1. Einleitung
Die Erweiterung der Europäischen Union ist stets ein aktuelles Thema. Prinzipiell ist es für jeden europäischen Staat nach Art. 49 des Vertrages über die Europäische Union möglich Mitglied der EU werden. Viele Nichtmitgliedsstaaten streben den Beitritt an, darunter auch Kroatien, das sich jahrelang bemüht hat, die Bedingungen für einen Beitritt zu erfüllen . Nun soll Kroatien ab dem 1. Juli. 2013 ein Mitgliedsstaat der EU mit all seinen Rechten und Pflichten werden . Auch das Nachbarland Bosnien-Herzegowina strebt die Mitgliedschaft an und wird momentan als potenzieller Beitrittskandidat gehandelt . Jedoch müssen vorher politische, wirtschaftliche und das „Acquis“-Kriterium erfüllt werden, die als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft gelten . Dabei belegte der Staat 2010 noch den 60. Platz auf dem „Failed States Index“, eine Liste von Staaten, die vom Staatszerfall bedroht sind . Aufgrund dessen soll in dieser Arbeit untersucht werden, welche Situation in Bosnien-Herzegowina vorherrscht in Bezug auf die zentrale Frage, ob Bildung ein Weg zum Frieden ist. Dabei soll eine Studie über friedensbauende Bildungsmaßnahmen vorgestellt werden und Schlussfolgerungen getroffen werden, inwieweit Bildung eine Konfliktsituation entschärfen kann. Allerdings ist die Forschungslage zu diesem Thema relativ dünn, vor allem in Bezug auf das Konfliktland Bosnien-Herzegowina, das als Beispielland dienen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundbegriffe
2.1 Fragile Staatlichkeit
2.2 Konflikt
3. Friedensbauende Bildungsmaßnahmen – Forschungsprojekt
3.1 Gegenstand des Forschungsprojekts
3.2 Forschungsergebnisse
4. Situationsbeschreibung von Bosnien-Herzegowina
4.1 Geschichtliches von Bosnien-Herzegowina
4.2 Die politische Situation in Bosnien-Herzegowina
4.3 Bildung in Bosnien-Herzegowina
5. Friedensbauende Bildungsprojekte – speziell Bosnien-Herzegowina
5.1 Projektbeschreibung
5.2 Ergebnisvorstellung
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit Bildung als Instrument zur Friedensförderung in Post-Konflikt-Gesellschaften dienen kann, wobei das Beispiel Bosnien-Herzegowina im Fokus steht.
- Analyse der Begriffe "fragile Staatlichkeit" und "Konflikt" als theoretisches Fundament.
- Evaluation internationaler Friedensbildungsprojekte und deren Wirksamkeit.
- Aufarbeitung der komplexen historischen und politischen Genese von Bosnien-Herzegowina.
- Untersuchung des fragmentierten Bildungssystems in Bosnien-Herzegowina als Spiegel gesellschaftlicher Spaltung.
- Empirische Einordnung von Ergebnissen aus Friedensprojekten vor Ort.
Auszug aus dem Buch
2.1 Fragile Staatlichkeit
Eine allgemein anerkannte Definition für fragile Staatlichkeit gibt es derzeit nicht. Deshalb versucht man fragile Staaten durch ihre Defizite zu beschreiben. Das heißt, als fragiler Staat gilt einer, der unfähig oder nicht gewillt ist für Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, soziale Grundversorgung und Legitimität zu sorgen und zu garantieren. Gewalt, Armut und politische Willkür stehen auf der Tagesordnung.
Welcher Staat letztlich als fragiler Staat gilt, ist ebenso wie die Definition der fragilen Staatlichkeit nicht einheitlich und von der bewertenden Einheit und deren festgelegten Indikatoren abhängig. Daher darf man Fragilität im Bezug auf Staaten nie als Fixum betrachten, da Politik und Staatengefüge sich stets im Wandel befinden und auch von äußeren Einflüssen geprägt sind. In erster Instanz wird eine Einstufung durch das Country Policy and Institutional Assessment (CPIA) für die Weltbank-Krediten durchgeführt. Entscheidend sind hier die Wirtschafts-, Struktur- und Sozialpolitik, außerdem das Management des öffentlichen Sektors und der Institutionen. Die Schuldner werden für alle Kriterien auf einer Skala von sehr gut bis sehr schlecht bewertet und dementsprechend eingestuft.
Die Fragilität eines Staates „auszuzeichnen“ ist aber nicht genug, vergleichbar mit einer Diagnose ohne Therapie. Grundsätzlich bestehen die Möglichkeiten sich von diesem Staat abzugrenzen oder Maßnahmen zu ergreifen, wobei ersteres in der Regel nicht sinnvoll erscheint, da fragile Staaten kaum Reserven haben um sich selbstständig zu stabilisieren. Folglich ist es notwendig Entwicklungshilfe zu leisten, auch vor dem Hintergrund, der von den Vereinten Nationen gesetzten Milleniumsentwicklungsziele.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik fragiler Staaten ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob Bildung einen Beitrag zur Friedenssicherung leisten kann.
2. Grundbegriffe: Dieses Kapitel definiert die zentralen wissenschaftlichen Konzepte der fragilen Staatlichkeit sowie des Konfliktbegriffs als theoretische Grundlage für die Untersuchung.
3. Friedensbauende Bildungsmaßnahmen – Forschungsprojekt: Hier wird der Rahmen eines Evaluationsprojekts der Universität Heidelberg vorgestellt, das die Wirkung von Friedensbildung in verschiedenen Ländern misst.
4. Situationsbeschreibung von Bosnien-Herzegowina: Dieser Teil beleuchtet die historische Entwicklung, die politische Struktur des Dayton-Abkommens und das segregierte Schulwesen in Bosnien-Herzegowina.
5. Friedensbauende Bildungsprojekte – speziell Bosnien-Herzegowina: Dieses Kapitel stellt spezifische Projekte in Bosnien-Herzegowina vor und bewertet die vorliegenden Daten zu deren Erfolg im Kontext der ethnischen Spaltung.
6. Ausblick: Der abschließende Teil fasst zusammen, dass Bildung ein wesentlicher Baustein für den langfristigen Frieden ist, jedoch nur eingebettet in breitere gesellschaftliche Veränderungsprozesse wirken kann.
Schlüsselwörter
Friedensbildung, Bosnien-Herzegowina, fragile Staatlichkeit, Konflikttransformation, Dayton-Abkommen, Bildungsreform, ethnische Spaltung, Evaluationsforschung, politische Stabilität, Friedenspädagogik, Zivilgesellschaft, Identitätsbildung, soziale Kohäsion, Demokratisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Aspekte von Bildungsprogrammen in fragilen Staaten, mit einem besonderen Fokus auf die post-konfliktäre Situation in Bosnien-Herzegowina.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft Konzepte der Konfliktforschung und Staatlichkeit mit pädagogischen Ansätzen der Friedensförderung sowie der politischen Analyse eines konkreten Länderbeispiels.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, auf Basis empirischer Daten und theoretischer Analysen zu beantworten, ob und wie Bildungsprozesse zur Entschärfung von Konflikten und zur Friedensbildung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methodik wird für die Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zu theoretischen Grundlagen sowie eine sekundäre Auswertung von Evaluationsdaten eines Forschungsprojekts der Universität Heidelberg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe, eine historische und politische Bestandsaufnahme von Bosnien-Herzegowina sowie eine spezifische Evaluation durchgeführter Bildungsprojekte vor Ort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Friedensbildung, Bosnien-Herzegowina, fragile Staatlichkeit, Konflikttransformation und das Dayton-Abkommen.
Warum ist das Bildungssystem in Bosnien-Herzegowina laut der Arbeit problematisch?
Das System ist durch ethnische Spaltungen und eine Fragmentierung geprägt, die nationale Identitäten eher stabilisiert als eine gemeinsame Identität fördert.
Wie bewertet die Arbeit den Erfolg der untersuchten Friedensprojekte?
Der Erfolg wird insgesamt als positiv, aber durch mangelnde Datenlage und die komplexe politische Ausgangslage in Bosnien-Herzegowina als limitiert und schwer messbar eingestuft.
- Citar trabajo
- Daniel Beyerlein (Autor), 2012, Bildung - Der Weg zum Frieden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195267