Spätestens seit der Bildungskommission im Jahr 1970 wird in der deutschen Bildungs- und Schulpolitik von Integration und integrativen Schulen gesprochen. In den KMK-Empfehlungen aus dem Jahre 1994 wurde zum ersten Mal niedergeschrieben, dass die Erfüllung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eines Kindes im Elementarbereich oder in der Grundschule nicht an Sonderschulen gebunden ist. Alternativ stehen den Kindern Besuche allgemeiner Schulen oder Berufsschulen offen. Auf den Elementarbereich spezialisiert ist im Sozialgesetzbuch (SGB VIII) niedergeschrieben, dass Kindern mit Behinderung „im Rahmen des Bundessozialhilfegesetzes und des Sozialgesetzbuches Band VIII heilpädagogische Fördermaßnahmen gewährt werden“ (Dörr & Günther), wobei auch geistig oder körperlich retardierte Kinder in Kindertagesstätten betreut werden.
Da integrative Schulklassen und Kindergartengruppen vermehrt entwickelt und aufgebaut werden, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, welche Auswirkungen der Unterricht in integrativen Klassen auf das Kind nach sich zieht. In diesem Zusammenhang wird von den Auswirkungen sowohl auf das Kind mit Behinderung gesprochen als auch auf das Kind ohne Behinderung. Um diese Fragestellung beantworten zu können, werden in der vorliegenden Arbeit zunächst Begrifflichkeiten zum besseren Verständnis der Arbeit erläutert. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit Einblicken in die praktische Umsetzung des integrativen Unterrichts, den Wirkungen des Unterrichts in heterogenen Gruppen auf verschiedene Förderbereiche der Kinder sowie der allgemeinen Problematik des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderung. Um die Arbeit abzuschließen, erfolgen ein Fazit der gesamten Hausarbeit sowie ein Ausblick über weitere Entwicklungen des integrativen Unterrichts.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffsdefinitionen
1.1.1 Behinderung
1.1.2 Integrative Klassen
1.1.3 Heterogene Lerngruppen
2. Hauptteil
2.1 Praktische Umsetzung integrativen Unterrichts
2.1.1 Rolle des Pädagogen
2.1.2 Elternarbeit
2.1.3 Leistungsbeurteilung
2.2 Wirkung des integrativen Lernens auf das Kind
2.2.1 Verschiedene Förderbereiche aller Kinder
2.2.1.1 Sozialer Bereich
2.2.1.2 Emotionaler Bereich
2.2.1.3 Kognitiver Bereich
2.2.2 Problematik des integrativen Unterrichts
2.2.2.1 Schülerzahl
2.2.2.2 Lehrplan
3. Schluss
3.1 Resümee
3.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen des integrativen Unterrichts auf die Entwicklung von Kindern mit und ohne Behinderung in deutschen Grundschulklassen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie heterogene Lerngruppen gestaltet werden können, um sowohl soziale als auch kognitive Lernziele effektiv zu erreichen.
- Praktische Gestaltung des integrativen Unterrichts und das Zweipädagogenprinzip
- Soziale Auswirkungen des gemeinsamen Lernens und Gewaltprophylaxe
- Emotionale Entwicklung und Selbstwertgefühl in heterogenen Klassen
- Einfluss auf die Schulleistungen und Leistungsbeurteilung
- Herausforderungen wie Schülerzahl und Lehrplanflexibilität
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Sozialer Bereich
So kann das „Anderssein“ der Schüler dazu anregen, diese Individualität jedes einzelnen Kindes anzunehmen und jene als Teil unserer Gesellschaft zu respektieren (vgl. Eberwein, 1988). Die Kinder können von- und miteinander lernen. So können behinderte wie auch nicht-behinderte Schüler als Modellfunktion für die anderen fungieren (vgl. Eberwein, 1988). Durch die verminderte Schüleranzahl in einer Klasse verläuft der Kontakt untereinander meist intensiver als in einer Regelschule. Durch diese Intensität untereinander wird der Klassenzusammenhalt gestärkt (vgl. http://www.gemeinsam-leben-lernen.de/ index.php?link=integration/ integration). Durch den offenen Unterricht, der den Kindern nahelegen soll, ihre Meinung zu vertreten und zu äußern, lernen die Kinder Konflikte besser zu bewältigen und demokratisch zu lösen. (vgl. Rutte & Vukan, 1993) Mit dem Wissen um verbale Problemlösungsstrategien vermindert die soziale Integration in heterogenen Klassen das Gewaltverhalten der Kinder (vgl. http://www. bildungsserver.de/innovationsportal/bildungplus.html?artid=409.). So bietet die Integration nicht nur wesentliche Beiträge zum allgemeinen Sozialverhalten der Kinder, sondern dient gleichzeitig noch als Gewaltprophylaxe (vgl. http://www. bildungsserver.de/innovationsportal/bildungplus.html?artid=409.).
Preuss-Laussitz führte 1983-1986 soziometrische Befragungen zu den Aus wirkungen des integrativen Lernens auf den sozialen Bereich an einer Grundschule durch. Es wurden insbesondere die informellen Sozialbeziehungen der Kinder untereinander sowie ihr soziales Freizeitverhalten untersucht (vgl. Eberwein, 1988). Die Studie bewies, dass die „Statuspositionen der Behinderten im Laufe bzw. gegen Ende der Untersuchungen“ (Eberwein, 1988, S.277) anstiegen. Des Weiteren fand Preuss-Laussitz heraus, dass sich Kinder aus integrativen Klassen in ihrer Freizeit regelmäßiger besuchen als Kinder in Regelschulen (vgl. Eberwein, 1988).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieser Abschnitt führt in die historische Entwicklung der Integration in Deutschland ein und definiert die zentralen Begriffe sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Hauptteil: Hier werden die praktische Umsetzung, die Rolle der Lehrkräfte, die Elternarbeit sowie die Auswirkungen auf die verschiedenen Förderbereiche der Kinder detailliert analysiert.
3. Schluss: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Chancen und Herausforderungen des integrativen Lernens zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Integration, Inklusion, integrative Klassen, heterogene Lerngruppen, sonderpädagogischer Förderbedarf, Grundschule, Zweipädagogenprinzip, Sozialverhalten, Schulleistungen, Leistungsbeurteilung, Lehrplan, soziale Kompetenz, Behinderung, Lernentwicklung, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen des integrativen Unterrichts in deutschen Grundschulklassen auf die Lernentwicklung von Kindern mit und ohne Behinderung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die praktische Unterrichtsgestaltung, die Rolle der pädagogischen Fachkräfte, die Einbindung der Eltern sowie die sozialen, emotionalen und kognitiven Entwicklungen der Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, welche Auswirkungen der gemeinsame Unterricht in heterogenen Klassen auf das Kind hat und wie die Umsetzung in der Praxis gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und wertet pädagogische Konzepte sowie Studien zur Wirksamkeit der Integration aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die praktische Umsetzung, das Zweipädagogenprinzip, die Rolle des Lehrers, die Leistungsbeurteilung, die Förderung in sozialen, emotionalen und kognitiven Bereichen sowie allgemeine Probleme wie Schülerzahl und Lehrplangestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Integration, integrative Klassen, heterogene Lerngruppen, Leistungsbeurteilung, Schulleistungen und sonderpädagogischer Förderbedarf.
Wie unterscheidet sich die Leistungsbeurteilung in Integrativklassen von Regelschulen?
In Integrativklassen wird auf herkömmliche Noten zugunsten lernzielorientierter Entwicklungsbögen verzichtet, um den individuellen Lernrhythmus des Kindes zu berücksichtigen.
Warum ist das Zweipädagogenprinzip für den Unterricht wichtig?
Es ermöglicht eine individuelle Betreuung, entlastet die Lehrkräfte und sorgt für eine fachgerechte sonderpädagogische Unterstützung im gemeinsamen Unterricht.
Welche Rolle spielt die Elternarbeit in diesem Kontext?
Da die Integration ein komplexer Prozess ist, ist ein intensiver Informationsaustausch essenziell, um Unsicherheiten abzubauen und die Eltern als Partner in den pädagogischen Prozess einzubinden.
Was ist die größte Gefahr für den Erfolg der Integration laut der Arbeit?
Der Wechsel von einer integrativen Schule zurück in eine Sonderschule gilt als größter Misserfolg, oft bedingt durch mangelnde Planung oder Kooperationsprobleme zwischen den Akteuren.
- Citation du texte
- Karin Haas (Auteur), 2012, Lernen in integrativen Klassen. Auswirkungen auf verschiedene Förderbereiche der Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195673