Nicht erst im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 ist die
Frage aufgeworfen worden, ob unser wirtschaftliches Handeln ausreichend
moralischen und ethischen Normen unterlegt ist. Es stellt sich die Frage, ob ein
wirtschaftliches Handeln, im Sinne des Homo oeconomicus, überhaupt mit
ethisch-moralischen Normen in Einklang zu bringen ist. So strebt der Mensch
zwar in seinem eigennützigen und rationellen Wesen, sein Verhalten nach einer
Kosten-Nutzen-Kalkulation aus, ist aber auch ein von Emotionen geleitetes und
zeitweise irrationales Wesen.1 Moralische und ethische Grundsätze, die das Zusammenleben von Menschen
in Gruppen oder Stämmen regelten, gab es schon vor der philosophischen Ära
in der griechischen Antike, die als Beginn der Philosophie und Ethik als
Disziplin betrachtet wird. In solchen Fällen spricht man von einer Sippen- oder
Stammesmoral, die die gemeinsamen Ziele eines Stammes, wie z. B. die
Verteidigung gegen Feinde oder Nahrungsmittelsuche, innerhalb eines sozialen
Gefüges zusammenhielt. Auch in der Religion finden sich unzählige Verhaltensrichtlinien, die auf Moral und Vernunft basieren. In den Büchern der Bibel, Tora oder dem Koran finden sich Regeln, die das Leben in sozialen oder
wirtschaftlichen Bereichen bestimmen.2 Ziel der Arbeit ist es, die eingehende Frage zu beantworten, ob Ethik und
Wirtschaft in Einklang zu bringen sind. Für das bessere Verständnis soll die
geschichtliche Entstehung und Entwicklung und ihr Einfluss auf die Wirtschaft
betrachtet werden. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei die Abgrenzung der
griechischen Ethik von der neuzeitlichen Ethik bilden. Welche wirtschaftlichen
Folgen diese im Zusammenhang mit der Zeit vor der Industrialisierung hatte
und wie sich ethisches und unethisches Verhalten in den Moralvorstellungen
von Wirtschaftsakteuren und Wirtschaftszweigen darlegen, ist der zentrale
Inhalt der Arbeit. 1 Vgl. Noll, B. (2010), S. 17. 2 Vgl. Noll, B. (2010), S. 91-94.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Historische Entwicklung
2.1 Sokratische Ethik
2.2 Ethik der Neuzeit
3 Ethik und Ökonomie
3.1 Ursprung und Entstehung
3.2 Das Gefangenendilemma
4 Ethisches Handeln der Wirtschaftsakteure
5 Unethisches Handeln der Wirtschaftsakteure
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegende Frage, ob wirtschaftliches Handeln mit ethisch-moralischen Normen in Einklang gebracht werden kann, und beleuchtet hierfür die historische Entwicklung ethischer Strömungen sowie deren Einfluss auf ökonomische Denkmodelle.
- Historische Entwicklung der Ethik von der Antike bis zur Neuzeit
- Wechselwirkung zwischen ökonomischen Systemen und ethischen Grundsätzen
- Analyse von Kooperations- und Konfliktszenarien mittels des Gefangenendilemmas
- Rolle internationaler Initiativen wie des Global Compact bei der Unternehmensethik
- Auswirkungen unethischen Handelns am Beispiel von Finanzkrisen und Bilanzskandalen
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Gefangenendilemma
Mit Blick auf den grundsätzlichen Nutzen der Ethik und das Streben nach ethischen Verhaltensweisen, soll an dieser Stelle anhand des Gefangenendilemmas die Handlungsweise von Wirtschaftsakteuren ergründet werden. Die Frage die sich stellt ist, warum Teilnehmer des Marktes, Anbieter oder Nachfrager eines Gutes, durch angewandte Tugenden sich nicht einen persönlichen Vorteil verschaffen. Die Theorie des Gefangenendilemmas stammt aus der sozialpsychologischen Konfliktforschung. Es untersucht in Experimenten „in der die Versuchung besteht, sich einen individuellen Vorteil durch Wettbewerb zu verschaffen, während gleichzeitig die Gefahr besteht, dass sich ungünstige Konsequenzen ergeben, wenn beide Konfliktparteien sich gleichermaßen für Wettbewerb entscheiden. Eine Wettbewerbswahl lohnt sich nur dann, wenn die Interaktionspartner kooperativ wählen.“28
Die Herausforderung besteht darin, alle Konfliktparteien in einer gemeinsamen Lösung davon zu überzeugen, dass individuelle Vorteile nur von kurzfristiger Dauer sind und der kollektive Vorteil langfristig die kostengünstigere Alternative ist. Eine Strategie, wie man sich in dem benannten Dilemmata verhalten kann, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen, ist die Tit-for-Tat-Strategie. Mit dieser Strategie wurden die besten Ergebnisse erzielt, indem man maximal zwischen den kooperativen und unkooperativen Partnern differenziert. Dies bedeutet, auf kooperative Partner kooperativ zu reagieren und auf einen unkooperativen Partner ebenfalls unkooperativ zu reagieren. Dies hat den Vorteil, dass man als Partner prinzipiell im ersten Zug immer kooperativ ist und nur reagiert, dies erscheint den anderen Partnern als „fair“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit ethischer Normen im wirtschaftlichen Handeln und definiert das Ziel der Arbeit, die Vereinbarkeit von Ethik und Ökonomie vor dem Hintergrund geschichtlicher Entwicklungen zu prüfen.
2 Historische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von der antiken sokratischen Ethik bis hin zur neuzeitlichen Philosophie nach und arbeitet die maßgeblichen Veränderungen im Menschenbild heraus.
3 Ethik und Ökonomie: Es wird die Entstehung der politischen Ökonomie und die Bedeutung des Gefangenendilemmas für das Spannungsfeld zwischen Individual- und Gemeinschaftsinteressen analysiert.
4 Ethisches Handeln der Wirtschaftsakteure: Hier werden aktuelle Ansätze der Unternehmensethik, insbesondere der Global Compact der Vereinten Nationen, und die Verantwortung der Konsumenten diskutiert.
5 Unethisches Handeln der Wirtschaftsakteure: Dieses Kapitel untersucht die negativen Folgen unethischen Verhaltens anhand prominenter Beispiele wie der Finanzkrise 2008 und des Enron-Skandals.
6 Fazit: Das Fazit fasst die untrennbare Verbindung von Wirtschaft und Ethik zusammen und betont die Rolle staatlicher Rahmenbedingungen zur Sicherung eines fairen Wettbewerbs.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Ethik, Ökonomie, Gefangenendilemma, Global Compact, Unternehmensethik, Kapitalismus, Aufklärung, Tugendethik, Rationalismus, Empirismus, Finanzkrise, Moral, Individualethik, soziale Verantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der fundamentalen Fragestellung, wie wirtschaftliches Handeln mit moralischen und ethischen Werten in Einklang gebracht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die historische Genese der Ethik, die theoretischen Grundlagen der Ökonomie, das Handeln von Wirtschaftsakteuren sowie die Folgen unethischen Verhaltens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und wie Ethik und Wirtschaft in einem modernen, globalisierten Umfeld erfolgreich integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die philosophische Konzepte (von Sokrates bis Kant) mit ökonomischen Theorien wie dem Gefangenendilemma verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die ökonomische Theoriebildung sowie die Analyse von ethischem und unethischem Verhalten in der modernen Praxis.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Wirtschaftsethik, soziale Marktwirtschaft, Global Compact, Eigeninteresse und Gemeinwohl.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Mensch und Markt bei Hobbes und Locke?
Während Hobbes den Menschen als egoistisches Wesen sieht, das eine staatliche Ordnung zur Kontrolle benötigt, betont Locke stärker die Eigenverantwortung und sieht die Geldwirtschaft als Faktor für egoistisches Verhalten.
Welche Strategie wird im Gefangenendilemma als besonders fair und effektiv hervorgehoben?
Die sogenannte Tit-for-Tat-Strategie wird als besonders erfolgreich beschrieben, da sie kooperatives Verhalten erwidert und auf unkooperatives Verhalten mit entsprechender Reaktion antwortet.
Welche Rolle spielt die Ethik im islamischen Bankwesen?
Es werden nur Geschäfte getätigt, die religiösen Werten entsprechen, wobei ein Zinsverbot gilt und Spekulationen oder Investitionen in Bereiche wie Glücksspiel oder Alkohol ausgeschlossen sind.
Warum wird das "Global Compact" der UN kritisiert?
Die Hauptkritik richtet sich gegen die fehlende Kontroll- und Sanktionsfunktion, was die Gefahr von "Greenwashing" birgt.
- Citation du texte
- Lokman Aktürk (Auteur), 2012, Wirtschaftsethik - Eine Einführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194428