Im Rahmen des sich vollziehenden Wandels politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen stehen die Kommunen unter einem enormen Druck sich den neuen Ansprüchen an den Lebens- und Wirtschaftsraum Stadt anzupassen.
Von diesem Strukturwandel ist insbesondere der Einzelhandel betroffen. In der jüngeren Vergangenheit haben sich die Leerstände im Einzelhandel zunehmend verschärft und stellen inzwischen „in fast allen deutschen Städten ein nachhaltiges Problem dar.“ (Handelsverband BAG 2004, S. 1). Obwohl die Verkaufsfläche der Stadt im Allgemeinen steigt, sinkt sie in den innerstädtischen Bereichen. Einzelhandelsformen auf der „Grünen Wiese“ oder an nichtintegrierten Standorten bauen sich stetig zu einer größeren Konkurrenz aus, sodass nicht nur in 1b-Lagen und Stadtteilzentren verstärkt Leerstände registriert werden, sondern auch in den innerstädtischen 1a-Lagen. Daneben sind länger werdende Ladenleerstandszeilen zu verzeichnen (vgl. Handelsverband BAG 2004, S. 1).
Mit der Leerstandsproblematik der Innenstädte gehen sowohl Attraktivitäts- als auch Funktionsverluste einher. Darüber hinaus sind die innerstädtischen Bereiche durch den Prozess der Uniformisierung geprägt.
Vor diesem Hintergrund hat sich in zahlreichen Städten und Gemeinden das Geschäftsflächen- bzw. Leerstandsmanagement als ein wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings etabliert. Welche Bedeutung dem Leerstandmanagement zukommt und welche Möglichkeiten zur Bewältigung von Leerständen in den innerstädtischen Bereichen existieren, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.
Gliederung
1 Einleitung
2 Ursachen für Leerstände und Folgen für den Handelsstandort Innenstadt
3 Geschäftsflächen- oder Leerstandsmanagement
3.1 Gewerberaumbörsen
3.2 Zwischennutzungen
3.3 Strategische Allianzen
3.3.1 Shopping-Center-Konzept
3.3.2 Straßenpools
3.3.3 Business Improvement Districts
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen des Strukturwandels im Einzelhandel, der zu einer zunehmenden Leerstandsproblematik in innerstädtischen Bereichen führt. Ziel ist es, Strategien des Geschäftsflächen- bzw. Leerstandsmanagements als Teilbereich des Stadtmarketings zu identifizieren und deren Potenzial zur Revitalisierung und Attraktivitätssteigerung von Innenstädten zu bewerten.
- Ursachen des innerstädtischen Leerstands
- Methoden des Leerstandsmanagements
- Modelle zur Standortkooperation
- Instrumente zur aktiven Flächenvermarktung
- Revitalisierung von Geschäftsstraßen
Auszug aus dem Buch
3.3 Strategische Allianzen
Die ganzheitliche und abgestimmte Entwicklung der Innenstadt bzw. zusammenhängender innerstädtischer Areale wird „durch das Einzelinteresse der jeweiligen Haus- und Grundstückseigentümer erschwert oder gar unmöglich“ (BAATZ 2001, S. 32). Im Blickpunkt der Eigentümer steht die Maximierung der Mieteinnahmen, wodurch eine hohe Rendite der Immobilie erwirtschaftet werden soll. „Diese kurzfristige Cash-Out-Strategie führt mittel- bis langfristig zu einer Beschränkung auf wenige umsatzstarke und mietpotente Branchen und Mieter (v.a. Filialisten)“ (SALM 2000, S. 37). Die Ziele einer nachhaltigen Revitalisierung der Innenstädte mithilfe einer attraktiven Nutzungsvielfalt und -mischung können insofern nicht erfüllt werden.
Zur Revitalisierung der Innenstädte können Maßnahmen der öffentlichen Hand lediglich Anstoßeffekte geben. Demzufolge ist die Planung gefordert ein durchdachtes Kooperations- und Moderationsmanagement zu entwickeln, damit Unternehmer oder private Eigentümer die Initiative ergreifen. Zusammen mit den Eigentümern sind Modelle zu entwickeln, die das Einzelinteresse des Eigentümers berücksichtigen, aber trotzdem eine Optimierung des Standortes gewährleisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den durch Strukturwandel bedingten Druck auf die Innenstädte und definiert das Leerstandsmanagement als zentrales Instrument des Stadtmarketings.
2 Ursachen für Leerstände und Folgen für den Handelsstandort Innenstadt: Dieses Kapitel erläutert die komplexen Gründe für den Betriebsformenwandel und die Abwanderung des Einzelhandels auf die „Grüne Wiese“ sowie die daraus resultierenden negativen Folgen für die Innenstadt.
3 Geschäftsflächen- oder Leerstandsmanagement: Hier werden verschiedene Strategien wie Gewerberaumbörsen, Zwischennutzungen und strategische Allianzen vorgestellt, um Leerständen entgegenzuwirken.
3.1 Gewerberaumbörsen: Dieses Kapitel beschreibt Informationsplattformen als Instrument zur Zusammenführung von Immobilieneigentümern und potenziellen Nutzern.
3.2 Zwischennutzungen: Hier wird aufgezeigt, wie zeitlich begrenzte Nutzungen dazu beitragen können, den Attraktivitätsverlust leerstehender Immobilien abzumildern.
3.3 Strategische Allianzen: Dieses Kapitel thematisiert die Notwendigkeit von Kooperationsmodellen, um Einzelinteressen von Eigentümern mit den Zielen einer nachhaltigen Standortrevitalisierung zu harmonisieren.
3.3.1 Shopping-Center-Konzept: Hier wird erläutert, wie durch Mischkalkulationen und gezielten Branchenmix innerstädtische Bereiche an die Erfolgsfaktoren von Shopping-Centern angepasst werden können.
3.3.2 Straßenpools: Dieses Kapitel beschreibt die Zentralisierung von Eigentumsrechten oder Vermietungsmanagement zur ganzheitlichen Aufwertung von Straßenzügen.
3.3.3 Business Improvement Districts: Hier wird eine verbindliche Form der Immobilien- und Standortgemeinschaft vorgestellt, bei der Grundeigentümer zur Finanzierung von Aufwertungsmaßnahmen verpflichtet werden.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass aktives Stadtmarketing unerlässlich ist, um durch Kooperation mit privaten Akteuren eine zukunftsfähige und differenzierte Einzelhandelsstruktur zu sichern.
Schlüsselwörter
Stadtmarketing, Leerstandsmanagement, Einzelhandel, Strukturwandel, Innenstadt, Strategische Allianzen, Gewerberaumbörsen, Zwischennutzung, Standortaufwertung, Immobilienwirtschaft, Shopping-Center-Konzept, Straßenpools, Business Improvement Districts, Revitalisierung, Standortmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik zunehmender Leerstände im innerstädtischen Einzelhandel und untersucht, wie professionelles Leerstandsmanagement als Teil des Stadtmarketings zur Revitalisierung beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursachen des Einzelhandelswandels, den Modellen zur Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren sowie konkreten Instrumenten zur Flächenvermarktung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse der Möglichkeiten, durch ein zielgerichtetes Leerstandsmanagement die Attraktivität und Nutzungsvielfalt von Innenstädten trotz veränderter Standortanforderungen zu erhalten und zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene Managementmodelle und Strategien des Stadtmarketings im Kontext der Handelsgeographie zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse des Strukturwandels und eine detaillierte Vorstellung von Lösungsmodellen wie Gewerberaumbörsen, Zwischennutzungen und strategischen Allianzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Stadtmarketing, Leerstandsmanagement, Standortwettbewerb, Einzelhandelsentwicklung und verschiedene Kooperationsmodelle der Immobilienwirtschaft.
Was unterscheidet das Shopping-Center-Konzept von einer klassischen Vermietung?
Es zeichnet sich durch ein aktives Mietermanagement und Mischkalkulationen aus, bei denen umsatzstärkere Betriebe zur Ansiedlung attraktiver, aber umsatzschwächerer Branchen beitragen.
Warum ist das Konzept der Straßenpools so anspruchsvoll?
Es erfordert die Zusammenführung der Interessen vieler Immobilieneigentümer und teilweise die Abgabe von Eigentumsrechten an eine zentrale Managementgesellschaft, was in historisch gewachsenen Strukturen schwer umsetzbar ist.
Welche Rolle spielen Business Improvement Districts (BIDs)?
BIDs sind eine verbindliche Form der Zusammenarbeit, bei der alle Grundeigentümer gesetzlich verpflichtet sind, Abgaben für gemeinsame Aufwertungsmaßnahmen wie Sicherheit oder Infrastruktur zu leisten.
Welche Rolle spielen Zwischennutzungen für das Stadtbild?
Sie verhindern durch kreative, temporäre Nutzungen das negative Image verwaister Ladenzeilen und können den Attraktivitätsverlust eines Standortes aktiv stabilisieren.
- Citar trabajo
- Sylvia Lorenz (Autor), 2011, Geschäftsflächen- oder Leerstandsmanagement als Tätigkeitsbereich des Stadtmarketings, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194407