“Although alliances have become a popular organizational form for accessing resources, they frequently fail to live up to expectations”.
Spätestens seit Mitte der 90er Jahre lässt sich ein verstärktes Zusammenwachsen der einzelnen Märkte beobachten. Die zunehmende Globalisierung wird maßgeblich durch die Entstehung großer regionaler Binnenmärkte in Europa, Nordamerika und im asiatischpazifischen Raum beeinflusst. Auch die Öffnung ehemals planwirtschaftlich kontrollierter Märkte in Osteuropa und China sowie der vorangetriebene weltweite Abbau von Handelshemmnissen sind weitere Faktoren. Die zunehmende Auflösung der Un-ternehmensgrenzen bringt gravierende Veränderungen des Wettbewerbsumfelds für die Automobilindustrie mit sich. Dieses impliziert für die Automobilhersteller, dass firmenübergreifendes Denken und Handeln immer wichtiger wird, um ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen bzw. zu erhalten. Als Folge dessen lassen sich industrieübergreifende Neustrukturierungen in der Automobilbranche beobachten. Es entstehen unternehmensübergreifende Vernetzungen von Wertschöpfungsprozessen durch Kooperationen. Dieses ermöglicht ihnen auf die Veränderung der politischen, technologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu reagieren. Trotz der wachsenden Popularität der Kooperationen, erfüllen viele Kooperationen nicht die in sie gesetzten Erwartungen. In der Praxis stehen diese nämlich hohen Misserfolgsraten gegenüber. So stellte eine Untersuchung bei 50 weltweittätigen Unternehmen fest, dass 60 bis 70 Prozent der strategischen Allianzen gescheitert sind. Des Weiteren führen die häufig zitierten Studien von Coopers & Lybrand und McKinsey an, dass 70 Prozent der untersuchten Joint Ventures den Erwartungen nicht entsprachen und somit aufgelöst wurden. Es lässt sich also festhalten, dass die Umsetzung von Kooperationen mit vielen Problemen und zum Teil mit dem zukünftigen Scheitern verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problematik
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise / Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kooperation
2.1.1 Vorlesungsbezug
2.1.2 Weitere Literatur
2.1.3 Strategische Ziele von Kooperationen
3 Analyse des Equity Joint Ventures Autolatina
3.1 Traditionelles Kooperationsmanagement in der Automobilindustrie
3.2 Kooperationsschwierigkeiten des Joint Ventures Autolatina
3.2.1 Vorfeldphase
3.2.2 Transaktionsphase
3.2.3 Integrationsphase
4 Lösungsansatz
4.1 Die 4 ableitenden Maßnahmen
4.2 Die Entwicklung des systematischen Kooperationsmanagements
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Ursachen für das Scheitern des Joint Ventures „Autolatina“ zwischen Ford und Volkswagen, um daraus ein systematisches Kooperationsmanagement abzuleiten, das langfristig erfolgreiche Unternehmenskooperationen ermöglicht.
- Analyse theoretischer Grundlagen von Kooperationen im Kontext von Individualismus und Kollektivismus.
- Untersuchung des traditionellen Kooperationsmanagements in der Automobilindustrie.
- Identifikation der Fehlerquellen im Joint Venture Autolatina in den Phasen Vorfeld, Transaktion und Integration.
- Entwicklung eines systematischen Modells zur Steigerung der Kooperationseffizienz.
- Erarbeitung von vier konkreten Maßnahmen zur Vermeidung von Mehrwert vernichtenden Kooperationen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Vorfeldphase
In der Vorfeldphase haben die beiden Kooperationspartner zunächst die Rationalität der Kooperation untersucht. Dabei haben sie die Rationalität bis in alle Details durchleuchtet. Der Zusammenschluss schien ihnen rational, vor allem in Folge der entstehenden Einkauf-, Fertigungs-, und Vertriebssynergien. Zusätzlich sahen diese eine Komplementarität der eigenen Unternehmensziele und Unternehmenskulturen. Bei der Feststellung des Umfanges der Kooperation haben sich die Automobilhersteller auf ein konkretes Produktionswerk in Lateinamerika geeinigt. Dabei bestand die Absicht, je nach Entwicklungsprozess der Kooperation, sich über eine weitergehende Zusammenarbeit zu entscheiden. Des Weiteren wurde eine eigenständige Organisationsstruktur entworfen, um das Streitthema der Integration des Joint Ventures zu entgehen. Beide Unternehmen besaßen bereits im Zielland Konzerngesellschaften, die jedoch zu klein waren, um das geplante Joint Venture zu integrieren.
Die erste Bewertung der Kooperation ergab bei beiden europäischen Automobilherstellern zahlreiche Synergieeffekte. Einkaufssynergie sahen diese in den verhandelbaren Größenvorteilen bei Lieferanten, sowie bei dem Anlocken von Standardlieferanten aus Europa in das neue Zielland. Fertigungssynergien könnten hingegen in dem geringen Investitionsvolumen und der gemeinschaftlichen Nutzung vom Presswerk, Teilen der Endmontage und Lackiererei bestehen. Beim Vertriebsbereich sollte ein Aufbau eines Flächenbetriebes erfolgen, da beide Unternehmen bislang nur in Großstädten des lateinamerikanischen Landes aktiv waren. Somit sollte das Vertriebsnetz ausgeweitet werden. Jedoch sollten die markenspezifischen Vertriebsnetze bestehen bleiben. Deshalb wolle man sich im Bereich des Großhandels und des Vertriebsinnendienstes Vertriebssynergien suchen. Anschließend wurde in dieser Vorfeldphase ein „memorandum of understanding“ von beiden Partnern unterzeichnet, der die Übereinkunft über weitere Verhandlungen darstellt. Bei der Betrachtung der Vorfeldphase lassen sich keine gravierenden Fehler bei den Verhandlungen feststellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Globalisierung und den damit verbundenen Druck auf Automobilhersteller, durch Kooperationen wettbewerbsfähig zu bleiben, wobei die hohe Misserfolgsquote solcher Allianzen als Ausgangspunkt für die Analyse dient.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Kooperation als risikobehaftetes Phänomen, das eine Brücke zwischen Individualismus und Kollektivismus schlägt, und analysiert die strategischen Ziele sowie die Abgrenzung von Unternehmensverbindungen.
3 Analyse des Equity Joint Ventures Autolatina: Hier wird der Prozess des traditionellen Kooperationsmanagements anhand des gescheiterten Joint Ventures Autolatina detailliert nach den Phasen Vorfeld, Transaktion und Integration aufgearbeitet.
4 Lösungsansatz: Basierend auf der Analyse werden vier Maßnahmen abgeleitet, die ein systematisches Kooperationsmanagement definieren und die Grundlage für den maximalen Nutzen einer Kooperation bilden.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Notwendigkeit eines systematischen Managementansatzes zusammen und identifiziert bestehende Forschungsdefizite in der Wirtschaftspraxis.
Schlüsselwörter
Kooperation, Joint Venture, Autolatina, Automobilindustrie, Synergieeffekte, Kooperationsmanagement, Markteintrittsbarrieren, Komplementarität, Individualismus, Kollektivismus, Wissensaustausch, Unternehmensführung, Strategische Allianz, Wertschöpfungskette, Wirtschaftspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Schwierigkeiten bei strategischen Unternehmenskooperationen, insbesondere im Kontext der Automobilindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Kooperationen, das Management von Joint Ventures sowie die Analyse von Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse des Scheiterns des Joint Ventures „Autolatina“ zwischen Ford und Volkswagen, um daraus ein erfolgreicheres, systematisches Kooperationsmodell abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung auf Basis von Literatur und Vorlesungsinhalten sowie eine Fallstudienanalyse des Projekts Autolatina.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die spezifische Fallanalyse des Joint Ventures in seinen drei Phasen sowie die Entwicklung eines neuen Lösungsansatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kooperation, Autolatina, Synergieeffekte, Komplementarität und systematisches Kooperationsmanagement.
Warum ist das Joint Venture Autolatina gescheitert?
Das Scheitern war primär auf fehlende Komplementarität der Partner, mangelnden Einbezug des Topmanagements bei den Vertragsverhandlungen und das Versäumnis, eine gemeinsame Lernkultur zu etablieren, zurückzuführen.
Was unterscheidet das „systematische Kooperationsmanagement“ vom „traditionellen“ Ansatz?
Der systematische Ansatz fordert eine frühzeitige Überprüfung der Komplementarität und der Unternehmenskulturen sowie den frühzeitigen Einbezug des Topmanagements, um Misstrauen abzubauen.
- Quote paper
- Alex Reimer (Author), 2012, Kooperationsschwierigkeiten - Analyse von Problemen bei Kooperationen anhand des Joint Ventures "Autolatina", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194701