Schulische Sozialisation und die Rolle des Lehrplans


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,7

Ines Noller (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Schule als Institution

2 Die Doppelverpflichtung des Staats gegenüber der Gesellschaft und der Wirtschaft und die Selektionsfunktion von Schule

3 Der Lehrplan
3.1 Die Geschichte des Lehrplans und seiner Theorie
3.2 Die Funktionen des Lehrplans
3.3 Der geheime Lehrplan

4 Abschließender Gedanke

5 Literaturverzeichnis

1 Schule als Institution

Vor über einhundert Jahren wurde die allgemeine Schulpflicht in Deutschland eingeführt. Dies bedeutet dass alle Kinder ab sechs Jahren der gesetzlichen Besuchspflicht unterliegen und so den Großteil ihrer Zeit in dieser institutionellen Bildungs- und Erziehungseinrichtung verbringen.[1] Ziel dieser Institution ist es neben der Vermittlung von Bildung und der Erziehung der Kinder auch, „in geplanter und organisierter Weise Sozialisation zu betreiben“[2]. Der staatlichen Finanzierung ist es zu verdanken, dass die Schule in den meisten Gesellschaften „zur größten öffentlichen Institution“[3] gewachsen ist. Die öffentliche Bildungseinrichtung Schule zeichnet sich durch eine klar strukturierte Organisation aus. Es gibt vorgeschriebene Lehrpläne für jede Schulform und Klassenstufe, ausgearbeitete Lernziele und Lernmethoden nach denen die Schüler unterrichtet werden. Die Vermittlung der Lerninhalte liegt in den Händen speziell ausgebildeter Pädagogen, den Lehrern und Lehrerinnen, die in „geplanter, systematischer und kontinuierlicher Weise Unterricht erteilen“[4]. Die Institution Schule lässt sich in drei Organisationsbereiche gliedern: in die Lernorganisation, in ein Netz organisierter Verfahrensregeln und in die Makroorganisation des Schulsystems.[5] Bei der Lernorganisation wird bestimmt welche Klassen von welchen Lehrern unterrichtet werden sollen und welche Lerninhalte zu erarbeiten sind. Hierfür werden Stundenpläne und Lehrpläne erstellt. Die Verwaltungsorganisation der Schule ist ein Netz organisierter Verfahrensregeln, hier werden die Hierarchien festgelegt. All dies ist in die Makroorganisation des Schulsystems eingegliedert, was die verschiedenen Schulformen und Bildungsgänge beinhaltet.

2 Die Doppelverpflichtung des Staats gegenüber der Gesellschaft und der Wirtschaft und die Selektionsfunktion von Schule

Da dem Staat die Aufgabe der Bildung und Erziehung der Jugend zukommt, ist er der Gesellschaft gegenüber verpflichtet. Die Schule soll die junge Generation mit Wissen und Bildung ausstatten und sie gleichzeitig sozial erziehen. Denn um sich in der Gesellschaft bewegen zu können ist die Aneignung bestimmter Verhaltensweisen, Kommunikationsmuster und Ansichten wichtig. Das Sozialisationsziel der Schule ist es also, gesellschaftsfähige Persönlichkeiten auszubilden. Dafür notwendig sind sowohl eine kognitive und eine soziale Dimension des Unterrichts. Auf der intellektuellen Ebene wird den Schülern „die Verarbeitung von Informationen, Wahrnehmungen, Fertigkeiten und Wissen“[6] beigebracht. Je nach Schulform und Jahrgangsstufe unterscheiden sich der zu vermittelnde Schulstoff, die vorgegebene Menge an Lerninhalte und die Leitungsanforderungen. Der schulische Erfolg der Kinder wird als Grundvoraussetzung ihrer späteren beruflichen Karriere gesehen, der „die Sicherung des sozialen Status der Familie“[7] bedeutet. Auf der sozialen Dimension steht die „Verinnerlichung von allgemeingültigen gesellschaftlichen Werten und Normen und die leistungsbezogenen gesellschaftlichen Standards“[8]. Die Schule soll den Kindern einen anregenden Erfahrungsraum bieten, in denen sie Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit lernen. Außerdem spielt das Erlernen gesellschaftlicher Umgangsformen eine wichtige Rolle.

„Beim gesellschaftlichen Nachwuchs soll die Bereitschaft und Fähigkeit zur erfolgreichen Erfüllung der späteren Erwachsenenrolle früh verinnerlicht werden“[9]. Ziel nach Beenden der Schullaufbahn ist es, Fähigkeiten erworben zu haben, die es den Schülern ermöglichen in das Berufsleben überzutreten. Dieser Schritt in die Berufstätigkeit der nachfolgenden Generation ist für den Erhalt der Gesellschaft notwendig.[10] In dieser Hinsicht ist das Ausbildungssystem auch in wirtschaftlicher Hinsicht von Bedeutung. Da der „Saat als Gesamtvertreter der Kapitalinteressen“[11] eintritt, hat er nicht nur Verantwortung der Gesellschaft gegenüber zu tragen, sondern auch wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Da die Kosten des Schulbesuchs staatlich finanziert sind und somit über die Steuergelder getragen werden, sind die kapitalistischen Unternehmer indirekte Geldgeber. Dies zwingt den Staat zur Beschränkung der Bildungskosten[12]. „Das Kapital hat ein Interesse daran nur die unabdingbar notwendige Bildung und Ausbildung zuzulassen“[13], welche auf zwei Arten zu erfolgen hat. Einerseits hat das Bildungssystem eine Qualifizierungsfunktion, die sicher stellt, dass gewisse Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten von den Schülern erworben werden. Diese werden als Arbeitsvermögen bezeichnet und geben der „Arbeitskraft einen Gebrauchswert“[14]. Zusätzlich müssen die Schüler die Umgangsformen des kapitalistischen Wirtschaftssystems verinnerlichen. Hier hat das Bildungssystem eine Legitimationsfunktion inne, die so „das politische System und die Produktionsverhältnisse durch Massenloyalität“[15] absichert. Diese Loyalität zielt besonders auf die Unterordnung am Arbeitsplatz und auf Verhaltenskonformität ab. Wichtige Charaktereigenschaften hierfür sind zum Beispiel Fleiß, Ausdauer und abstrakte Leistungsbereitschaft[16]. Schnell wird ersichtlich, dass Qualifikations- und Legitimationsfunktion einander widersprüchlich sind. Der Staat hat diese beiden Aufgaben jedoch mit Hilfe des Bildungssystems miteinander zu vereinbaren.

Der staatlichen Institution Schule wird jedoch noch eine weitere Funktion zu teil, die Auslese- oder Selektionsfunktion. Das deutsche Schulsystem sieht nach der Grundschule die Aufteilung der Schüler auf drei Schultypen vor, in Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Offiziell dient diese Einteilung der Schüler auf die verschiedenen Schulformen, der bestmöglichen Förderung ihrer jeweiligen Fähigkeiten. Diese Einteilung erfolgt anhand subjektiver Leistungsbewertungen durch die Grundschullehrer und –Lehrerinnen. Während einerseits also das Wohl der Schüler ein Grund dafür ist, so verlangt auch der Kapitalismus die eine möglichst kostengünstige Ausbildung von „Arbeitsvermögen für die unterschiedlichen Anforderungsstufen der kapitalistischen Produktion“[17]. Der Wirtschaftssektor fordert die Ausbildung niedrig Qualifizierter für einfache Arbeitsvorgänge und benötigt gleichzeitig nur eine geringere Anzahl hoch qualifizierter Arbeitskräfte. Durch Selektion kann die Schule nun gewährleisten, dass „die Arbeitskräfte entsprechend dem eingeschränkten Qualifikationsbedarf auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“[18]. Die Mehrheit der Schüler muss deshalb auch das niedrige, beziehungsweise mittlere Qualifikationsniveau der Haupt- und Realschulen festgelegt werden.

[...]


[1] Klaus Hurrelmann, Einführung in die Kindheitsforschung, S. 129

[2] Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien, S. 109

[3] Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien, S. 111

[4] Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien, S. 112

[5] Ebd.

[6] Sabine Andresen, Kindheit, S. 107

[7] Klaus Hurrelmann, Einführung in die Kindheitsforschung, S. 130

[8] Sabine Andresen, Kindheit, S. 109

[9] Sabine Andresen, Kindheit, S. 106

[10] Sabine Andresen, Kindheit, S. 106

[11] Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien, S. 170

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien, S. 171

[17] Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien, S. 171

[18] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Schulische Sozialisation und die Rolle des Lehrplans
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V195136
ISBN (eBook)
9783656208303
ISBN (Buch)
9783656208709
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schulische, sozialisation, rolle, lehrplans
Arbeit zitieren
Ines Noller (Autor), 2011, Schulische Sozialisation und die Rolle des Lehrplans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195136

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