklich gar nicht mehr geht.
Es soll in der vorliegenden Arbeit auf den Unterschied der beiden Geschlechter in einer Beratung eingegangen werden. Dazu erfolgt zunächst eine Definition des Begriffs Geschlecht und die Bedeutung dieser Dimension in der Beratung. Es schließt sich eine Definition des Beratungsbegriffs an. So dann gehe ich auf die Beratung von Frauen ein. Hierunter fällt die Hierarchie im Beratungsprozess, die Erfahrung von Frauen mit Gewalt, sexuellem Missbrauch und Traumatisierungen. Weitere Punkte sind das Beratungssetting und die Empowermentprozesse von und für Frauen. Dann wird speziell auf die Beratung von Männern eingegangen. Hier wird ein Bild des Mannes gezeigt, wie es die heutige Gesellschaft von einem Mann hat. Des Weiteren wird der Punkt männliche Lebensbewältigung und Beratung angesprochen. Zuletzt gehe ich auf die Prinzipien der Männerberatung ein. Die Arbeit schließt mit meinem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Definition und Bedeutung der Dimension Geschlecht
2.2 Definition Beratung
3. Die Beratung von Frauen
3.1 Hierarchien im Beratungsverhältnis
3.2 Gewalt, sexueller Missbrauch, Traumatisierung
3.3 Beratungssettings
3.4 Empowermentprozesse
4. Die Beratung von Männern
4.1 Wie Männer sein sollen
4.2 Männliche Lebensbewältigung und Beratung
4.3 Prinzipien der Männerberatung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Beratungspraxis, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche Sozialisationsprozesse und Rollenbilder das Hilfesuchverhalten sowie den Beratungsprozess beeinflussen. Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse von Frauen und Männern zu entwickeln, um Barrieren in der psychosozialen Unterstützung abzubauen.
- Die Bedeutung der Kategorie "Geschlecht" im Kontext der Beratung.
- Herausforderungen in der Beratung von Frauen, insbesondere im Umgang mit Gewalterfahrungen und Empowerment.
- Das gesellschaftliche Idealbild des Mannes und dessen Auswirkungen auf das Hilfesuchverhalten.
- Methodische Prinzipien einer geschlechtersensiblen Männerberatung zur Stabilisierung des Selbst.
Auszug aus dem Buch
4.1 Wie Männer sein sollen
„Der ideale Mann", so der Titel einer Sendung im SWR-Nachtcafe. Der ideale Mann gleicht der nie gesehenen eierlegenden Wollmilchsau. Der ideale Mann, verdient gutes Geld, liebt seine Partnerin grenzenlos, liest ihr jeden Wunsch von den Lippen oder den Augen ab, kümmert sich vorbildlich um seine maximal zwei Kinder, hilft der Frau im Haushalt zu mindestens 50 Prozent, kümmert sich darüber hinaus noch um die Pflege und Reparatur des Autos, hält Haus und Garten in Schuss, ist in seiner Firma beliebt. Der ideale Mann hat keine abartigen sexuellen Neigungen, guckt keinen anderen Frauen hinterher, surft nicht im Internet auf Pornoseiten, ist selbstredend nicht pädophil, hinterfragt nicht die Wünsche und Forderungen seiner Frau und seiner Mutter. Er schenkt seiner Frau zu ihrem Geburtstag ein Geschenk nicht unter 300 Euro, ist immer schick gekleidet und dezent parfümiert. Der ideale Mann hat kein burn out und landet niemals in der Praxis, stirbt rechtzeitig vor seiner Frau und hinterlässt ihr ein gut gefülltes Konto und eine ordentliche Witwenrente.“ (Peter Thiel, www.männerberatung.de zitiert nach Brähler/Mehrbach(2004): Warum sterben Männer früher? In: Psychomed 16/1, 4-11 )
Dieser Auszug stammt von der Homepage von Peter Thiel, einem Systemischen Berater und Systemischen Therapeuten. Die Zeilen mögen unterhaltsam sein, doch tatsächlich spiegeln sie sehr gut die Anforderungen, die an einen „idealen Mann“ gestellt werden wider. Oft und in Zusammenhang mit der Emanzipation hört man davon, dass Frauen das Problem haben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Der Mann wird dabei völlig vergessen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die geschlechtsspezifischen Sozialisationsunterschiede und deren Einfluss auf die professionelle Inanspruchnahme von Beratungsangeboten.
2. Definitionen: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Grundlagen der Begriffe "Geschlecht" (Sex/Gender) sowie "Beratung" unter Berücksichtigung ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit.
3. Die Beratung von Frauen: Dieser Abschnitt thematisiert das Machtgefälle, den Umgang mit Traumata und die Bedeutung von Beratungssettings und Empowerment für die Zielgruppe Frauen.
4. Die Beratung von Männern: Hier werden die gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an Männer, die Hürden bei der Inanspruchnahme von Hilfe sowie spezifische Prinzipien der Männerberatung analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz einer geschlechtersensiblen Beratung zusammen und betont die Notwendigkeit, Männern in Krisensituationen angemessen zu begegnen.
Schlüsselwörter
Beratung, Geschlecht, Sozialisation, Doing Gender, Empowerment, Männerberatung, Gewalterfahrung, Lebensbewältigung, Machtverhältnisse, Geschlechterrolle, Psychosoziale Beratung, Selbstbild, Hilfesuchverhalten, Traumatisierung, Männer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern im Kontext der professionellen Beratung und untersucht, wie soziale Rollenerwartungen das Verhalten von Klienten prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Geschlecht, die spezifischen Anforderungen in der Frauenberatung sowie die Schwierigkeiten und Prinzipien bei der Beratung von Männern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Herangehensweise in der Beratung aufzuzeigen, um sowohl Frauen als auch Männer bei der Bewältigung ihrer Lebenskrisen optimal zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Definitionen mit sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Ansätzen der Beratungsarbeit verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Begriffsbestimmung, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Beratungssituation für Frauen (Hierarchien, Gewalt) und Männer (Idealbilder, Lebensbewältigung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Geschlechterrolle, Empowerment, Externalisierung von Problemen und psychosoziale Unterstützung geprägt.
Warum fällt es Männern laut Arbeit oft schwerer, Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Männer sind oft darauf sozialisiert, Leistung zu bringen und Gefühle zu kontrollieren; Hilfeinanspruchnahme wird häufig als „männeruntypisch“ oder als persönliches Scheitern wahrgenommen.
Wie definiert die Autorin den "idealen Mann" im Beratungsprozess?
Sie nutzt ein Zitat über den „idealen Mann“ als Symbol für eine unerreichbare Erwartungshaltung, die bei Männern zu massivem Leidensdruck führen kann.
Welche Rolle spielt die „Externalisierung“ in der Männerberatung?
Externalisierung beschreibt hier den Prozess, in dem innere Hilflosigkeit oder Gefühle der Ohnmacht nach außen (z. B. durch Gewalt) projiziert werden, anstatt sie als Teil der eigenen Krise anzuerkennen.
Was bedeutet das Prinzip der „Trennung von Person und Problem“?
Es dient dazu, Klienten bei einer Krise (z.B. Trennung) davon zu entlasten, ihr Scheitern als Resultat ihrer gesamten Persönlichkeit zu sehen, um eine stabilere Identität zu fördern.
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- Ulla Nachtigall (Author), 2011, Beratung und Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193385