Der Einfluß von Schnee, Eismassen und Gletschern auf die Landschaftsformen der Erde ist ein wichtiger Forschungsbereich in der Geomorphologie. Im Verlauf der Erdgeschichte war die Erdoberfläche unterschiedlich stark von Eis bedeckt. Der Wandel der
vorherrschenden Klimabedingungen auf der Erde bedingt sowohl das Abschmelzen als auch die Ausdehnung der Eismassen. Aufgrund der globalen Erwärmung wird gegenwärtig der weltweite Rückgang der Eisbedeckung beobachtet. In den vergangenen Kaltzeiten herrschte hingegen die weiträumige Ausbreitung der Eismassen vor. Dabei
hat das Eis formend auf die Erdoberfläche eingewirkt. Viele markante Landschaften, u.a. in Europa und Nordamerika, sind dadurch entstanden. Die Spuren, welche die Eismassen dort hinterlassen haben, treten auf unterschiedliche Art in Erscheinung. In den glazial geprägten Gebieten sind viele typische Formen bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Diese Gegebenheiten begünstigen sowohl die Erforschung der Gletscher als auch die Untersuchungen über den Einfluß von Gletscherbewegungen auf die Landschaft und das Relief.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den glazialen Erosions- und Akkumulationsformen und stellt eine Zusammenschau des glazialen Formenschatzes dar. Dabei wird ausschließlich auf Formen und Prozesse eingegangen die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Gletschereis stehen. Glazifluviale Formen und Prozesse werden nicht behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Bedeutung des Begriffs „glazial“
3 Gletscherbewegung und glaziale Erosionsprozesse
4 Glaziale Erosionsformen
4.1 Glaziale Talformen
4.2 Rundhöcker
4.3 Karformen
5 Glaziale Akkumulationsformen
5.1 Geschiebe
5.2 Toteishohlformen und Sölle
5.3 Drumlins
6 Glazialformen im Alpenraum
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über glaziale Erosions- und Akkumulationsformen zu geben und die geomorphologischen Prozesse zu erläutern, die durch die Einwirkung von Gletschereis auf die Erdoberfläche entstehen.
- Grundlegende Definition des Begriffs „glazial“ und dessen Abgrenzung.
- Analyse der physikalischen Prozesse der Gletscherbewegung und Gesteinsabtragung (Exaration, Detersion, Detraktion).
- Systematische Darstellung glazialer Erosionsformen wie Trogtäler, Rundhöcker und Kare.
- Erklärung glazialer Akkumulationsformen, einschließlich Geschiebe, Toteisbildungen und Drumlins.
- Anwendung des Modells der glazialen Serie am Beispiel des alpinen Raums.
Auszug aus dem Buch
4.2 Rundhöcker
Ein Rundhöcker ist eine Festgesteinsform. Sie entsteht durch die Einwirkung von Detersion und Detraktion an einer Erhebung des Felsuntergrundes. Der Fels besitzt einen flachen, stromlinienförmig gerundeten Luvhang und einen steilen, kantigen Leehang. Seine Form ist asymmetrisch. Abbildung 2 zeigt typische Rundhöcker in einer Landschaft. Anhand der Lage des Rundhöckers im Gelände kann die Fließrichtung des Gletschers nachvollzogen werden. Der Pfeil weist in die Richtung in die der Gletscher vorgerückt ist.
Rundhöcker entstehen meist in Gebieten verlangsamter Gletscherbewegung. Beispielregionen sind die Passhöhen des St. Gotthard in den Schweizer Alpen, Nord- und Mittelschweden sowie Finnland (Ahnert, 2003:360). Damit sich eine solche Strömungsform ausbildet muss der Gesteinsuntergrund der abschleifenden Wirkung des Gletschereises über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sein. Die Fließrichtung des Gletschers darf sich nicht ändern und die Temperatur des Eises muss sich nahe der Gefrierpunktgrenze befinden (Kuhle, 1991:28).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Gletschern als geomorphologische Akteure ein und grenzt das Thema auf rein glaziale Formen und Prozesse ein.
2 Die Bedeutung des Begriffs „glazial“: Hier wird der Terminus „glazial“ definiert und von rein klimatischen oder zeitlichen Bezeichnungen abgegrenzt.
3 Gletscherbewegung und glaziale Erosionsprozesse: Das Kapitel erläutert die physikalische Dynamik des Eises und die grundlegenden Mechanismen der Gesteinsabtragung.
4 Glaziale Erosionsformen: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung der durch Erosion entstandenen Geländeformen wie Täler, Felsrücken und Kare.
5 Glaziale Akkumulationsformen: Der Fokus liegt auf dem durch den Gletscher transportierten und abgelagerten Material sowie den daraus resultierenden Landschaftsformen.
6 Glazialformen im Alpenraum: Anwendung der theoretischen Modelle am praktischen Beispiel des alpinen Vorlandes und des Zungenbeckens des Inngletschers.
7 Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden abschließend resümiert und die Bedeutung der glazialen Serie hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Geomorphologie, Gletschereis, Glaziale Serie, Erosion, Akkumulation, Exaration, Trogtal, Rundhöcker, Kar, Geschiebe, Drumlin, Zungenbecken, Alpenraum, Toteis, Gesteinsmaterial.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der geomorphologischen Wirkung von Gletschern und untersucht, wie Eismassen durch Erosions- und Akkumulationsprozesse die Erdoberfläche formen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die physikalischen Grundlagen der Gletscherbewegung, die verschiedenen Formen der Abtragung sowie die resultierenden Ablagerungsstrukturen in ehemals vergletscherten Gebieten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist eine systematische Zusammenschau des glazialen Formenschatzes und die Einordnung der Formen in den Kontext der glazialen Serie.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Synthese wissenschaftlicher Modelle zur Glazialgeomorphologie.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Erosionsprozesse und -formen sowie die anschließende Betrachtung der Akkumulationsprozesse und -formen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Glaziale Erosion, Akkumulationsformen, Gletscherbewegung, Zungenbecken, Rundhöcker und die glaziale Serie.
Wie unterscheidet sich die glaziale von der fluvialen Erosion laut dieser Arbeit?
Im Gegensatz zur fluvialen Erosion, die primär auf den Talboden wirkt, erodiert der Gletscher großflächig sowohl den Talboden als auch die Talflanken.
Was beschreibt das Modell der glazialen Serie?
Es beschreibt die typische räumliche Anordnung von glazialen Ablagerungs- und Erosionsformen in einer Landschaft, wie sie von Penck und Brückner definiert wurde.
Warum sind Rundhöcker wichtige Indikatoren im Gelände?
Da Rundhöcker asymmetrisch geformt sind – mit einem flachen Luvhang und einem steilen Leehang – lassen sie Rückschlüsse auf die ehemalige Fließrichtung des Gletschers zu.
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- Bsc. Angewandte Geographie Benjamin Scholz (Autor), 2009, Glaziale Erosions- und Akkumulationsformen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193463